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„Etwas fehlt dir noch“ was  Jesus dem reichen Mann wirklich sagte!

  • Autorenbild: Bruder
    Bruder
  • vor 2 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit

 




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Heute möchten wir uns mit Matthäus 19:6-19 und Markus 10,17-23 befassen. Es geht um ein Ereignis, das jeder Zeuge Jehovas kennt. Wir lesen dort von einer Begegnung Jesu mit einem reichen jungen Mann, der wissen wollte, was er für das "ewige Leben" tun muss.

 

Die Publikationen der Wachtturmgesellschaft legen die Prioritäten dieses Ereignisses auf die Nachfolge Jesu im Sinne seines Missions-Auftrags und den Gefahren materiellen Reichtums, der es schwer macht, Jesus nachzufolgen.

 

Doch Samuel Herd, Mitglied der leitenden Körperschaft der Zeugen Jehovas, verwendet diesen Bericht noch in einem anderen Zusammenhang. Auf der Jahresversammlung 2025 sprach er über das Thema „Zurechtweisung“. Achten wir darauf, wie er diese Metapher aus dem Bericht Jesu mit dem reichen Jüngling anwendet. Der wahre Sinn dieses Berichts, der den Kern der guten Botschaft umfasst, scheint für die Glieder der leitenden Körperschaft weniger wichtig zu sein. Dies wird deutlich, wenn wir uns anhören wie Samuel Herd diesen Bericht auf sein Thema „Zurechtweisung“ anwendet.

 

Doch lasst uns zuvor versuchen, den wirklichen Sinn der Worte Jesu zu verstehen, und lesen wir den Bericht zunächst im Zusammenhang aus Matthäus 19,16-19.

Da trat einer an ihn heran und fragte ihn: »Meister, was muss ich Gutes tun, um ewiges Leben zu erlangen?« Er antwortete ihm: »Was fragst du mich über das Gute? (Nur) einer ist der Gute. Willst du aber ins Leben eingehen, so halte die Gebote.«
Du sollst nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, und deinen Nächsten lieben wie dich selbst.« Der Jüngling erwiderte: »Dies alles habe ich von Kindheit an beachtet, was fehlt mir noch?«
Jesus antwortete ihm: »Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe dein Hab und Gut und gib (den Erlös) den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und dann komm und folge mir nach!«

Die Worte Jesu „Eines fehlt dir noch“ (siehe die Parallelstelle in Markus 10,21) verwendet Samuel Herd auch für seinen Vortrag zum Thema „Zurechtweisung“, obwohl dieser Bericht nichts mit seinem Thema zu tun hat. Doch dazu später mehr.


Die Aufforderung „alles zu verkaufen“, wird von einigen Zeugen als Prüfung und Aufforderung verstanden (obwohl ihnen gelehrt wird, „ewiges Leben“ sei ein Geschenk Gottes, das nicht durch Werke „verdient“ werden kann). Das ist natürlich im Hinblick auf das, was Jesus als seine wichtige Botschaft lehrte, ein Widerspruch. Doch Samuel Herd macht daraus eine große Sache, eine grundlegende Anforderung, die von jedem Nachfolger Jesu erwartet wird.

 

„Verkaufe alles, was dir gehört!“ Erwartete Jesus dies von dem jungen Mann? Nein, auch wenn die Frage „Was soll ich tun?“ impliziert, dass eine Nachfolge Jesu die Bereitschaft beinhaltet, auf persönlichen Komfort zu verzichten, was zwar auf die Jünger Jesus zutrifft, aber von Jesus nicht als grundlegende Voraussetzung betrachtet wird. Als Jesus feststellte, „Eines fehlt dir noch“, dachte er an eine Vollkommenheit, die kein Mensch erreichen kann. „Niemand ist gut, außer Gott,“ sagte Jesus.

 

Auf die entschlossene Antwort des jungen Mannes, „dies alles habe ich von meiner Kindheit an gehalten“, musste Jesus reagieren. Wenn der junge Mann tatsächlich vollkommen wäre, könnte er sein Leben als Lösegeld opfern und den Auftrag erfüllen, den in Wirklichkeit nur Jesus erfüllen konnte. Jesus wusste, nur seine Person ist vollkommen. Könnte man die Aufforderung Jesu „komm folge mir nach“ auch in diesem Kontext verstehen?

 

An dieser Stelle müssen wir auf die Worte des Apostel Paulus aus Römer 1:17 eingehen. Die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, kommt aus Glauben; wie geschrieben steht: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“.

 

Jakobus betont sogar: „denn selbst wenn jemand das ganze Gesetz hält, aber gegen ein einziges Gebot sündigt, der verletzt das ganze Gesetz“ (Jakobus 2:10).

Vor diesem Hintergrund könnte man diesen Bericht folgendermaßen zusammenfassen. Trotz seiner Selbstgerechtigkeit gewann Jesus den jungen Mann lieb, er tadelte ihn nicht, er erteilte ihm keine Zurechtweisung, wie Herd in seinem Vortrag behauptet.

 

Im Kontext der paulinischen Theologie wird deutlich, dass Jesus, trotz der offenkundigen Selbstgerechtigkeit des Jünglings, Mitgefühl und Liebe zeigte. Seine Reaktion betont, dass wahre Gerechtigkeit nicht durch menschliches Handeln, sondern durch die Gnade Gottes erlangt wird. Deshalb sagte Jesus im übertragenen Sinn: „wenn du behauptest, das Gesetz seit Jugend an zu beachten, dann bist du vollkommen, aber dann fehlt dir noch etwas, verkaufe alles, was du besitzt“. Da ging der junge Mann betrübt weg; denn er besaß ein großes Vermögen.

 

Doch lasst uns nun zum Thema von Samuel Herd „Zurechtweisung“ kommen. Und um es gleich vorwegzusagen, ich frage mich, wie es überhaupt möglich ist, die Geschichte „über den reichen Jüngling“ mit dem Thema „Zurechtweisung“ zu verknüpfen, ohne den Sinn zu verdrehen, den Jesus meinte.

 

Doch ehrlicherweise müssen und können wir einräumen, dass er den Kern dessen, was Jesus ansprach, verstand und auch erwähnt. Das ist geschickt von ihm, denn er vermittelt so der Zuhörerschaft den Eindruck, dass alles, was er jetzt sagt, mit dieser Geschichte verbunden ist. Die Zuhörer haben das Gefühl, sie lauschen einem biblisch fundierten Vortrag.

Samuel Herd fordert dazu auf, daran zu denken, dass der junge Mann in der jüdischen Tradition erzogen wurde und dementsprechend dachte, er müsste handeln, also etwas tun und leisten.

 

Die jüdische Tradition legte großen Wert auf Leistung. Doch merkt Samuel Herd hier eigentlich, dass das „Leistungsevangelium“ der Juden dem der leitenden Körperschaft entspricht? Meine Erfahrung ist, ja, auf jeden Fall, doch kaum ein Zuhörer bemerkte das.

 

Achten wir darauf, wie er diese Metapher seinem Thema „Zurechtweisung“ anpasst. Er konzentriert sich auf den Satz Jesu „etwas fehlt dir noch“ und baut auf diesem einen Satz seine Argumentationskette auf.

Und nun beginnt er das Ereignis so zu verdrehen, dass der Sinn dessen, was Jesus sagen wollte, entstellt wird, und damit der gesamte Inhalt der guten Botschaft.

Es ging in dieser Geschichte eigentlich nur um die Frage „was muss und kann ich tun“, um ewiges Leben zu erlangen. Der Kern der guten Botschaft ist die Erlösung durch Gnade und nicht durch Gesetzeswerke.

Doch dies scheint für die Glieder der leitenden Körperschaft nicht der Kern der guten Botschaft zu sein. Dies wird deutlich, wenn wir uns anhören wie Samuel Herd, den Bericht anwendet:

„Diese Worte haben ihn bestimmt getroffen“, so Herd. Sein Leben lang hat er sich an alles gehalten, was das Gesetz verlangte und jetzt sagt Jesus zu ihm, „diese eine Sache fehlt dir noch“

Hierin steckt eine bedeutende Lehre für uns alle. Irgendwann müssen wir uns einer Korrektur unterziehen; die Frage ist also nicht, ob wir korrigiert werden, sondern wie wir reagieren werden, wenn wir diese Korrektur erfahren.

 

Das könnte sicherlich so gewesen sein, und irgendwann muss sich jeder korrigieren. Doch wie schon angedeutet, geht es in diesem Bericht nicht ums Korrigieren. Aber das Thema Korrigieren scheint zur gegenwärtigen Zeit wichtiger zu sein als das, was Jesus wirklich vermitteln wollte. Anweisungen zu befolgen und Korrekturen ohne Widerrede anzunehmen und umzusetzen, ist für die leitende Körperschaft das Wichtigste. 

Samuel Herd führt dann drei Arten von Menschen an, die unterschiedlich auf Zurechtweisung reagieren: 

Sehen wir uns die 3 Arten an, wie Menschen auf Rat reagieren. Manche sind wie eine zerbrechliche Teetasse, sie zerbrechen förmlich und gehen tieftraurig weg. Andere sind wie ein Plastikbecher, sie zerbrechen nicht, sie gehen nur verbittert weg. Und dann gibt es Menschen, die wie ein Baum sind und Wind brauchen, also Druck, um fest zu stehen.

Die Beispiele „Teetasse und Plastikbecher“ machen in diesem Zusammenhang Sinn, doch das Beispiel mit einem Baum, der sich dem Wind anpasst, ist etwas fragwürdig, ja sogar zweideutig. Bäume brauchen keinen Wind, um fest zu stehen und richtig zu wachsen. Will Herd damit betonen, dass zur Erziehung Druck nötig ist, damit der Betreffende in die gewünschte Richtung wächst?

 

Die Praxis zeigt, dass Bäume, die im Wind stehen, wie an der Küste, wo der Wind in der Regel von der Seeseite kommt, kaum noch zu gebrauchen sind. Um im Bild zu bleiben, das Gegenteil ist richtig. Ein Baum sollte standhaft sein und gerade nach oben wachsen, und sich nicht durch einseitigen Druck verbiegen lassen, nur dann ist er wertvoll.

 

Doch die Führungsebene der Wachtturmgesellschaft sieht das anders. Sie benötigt anpassungsfähige Bäume oder Männer, die sich in ihre Richtung biegen lassen. So gesehen, spricht Herd aus, was er wirklich von seinen Zuhörern denkt und erwartet.

 

Herd erklärt 8 000 000 Zeugen Jehovas gerade, dass es nur 3 Möglichkeiten gibt, auf Zurechtweisung zu reagieren. Eine Teetasse, die zerbricht, ein Mensch, der wie ein Plastikbecher zerknittert und sich insgeheim über Zurechtweisung ärgert, und der Baum, der sich anpasst.

Aber wo ist die Möglichkeit, dass eine Person, die Zurechtweisung ablehnt, weil er sie als ungerechtfertigt betrachtet und sie möglicherweise sein eigenes Gewissen verletzen würde? Diese Möglichkeit gibt es für Samuel Herd und der leitenden Körperschaft nicht einmal im Ansatz.


Fassen wir zusammen.

Die leitende Körperschaft eliminiert hier gezielt kritisches Denken. Das Einzige, was du zu tun hast, ist Gehorsam sein. Und dies wird dir in einer Umgebung vermittelt in der alle um dich herum zustimmend nicken, wodurch der soziale Druck verstärkt wird, weil alle zustimmend schweigen.

 

Das ist kein biblischer Vortrag, das ist auf Gehorsam ausgelegte gezielte Manipulation,

die sich überall wiederfindet. Sanftmut, Sensibilität und emotionales Bewusstsein werden dir als weltliche Schwäche verkauft. Gesunde Skepsis bedeutet, Widerstand gegen göttliche Autorität, und wenn Korrektur schmerzt, bist du selber schuld.

 

Wie bereits erwähnt, belehrt Herd seine Zuhörer, dass Ablehnung von Rat und Korrektur durch die leitende Körperschaft gleichbedeutend ist, mit der Ablehnung dessen, was Jesus lehrte. Zurechtweisung durch Älteste hat demnach das gleiche Gewicht, wie die Zurechtweisung durch Jesus. Solltest du dich unangenehm fühlen, gibt es keine Chance zu gewinnen, du wirst nur verlieren. Und in jedem Vortrag wirst du das gleiche hören. Warum dieser Vortag? Was steckt dahinter?


Um diese Frage zu klären, ist es erforderlich, sich anzusehen, was sich hinter den Kulissen des Wachtturm-Hauptquartiers abspielt. Die Organisation steht im Moment unter größerem Druck als jemals zuvor in ihrer modernen Geschichte, durch Gerichtsurteile, die viel Geldverlust bedeuten. Und wenn man die Gesamtsituation betrachtet, wirkt dieser Vortrag nicht wie eine „Bibellektion“, sondern ähnelt eher einer Schadensbegrenzung.

 

Dieser Vortrag ist speziell darauf ausgelegt, dem Zuhörer beizubringen, nichts zu hinterfragen und aufzuhören, Widerstand zu leisten. Er ist strukturell darauf ausgelegt, Gehorsam zu erzeugen und nicht um geistiges Wachstum zu fördern. Das ist der Grund, warum die vierte Option fehlt, die Option, eine Zurechtweisung zu bewerten.

Also was bringt es, sich zu weigern, zu gehorchen oder einen „Rat“ zu hinterfragen? Es bringt nichts, deshalb hinterfragt nichts, tut es einfach. Das ist der Rahmen, in dem sich sein Vortrag

9 Kommentare


lila.lucky
lila.lucky
vor 17 Stunden

Habt Ihr aus Würzburg gehört? Vergangene Woche wurden drei Zeugen Jehovas im Straßendienst typischer Weise auf dem Bahnhof (um dort viele Passanten früh im Berufsverkehr Zeugnis zu geben) von einem Afghanen mit einem Messer angegriffen und verletzt.

https://youtu.be/4vWwEQ7SXII


Und das, obwohl beide Streitparteien jeweils nahezu das Gleiche glauben...! Die Muslime erwarten ja auch Jesus Wiederkommen, glauben aber nicht an Jesus seiner eigenen Göttlichkeit. Sondern nur, dass Jesus der Sohn bzw. der Abgesandte von Gott sei und beten Gott als den Vater an. Genau wie die Zeugen Jehova es glauben, fast das gleiche. Konfus! Man muss schon konkret beide Lehren in ihrer Tiefe kennen, um diesen Quatsch an Irrationalität überhaupt zu verstehen.


Manche Leute behaupten, also ich hörte das mal, in…


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josef_moosbrugger
vor einem Tag

Eine Ergänzung zu dem obigen Artikel, worüber wir selbst nachdenken sollen


Jesus sagt nicht: "Spende ein bisschen mehr oder sei weniger materialistisch. Er identifiziert den einen zentralen Götzen im Leben dieses Mannes, seinen Reichtum, seine Sicherheit, seine Identität und verlangt dessen vollständige Auslieferung. Dies ist kein allgemeingültiges Gebot für jeden Christen, buchstäblich obdachlos zu werden, aber es ist ein allgemeingültiges Prinzip. Bist du bereit, das aufzugeben, was dir die größte Sicherheit außerhalb von Gott gibt? In unserer modernen Welt ist dieser Götze selten eine Truhe voller Gold. Es ist unser Rentenfonds, unser Immobilienportfolio, unser Karrierestatus, unser soziales Ansehen. Es ist das Sicherheitsnetz, dass wir weben, damit wir Gott nicht wirklich brauchen. Jesus fordert diesen Mann auf. von seinem eigenen Thron…


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Jacky


"..... verkaufe dein Hab und Gut....."

Ich habe genau diese Stelle schon öfters bei den Publikationen gelesen und von Steffi/Lisa gehört daß so immer die Spendenbereitschaft gepusht wurde.

Jetzt gedanklich einfach mal einen Schritt weiter denken: heutzutage kann ich ja meine Organe und Gliedmaßen verkaufen. So daß ich letztendlich nur noch ein Kopf auf einer Sprungfeder bin. Klar, so doof wird keiner sein. Ich frage mich aber ob die Org schon mal solche Gedanken hatte.


Grüße Jacky

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lila.lucky
lila.lucky
vor 11 Stunden
Antwort an

Alles Roger.

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