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Die Nasiräer und ihr Gelübde - ein Vorbild für Christen?



Was Jehovas Zeugen von den Nasiräern lernen sollen


Eine Betrachtung des Wachtturm-Studienartikels - Februar 2024 „Was wir von den Nasiräern lernen können“


Zeugen Jehovas haben ein spezielles Verständnis von Glück. Glück wird unteranderem definiert als Zustand des Wohlbefindens, ein verhältnismäßig langes Gefühl von Zufriedenheit bis hin zu tief empfundener Lebensfreude und den natürlichen Wunsch, dass dieses Gefühl weiter anhält. Zeugen Jehovas werden jedoch so manipuliert das sie erst Glücksgefühle verspüren, wenn sie die empfohlenen Ziele des treuen und verständigen Sklaven erreicht haben.


„Glück bedeutet für sie, der Organisation zu folgen, um Jehova ihr Bestes zu geben. Nach Ansicht des treuen und verständigen Sklaven gibt es für sie kein größeres Glücksgefühl als im Dienst für Jehova. Glücksgefühl, die sich Menschen in der Regel wünschen werde auf später verschoben. Bald ist das Ende nah, spätestens dann wirst du das, was du unter Glück verstehst, erleben!

 

Viele Glücksmomente und viele Möglichkeiten für „das kleine Glück“ des Einzelnen werden durch die Wachtturm-Gesellschaft geraubt, oder besser gesagt, als Hindernis gesehen, Jehova „sein Bestes“ zu geben, und Glück findet ein Zeuge nur wenn er Jehova sein Bestes gibt.

 

Doch viele wachten auf, als sie feststellten; eigentlich bin ich nicht wirklich glücklich, ich fühle mich eher ausgelaugt und müde. Das mag auch der Grund sein, warum die leitende Körperschaft ihr Leistungsevangelium durch reduzierte Stundenziele erträglicher machen wollte. Doch Jehovas Zeugen werden weiterhin dazu genötigt und manipuliert, mehr zu tun, als dass was nötig ist, wenn sie ihr „Hingabegelübde“ erfüllen wollen.

Genau dafür wurde der Wachtturm-Studienartikel Februar 2024, mit dem Artikel:

„Was wir von den Nasiräern lernen können“ herausgebracht.

 

Anhand der Nasiräer will der "treue Sklave" die Zeugen „Ermuntern“ für Jehova „besondere und zusätzliche Opfer“ zu bringen. Zitat Abs. 1:

 

BESTIMMT bedeutet dir deine Freundschaft zu Jehova sehr viel. Und damit bist du nicht allein. Schon seit biblischen Zeiten empfinden Menschen so und haben für Jehova gern Opfer gebracht (Ps. 104:33, 34). Im alten Israel traf das ganz besonders auf die Nasiräer zu. Wer waren sie? Und was können wir von ihnen lernen?

 

Bestimmt bist du bereit wie die Nasiräer, mehr als das übliche zu tun, - so die Botschaft. Doch was hat es mit dem Gelübde eines Nasiräers wirklich auf sich? Wie wir in 4. Mose 6 erfahren wurde das Gelöbnis eines Nasiräers für eine bestimmte Zeitspanne gegeben wurde, vielleicht einen Monat oder ein Jahr. Die Bibel berichtet auch von Personen, die für ihr ganzes Leben von Gott erwählt wurden, das Gelübde eines Nasiräers abzulegen, wie z. B. Samson, Samuel und Johannes der Täufer.

 

Im Absatz 3 wird dann die Frage gestellt: „Was haben wir mit den Nasiräern gemeinsam?

Ja, diese Frage stellen sich bestimmt auch viele, die diesen Wachtturm-Artikel lesen. Denn wie der Artikel richtiger Weise betont, wurde durch „das Gesetz des Christus“ das mosaische Gesetz abgelöst, und damit auch das Nasiräer-Gelübde, siehe Röm. 10:4.

In Galater 6:2 erklärte uns Paulus, was es bedeutet das GESETZ DES CHRISTUS zu erfüllen:

„Einer trage der anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. 3 Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst“. Gal. 6:2

Damit wäre die Frage „Was haben wir mit den Nasiräern gemeinsam“ eigentlich

schon beantwortet. Nichts, da wir unter dem Gesetz des Christus leben und Gott keine besonderen Opfer mehr von einem Christen erwartet, es sei denn, er wurde zu einer besonderen Tätigkeit von Gott erwählt. Und jeder der meint er müsse etwas Besonderes leisten, um Gottes Liebe zu erlangen und sei durch sein Nasiräer-Gelübde etwas Besonderes, betrügt sich selbst, so Paulus in Gal. 6:3

 

Der Sklaven sieht das aber anders. Für ihn scheint immer noch die Opferbereitschaft der Maßstab für einen eifrigen Christen zu sein. Zitat Absatz 3:

Doch wie die Nasiräer damals, haben wir den starken Wunsch, Jehova mit unserem ganzen Herzen, unserer ganzen Seele, unserem ganzen Denken und unserer ganzen Kraft zu dienen (Mar. 12:30). Das versprechen wir Jehova feierlich, wenn wir uns ihm hingeben und taufen lassen. Dieses Gelübde zu erfüllen bedeutet, sich nach dem Willen Jehovas auszurichten und Opfer zu bringen. Wenn wir uns jetzt mit dem Leben der Nasiräer beschäftigen, lernen wir viel darüber, wie wir unser Gelübde halten können (Mat. 16:24).

 

Also, der „treue Sklave“ bringt die Worte Jesu auf die Frage der Schriftgelehrten „Welches ist von allen Geboten Gottes das wichtigste?“ mit der Taufe eines Christen in Verbindung. Doch in Markus 12:30 geht es nicht um die Erfüllung eines angeblichen "Hingabegelübdes". Die Antwort Jesu auf die Frage der Schriftgelehrten lautete:

„und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, ganzer Seele und mit all deiner Kraft“

Das andre ist dies: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« Es ist kein anderes Gebot größer als diese.

 

Was wollte Jesus hier ausdrücken? Nun, einer der Schriftgelehrten Verstand, was Jesus sagen wollte und sagte: „Richtig, Lehrer. Das ist wahr: Es gibt nur einen Gott und Ihn und auch seinen Mitmenschen zu lieben ist viel mehr wert als all die Brandopfer und übrigen Opfer, die wir ihm bringen. Markus 12:31.


Doch der treue und verständige Sklave hat scheinbar immer noch nicht verstanden, worum es Jesus in Markus 12:31 ging. Es ging Jesus nur um die Liebe zu Gott und den Mitmenschen, nicht um Opferbereitschaft für Gott.

 

Mit seiner Taufe gibt verspricht ein Christ kein nicht, seine Liebe zu Gott durch besondere Opferleistungen zu beweisen. Die Taufe ist ein Zeichen sder Einsicht, als Sünder auf das Opfer Jesu zur Rettung angewiesen zu sein. Das Einzige, was ein sündiger Mensch noch zu tun hat ist, dieses Opfer dankbar und glaubensvoll anzunehmen. Jesus hat sich ein für alle Mal selbst als Opfer dargebracht und damit ist die Zeit der Opfer vorbei.

 

Doch der Sklave fordert weiterhin Opfer zu bringen, in dem er die Opferbereitschaft der Nasiräer für Zeugen Jehovas bis ins Einzelne in seinem Sinn interpretiert. Zum Beispiel musste damals ein Nasiräer geloben auf Alkohol und auf alles, was vom Weinstock stammt zu verzichten. Ein Nasiräer, so lesen wir in dem Artikel, war bereit, auf Genuss zu verzichten, und so werden auch Jehovas Zeugen ermuntert, auf Genuss zu verzichten.

 

Doch ein Christ weiß das er schon auf vieles verzichten muss. denn das Leben eines Christen ist nicht immer eitel Sonnenschein. Das bedeute, das er notgedrungen auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten muss, und sich dessen bei seiner Taufe auch bewusst war. Von daher ist die Aufforderung im Abs. 4: „SEI BEREIT OPFER ZU BRINGEN“ unnötig, es sei denn man erwartete etwas, was über das Normale hinausgeht.

 

Und genau das wird erwartet, denn im Abs. 5 lesen wir:

„Auch wir verzichten auf so manches, um uns mehr für Jehova einsetzen zu können. Wie wird das am Beispiel von Madián und Marcela deutlich?

 

Sich MEHR für Jehova einsetzen als üblicher Weise erwartet wird, darum geht es.

Übersetzt bedeutet dies, sich mehr für Jehovas Organisation einzusetzen, und nicht nur in irgendeiner Form tätig sein. Es wird erwartet, den Dienst freiwillig ausweiten.

Und damit auch jeder versteht was gemeint ist und sich angesprochen fühlen darf führt man Beispiele aus der Neuzeit an, und verweist auf Glaubensbrüder, die bereit waren auf Genuss zu verzichten. Zitat weiter:

 

Da Madián gut verdiente, konnten sich die beiden eine schöne Wohnung leisten und führten ein komfortables Leben. Doch sie hatten den Wunsch, mehr für Jehova zu tun. Also beschlossen sie ein paar Veränderungen vorzunehmen. Sie senkten ihre Ausgaben, zogen in eine kleinere Wohnung und verkauften ihr Auto. Diese Opfer mussten sie nicht bringen. Sie entschieden sich freiwillig dafür, um ihren Dienst auszuweiten. Madián und Marcela haben ihre Entscheidung nicht bereut und sind glücklich und zufrieden. 

„Doch sie hatten den Wunsch, mehr für Jehova zu tun“. Also zogen sie in eine kleinere Wohnung, verkauften ihr Auto, arbeiteten weniger u.s.w. Eine schöne angemessene Wohnung oder gar ein Haus, ein Auto oder ein Arbeitsplatz, der ein komfortables Leben ermöglichte, sind nur unnötiger Ballast um als Christ ein glückliches Leben zu führen.  

 

Okay, wir hatten ja schon eingangs darauf hingewiesen, das Zeugen Jehovas erst dann Glücksgefühle verspüren, wenn sie die empfohlenen Ziele des treuen und verständigen Sklaven umsetzen. So auch bei Madián und Marcela. DIese sind glücklich und zufrieden „Glück bedeutet für sie, der Organisation zu folgen, und Jehova ihr Bestes zu geben.

 

„Madián und Marcela entschieden sich freiwillig dafür, um ihren Dienst auszuweiten“! so lesen wir weiter. Wirklich?

 

Eine der Vorbedingungen für das Gelübde eines Nasiräers war damals „Freiwilligkeit“, die nicht auf das Drängen einer anderen Person oder einer Organisation hin erfolgte. Wenn also ein Israelit damals tief bewegt, dass Gelübde eines Nasiräers auf sich nahm, so tat er es aus freien Stücken.

Von daher ist das Beispiel eines Nasiräers aus der Vorchristlichen Zeit ein unpassendes Vorbild zur Motivation einer besonderen Tätigkeit, weil, wie gesagt, sich jeder Christ bei seinem Taufentschluss bewusst war, auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten zu müssen. Zusätzlich erbrachte Opfer, die über das „normale hinausgehen“ sind eher ein Zeichen, das man das Opfer Jesu als ungenügend ansieht.

 

Und so ist auch die Frage „Warum sind Christen heute bereit Opfer zu bringen“, überflüssig. Die Antwort zu dieser Frage wird dennoch auch gleich mitgeliefert,

Zitat Abs. 6: „Deine Antwort“

Viele von uns bringen gerne Opfer, um sich mehr Freiräume zu schaffen. Jehova verlangt nicht von uns auf Dinge zu verzichten, die an sich nicht verkehrt sind. Dennoch sind manche bereit, bei ihrer Arbeit oder Wohnung Abstriche zu machen, oder sie verzichten auf ein Haustier. Andere verschieben ihren Wunsch, zu heiraten oder Kinder zu bekommen, auf später. Wieder andere sind bereit, von Familie und Freunden wegzuziehen, um da zu helfen, wo größerer Bedarf besteht. Sie bringen solche Opfer gern, weil sie Jehova ihr Bestes geben möchten. Wir können davon überzeugt sein, dass für Jehova jedes Opfer, ob klein oder groß, sehr wertvoll ist (Heb. 6:10).

 

„Deine Antwort“ so lesen wir neuerdings vor jedem Absatz. Damit will man explizit darauf hinweisen, dass dein Kommentar deine eigene Antwort ist. Du brauchst nicht mehr selbst nachdenken, sondern deine Antwort ist, wie gewohnt, vorgegeben. So viel zum Thema Freiwilligkeit. 

Damit verurteilt sich jeder der Anwesenden, der ein angenehmes Leben führt und nicht auf Kinder oder Haustier verzichtet und auch nicht bereit ist, seinen Freundes und Familienkreis zu opfern, wenn er diese Antwort vorliest oder in eigene Worte fast, als Heuchler.

Auf alle Anwesenden wird damit ein moralischer Druck ausgeübt. Ob sich einer der Anwesenden schämt, weil er sich, wie die meisten der Anwesenden, anders entschieden hat ist eine Frage der persönlichen Wahrhaftigkeit.

Nach meiner Erfahrung denken die meisten kaum darüber nach, dass sie sich selbst betrügen, egal wie sie auf diese versteckte Aufforderung reagieren. Die meisten sind der Überzeugung, Jehova schon ihr Bestes zu geben. Andere verzichten wie ein Nasiräer auf alles Angenehme des Lebens, in der Überzeugung, Gott einen besonderen Dienst zu erweisen. Beides ist jedoch Selbstbetrug, besonders wenn er das Gelübde eines Nasiräers wegen seines schlechten Gewissens ablegt.

 

Freiwilligkeit steht für einen Entschluss, der frei von äußeren Einflüssen erfolgte. Freiwilligkeit ist ein Begriff aus der Ethik, eine Reaktion aus freien Stücken, aus sich heraus, unaufgefordert, ohne Scham sich anders zu entscheiden, ohne moralischen Druck.

Ungeachtet dieser Tatsache übt aber der Artikelschreiber weiter Druck aus, siehe Absatz 9, Frage: Wie können wir dem Herzen Jehovas Freude machen?

Deine Antwort:

„Weil wir uns dem Willen Jehovas unterordnen, unterscheiden wir uns von den Menschen um uns herum. Wir brauchen Mut, um am Arbeitsplatz oder in der Schule zu sagen, dass wir Zeugen Jehovas sind. Je mehr es mit der Moral dieser Welt bergab geht, desto schwerer wird es wahrscheinlich, nach der Bibel zu leben und über die gute Botschaft zu sprechen“ 

Und weiter Abs. 10.

Nasiräer durften sich keiner Leiche nähern. Das scheint auf den ersten Blick kein großes Opfer zu sein. Doch wenn ein naher Verwandter starb, stand ein Nasiräer vor einer echten Herausforderung. …. Einem Nasiräer waren auf diesem Gebiet Grenzen gesetzt. Besonders wenn es in der Familie zu einem Trauerfall kam, erforderte es starken Glauben, sich an das Gelübde zu halten.

 

Die Frage zu Abs. 11: "Was müssen wir bei Familienangelegenheiten beachten?

Und deine Antwort,

 „Als Christen nehmen wir unser Hingabegelübde sehr ernst. Das hat auch Einfluss auf Entscheidungen in Familien­angelegenheiten. Es ist uns natürlich wichtig, unsere biblischen Verpflichtungen zu erfüllen, aber wir würden niemals die Wünsche unserer Familie über das stellen, was Jehova von uns erwartet (Mat. 10:35-37; 1. Tim. 5:8). In manchen Fällen mag das bedeuten, den Familienfrieden ein Stück weit zu opfern.

Ich denke das genügt um zu verstehen warum die Organisation das Nasiräergelübde so ausführlich behandelt um auf Menschen, die glauben Christus angenommen zu haben zu Leistungen anzuspornen, die Jesus nicht erwartet.

Der Sklave, spricht die Organisation, braucht Menschen, die auch in extremen Situationen bereit sind, dem angeblichen Willen Jehovas Vorrang zu geben? Siehe Absatz 12

Jehova weiß, dass wir den aufrichtigen Wunsch haben, ihm zu gefallen und Opfer zu bringen, um unser Hingabegelübde zu erfüllen. Und er ehrt uns dadurch, dass wir selbst entscheiden dürfen, wie wir unsere Liebe zu ihm zum Ausdruck bringen. …  Seien wir deshalb entschlossen Jehova weiter unser Bestes zu geben.

Jehova weiß das du den Wunsch hast, ihm zu gefallen, und du darfst selbst entscheiden, wie du deine Liebe zu ihm zum Ausdruck bringst. Dieser Satz ist voll von versteckter Manipulation, so wie der gesamte Artikel.

 

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der gesamte Artikel den Begriff Nasiräer in einen organisationsdienlichen Zweck presst, und die Autoren einen erschreckenden Mangel an Verständnis darüber offenbaren, das ein Nasiräer als Vorbild auf Christus dient und hinweist.

 

Christus war moralisch der wahre Nasiräer, er war der Heilige, und anstelle des Genusses von irdischer Freude, war er der Mann der Schmerzen. Aber er lebte für Gott und starb auch für die Sünde und wurde die prophetische Erfüllung der Opfergaben die die Israeliten noch leisten mussten.


Auch ein getaufter Christ ist im übertragenen Sinn „Nasiräer“, nicht aufgrund eines zusätzlichen Gelübdes, wie im Artikel angeregt, sondern als Geheiligte für und durch Christus Jesus.

„ich heilige mich für sie, damit auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit." Joh 17:19

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