Zeitmanagement –  das Allerwichtigste schon für Kinder?

„Wohldosiert und auf subtile Weise bemüht sich die WTG schon auf junge Menschen Zeitdruck auszuüben, damit sie ihr Leben, ihre Zeit und ihre Kraft im sogenannten „Werk des Herrn“ einsetzen.” In der Monatssendung auf JW Broadcast für Februar ging es um Zeitmanagement.

Link zum Video: https://youtu.be/E-ImFCZ630E

Zeitmanagement, wer denkt da nicht zuerst an die Arbeitswelt. Doch Zeitmanagement ist auch ein Thema für Zeugen Jehovas und deren Kinder. Es geht nicht um Geld und Erfolg im Berufsleben, sondern um ihre Rettung, das ewige Leben.

Zitat aus w14 15. 5. 4:15Wer in Jehovas Gunst stehen und von ihm gesegnet werden möchte, MUSS SEINE ORGANISATION UNTERSTÜTZEN… “

Jehova Gott wird von der WTG als der „Beste Arbeitgeber“ gepriesen. Doch anscheinend erwartet er von seinen Dienern genau so viel, wenn nicht mehr Einsatz, als jeder „weltliche Arbeitgeber“ auch. Der Moderator auf JW Broadcast bezieht sich auf die Worte des Apostel Paulus aus 1. Korinther 7:29, einen Schlüsseltext für Jehovas Zeugen, wenn es um Zeitmanagement oder Zeiteinsatz geht. Nach der NWÜ lesen dort: „die verbleibende Zeit ist verkürzt“!

Tatsächlich sprechen aber alle anderen Übersetzungen von einer „kurzen Zeit die verbleibt“.  Die Übersetzer der NWÜ setzen jedoch noch einen drauf, wenn sie sagt, „die verbleibende Zeit ist verkürzt“, so als ob die verbleibende kurze Zeit noch einmal verkürzt wurde. Also jetzt aber rann, keine Zeit mehr vertrödeln mit unwichtigen Dingen.

Es geht angeblich um die Zeit, die uns noch bis zur großen Drangsal verbleibt. Paulus sprach aber nicht von einer „verkürzten Zeit vor der großen Drangsal“, auch wenn wir Zeugen Jehovas sofort diese Verbindung herstellen. Die Zeit ist kurz, bis der Auferstandene Christus wiederkommt, ja, natürlich. Und JA, er kommt auch um die Welt zu richten. Doch das hat nichts mit „Zeitmanagement“ zu tun. Hat nicht gerade Paulus immer wieder betont das man sich die Rettung nicht erarbeiten kann?

Paulus erwartete die Wiederkunft Christi noch zu seinen eigenen Lebzeiten. Aber wir wissen heute, hier hat Paulus sich geirrt.  Der Apostel ist gestorben, und Christus ist noch nicht wiedergekommen. Seitdem haben viele falsche Propheten, auch Jehovas Zeugen, für das Ende der Welt eine Jahreszahl nach der anderen vorhersagen.

Vor der Wiederkunft Christi braucht niemandem Angst zu haben. Es wird dich nicht fragen, ob du für Gott auch genug getan hast, bevor das Ende kommt. Es ist erstaunlich  wie diese Worte des Apostels von unserer Religionsorganisation leichtfertig missbraucht wird, um von Menschen Leistung und Einsatz einzufordern.

Was wirklich zu tun ist, fasst der Apostel in 1. Korinther 7 Vers 29 so zusammen: „Die diese Welt gebrauchen, sollen es so tun, als brauchten sie sie nicht. Verliert euch nicht an diese Welt, auch wenn ihr in ihr lebt. Denn diese Welt mit allem, was sie zu bieten hat, wird bald vergehen. 

Für mich bedeutet das: Befriedige deine Bedürfnisse. Stille deinen Hunger und deinen Durst. Suche dir ein Dach über dem Kopf. Kleide dich, sodass du nicht frierst. Aber mache aus dem allem nicht mehr als es ist. Es ist vergänglich, doch das wahre Leben, das unvergängliche, darauf hoffen wir, doch wir werden es uns nicht erarbeiten können.

Nun, wird ein Zeugen einwenden, mehr sagt der Sklave doch auch nicht!

Doch, der Sklave sagt mehr. Er macht Zeitmanagement zu einem Grundlegenden Erfordernis für jeden Christen. Bei allem was du tust und planst für dein Leben sollst du dich fragen, „muss das sein“? Wie beeinflusst deine Entscheidung deinen Zeiteinsatz für Gott, sprich, für seine Organisation?

„Die Zeit ist kurz“ war von Paulus eher als Trost gedacht und sollte nicht als ein Druck empfunden werden. Deshalb ermahnte Paulus uns ja auch im Vers 17: „Jeder soll das Leben annehmen, in das Gott ihn gestellt hat, und an dem Platz bleiben, an dem er war, als Gott ihn zum Glauben rief.

Paulus sagt nicht, unser Einsatz für Jehova ist das Wichtigste was es in dieser Zeit zu tun gibt. Die eigene Rettung erarbeiten, das scheint ja das Hauptthema der WTG zu sein.

In dem JW Broadcasting-Beitrag vom Februar 2018 werden zwei kleine Knaben, 10-12 Jahre alt, im Sinne der WTG „benutzt“, um uns praktisch vor Augen zu führen was unter Zeitmanagement zu verstehen ist. Angezogen wie kleine Erwachsene geben sie ihre vorgegebenen Weisheiten zum Besten. Man bekommt unweigerlich das würgen.

Sicher, es ist nichts dagegen zu sagen, wenn man auch junge Menschen ermuntert die Rettung zu ergreifen. Aber ergreifen – so wie man ein Rettungsseil ergreift – ist der WTG zu einfach. Die Rettung erarbeiten entspricht besser ihrer Vorstellung von Rettung.

Jehovas Organisation liebt Kinder, behauptet diese immer wieder. Ja, sie weiß, Kinder sind die Nächste Generation, und so zieht man sich die Funktionäre der nächsten Generation heran. In einem speziellen Videoclip mit zwei Buben als Vorbild für alle Zeugenkinder wird diesen schon die Wichtigkeit demonstriert auf ihren Zeiteinsatz zu achten.

Natürlich werden die Kinder, in diesem Fall die Buben im Vorfeld über den grünen Klee gelobt, „ihr seid ja so toll“, macht weiter so, seid eifrig im Predigtdienst, und eure Kommentare, die sind ja so vorbildlich. Sogar in eigenen Worten haben sie das wiedergegeben, was man ihnen vorgab. Welcher Junge in diesem Alter fühlt sich nicht geehrt. Man fragt sie sogar nach ihrer Meinung: „Wie hat euch den das Musikvideo gefallen“? Die Antwort der Beiden überrascht uns nicht, wurde doch bestimmt lange geübt und gefeilt bis die Antwort ins System passt. Oder glaubt wirklich einer, das die Jungs hier ihre eigene Meinung äußern? Hier handelt es sich um eine altbewährte Masche der WTG, die wir von allen Kongressen her kennen.

Für Kinder handelt es sich hier um eine erstaunliche aber auch unglaubwürdige Antworten. Die Jungs dürfen sogar dem Lehrkomitee Vorschläge machen, welche Themen im neuen Sophia und Caleb-Video behandelt werden sollten, toll.

Also, wer will noch behaupten, der Sklave habe kein Herz für Kinder?

Wieder gibt es einen erstaunlichen Vorschlag von den Knaben. Die leitende Körperschaft möge doch mal ein Video machen in dem es um Geburtstagfeiern in der Schule geht. Dieses Thema scheint den Beiden wohl sehr unter den Nägeln zu brennen. Nun liebe Jungs, Wahrscheinlich hat die leitende Körperschaft das Video schon fertig in der Schublade liegen, um es nun heraus zu holen. Dann kann sie sagen, seht her, so sehr lieben wir euch Kinder, euer Wunsch wurde schon umgesetzt, er ist uns Befehl.

Der Helfer der leitenden Körperschaft demonstriert ihnen nun an Hand eines simplen Beispiels, wie man alles in seinen Zeitplan unterbringt, und die „wichtigen Dinge“ an die erste Stelle stellt.  Die Jungs scheinen natürlich ganz interessiert an dieser Frage zu sein.

In einem Experiment geht es um die Frage, wie man Zeit für die wichtigeren Dinge schafft.

Der Moderator erwähnt dann auch gleich welche Dinge für die Kinder nicht so wichtig sein sollten. Spielen, Freizeit, Sport, Internet, soziale Netzwerke, Musikunterricht, kurz alles, was junge Menschen so gerne in ihrer Freizeit machen. Macht zwar Spaß, ist aber nicht lebensnotwendig, und damit nicht wichtig. Kinder müssen sich demnach schon mit der Frage auseinandersetzen, ob das, was sie gerade möchten Lebensnotwendig ist. Diese Kinderfeindliche und weltfremde Aussage muss man als normaler Mensch erst einmal verdauen.

Und was sind die wichtigsten Dinge? Arbeit für den Lebensunterhalt oder Hausarbeit und Schlaf sind zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste. Unser Dienst für Jehova ist das Wichtigste in unserem Leben, und zwar Familienstudium, Versammlungsbesuch, und natürlich der Predigtdienst. Nur wer diese Dinge eifrig einplant wird die Gunst Gottes erhalten.

“Wer in Jehovas Gunst stehen und von ihm gesegnet werden möchte, MUSS seine Organisation unterstützen. Kommentarauszug, Wachtturm vom 15.5.2014 S. 29-30 Abs. 13, 15 und 16:

Gott möchte, dass wir zu ihm halten, immer seine Organisation UNTERSTÜTZEN und geistig gesund bleiben. Moses sagte zu den Israeliten „Ich nehme heute tatsächlich die Himmel und die Erde als Zeugen gegen euch, dass ich dir Leben und Tod vorgelegt habe, den Segen und den Fluch; und du sollst das Leben wählen, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen, indem du Jehova, deinen Gott [nicht eine ‘Organisation’], liebst, indem du auf seine Stimme hörst und indem du fest zu ihm hältst; denn er ist dein Leben und die Länge deiner Tage, damit du auf dem Boden wohnst, den Jehova deinen Vorvätern Abraham, Isaak und Jakob geschworen hat, ihnen zu geben“ (5. Mo. 30:19, 20). Ja, unser Leben hängt davon ab, den Willen Gottes [der WTG] zu tun, Gott [die WTG] zu lieben, auf ihn [die WTG] zu hören und fest zu ihm [zur WTG] zu halten.

[Es handelt sich hier um einen krassen Missbrauch der Bibel – der angeführte Text hat nichts mit dem ‘Unterstützen einer Organisation’ zu tun].

Alle, die Loyal zu Jehova und seiner Organisation STEHEN, werden weiterhin gesegnet. Dass es sich hier um leere Versprechen und reine Wunschvorstellung handelt zeigen die Tatsachen. Wenn dem so wäre, warum leiden so viele loyale Zeugen Jehovas an Mutlosigkeit, Frustration und Depressionen bis hin zum Selbstmord, ganz zu schweigen von den zahlreichen Missständen und menschlichen Defiziten innerhalb des ‘geistigen Paradieses der WTG?

Mag ich nicht (41)

8 Kommentare zu “Zeitmanagement –  das Allerwichtigste schon für Kinder?

  1. pit

    Ihr Lieben.

    5 Mo. 30, 19,20:

    19 Ich rufe Himmel und Erde als Zeugen gegen euch an: Ich habe dir heute Leben und Tod vorgelegt, Segen und Fluch. Wähle das Leben, damit du am Leben bleibst, du und deine Nachkommen! 20 Das geschieht, indem du Jahwe, deinen Gott, liebst, ihm gehorchst und ihm treu bleibst. Denn das bedeutet Leben und hohes Alter für dich, und du wirst in dem Land wohnen bleiben, das Jahwe deinen Vorfahren Abraham, Isaak und Jakob unter Eid versprochen hat."

    Also Leute, auf nach Israel.

    Friede pit

  2. Horst

    Zum BI-Artikel und zum BI-Film bezüglich der "Zeitmanagement"-Farce der Zeugen-Jehovas-Führung (den unsäglichen ZJ-Begriff "Leitende Körperschaft" mag ich gar nicht mehr erwähnen) bewegen mich u.a. drei Gedanken:

    1. Diese ruhige, sachliche und logische Darstellung fasziniert mich jedesmal aufs Neue.

    2. Wie kann man solche Artikel und v.a.D. die Filme anstatt 800 Menschen 80.000 oder 8 Millionen Menschen zugänglich machen ?

    3. Warum wird die Instrumentalisierung von 10-12-jährigen Kindern, die Einflussnahme auf die elementarsten Bedürfnisse von so jungen Menschen, nicht als "Mißbrauch" erkannt ?

    Detail: Neben vielem anderen Unsinn wird Kindern eingeimpft, dass ihrem Gott missfällt, wenn sie einen "Geburtstagskuchen" essen. Welch Schwachsinn im Zeitalter der Aufklärung.

    Meine Kindheit und Jugend ist diesem Schwachsinn zum Opfer gefallen, aber 4 Kinder konnte ich davor bewahren.

    Grüsse Horst

  3. Reclaimed Voices

    NEWS !
    NL: Hunderte Missbrauchsfälle bei Zeugen Jehovas
    http://religion.orf.at/stories/2910460/

    Hunderte Missbrauchsfälle bei den Zeugen Jehovas in den Niederlanden hat die Organisation „Reclaimed Voices“ nach eigenen Angaben verzeichnet.

    1. Ingolf Mann

      hier der Link der nur die Meldung über die Zeuge Jehovas enthält. https://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-399965.html

      ich bete das meine freund die bei den zeugen sind nun aufwachen und merken, dass sie mir unrecht tun, denn ich bin ken Zeuge mehr, weil sie sich des kindesmissbrauchs schuldig gemacht haben.

  4. Ingolf Mann

    Das Beispiel hat die WTG von einem Video geklaut, dass ein Professor seinen Studenten gezeigt hat. Thema war wann ist das Glas wirklich voll. Muss man nicht auch hier angeben, woher die Quelle ist von der die WTG das Beispiel "entliehen hat"?

     

  5. Nucnuc an domi

    Hallo domi

    Du hast doch sicher Weingeist bzw Himbeergeist gemeint.

    Macht nix irren ist menschlich

  6. Dominikus Klein

    An Bruderinfo!

    Ernie schreibt:
    "Paulus erwartete die Wiederkunft Christi noch zu seinen eigenen Lebzeiten. Aber wir wissen heute, hier hat Paulus sich geirrt.  Der Apostel ist gestorben, und Christus ist noch nicht wiedergekommen".

    Hm...hm...wie war das nur gleich...
    Die Zeugen Jehovas erwarteten dass die Generation von (um) 1914 ....ach, ich zitier doch lieber wortwörtlich:
    "Die Bibel zeigt deutlich, daß es sich bei der Generation, die 1914 u.Z. lebte, um die Generation handelt, die auch den Anbruch der Zeit erleben wird, in der das Königreich herrschen wird, ohne daß Satan sich einmischen kann. Deshalb haben viele der heute Lebenden die Aussicht nicht sterben zu müssen."
    (Zitat aus: Ist mit dem jetzigen Leben alles vorbei?; veröffentlicht in Deutsch 1974)

    Und was schrieb der Paulus an die Thessalonicher?

    13 Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben.14 Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen.15 Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrig bleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen;16 denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.17 Danach werden wir, die wir leben und übrig bleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.18 So tröstet nun einander mit diesen Worten!                                                                                                                                                 (Zitat aus: 1.Thessalonicher 4:13-18)

    Die Moral von der Geschichte? Paulus war von Gott inspiriert, die LK ist durch den heiligen Geist geleitet.

    Gruß Domi

     

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