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Stephen Lett zum Thema "Anmaßung"

13. Sept.
12 Min. Lesezeit

und seine einseitigen Aussagen!


LINK ZUM VIDEO:



Im jüngsten Video von JW.org sprach Stephen Lett, ein Mitglied der leitenden Körperschaft, über das Thema „Anmaßung“. Warnend erklärte er: „Die Anmaßenden werden bald wie Stoppeln verbrennen“ und verwies dabei auf Maleachi 4:1.

Mein Thema, sagte er: - seien wir nicht anmaßend. Was bedeutet es, anmaßend zu sein? Es bedeutet sich ungebührliche Freiheiten herauszunehmen,... man könnte auch sagen etwas zu tun, wozu man nicht berechtigt ist.

Vor etwa zehn Jahren erklärte Jeffrey Jackson, ein weiteres Mitglied der leitenden Körperschaft, unter Eid auf die einfache Frage, ob die leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas sich als Gottes Mitteilungskanal betrachte: „Dies wäre eine recht anmaßende Behauptung.


Ja, da hat Jeffrey Jackson recht, das wäre ziemlich anmaßend. Aber genau das behauptet die Sklavenklasse, und darin liegt der Widerspruch: Stephen Lett präsentierte uns in seiner Ansprache widersprüchliche Aussagen.

Einerseits erklärt er, als Mitglied der leitenden Körperschaft, dass Gott anmaßende Menschen vernichten wird. Andererseits sagt ein anderes Mitglied, dass es ziemlich anmaßend wäre, zu behaupten, man sei der einzige Sprecher, den Gott gebraucht.


Aber wie dem auch sei, ich denke, jeder von uns wird Letts Ausführungen zustimmen: Jehova hasst Anmaßung. Tatsächlich stimme ich jedem Punkt zu, den er aus den folgenden Beispielen ableitet. Doch wie so oft bei dem, was die WTG lehrt, kommt es weniger darauf an, was sie sagt, als darauf, was sie verschweigt und inwiefern sie ihre eigenen Aussagen missachtet.


Jehova wird die Anmaßenden vernichten, so Stephen Lett, und Jehovas Zeugen wollen natürlich nicht zum Lager der Anmaßenden gehören. Falls du nie ein Zeuge warst, wird dir vermutlich nicht auffallen, wie sehr sich die Selbstwahrnehmung der Organisation von ihrer eigenen Verurteilung der Anmaßenden unterscheidet.

Die leitende Körperschaft versteht sich als eine kleine Gruppe von Männern, die für sich die Autorität über alle lehrmäßigen Angelegenheiten bei den Jehovas Zeugen beansprucht.


Der gesamte Vortrag handelt von Anmaßung, während sie selbst Autorität über das geistige Leben aller Jehovas Zeugen beansprucht. Das ist der Hintergrund, vor dem Geoffrey Jacksons unter Eid geleistete Antwort bei der australischen Untersuchungskommission als eine Lüge bezeichnet werden kann. Hören wir, wie Lett den Begriff „Anmaßung“ erklärt.


Was bedeutet es anmaßend zu sein? Im Einsichtenbuch finden wir dazu eine prägnante Definition: Es bedeutet, sich ungebührliche Freiheiten herauszunehmen. Man könnte auch sagen, etwas zu tun, wozu man nicht berechtigt ist.

An dieser Stelle müssen wir kurz innehalten, und die vollständige Definition von „Anmaßung“ im „Einsichtenbuch“ betrachten, denn Stephen Lett zitiert hier nicht den gesamten Text. Weiter wird dort nämlich gesagt, Zitat: „Ohne Befugnis handeln, unverschämte Kühnheit im Verhalten zeigen und sich ungebührliche Freiheiten herausnehmen.“ Lett hat diese Aussagen in einem einzigen Wort zusammengefasst: „Unbefugt“. Dieses Wort ist sein Schlüsselwort.

„Anmaßung“ bedeutet demnach, dass jemand ohne ordnungsgemäße Befugnis handelt. Doch dann stellt sich die Frage: Wer ist eigentlich berechtigt, eine solche Befugnis zu erteilen? Die Frage lautet also, ob die LK von Gott die Befugnis erhalten hat, in seinem Namen zu sprechen.


Die Leitende Körperschaft wurde weder von einem Menschen noch von einer Institution im rechtlichen Sinne dazu „berufen“, als Sprachrohr Gottes zu dienen. Vielmehr vertritt sie nach eigener Darstellung die Auffassung, direkt von Jesus Christus dazu eingesetzt worden zu sein.

Die neuernannten Glieder werden jeweils von der bereits bestehenden Leitenden Körperschaft ausgewählt und berufen. Dabei beruft sie sich auf das Vorbild der Apostel und Ältesten im Jerusalem des ersten Jahrhunderts, und behauptet deshalb die Gedanken Gottes zu kennen. Ist das nicht eine Form von „Anmaßung“?


Wie denkt denn Jehova über jemanden der anmaßend ist? Schlagen wir dazu Maleachi Kapitel 4:1 auf: „denn seht der Tag kommt brennend wie ein Ofen an dem alle anmaßenden und alle die böses Treiben wie Stoppeln werden der am Ende Tag wird sie ganz bestimmt verschlingen: sagt Jehova.

Ein Detail lässt Lett geflissentlich aus, wenn er ausgerechnet Maleachi anführt. Wen klagt Gott in Maleachi an? Die Prophezeiung in Maleachi 4 richtet sich zwar primär an das gesamte Volk – auch an die Priester, die religiösen Führer, die versäumt haben sich um die Herde Gottes zu kümmern. Anstatt also die Führung der Zeugen Jehovas mit einzubeziehen, also auf sich selbst anzuwenden, wendet er sie ausschließlich auf die Allgemeinheit an.

Ausgerechnet diesen Vers aus Maleachi in diesem Zusammenhang zu zitieren und ihn auf alle anderen anzuwenden, statt auf die Führung selbst, ist schwer nachvollziehbar und lässt die Frage aufkommen: Weiß er eigentlich, was er da tut?


Dass die Kritik Maleachis an die jüdischen Priesterklasse auch auf die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas anwendbar sein könnte, wird von der Leitenden Körperschaft als Ansicht Abtrünniger abgetan. Als Begründung werden irreführende Lehren, unangemessene Ausübung von Autorität und deren schädliche Auswirkungen auf die Mitglieder genannt.

Ihr Argument lautet, dass in Maleachi 4 weder eine Religionsorganisation genannt noch eine eindeutige Zuordnung zu anderen Religionen vorgenommen wird. Eine Anwendung auf die Leitende Körperschaft sei daher lediglich eine interpretative Schlussfolgerung, für die es keine ausreichende Begründung gebe. Doch so abwegig kann diese Auslegung kaum sein, denn die Organisation selbst verwendet genau dieses Argumentationsmuster, wenn sie es auf andere Kirchen und Vertreter der falschen Religion anwendet.

Entscheidend in diesem Zusammenhang ist der biblische Kontext. Die richterlichen Urteile richten sich nicht an das einfache Volk, sondern alleine an die Priester, die als geistige Führer die Verantwortung trugen.

Die Leitende Körperschaft der Zeugen Jehovas beansprucht für sich der exklusive „treue und verständige Sklave“ auf der Erde zu sein. Er fordert absoluten Gehorsam gegenüber seinen Lehren und Richtlinien – etwas, was nur Gott zusteht. Dieses Verhalten bringt viele zum Straucheln. Im biblischen Kontext von Maleachi 2:7-8 heißt es, Zitat:

Denn des Priesters Lippen sollen die Lehre bewahren, … Ihr aber seid von dem Wege abgewichen und habt viele zu Fall gebracht durch falsche Weisung und habt den Bund mit Levi verdorben, spricht der HERR. - Darum habe auch ich euch verächtlich und unwert gemacht vor dem ganzen Volk, weil ihr meine Wege nicht haltet und die Person anseht, wenn ihr Weisung gebt.

Deshalb geht Lett nun dazu über, einzelne Personen aus der Bibel anzuführen, um den Begriff „Anmaßung“ noch besser zu erklären. Auch das Unterstellen schlechter Beweggründe sei eine Form der Anmaßung.

Ich stimme jedem seiner Worte zu - die Beweggründe eines anderen zu beurteilen, ist das Anmaßendste, was man einem anderen antun kann. Und Lett hat recht, wenn er sagt: Wir haben weder die Fähigkeit noch das Recht dazu. Aber schauen wir uns an, was die Wachtumorganisation mit Menschen macht, die einer Sünde überführt wurden. In ihrem Handbuch für Älteste „Hütet die Herde Gottes“ lesen wir, Zitat:

 „Zügelloses Verhalten“ bezieht sich nicht auf Verfehlungen. die eher geringfügiger Art sind, sondern beschreibt Handlungen, die eine Haltung widerspiegeln, welche von Respektlosigkeit, Missachtung oder sogar Verachtung gegenüber göttlichen Maßstäben, Gesetzen und Autoritäten zeugt. Somit sind bei zügellosem Verhalten zwei Elemente im Spiel: (1) Das Verhalten an sich stellt einen schwerwiegenden Verstoß gegen Jehovas Gesetze dar, und (2) die Einstellung des Übeltäters gegenüber Gottes Gesetzen ist respektlos und frech. — siehe auch w06 15. 7. S. 30.

Also, zwei Elemente sind erforderlich, um Verfehlungen zu beurteilen, darunter auch die Einstellung des „Übeltäters“ gegenüber Gottes Gesetzen zu überprüfen. In der Praxis bedeutet dies, dass drei Älteste, gewöhnliche Männer, sich in einem Hinterzimmer mit dem „Übeltäter“ treffen, um und die Beweggründe für seine Tat zu beurteilen. Hatte Lett nicht gerade erklärt, ihnen würde die Fähigkeit fehlen, noch das Recht zustehen, das zu können?

Wenn das nicht vermessen ist! Je nachdem, wie diese Männer die Einstellung des Sünders beurteilen, entscheiden sie darüber, ob der Betreffende ausgeschlossen wird oder nicht. Genau das ist der entscheidende Punkt: Diese Männer maßen sich an, die Beweggründe eines Menschen und seine innere Haltung beurteilen zu können. Und diese anmaßende Entscheidung eines Rechtskomitees kann für den Betreffenden weitreichende Folgen haben – unter anderem, dass er seine eigenen Familienmitglieder meiden muss. Stephen Lett bezieht sich dann auf Jesus Christus.

Jesus hat uns genau davor gewarnt. Denken wir daran, nur Jehova, der jede Tendenz der Gedanken erkennt - und Jesus können Motive beurteilen. Aber wir haben weder die Fähigkeit noch das Recht das zu tun - und es trotzdem tun, ist anmaßend.

In der Regel ist ein Rechtskomitee schnell dabei, einem Sünder – sei es einem Trunkenbold oder einem jungen Mann, der mit seiner Verlobten Hurerei begangen hat – eine respektlose Haltung gegenüber göttlichen Maßstäben zu unterstellen. Sie maßen sich an, die Beweggründe und die innere Haltung des Sünders beurteilen zu können – so steht es in ihrem Hirtenbuch. Und wie bereits erwähnt: Zu diesem anmaßenden Vorgehen werden sie sogar ausdrücklich aufgefordert. Eine Sünde ist zweifellos ein schwerwiegender Verstoß gegen Jehovas Gesetz. Doch jemandem allein deshalb eine respektlose Einstellung gegenüber Gottes Gesetz zuzuschreiben, weil er nicht die von ihnen erwartete Form von Reue zeigt, steht ihnen nicht zu. Eine solche Beurteilung der inneren Beweggründe eines Menschen ist allein Gott vorbehalten.


Vor diesem Hintergrund ist die Beurteilung eines Sünders durch ein sogenanntes „Rechtskomitee“ grundsätzlich zu hinterfragen. Aber auf dieses Thema möchten wir heute nicht näher eingehen. Nur so viel: Jesus lehnte Heuchelei und vorschnelle Verurteilung ab und forderte stattdessen Selbstreflexion, Barmherzigkeit und Vergebung.


Seine Haltung lässt sich anhand zahlreicher Gleichnisse zusammenfassen, zum Beispiel anhand der Bergpredigt („Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet“). Wer die Fehler anderer anklagt, ohne seine eigenen Verfehlungen zu sehen, handelt heuchlerisch.

Als die Pharisäer eine Frau steinigen wollten, die beim Ehebruch ertappt worden war, sagte Jesus: „Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.“ Damit macht Jesus deutlich, dass man die Sünde ablehnen kann, ohne den Sünder als Menschen zu verurteilen. Er trennt also die Liebe zum Sünder von der Ablehnung der Sünde. Er sagte: „Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.“


Zusammenfassend lässt sich sagen: Jesus spricht den Menschen das Recht ab, sich selbst zu endgültigen Richtern über die moralische Schuld anderer zu erheben, denn jeder Mensch ist fehlerhaft und auf Vergebung angewiesen. Zugleich rief Jesus die Sünder zur Umkehr auf, begegnete ihnen dabei jedoch mit Liebe und Gnade statt mit Verurteilung und Verdammnis. Von daher kann man dem nur zustimmen, wenn Lett sagt: „Jesus hat uns genau davor gewarnt. Denken wir daran, nur Jehova, der jede Tendenz der Gedanken erkennt, und Jesus können Motive beurteilen. Aber wir haben weder die Fähigkeit noch das Recht das zu tun - und es trotzdem tun ist anmaßend“

Stephen Lett: 

Jetzt zu unserem dritten Beispiel.  Korah und alle die mit ihm zusammen rebelliert haben, sie stellten sich vereint gegen Moses und Aaron und sagten zu ihnen wir haben genug von euch - warum erhebt ihr euch also über die Versammlung Jehovas was war das Problem anstatt für die Aufgaben, die sie bereits hatten dankbar zu sein dachten sie anscheinend, dass ihnen noch mehr Verantwortung zustehen würde sie wollten die gleiche Position wie Moses und Aaron haben und dieselbe Anerkennung bekommen wie sie. Wenn wir denken, dass uns noch mehr Aufgaben oder mehr Verantwortung zu stehen würden. Seien wir dankbar und zufrieden.

„Warum erhebt ihr euch über die Versammlung Jehovas?“ Diese Frage könnte man auch den Gliedern des sogenannten „treuen und verständigen Sklaven“ stellen. Sie beanspruchen, als Gottes Stimme zu sprechen, und erwarten, dass ihre Anweisungen befolgt werden. Doch interessant ist, wie sie selbst vorgehen, wenn sie neue Anweisungen oder Anpassungen bekannt geben. Wenn sie tatsächlich als Sprachrohr Jehovas auftreten, wäre zu erwarten, dass sie Jehova die Ehre geben und deutlich machen, dass seine Anweisungen maßgeblich sind. Stattdessen sagen sie nur: „Die leitende Körperschaft hat entschieden.“

Damit stellt sich die Frage: Sprechen sie tatsächlich im Namen Jehovas – oder beanspruchen sie eine Autorität, die sie sich selbst zugeschrieben?

Aussagen d. LK Video-Ausschnitte:

„nur damit ihr es wisst, die leitende Körperschaft hat entschieden dass von nun an bei jeder Jahresversammlung ein neues originelles Lied zum Jahrestext vorgestellt wird.
Sanderson: „die leitende Körperschaft entschieden hat die Stundenvorgaben für Pioniere anzupassen“

Lösch: „die leitende Körperschaft hat entschieden, Schwestern dürfen entscheiden Hosen zu tragen“

Doch dieser Hinweis sei nur am Rande erwähnt. Zugegeben, es würde auch seltsam klingen, wenn sie sagen würden: „Jehova hat entschieden, dass Schwestern Hosen tragen dürfen.“ Das wäre absurd – auch wenn es letztlich genau das ist, was damit gemeint ist.

Die eigentliche Anmaßung offenbarte sich, als die leitende Körperschaft sich alleine zur Klasse des treuen und verständigen Sklaven erklärte.

Im Juli 2013 vollzog sie mit einem Artikel in der Zeitschrift „Der Wachtturm“ ihre offizielle Gleichsetzung mit dem „treuen und verständigen Sklaven“. Bis 2013 galt die Gesamtheit aller Gesalbten, also alle auf der Erde lebenden „gesalbten“ Zeugen Jehovas als weltweite Klasse des „treuen und verständigen Sklaven“.

Die „leitende Körperschaft“ in New York wurde zwar als Führungsgremium anerkannt, jedoch lediglich als Sprecherin oder Vertretung der bis 2023 deutlich größeren Sklavenklasse angesehen.

Wodurch könnten wir also noch anmaßend sein? Wenn wir denken, dass uns noch mehr Aufgaben oder mehr Verantwortung zu stehen würde. Seien wir stattdessen für jede Aufgabe, die Jehova uns gibt, für alles was wir in seiner Organisation tun dürfen

„Wodurch könnten wir also noch zeigen, dass wir anmaßend sind“?, fragt Lett. Eine berechtigte Frage. Seine Antwort lautet: „Wenn wir denken, uns würde mehr Verantwortung zustehen.“ Seien wir also zufrieden mit dem, was wir in Jehovas Organisation tun dürfen.


Dieser Rat scheint allerdings nur für diejenigen zu gelten, die innerhalb der Organisation einen Posten anstreben, nicht jedoch für die Mitglieder der „Leitenden Körperschaft“, wie wir feststellen konnten. Ehefrauen, Kinder und Älteste wissen, dass sie keine Befugnis haben, über das hinauszugehen, was geschrieben steht – und zwar sowohl in Gottes Wort als auch in den Anweisungen des „treuen Sklaven“.

Im selben Satz setzt er die Veröffentlichungen des Sklaven mit Gottes Wort der Bibel gleich. Er verwendet denselben Ausdruck: „Geht nicht über das hinaus, was geschrieben steht“.

Dieser Satz steht in 1. Korinther 4:6, wo Paulus ausdrücklich davor warnt, menschliche Autorität neben die Schrift zu stellen. Und genau im selben Satz tut Lett buchstäblich das, wovor der von ihm zitierte Vers warnt – nämlich etwas über das hinauszugehen, was geschrieben steht.


Beachte, auf wen er 1. Korinther 4:6 anwendet: Ehefrauen und Kinder sind an ihre Männer bzw. Väter gebunden, Älteste an den „treuen Sklaven“. Jeder wird in die Schranken gewiesen – außer der Leitenden Körperschaft. Nicht ein einziges Mal wird erwähnt, dass auch sie nicht anmaßend sein oder sich keine Autorität anmaßen sollte und dass alle Ehre Gott gebührt. In ihren öffentlichen Gebeten oder Auftritten wird das durchaus betont – aber nicht hier, im Zusammenhang mit dieser Betrachtung.

Alles, was er hier zum Thema Anmaßung sagt, missachten die Gliedern der Leitenden Körperschaft selbst. Fassen wir alle angeführten Beispiele und deren Anwendung noch einmal zusammen:

Stephen Lett – Schluss Zusammenfassung 5 Beispiele.

------ 5 Bereiche in denen wir anmaßend sein könnten. Da war zum Beispiel Elia, er erinnert uns daran dass wir unseren Brüdern keine schlechten Beweggründe unterstellen. Oder denken wir an Herodes. Geben wir für alles Jehova die Ehre und beanspruchen wir sie nicht für uns selbst. Dann war da noch Korah. Wir wollen nicht denken, dass uns mehr Verantwortung oder mehr Aufgaben zustehen. Und dann das Beispiel von Osia. Überschreiten wir nie die Grenzen unserer Autorität und das letzte Beispiel das war User, denken wir nie dass wir etwas besser wüssten als das wie Jehova etwas tut.

Das also war - zusammengefasst - dass, was Lett uns sagen wollte: Beurteile nicht die Motive anderer Menschen.

Das hört sich erst einmal gut an. Doch in ihrem eigenen Rechtsbuch werden Rechtskomitees ausdrücklich dazu angeleitet, die Einstellung eines Sünders zu beurteilen. Gleichzeitig ist dokumentiert, dass Vertreter der leitenden Körperschaft Missbrauchsopfer als lügende Abtrünnige bezeichnet haben. Dem stehen interne Aufzeichnungen gegenüber, die Berichten zufolge 1.006 mutmaßliche Täter aufführen – wobei keiner dieser Fälle an die Polizei gemeldet wurde.

„Beanspruche keine Ehre für dich selbst“, sagt er, während die leitende Körperschaft immer wieder betont, dass sie dies und jenes entscheidet, dass sie die einzige Autorität ist, die die Regeln für Millionen von Zeugen Jehovas ändern kann und verlangt, dass ihr gehorcht werden muss, egal ob es Sinn macht oder nicht.

„Erwarte keine Privilegien“, sagt er, alles worauf du ein Anrecht hast, ist der Tod. Das sagt ein Mann, der zusammen mit einer Gruppe von Männern 2012 einen unbefugten Machtraub beging und sich selbst die alleinige Autorität zusprach.

„Geht nicht über das hinaus, was geschrieben steht“, sagt er - und stellt damit im selben Satz die Worte der leitenden Körperschaft auf eine Stufe mit der Heiligen Schrift. „Denkt nicht, ihr wüsstet es besser als Jehova“, sagt er und dies als Mitherausgeber einer Bibel, die an vielen Stellen so übersetzt wurde, wie es ihre Lehre erfordert und die Hunderte von Zusätzen enthält, die der Originaltext nicht aufweist.

Keines seiner warnenden Beispiele richtet er gegen sich selbst, gegen die Führung und gegen die Leute, die diese Vorträge halten.  Stattdessen wird dieses Muster immer wieder sichtbar: Die Warnungen richten sich gegen andere, während die eigene Verantwortung ausgeblendet wird. Wer hinter diese Scheinheiligkeit blickt, erkennt schnell, was tatsächlich dahintersteckt.


Zum Schluss noch der Ausschnitt einer Ansprache, die Stephen Lett im Februar 2015 auf JW-Broadcasting hielt, Zitat:

Aber was erwartet Jehova in der Zwischenzeit von uns? „Jeder von uns sollte ein Gewinn sein - und niemals eine Belastung für die Einheit der Organisation. Oder - um ein Bankbeispiel zu verwenden, wir möchten, dass wir Einzahlungen statt Auszahlungen in dieser Einheit vornehmen - und niemals auch nur im Geringsten dem ursprünglichen Zerstörer der Einheit ähneln, -  Satan dem Teufel.

In der Sprache des „treuen und verständigen Sklaven“ bist du kein Kind Gottes, sondern ein Posten in ihrer Bilanz – ein Vermögenswert, der zur Zufriedenheit der Wachtturm-Gesellschaft funktionieren muss. Und Verbindlichkeiten werden abgeschrieben. Die Organisation hat dafür ein formelles Verfahren, das von der Bühne aus verkündet wird, um Menschen auszuschließen und damit faktisch „abzuschreiben“, wenn sie sich den Vorgaben nicht mehr unterordnen.


Wenn du noch ein aktiver Zeuge Jehovas bist, dann ist vielleicht die Zeit gekommen, dich aus der Bilanz dieser Organisation zu entfernen – und deine Würde, deine Entscheidungsfreiheit und dein eigenes Gewissen wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Du bist weder ein Vermögenswert noch eine Verbindlichkeit. Du bist ein Mensch, der Respekt und Würde verdient und das Recht hat, selbst zu entscheiden, wie er Gott anbeten möchte – ohne dafür einen hohen Preis zahlen zu müssen, etwa den Verlust eines Menschen, den du kennst und liebst.

Du musst weder Drohungen, Lügen und Täuschungen über dich ergehen lassen noch in ständiger Angst davor leben.

 

27 Kommentare


Was sagt uns das staatlich hinterlegte Statut der Religionsgemeinschaft (in der Neufassung von 2020).


Dort heißt es in § 13 („Eigenverantwortliches Handeln, Predigtdienst“) im ersten Absatz tatsächlich:

„Die Zurechnung von Handlungen einzelner Gläubiger zur Religionsgemeinschaft ist ausgeschlossen...“ sowie im weiteren Verlauf, dass die Missionstätigkeit (der Predigtdienst) von jedem Mitglied rein eigenverantwortlich, freiwillig und im privaten Rahmen durchgeführt wird.


Der juristische Zweck hinter § 13

Dieses Statut aus dem Jahr 2020 offenbart die Diskrepanz zwischen der inneren Struktur der Organisation und ihrer rechtlichen Selbstdarstellung nach außen gegenüber dem Staat:

Rechtliche Absicherung (Haftungsausschluss): Indem die Wachturm-Gesellschaft (WTG) in § 13 festschreibt, dass das Handeln der einzelnen Mitglieder ihr rechtlich nicht zugerechnet werden kann, schützt sich die Organisation vor Klagen. Wenn ein Mitglied im Predigtdienst Fehler begeht,…


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E. K.
E. K.
20. Sept.

Nach meinem Verständnis der Bibel ist es anmaßend, über das geschriebene Wort hinaus zu gehen. Dass die Leitende Körperschaft dies wieder und wieder macht ist uns bekannt. Bitte lasst mich den Hinweis von M.N. nochmals aufgreifen zu "Babys sind Feinde Gottes" (ich hab es gefunden und bin immer noch bestürzt) von S. Lett. Was sagt die Bibel zu Babys? Uns allen ist der Text aus Ps. 139 bestens bekannt, wo geschrieben steht, dass Gott von Anfang der Entstehung eines Embryos dabei war (V 13-16). Was sagt Lett über seinen Jehova aus, wenn er ihm unterstellt, seine Feinde zu beäugen?

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M.N.
19. Sept.

Und hier der neueste Knaller - hat die Org bisher unheilige Kühe geschlachtet, so killt sie jetzt einen unheiligen Blauwal: Bluttransfusionen und Blutspenden sind jetzt de facto ERLAUBT! Wer's nicht glaubt, schaue selbst>


https://www.jw.org/en/news/


Gibts derzeit nur auf Englisch.


Mir scheint, die Org sagt sich jetzt "Was solls?" und verscherbelt ihr gesamtes Tafelsilber.

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Wildblume
Wildblume
20. Sept.
Antwort an

Quelle: FragenundGlauben

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Wie ganz anders doch sich der Herr Jesus Christus verhielt! Handelte er jemals anmaßend? Weit gefehlt -- das Gegenteil trifft zu. Von ihm als dem göttlichen Sohn Gottes wird berichtet (und seinen wahren Nachfolgern damit als Muster und Beispiel gegeben):

"Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:[1]

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,


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E. K.
E. K.
20. Sept.
Antwort an

Ist es anmaßend, das Wort und die Hoffnung, die uns durch Christus gegeben wurde, anzunehmen? Was du in den zitierten Versen dargelegt hast habe ich heute als KI-gestützte Vision entdeckt - und weit mehr ("King of King and Lord of Lords" (Anthem to Jesus) von Heavenly Angels Singing) und ich denke, wenn es Engeln geboten wird durch unseren himmlischen Vater, mit der Wiedereinführung Jesu in den Erdkreis diesen anzubeten und sie ihm im Himmel eine solche Ehre erweisen: Was nehmen sich dann Menschen heraus, sich diesem ausdrücklichen Befehl des Allmächtigen, den Sohn zu ehren wie IHN selbst und ihre Knie vor ihm zu beugen, zu verweigern?

Ich halte es für sehr, sehr anmaßend, das Wort Jesu zurück zu weisen.

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