top of page
  • Bruder

Der Tanz um das Goldene Kalb! 1. Teil



Diese stehende Wendung ist weithin bekannt und geht auf eine Begebenheit im alten Volk Israel unter Mose zurück, als dieser auf den Berg Sinai gestiegen war, um aus der Hand Gottes die zehn Gebote entgegenzunehmen. Nachzulesen ist diese Begebenheit in 2. Mose, Kapitel 32.

Der „Tanz ums goldene Kalb“ wird heute metaphorisch gebraucht und hebt auf die Verehrung und Bedeutung ab, die die Menschen gewissen Personen, Organisationen oder Vorlieben angedeihen lassen, die sie über alles andere stellen bzw. die sie verehren, ihr Herz daran hängen und daraus einen anbetungsgleichen Kult machen.


Dabei geht es nicht nur um Lebensentwürfe wie Reichtum, Schönheit oder Erfolg, sondern beispielsweise auch um ein ungebührliches Vertrauen, das man auf Personen setzt, die sich als Stellvertreter Gottes ausgeben.

Während diese Wendung und ihr biblischer Ursprung weithin bekannt sein dürften, ist der anschließende für uns heute so bedeutungsvolle Bericht meist unbekannt, als Moses für das Vergehen des Volkes Israel bei Gott um Vergebung betet und für ihr Vergehen Fürbitte einlegt. Bei diesem Zwiegespräch zwischen Mose und Gott fällt das ungewohnt vertraute Verhältnis zwischen ihnen auf.

Es mag uns befremden, dass Gott Moses tatsächlich als prophetisch vorschattendes Gleichnis auf seinen Sohn Jesus gebrauchte, wobei er die besondere Bündnissituation im Sinn hatte, in welcher beide Personen zu IHM als ihrem Gott standen.


Lässt sich diese Behauptung biblisch belegen? Ja, denn kurz nach Pfingsten 33 u. Z. zitierte der Apostel Petrus aus der einst von Moses geäußerten Prophezeiung, die sich erst viel später an Jesus Christus erfüllt hatte. Aus den Hebräischen Schriften führte Petrus folgende Passage an:

„In der Tat, Moses hat gesagt: ‚Einen Propheten gleich mir wird euch Jehova Gott aus der Mitte eurer Brüder erwecken. Auf ihn sollt ihr hören gemäß all den Dingen, die er zu euch redet‘. “ Apg. 3:11, 22, 23; lies 5. Mose 18:15, 18, 19.

Schon Moses war beim jüdischen Volk hoch geachtet, daher erwarteten sie gespannt das Auftreten des angekündigten größeren Propheten. Dieser sollte sich nicht nur als ein Messias, ein Gesalbter Gottes wie Moses erweisen, sondern als der Messias schlechthin, „der auserwählte Christus“ Gottes.

Jesus sollte wie Moses eine Mittlerrolle zwischen Gott und dem Volk einnehmen, nach seinem Tod aber für das Leben der gesamten Menschheit zuständig werden. Moses dagegen diente nur als Mittler des Gesetzesbundes zwischen Jehova und den Israeliten. Jesus sollte sich dagegen als der größere Moses, als der Mittler eines noch weit besseren und bedeutenderen Bundes erweisen. Zur gegebenen Zeit nämlich würde Gott, der Allmächtige, seine Gesetze in die Herzen der Menschen schreiben. 1. Timotheus 2:5; Hebräer 8:10


Moses wurde von seinem Gott Jehova oder Jahwe für Pharao in gewisser Weise zu einem Gott oder Mächtigen gemacht, wie es 2. Mose 7:1 ausdrückt:

„Der Herr sprach zu Mose: Hiermit mache ich dich für den Pharao zum Gott; und dein Bruder Aaron soll dein Prophet sein.“

Als Sprachrohr vor Pharao hatte Gott ihn mit seiner Autorität und durch die Wunder, die er vor Pharao wirkte, mit seiner Legitimation ausgestattet. In dieser außergewöhnlichen Situation tritt Mose in seiner Funktion als von Gott gesandt vor den mächtigen Pharao mit der unerhörten Forderung, das versklavte Volk ziehen zu lassen. So wurde Mose für die Ägypter zu einem Gott, der seinen unabwendbaren Willen kundzutun hatte. In vergleichbarer Weise handelte und sprach auch Jesus Christus im Namen Gottes, trat als autorisierter Gesandter seines Vaters auf, und wirkte damit wie ein Mächtiger oder wie ein Gott (Johannes 1:1), um ein Volk für seinen Namen einzusammeln.

Betrachten wir den Bibelbericht und sehen wir, wie sich die Ereignisse in Verbindung mit Moses, dem Volk Israel und dem goldenen Kalb in gewissem Sinne auch auf unsere Zeit übertragen lassen.

„Als Mose so lange Zeit nicht vom Berg herabkam, versammelten sich die Israeliten bei Aaron und forderten ihn auf: “Mach uns eine Götterfigur, die uns den Weg zeigt! Wer weiß, was diesem Mose zugestoßen ist, der uns aus Ägypten herausgeführt hat!” 2. Mose 32:1

Dem war die bekannte Szene am Fuße des Berges Sinai, in der Öde und Einsamkeit der lebensfeindlichen Wüste vorausgegangen. Vierzig Tage waren nun schon vergangen, als Moses das Volk Israel verlassen hatte, um auf den Berg zu steigen und Gott zu begegnen. Da war er nun einfach in einer dunklen Wolke verschwunden, als habe ihn ein verzehrendes Feuer verschluckt, und seither gab es von ihm kein Lebenszeichen mehr. 2. Mose 24:15


Diese bange, ungewisse Wartezeit lässt sich gut mit der Zeit vor dem zweiten Kommen Christi vergleichen, worauf gläubige Menschen seit langem voller Hoffnung warten.

Nach seiner Auferstehung versprach Jesus seinen Jüngern wiederzukommen, um vor Gott auf der Grundlage seines bereits erbrachten Loskaufopfers für die sündige Menschheit einzutreten. Seither sind geduldiges Warten, Ausharren und Wachsamkeit angesagt. Dazu gehört auch, dass wir von unserer Hoffnung mit anderen sprechen, ohne jedoch dabei einen fest vorgegebenen Zeiteinsatz befolgen zu müssen, für den es nun wirklich keinerlei biblische Grundlage gibt.

Wie die damaligen Israeliten, die auf Mose warteten, fragen sich Christi Nachfolger: "wird dieser Christus jemals wieder so zurückkehren, wie er es angekündigt hatte und wenn ja, wann"? Würde er erfüllen, was er versprochen hatte? Oder sollen wir uns selbst überlassen bleiben, ausgesetzt mitten in dieser Altenwelt-Wüste, ohne Orientierung und Führung? Mit dieser bohrenden Unsicherheit wächst das verständliche Bedürfnis, nicht noch länger warten zu müssen, sondern endlich etwas tun zu können.

Spontane Eingebungen, die aus der Unsicherheit und Ungeduld heraus entstehen, sind selten ratsam. So war es auch bei den Israeliten, wie uns der Bericht in knappen Worten mitteilt:

„Aaron schlug vor: ‚Eure Frauen und Kinder sollen ihre goldenen Ohrringe abziehen und zu ihm bringen!‘ ... Er nahm den Schmuck entgegen, schmolz ihn ein und goss daraus ein goldenes Kalb. Als es fertig war, schrien die Israeliten: ‚Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!‘ Am nächsten Morgen standen alle früh auf und brachten Brand- und Dankopfer dar. Danach ließen sie sich nieder, um zu essen und zu trinken.“

Sie beschlossen also in ihrer vermeintlichen Not, ihre materiellen Dinge zu spenden um ein goldenes Kalb herzustellen, ein sichtbares und greifbares Zeichen für die Imagination der Gegenwart Gottes. Der Goldschmuck, den die Menschen bei sich trugen, wurde eingesammelt und eingeschmolzen, nur um sich schließlich diesem handgefertigten Götzen zu unterwerfen und das Vertrauen auf ihn zu setzen.


Spiegelt sich darin nicht die Verhaltensweise der Menschen in den vergangenen Jahrhunderten wider, die seit der Himmelfahrt Jesu und dem Ableben der Apostel sehnsüchtig auf die Wiederkunft Christi warten. Auch sie wollten etwas anschaulich und gegenständlich Sichtbares, etwas, auf das sie schauen konnten um sich zu trösten.

Dieses Verhalten lässt sich einerseits mit dem alles dominierenden Gesichtssinn des Menschen erklären; was seine Augen sehen, beeindruckt ihn oft weit mehr als viele Worte. Andererseits macht es uns Menschen die schwach ausgeprägte Fähigkeit zur Abstrahierung oft schwer, Gott als materiell nicht fassbaren Geist wahrzunehmen und zu erkennen.

Auch heute opfern Gläubige Menschen ihr Gold, ihr Silber und ihr Leben Religionen, die vorgeben im Namen Gottes zu sprechen und zu handeln. So wie Aaron, der eigentlich für Moses als Prophet dienen sollte, spielen sich die geistigen Führer heute in einer unrühmlichen Rolle als göttliches Sprachrohr auf, indem sie das Volk dazu verleiten eigenen Göttern nachzufolgen, oder noch schlimmer, sich selbst als den Weg der Rettung auszugeben, indem sie sagen, „ohne uns könnt ihr nicht gerettet werden.“

Leider machen Zeugen Jehovas da keine Ausnahme, auch wenn sie gerne missbilligend mit den Finger auf die katholische Kirche und ihren päpstlichen Stellvertreter Gottes zeigen.


Sie setzen auf EINE ORGANISATION, DIE SICH DAMIT BRÜSTET IM NAMEN GOTTES ZU HANDELN UND ZU SPRECHEN, ZEIT, GELD UND KRAFT EIN UND MACHEN UNS FÜR SIE STARK.

Ohne dass sie es wirklich realisieren, ist diese Organisation für sie der „treuen und verständigen Sklaven“ und dessen Organisation zum goldenen Kalb geworden, zu dem wir bewundernd und voller Erwartung auf Führung aufblicken. Und nahezu acht Millionen Menschen tanzen um dieses goldene Kalb herum, in der Hoffnung sie könnte zum wirklich Leben führen.

In diesem Zusammenhang ist eine Äußerung des Wachtturms aus dem Jahre 1956 auf Seite 464 aufschlussreich, Zitat:

„Es ist heute gebieterische Pflicht, dass jene, die in der neuen Welt der Gerechtigkeit (dem verheißenen Land) zu leben wünschen, mit der Neuen-Welt-Gesellschaft Schritt halten. Warum? Weil SIE, die Organisation, nun bald alle ihre Glieder durch die größte aller Drangsale, den Krieg von Harmagedon, sicher hindurchbringen und sie in eine helle neue Welt führen wird…“

„Das ist unser Gott, der uns aus Ägypten befreit hat!”, schrien auch die Israeliten und blickten zu ihrem goldenen Kalb auf. Anstatt sich endlich von dieser anmaßenden Position des Lebensretters zu distanzieren, bläst der Wachtturm in seiner Ausgabe vom 15. Januar 1968 auf Seite 47 wieder in dasselbe Horn, Zitat:

„Beeile dich, Gottes sichtbare theokratische Organisation, die seinen König Jesus Christus vertritt, herauszufinden. Das ist zur Bewahrung des Lebens unerlässlich. Wenn du sie dann herausgefunden hast, solltest du sie in jeder Hinsicht akzeptieren…“

Während uns die Bibel davon berichtet, wie Jesus die Jünger und Apostel anweist, nur ihn als den Retter der Menschheit zu verkünden, indem sie ihn suchen sollten, will die Organisation stattdessen sich selbst in den Mittelpunkt setzen, indem sie dazu auffordert, in ihr "Gottes Organisation" zu sehen. Die Worte „Jehova und seine Organisation” sind uns inzwischen so geläufig geworden, dass wir sie bereits selbst als stehende Wendung gebrauchen.


Murren gegen die Organisation ist für Jehovas Zeugen mittlerweile gleichbedeutend wie ein Murren gegen Gott. Ist ihnen denn überhaupt bewusst, dass sie damit eine Handvoll unvollkommener Männer in das Haus Gottes stellen die sich so verhalten, als wären sie Gott? Können sich Menschen von ihrer Verantwortung freisprechen, durch ein falsches Verständnis über das Gleichnis vom guten und bösen Sklaven, diesem Götzendienst verfallen zu sein?


Schaut euch bitte einmal den WT-Studienartikel vom 15. August 2013 auf Seite 13 im Absatz 15 an:

„…Murren gegen diejenigen, die die irdische Organisation leiten, (die leitende Körperschaft) ist ein Murren gegen Jehova Gott.

Nicht einmal Jesus Christus selbst hätte gewagt einen solchen Gedanken auszusprechen, ganz im Gegenteil sagte er in Matthäus 12:32 selbst:

„Und wer ein Wort redet gegen den Sohn des Menschen, dem wird vergeben werden; wer aber gegen den Heiligen Geist redet, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Weltzeit noch in der zukünftigen.“

Stellt sich die Organisation denn hier nicht eindeutig über Jesus, und gibt sie sich nicht bereits selbst als Gott aus?


1.075 Ansichten81 Kommentare
bottom of page