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Bluttransfusion - Neues Licht?

vor 15 Stunden
10 Min. Lesezeit






Ich denke, mittlerweile hat jeder von uns von dem neuen Update der leitenden Körperschaft gehört. Ich war in letzter Zeit mit anderen Themen sehr beschäftigt und bin deshalb noch nicht dazu gekommen, einen Kommentar dazu abzugeben. In den sozialen Medien wurde bereits ausführlich darüber diskutiert. Mich persönlich überrascht diese „Anpassung“ allerdings nicht. Wie viele von uns hatte ich schon länger damit gerechnet, dass sie kommen würde - für mich war sie letztlich unvermeidlich.

LINK UM VIDEO:


Letztendlich wird sie Auswirkungen auf viele Mitglieder der Gemeinschaft haben. Besonders für diejenigen, die bereits mit einem Fuß vor der Tür stehen, könnte der letzte Schritt bald folgen. Die Wut und Enttäuschung unter den einfachen Mitgliedern, besonders bei denen, die dadurch geliebte Menschen verloren haben, werden sie vermutlich noch lange beschäftigen.

Diese Anpassung ist nicht nur eine unbedeutende lehrmäßige Änderung. Frage irgendeinen Zeugen Jehovas - er wird dir sagen, dass die Ablehnung von Bluttransfusionen für ihn ebenso wie die Verweigerung des Kriegsdienstes, ein Beweis dafür war, in der Wahrheit zu sein.

Am Freitag, dem 18. September 2026, gab die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas also bekannt, dass nun jeder Zeuge selbst entscheiden kann, ob er die vier Hauptbestandteile des Blutes - rote und weiße Blutkörperchen, Plasma oder Blutplättchen - im Zusammenhang mit einer Bluttransfusion annimmt oder spendet. Es geht also heute nicht um einen aktuellen Bericht.

Hier die Mitteilung der Presse.

Zeugen Jehovas: Jeder Zeuge entscheidet nun selbst, ob er Hauptbestandteile von Blut annimmt oder spendet.
WARWICK, N.Y. (18. September 2026) – Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas gab am Freitag bekannt, dass die Entscheidung, rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen, Plasma oder Blutplättchen aus dem Blut einer anderen Person anzunehmen, eine Gewissensentscheidung ist. Ebenso muss jeder Zeuge selbst entscheiden, ob er Blut zu dem ausdrücklichen Zweck spendet, Bestandteile oder Fraktionen für die Verwendung durch eine andere Person bereitzustellen.

Jeder Zeuge entscheidet nun also selbst, ob er einer Bluttransfusion zustimmt oder Blut spendet. So verstehen dies sicherlich die meisten, oder?

Doch in der offiziellen Mitteilung auf JW-Broadcasting betont Geoffrey Jackson ausdrücklich, dass die langjährige Ablehnung von Bluttransfusionen aus religiösen Gründen unverändert bestehen bleibt. Gleichzeitig wird hervorgehoben, dass sich die Versammlungen nicht mehr in diese persönlichen Entscheidungen einmischen. Dieser Satz ist verwirrend und zugleich unehrlich, Zitat:

„Die Versammlungen mischen sich nicht in persönliche Entscheidungen ein, die im Ermessen des eigenen Gewissens liegen. „Wir werden die persönlichen Entscheidungen unserer Glaubensbrüder und -schwestern auch weiterhin respektieren und unterstützen“,

Auf diesen Punkt verweist auch Geoffrey Jackson in seinem Bericht zur Lage der Leitenden Körperschaft Nr. 6 ausdrücklich hin. An dieser Stelle schauen sich vernünftig denkende Menschen verwirrt an. Zehn Minuten lang erläutert er den neuen Standpunkt der Leitenden Körperschaft und betont, dass nun jeder selbst entscheiden muss und darf, ob er die vier Hauptbestandteile oder Fraktionen transformiert oder spendet, um am Schluss zu erklären, dass sich nichts geändert habe und für die Leitende Körperschaft alles beim Alten bleibt?

 

Diese widersprüchlichen Entscheidungen der Leitenden Körperschaft sind nur mit „Sarkasmus“ zu ertragen. Deshalb bitte ich um Entschuldigung, wenn ich nun sarkastisch werde. Ihr wisst, dass dies nicht meiner Art entspricht. Ich bemühe mich stets, sachlich zu argumentieren. Doch in diesem Fall kann ich nicht länger sachlich bleiben. Es ist, als würde dein Arzt dir sagen: „Iss nicht so viele Hamburger oder Pizzen“, und dir gleichzeitig den Rat geben, die einzelnen Bestandteile einfach über den Tag verteilt zu genießen. Verrückt, oder? Und dieser Rat wurde der Leitenden Körperschaft unter Gebet durch den heiligen Geist vermittelt?

Ausschnitt - Lagebericht Jackson

Nach weiteren Nachforschungen unter Gebet ist die leitende Körperschaft zu dem Schluss gekommen, dass derselbe Grundsatz auch auf die 4 Hauptbestandteile von Vollblut zutrifft … Jeder Christ darf seine eigene persönliche Entscheidung treffen, wenn es um die Verwendung dieser 4 Hauptbestandteile bei medizinischen oder chirurgischen Eingriffen geht.

Achtung, Sarkasmus: Hier zeigt sich natürlich ganz offensichtlich die göttliche Erleuchtung der Leitenden Körperschaft hinsichtlich dieses „neuen Lichts“. Offenbar hat der Heilige Geist es diesmal tatsächlich geschafft, sie auf den richtigen Weg zu führen.

Endlich“, kann man da nur sagen. Nachdem so viele Zeugen Jehovas aufgrund einer falschen Auslegung biblischer Aussagen ihr Leben verloren haben, hat der Heilige Geist euch nun offenbar dabei geholfen, die richtige Erklärung zu finden. Doch eine Frage muss man euch stellen: Wer oder was hat euch dazu veranlasst, diese Frage dem Heiligen Geist erneut vorzulegen? Waren es die vielen Opfer?


Das kann eigentlich nicht der Grund gewesen sein, denn bisher war doch alles in Ordnung, und diese falsche Ansicht hatte ja angeblich dazu beigetragen, dass es Jehovas Zeugen gut ging.

Ausschnitt - Lagebericht Jackson 

Gottes Volk ist so beschützt worden, was unser Verhältnis zu Jehova angeht und auch körperlich.

„Jehovas Volk ist auch körperlich beschützt worden?“ Dieser Satz ist für diejenigen, die einen Ehepartner oder ein Kind aufgrund der Ablehnung einer Bluttransfusion verloren haben, schwer zu ertragen. Diese Blutdoktrin der Zeugen Jehovas war über Jahrzehnte hinweg eines der umstrittensten Themen innerhalb der Religionsgemeinschaft und hat nachweislich zahlreiche Todesopfer gefordert. Und nun diese Kehrtwende - ohne ein Wort des Bedauerns oder gar einer Entschuldigung.

Der theologische Hintergrund beruhte jahrzehntelang auf einer fundamentalistischen Auslegung bestimmter biblischer Passagen, wie zum Beispiel 1. Mose 9:4 oder Apostelgeschichte 15:29.

Aussteiger sowie medizinisches Personal sprachen im Zusammenhang mit dieser Doktrin von vermeidbaren Todesfällen. Immer wieder starben Gläubige nach Unfällen, schweren Geburten oder bei Routineeingriffen, weil sie eine lebensrettende Transfusion per Patientenverfügung („Blutkarte“) strikt ablehnten.



Ärzte und Pflegekräfte gerieten regelmäßig in schwere ethische Konflikte, da sie gebunden waren und sterbenden Patienten nicht helfen durften. Besonders bei Kindern von Zeugen Jehovas griffen staatliche Behörden und Gerichte in einigen Ländern zwar ein, wenn Eltern die lebensnotwendige Behandlung verweigerten. Ihr Sorgerecht wurde entzogen, um das Leben des Kindes per Gerichtsbeschluss zu retten.

Es gibt jedoch keine genaue oder offizielle Gesamtzahl darüber, wie viele Zeugen Jehovas weltweit an den Folgen der Ablehnung von Bluttransfusionen gestorben sind. Doch es waren keine Einzelfälle - die geschätzte Zahl geht in die Zehntausende. Und dennoch, versichert Jackson seiner Zuhörerschaft: „Wir lieben euch“?

Ausschnitt - Lagebericht Jackson ….

Wir erkennen an, dass das Leben ein kostbares Geschenk von Jehova ist. Wie Psalm 36,9 sagt, ist Jehova die Quelle des Lebens. Jehovas Volk hat schon immer danach gestrebt, seine Seele auf die Heiligkeit des Lebens widerzuspiegeln, weshalb wir uns weigern, Kriege zu unterstützen oder das Leben ungeborener Kinder zu beenden und wir vermeiden Leichtsinn, der zum Verlust von Menschenleben führen könnte.

Leben ist ein kostbares Geschenk von Jehova, und wir würden das Leben ungeborener Kinder schützen? Ja, das ist richtig, Jehovas Zeugen lehnen die Abtreibung ungeborener Kinder ab. Doch wurde das Leben geborener Kinder von euch auch als heilig gewertet und gleichermaßen geschützt?

Sieh dir diese Ausgabe von „Erwachet!“ vom 22. Mai 1994 an. Viele der hier abgebildeten Kinder gaben ihr Leben für eine Wahrheit, die sie einst als ein von Gott gegebenes Gebot betrachteten - und gerade hast du bestätigt, dass ihr dies weiterhin tun wollt, obwohl das Ganze Drama zu einer Gewissensentscheidung umgedeutet wurde? Ihr behauptet den Verlust von Menschenleben nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen zu wollen. Wie viele Opfer hättet ihr verhindern können, wenn ihr eure Blutpolitik schon damals zur Gewissenssache gemacht hättet. Und nun behauptet ihr stolz: „Diese Anpassung ermöglicht es jedem Christen, seine eigene Last zu tragen“?

Videoausschnitt

Prinzip aus Galater 6 Vers 5: “Jeder wird seine eigene Last tragen“. Nach weiteren Nachforschungen unter Gebet ist die leitende Körperschaft zu dem Schluss gekommen, dass derselbe Grundsatz auch auf die 4 Hauptbestandteile von Vollblut zutrifft, also auf rote Blutkörperchen und Blutplättchen der Blutversorgung jeder soll seine eigene persönliche Entscheidung treffen ob er bei Medizin

Verdeutlichen wir an einem Beispiel, was diese Anpassung in der Praxis bedeuten könnte: Du stimmst der Transfusion eines Hauptbestandteils des Blutes zu und lässt dir rote Blutkörperchen übertragen. Bereits 15 Minuten später möchtest du dir auch weiße Blutkörperchen übertragen lassen. Nach weiteren zwei Stunden erklärt dir dein Arzt, Blutplasma sei ebenfalls angebracht, und du stimmst natürlich zu, Jehova erlaubt das ja inzwischen, und so weiter.

Du verstehst, worauf ich hinauswill? Ich weiß, das ist unrealistisch und purer Sarkasmus. Dennoch verdeutlicht er den widersprüchlichen Unsinn dieser „Anpassung“. Und diesen Unsinn sollst du als eine von „Gottes heiligem Geist“ vermittelte Wahrheit akzeptieren?

Videoausschnitt Hauptaussage Zusammengefasst.


Fassen wir die Hauptaussage nochmal zusammen: Jehovas Zeugen akzeptieren keine Transfusionen von Vollblut - und wir spenden kein Vollblut, das dann andere als Transfusion erhalten. Wir essen weder Blut noch nicht ausgeblutetes Fleisch. Allerdings muss jeder Christ selbst entscheiden, ob er Hauptbestandteile oder Fraktionen akzeptiert, die aus dem Blut einer anderen Person gewonnen wurden.

Eine solche widersprüchliche Lehre kann nur von Menschen stammen, die nichts Gutes im Schilde führen. Damals habt ihr eure Blutdoktrin zur Pflicht gemacht, und schlimmer noch. Die eben zitierte Erwachet-Ausgabe von 1994 beweist, ihr habt aus dem TOT DIESER KINDER eine PR-Sache für eure Organisation gemacht.

Und ihr behauptet von Gottes Heiligem Geist geleitet zu werden. Wenn wir das akzeptieren würden, dann hat der Heilige Geist seine Meinung geändert.


Ihr beruft euch auf das Aposteldekret aus Apostelgeschichte 15:29, in dem Christen vier wesentliche Dinge auferlegt werden: der Verzicht auf Götzenopferfleisch, Blut, ersticktes Fleisch (Tiere, die nicht ausgeblutet sind) und Unzucht. Habt ihr euch jemals gefragt, warum der jüdischen Gemeinde in der heidnischen Stadt Antiochia geraten wurde, sich von diesen 4 Dingen fernzuhalten? Warum konzentriert ihr euch so sehr auf das Verbot, nicht ausgeblutetes Fleisch zu essen? Götzenopfer und sexuelle Unmoral gehörten doch auch zur heidnischen Anbetung.

Die Tempel waren keine Orte feierlicher Anbetung - sie waren sozusagen vergleichbar mit einem Nachtclub - in denen man aß, trank und seinem Lieblingsgott Opfer darbrachte, sowie mit männlichen und weiblichen Prostituierten schlief - und ja - auch das Blut der Opfertiere trank.


Gewiss, auch Unmoral wurde von euch verurteilt; das stimmt. Doch wenn ich an das Blutverbot denke: Bis vor einiger Zeit wurde eure Blutdoktrin in den Dienstversammlungen in unverhältnismäßigem Ausmaß immer wieder ausführlich verkündet. Man hatte den Eindruck, dass dieses Thema für euch scheinbar wichtiger war, als alles andere. Ich kann mich an Brüder und Schwestern erinnern, die ihre Blutkarte um den Hals hängten, für alle sichtbar, um zu demonstrieren, wie ernst sie sich in dieser Frage an eure Richtlinien hielten.


Und nun sagt euch der Heilige Geist, dass die Ablehnung dieser medizinischen Eingriffe eine persönliche Entscheidung ist? Im Grunde war es das schon immer, denn Apostelgeschichte 15:29 endet mit den Worten: „Wenn ihr euch davor bewahrt, tut ihr recht. Lebt wohl!“ - oder: „Gesundheit für euch“.

Diese Schlussworte ergeben kaum Sinn, wenn man sie ausschließlich auf das Blutverbot bezieht und dadurch einen medizinischen Eingriff ablehnt, der Leben retten könnte.


Auf Grund dieser Begründung für die „Anpassung“ eurer Blut-Doktrin ist zu erwarten, dass ihr weitere Änderungen innerhalb der nächsten Monate plant - zum Beispiel das Verbot „Geburtstage zu feiern“. Aber damit ist wohl eher noch nicht zurechnen, da dieses Verbot nicht justiziabel ist.

Deshalb bleibt das Feiern von Geburtstagen sicherlich weiterhin verboten. Aber ich denke, die Hauptbestandteile eines Geburtstags könnte man durchaus auch einzeln feiern: Ein Geburtstagslied singen und Geschenke überreichen. Später könnte man noch die Kerze auspusten und anschließend ein wenig tanzen. Klar, eine Geburtstagsfeier bleibt verboten, aber die sogenannten Hauptbestandteile sind erlaubt.

Viele machen das ohnehin schon so oder so ähnlich. Merkt ihr, wie verrückt eure Anpassungsstrategie tatsächlich ist? Es wäre lächerlich, wenn ihr sagen, würdet: „Unter Gebet ist die leitende Körperschaft zu dem Schluss gekommen, dass derselbe Grundsatz auch auf die 4 Hauptbestandteile von Geburtstagsfeiern anzuwenden wäre“, - obwohl das durchaus der Fall wäre.


Jeder Christ darf nach eurer Aussage seine eigene persönliche Entscheidung treffen, aber ausgerechnet bei so belanglosen Dingen wie dem Feiern von Geburtstagen nicht? Seht ihr diesen Widerspruch? Die Verwendung dieser vier Blut-Hauptbestandteile ist nach dieser „Anpassung“ möglich. Aber eine Vollbluttransfusion ist weiterhin nicht erlaubt, so die Zusammenfassung.

 Videoausschnitt

Fassen wir die Hauptaussage nochmal zusammen: Jehovas Zeugen akzeptieren keine Transfusionen von Vollblut, und wir spenden kein Vollblut, das dann andere als Transfusionen erhalten, wir essen weder Blut noch nicht ausgeblutetes Fleisch, allerdings muss jeder Christ selbst entscheiden, ob er Hauptbestandteile oder Fraktionen akzeptiert, die aus dem Blut einer anderen Person gewonnen wurden.

Was denn nun? Das ist wirklich eine lächerliche, um nicht zu sagen - verlogene Aussage. Wer diese neue Anweisung weiterverbreitet, wird erleben, dass sich viele Zeugen auf diese irreführende Darstellung berufen und sagen werden: „Siehst du, es hat sich nichts geändert - du Lügner!“ Eine Vollbluttransfusion lehnen Jehovas Zeugen weiterhin ab. Ich habe versucht, meiner Schwester das „neue Licht“ zu erklären. Ihre Reaktion war: „Das stimmt nicht.“

Und sie hat gemäß der widersprüchlichen "Anpassung" recht. Auch viele Freunde, mit denen du darüber sprech wirst, werden dir nicht glauben, dass es eine wesentliche Veränderung gegeben hat. Ich glaube, dass sie unter Schock stehen. Es wird interessant sein zu beobachten, wie sie die Veränderung nicht wahrhaben wollen und so tun werden, als hätte sich nichts geändert. Genau dieses Gefühl und diese Reaktion wurde bewusst erzeugt. Im Falle eines Rechtsstreits können sie sich darauf berufen, dass es eine persönliche Entscheidung war.


Ich bemühe mich auf diesem Kanal stets, sachlich zu bleiben, und bevorzuge sachliche Analysen. Doch die Begründung der leitenden Körperschaft macht es mir derzeit schwer, sachlich zu bleiben. Ihr Verhalten erinnert mich tatsächlich ein wenig an Donald Trump, der sich vor die Kamera stellt und den Menschen etwa vorschlägt, sich Desinfektionsmittel injizieren zu lassen, um sich vor einer Ansteckung mit Corona zu schützen. Was soll man da noch sachlich analysieren? Da kann man eigentlich nur noch Satire machen.


Ich finde, die Analogie zu Donald Trump auch deshalb besonders passend, weil sowohl Donald Trump als auch die Leitende Körperschaft für sich beanspruchen, von Gott persönlich geleitet zu werden. Jesus verglich diese Art der Heuchelei mit derjenigen der Pharisäer.


Dieses strukturelle Problem ist im Laufe der Jahrhunderte bei sämtlichen Gesetzesreligionen zutage getreten. Es ist für das Judentum charakteristisch, findet sich aber auch im Islam und in verschiedenen christlichen Kirchen - also allgemein bei Gesetzesreligionen. Ich denke, die Leitende Körperschaft lässt sich mit dem Gesetzeskodex der orthodoxen Juden in Israel vergleichen.


Ein Beleg für ihre ausgeprägte Sorge, irgendein göttliches Gesetz zu verletzen, ist der Versuch, die Benutzung eines Fahrstuhls am Sabbat nicht als verbotene Arbeit erscheinen zu lassen. Fahrstühle wurden in Israel eigens so konstruiert, dass sie am Sabbat automatisch auf jeder Etage halten und sich die Türen öffnen, ohne dass man einen Knopf drücken muss. Auf diese Weise kann man aussteigen, ohne den Knopf zu betätigen, da dieses Drücken als Arbeit gelten könnte.


Um die eigene Frömmigkeit zu bewahren, werden auf diese Weise Probleme gelöst, die Gott niemals gefordert hätte. Dabei handelt es sich um typische Probleme von Gesetzesreligionen, wie sie sich beispielsweise im Umgang der Zeugen Jehovas mit ihrer Blutdoktrin zeigen.


Die Tatsache, dass Jehovas Zeugen nun selbst entscheiden können, ob sie einer Bluttransfusion zustimmen, kann für viele sehr aufschlussreich sein - quasi ein Augenöffner. Und ich sage auch, weshalb: Schätzungen zufolge sterben jährlich etwa 1.200 Zeugen Jehovas, weil sie Bluttransfusionen ablehnen. Man denke nur an all jene, die einen Angehörigen verloren haben, insbesondere an Eltern, deren eigenes

Kind starb, weil es eine Bluttransfusion verweigerte.

Überlege einmal, was das mit einem Betroffenen macht. Sie glaubten, es sei Gottes Wille, und dann wird ihnen plötzlich gesagt: „Oh, da haben wir uns wohl geirrt.“ Diese Menschen werden nun Fragen stellen oder die Gemeinschaft vermutlich verlassen. Mit der Zeit werden wir sehen, wie viele Menschen deswegen tatsächlich austreten. Und ich glaube, genau deshalb waren die JW-Broadcast-Sendungen so stark darauf ausgerichtet, die Zeugen davon abzuhalten, mit Abtrünnigen Kontakt aufzunehmen oder mit ihnen zu sprechen.

Dennoch werden zahlreiche Zeugen - ungeachtet dieser grundlegenden Änderung in der Zusammensetzung der leitenden Körperschaft, dem „treuen und verständigen Sklaven“, weiterhin vertrauen, ohne Zweifel zu hegen oder Groll zu empfinden und sagen: „Wir sind dem Sklaven außerordentlich dankbar, dass er uns nun die Möglichkeit einräumt, gesundheitliche Entscheidungen selbst zu treffen.“

Solche loyalen Anhänger, die nichts hinterfragen und einfach tun, was der Sklave sagt, beweisen keinen echten Glauben. Sie geben ihre eigene moralische Urteilskraft an Menschen in Machtpositionen ab. Wenn sich die leitende Körperschaft bei einer Frage über Leben und Tod über einen langen Zeitraum hinweg erheblich irren kann, dann ist ihre Forderung nach bedingungslosem Gehorsam keine liebevolle und gütige Form der Führung. Ich denke dabei an die Aufforderung: „Vertraue dem Sklaven, auch wenn es keinen Sinn ergibt.“


1 Kommentar


Sacha Nordwald
Sacha Nordwald
vor 10 Stunden

Danke für deinen Beitrag. Man spürt in jeder Zeile, dass dich dieses Thema nicht kalt lässt. Das ehrt dich. Wer an Eltern denkt, deren Kind gestorben ist, weil es eine Transfusion abgelehnt hat, der darf nicht unbewegt bleiben. Römer 12:15 fordert uns auf, mit den Weinenden zu weinen. Dein Zorn hat einen echten Grund. Deshalb möchte ich dir ebenso ehrlich antworten, wie du geschrieben hast, so wie ich es mir selbst wünschen würde (Matthäus 7:12).

Wo ich dir zustimme

Dein stärkster Punkt ist die fehlende Entschuldigung. Eine Lehre über Jahrzehnte als Gottes Willen darzustellen und sie dann zur Gewissensfrage zu erklären, ohne ein Wort des Bedauerns: Das ist schwer zu tragen. Der Satz, Jehovas Volk sei „auch körperlich beschützt“ worden,…


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