WT Studienartikel – Wie zuverlässig ist unser Gewissen?

WT Sept 2.001

[Ausgabe 15.9.2015 für 1. – 7. Nov. 2015] von Meleti Vivlon |

Das Ziel dieses Auftrags ist . . . Liebe aus reinem Herzen und gutem Gewissen
und ungeheucheltem Glauben
(1. Tim. 1:5)

Dieser Studienartikel fragt uns, ob unser eigenes Gewissen ein zuverlässiger Wegweiser ist. Man sollte annehmen, dass durch das Studium dieses Artikels, wir in der Lage sein werden diese Frage zu beantworten.

Lernen, wie das Gewissen funktioniert und wie man unser Gewissen trainieren und ausüben kann, ist eine gute Sache. Es ist das geschulte Gewissen, nicht die Anweisung von Menschen, das uns sagt, was zu tun ist, wenn es keine direkte biblische Vorschrift, bezüglich einer Handlungsweise oder wie eine Entscheidung zu treffen ist, gibt. Zum Beispiel mögen wir über Matthäus 6:3,4 nachsinnen.

„Du aber, wenn du Gaben der Barmherzigkeit spendest, so lasse deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut, damit deine Gaben der Barmherzigkeit im Verborgenen seien; dann wird dein Vater, der im Verborgenen zusieht, dir vergelten.“ – Matth. 6:3,4

Durch das Bibelstudium haben wir gelernt, dass ein barmherziges Geschenk ein Geschenk ist, das das Leid eines anderen lindert. Es kann ein materielles Geschenk für einen Bedürftigen oder das Geschenk des Verständnisses und offenen Ohres in einer Zeit der Not sein. Es kann ein kostenlos weitergegebenes Wissensgeschenk sein, das Menschen hilft, eine oder mehrere der Lebensprobleme zu lösen. In dieser Hinsicht wird uns gesagt, dass unser Predigtwerk ein Akt der Liebe und Barmherzigkeit ist. Deshalb können wir zu Recht in Erwägung ziehen, dass Aufwendungen unserer Zeit, Energie und materieller Ressourcen, um die gute Botschaft zu predigen, ein Geschenk der Barmherzigkeit für Bedürftige sind.

Darüber hinaus mögen wir schlussfolgern, dass das Berichten von Einzelheiten über Zeit und Tätigkeit, die wir dieser barmherzigen Arbeit widmen, einer Missachtung der klaren Anweisung unseres Herrn Jesus in Matthäus 6:3,4 gleichkommt. Wenn wir unsere linke Hand wissen lassen, was unsere rechte tut, würden wir uns in die Reihen derer einreihen, die Lob von Menschen bekommen. Menschen mögen zu uns aufschauen, uns auf Kongressbühnen als Beispiele für den Eifer im Dienst aufstellen. Wir könnten mehr “Vorrechte” in der Versammlung bekommen, die teilweise von der Anzahl der berichteten Stunden abhängen. Unser Gewissen mag uns warnen, dass wir mit einem solchen Handeln die pseudo-gerechten Männer nachahmen, vor denen Jesus warnte, als er sagte:

„Achtet gut darauf, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um von ihnen beobachtet zu werden; sonst werdet ihr keinen Lohn bei eurem Vater haben, der in den Himmeln ist. Wenn du also Gaben der Barmherzigkeit spendest, so posaune nicht vor dir her, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Straßen tun, damit sie von den Menschen verherrlicht werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben bereits ihren vollen Lohn.“ – Matth. 6:1,2

Wenn wir nicht unseren Lohn in voller Höhe von den Menschen erhalten wollen, sondern stattdessen es lieber haben, dass Jehova uns vergilt, mögen wir beschließen, unseren monatlichen Predigtdienst Bericht nicht mehr abzugeben. Da es kein biblisches Erfordernis ist die Zeit im Predigtdienst zu berichten, wird dies zu einer konsequenten Gewissenssache. Welche Reaktion würdest du auf eine solche Gewissensentscheidung erwarten? Der Studienartikel diese Woche gibt uns diesen weisen Rat:

„Es mag sein, dass wir die Gewissensentscheidung eines Glaubensbruders nicht ganz verstehen. Dann sollten wir nicht vorschnell über ihn urteilen oder ihn dazu drängen, seine Meinung zu ändern.“ Absatz 10

Stellen dir vor, du sagst deinem Versammlungssekretär, dass du dich entschieden hast, deine Zeit nicht mehr zu berichten. Nach dem Grund gefragt, sagst du einfach, dass es eine mit gutem Gewissen gemachte persönliche Entscheidung ist. Du magst erwarten, dass der Rat jemand nicht zu richten oder unter Druck zu setzen, für jeden gilt, der eine Entscheidung aufgrund seines oder ihres Gewissens gemacht hat, insbesondere für jene, von denen verlangt wird den Anweisungen der Organisation zu gehorchen.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Du wirst in den Nebenraum des Königreichssaales eingeladen und zwei Ältesten werden dich bitten, dich zu erklären. Wenn du dich nicht beirren lässt und dabei bleibst, dass es eine persönliche Gewissensentscheidung ist, mag man dir vorwerfen rebellisch zu sein und den Anweisungen des „treuen Sklaven“ nicht zu gehorchen. Sie mögen sogar andeuten, dass deine Haltung zeigt, dass du schwach oder möglicherweise in eine geheime Sünde verstrickt bist. Sie werden dann mit Sicherheit Druck auf dich ausüben, indem sie dir sagen, dass du nach sechs Monaten ohne Bericht, als untätig betrachtet wirst und du daher nicht länger ein Mitglied der Versammlung bist. Da uns gelehrt wird, dass nur Mitglieder der Versammlung der Zeugen Jehovas Harmagedon überleben werden, ist dies in der Tat ein erheblicher Druck. (Die Tatsache, dass dieselben Brüder dich auch weiterhin sehen, wie du an den Dienstzusammenkünften teilnimmst und von Tür-zu-Tür gehst, wird kein Gewicht bei ihrer Entscheidung haben, dich als untätiger „Verkündiger der guten Botschaft“ zu betrachten.”)

Dieses beschriebene Szenario ist keine Ausnahme. Es zeigt die Einstellung, die systematisch in den Schulen für Ältesten gefördert wird.

Ignorieren unseres eigenen Rates

Tatsache ist, wir geben nur ein Lippenbekenntnis von der Vorstellung, dass ein Christ gewissenhaft handelt. In Wirklichkeit unterstützen wir nur eine Gewissenentscheidung die nicht gegen eine, der von Menschen gemachten, Regeln und Traditionen der Organisation der Zeugen Jehovas verstößt. Zum Beweis dafür, brauchen wir nicht weiter als bis zum Absatz 7, genau dieses Artikels, zu gehen.

Er beginnt mit einer Verzichterklärung: Weder ein Zweigbüro noch die Ältesten sind berechtigt, einem Zeugen Jehovas in Gesundheitsfragen eine Entscheidung abzunehmen. Jedoch, der Verzicht auf individuelles Recht zu einer gewissenhaften Selbstentscheidung wird sofort durch diese Worte eingeführt: Beispielsweise haben wir das Gebot, uns von Blut zu enthalten. (Apg. 15:29) Es schließt ganz klar alle medizinischen Behandlungen aus, bei denen Vollblut oder einer seiner vier Hauptbestandteile zugeführt werden.

Offensichtlich möchte die Organisation dass wir glauben, dass “medizinischen Behandlungen …, bei denen Vollblut oder einer seiner vier Hauptbestandteile zugeführt werden” keine Sache des Gewissens darstellen. Das hier ist ein Grundsatz, und ein biblischer noch dazu.

Das mag für dich selbstverständlich sein, wenn du ein erprobter und getreuer Zeuge Jehovas bist. So empfand ich es selbst auch. Wie kann ich mich des Blutes enthalten, wenn ich eine Bluttransfusion an nehme? Allerdings fand ich einen sehr vernünftiges und schriftgemäßes Gegenargument in dem Artikel, den Apollos schrieb, den du, indem du auf den Titel “Jehovah’s Witnesses and the “No Blood” Doctrine” klickst, ansehen kannst. (Lese ihn, bevor du eine endgültige Entscheidung triffst.)

Nur um zu zeigen, dass wir nicht voreilig zu einer einfachen Schlussfolgerung kommen, müssen wir Apostelgeschichte 15:29 im Zusammenhang betrachten. Die Juden aßen kein Blut oder Götzengeopfertes und Sex war kein Teil ihrer Anbetung. Doch all diese Elemente waren gängige Praxis in heidnischen Kulten. Somit ging die Verwendung des Wortes “enthalten” über die spezifische an Noah gegebene Anweisung, kein Blut zu essen, hinaus. Die Apostel wollten Heidenchristen von all diesen Praktiken fern halten, weil sie sie wieder zur falschen Anbetung geführt hätten. Es war wie einem Alkoholiker zu sagen, er solle sich des Alkohols enthalten. Es könnte zur Sünde führen. Aber ein solches Verbot wäre wohl nicht als medizinische Anordnung verstanden worden, die die Verwendung von Alkohol als Narkosemittel im Falle einer Notoperation ausschließt, oder?

Durch das Überziehen der Anordnung einer einfachen Speise Vorschrift, haben Jehovas Zeugen ein verworrenes Netz von Regeln erstellt. Gottes Gesetz ist einfach. Es braucht Menschen, es zu verkomplizieren.

Bitte beachtet, dass es bei der uns vorliegenden Frage nicht darum geht, ob es richtig oder falsch ist eine Bluttransfusion oder Medizin, die Blutbestandteile enthalten, anzunehmen. Oder ob es richtig ist Blut aufzubewahren das es durch Maschinen zirkulieren zu lassen. Die Frage lautet vielmehr: “Wer sollte das entscheiden?

Es ist eine Frage des persönlichen Gewissens, nicht etwas, das jemand anderes für uns entscheiden sollte. Wenn wir unser Gewissen anderen überlassen, unterwerfen wir uns ihnen und erlauben ihnen die Autorität Gottes an sich zu reißen, denn Gott gab uns ein Gewissen zur Selbstentscheidung, geführt – nicht von den Menschen – sondern durch sein Wort und seinen Geist.

Die Organisation sollte ihrem eigenen Rat folgen und alle lehrmäßigen Anordnungen, wie Blut in medizinischen Behandlungen verwendet werden sollte, aufheben. Unsere Einführung dieser Lehre ist die Nachahmung der mündlichen Gesetze der Pharisäer, die jede Handlung im Rahmen des mosaischen Gesetzes zu regeln suchte, bis zu der Frage, ob das Töten einer Fliege am Sabbat eine Arbeit darstellt. Wenn Menschen Regeln aufstellen, fängt es oft als eine nette kleine Idee an, aber es dauert nicht lange bis sie albern wird.

Natürlich können sie diese Anordnungen nicht zurück nehmen. Wenn sie das täten, würden sie die Tür zu Rechtsstreitigkeiten, wegen rechtswidrig herbeigeführtem Tod. in Millionenhöhe aussetzen. Das wird also nicht geschehen.

Die wirkliche Absicht des Artikels

Während der Artikel verspricht, uns über das christliche Gewissen zu unterrichten, ist die eigentliche Absicht, dass wir den Prinzipien der Organisation, bezüglich Gesundheit, Erholung und Unterhaltung, und Eifer im Predigtwerk, entsprechen. Diese Trommel wird regelmäßig geschlagen.

Wenn wir zum Titel des Artikels zurückkommen, dann wird erwartet das die Antwort, zu der wir kommen sollten, lautet: Unser Gewissen kann nur dann als ein verlässlicher Führer betrachtet werden, wenn seine Entscheidungen jenen der Organisation entsprechen, zu deren Annahme sie uns anleitet.

 

[1] Wachtturm 15.4.2014, Seite 11, Absatz 14

Mag ich nicht (0)

14 Kommentare zu “WT Studienartikel – Wie zuverlässig ist unser Gewissen?

  1. M.N.

    Ja natürlich, liebe Freunde,

    um sich selbst treu zu bleiben, muß die JW.ORG ja in altgedienter Manier unser Gewissen usurpieren, um uns für ihre Interessen am Tanzen zu halten – allem voran die von ihr eigenmächtig zum "goldenen Kalb" / zur "heiligen Kuh" hochgejubelte Haus-zu-Haus-Vertriebstätigkeit. Jeder, der sich hier nicht 1000% einbringt, sich nicht "eifrig" und "fleißig" bis über die Grenzen seiner Möglichkeiten hinaus "verausgabt" ("Gott sieht, ob du dich auch wirklich ganzherzig für ihn einsetzt!"), hat gefälligst von seinem schlechten Gewissen aufgefressen zu werden.

    So ist das nun mal mit allen menschengemachten Systemen, die ihre eigenen Interessen als das einzig Wahre und Gute in den Mittelpunkt aller universellen Wichtigkeiten stellen. Turbo-Internet-Startups tun dies. Viele Banken tun es. Für jeden Fußballclub steht die eigene Mannschaft auf dem Gipfel des Olymps aller Wichtigkeiten, und wehe, jemand nimmt auch nur den Namen eines anderen Teams in den Mund, dann wird er ausgebuht, oder fliegt sogar raus. Der Unterschied zwischen solchen Vereinigungen und der JW.ORG besteht allerdings darin, daß kein Fußballclub jemals behaupten wird, die Verehrung der eigenen Mannschaft bringe ewiges Leben ein, und bei turbokapitalistischen Unternehmen wie z. B. Google gibt es sehr interessante Benefits, vermittels derer sie gute Leute bei der Stange halten. Gibt es bei JW.ORG irgendwelche Benefits, außer Druck hoch 10, falsche Versprechungen eines "baldigen Endes", der Forderung, auf Gott "zu warten", er wird's schon richten – ach ja, "Vorrechte" gibt's ja, die i. d. R. "mehr mehr und noch mehr Arbeit" für die Org. bedeuten.

    Auch in diesem Artikel die JW.ORG-übliche, rabulistisch/irreführende Begriffs-Neudefitition von "Gutes tun", indem sie – weg von biblisch/christlicher Bedeutung – auf den JW.ORG-gewünschten Drückerkolonnen- und Propagandadienst hin verbogen wird ("Gut ist, was wir als 'Gut' erklären!"), siehe Abs 16:

    "Ein zuverlässiges Gewissen … veranlasst uns auch, Gutes zu tun. Dazu gehört vor allem, von Haus zu Haus zu predigen und Gelegenheiten zu nutzen, um informell Zeugnis zu geben."

    Sodann anschließend die immer gleiche, falsche JW.ORG-Direktübertragung des dem Apostel Paulus von Jesus Christus übertragenen Evangelisations-"Spezial"-Mandats (siehe Apg 9,15! Deutlicher geht es nicht) auf jeden heute lebenden Christen, obgleich Eph 4,11 klar erklärt, daß nicht alle Christen – nicht jeder einzelne – ein Evangelist sein sollte:

    "Auch Paulus wurde von seinem Gewissen dazu gedrängt … Wenn wir es genauso machen wie er, dann hören wir auf unsere innere Stimme, die uns bestätigt, dass wir das Richtige tun."

    Übersetzung: "Nur wenn ihr es genauso macht, wie wir – die JW.ORG – es euch vorschreiben (wozu wir Äpfel mit Birnen vergleichen), nur dann erlauben wir euch, ein gutes Gewissen zu haben."

    Ich "bekenne" mich zum "echt biblisch/christlichen" Bekenntnis (die Homología) im Sinne von Mat 10,32; 1 Joh 2,23 und 4,15. Was die "urchristliche", und nur einigen wenigen von Christus Auserwählten übertragene Evangelisation der sog. "Heiden" anbelangt (siehe Glossar unter "Predigtauftrag"): Diese wurde im 1 Jhdt. vor dem Ende des jüdischen Äons von den damaligen Evangelisten ausgeführt und vollendet, siehe Röm 10,18; 15,18-20; 16,26; Kol 1,23 sowie 1 Tim 3,16. Die pausenlosen JW.ORG-"Verbiegungen" von damals evangelisationsspezifischen Aussagen wie 1 Kor 9,16 et al auf alle Christen – jeden einzelnen, Mann, Frau, Kind – sind Teil ihres perfiden und monströsen Mißbrauchs des Wortes Gottes zum Pushen ihrer eigenen, menschlichen Organisationsinteressen, und in diesem Lichte muß auch dieses neueste "Studienartikel"-Machwerk betrachtet werden, nämlich als krude JW.ORG-eigenzweckdienliche Instrumentalisation der göttlichen Gabe des Gewissens und Mißbrauch der Bibel.

    Gruß,

    M.N.

    1. Aesculap

      Liebe Bruderinfo-Leser,

      Gewissensfreiheit ?

      "Wie reagierte eine junge Schwester auf ihr Gewissen?
      17 Als Jacqueline 16 Jahre alt war, wurde im Biologieunterricht das Thema Evolution behandelt. „Ich konnte mich nicht wie sonst am Unterricht beteiligen. Mein Gewissen ließ es einfach nicht zu, weil ich nicht an die Evolutionstheorie glaube.
      Deswegen ging ich zu meinem Lehrer und erklärte ihm meinen Standpunkt.
      Ich war ganz überrascht, als er freundlich reagierte und mir vorschlug, vor der ganzen Klasse etwas über den Schöpfungsbericht zu erzählen.“
      Jacqueline spürte eine tiefe innere Zufriedenheit, weil sie auf ihr biblisch geschultes Gewissen gehört hatte. Bewegt auch uns das Gewissen dazu, das Richtige zu tun?" (WT 09/2015)

      Ich wäre auch ganz positiv überrascht, wenn die Hirten in unserer Glaubensgemeinschaft genauso respektvoll und in der Linie der christlichen Natur und mit der Frucht des Geistes reagieren würden.
      Das kann natürlich mal schon mal vorkommen in einer guten und gesund funktionierenden, Philadelphia-ähnlichen Versammlung, aber ich persönlich habe dies noch nicht erlebt.

      Sondern das krasse krasse Gegenteil !!!
      Auf Grund meines Gewissens habe ich entschieden, keine Predigtdienststunden mehr zu berichten.
      Enormer Leistungsdruck macht wie in der (weltlichen) Gesellschaft viele Menschen krank. Außerdem ist ein Nebeneffekt, dass - gewollt oder nicht - viele Stunden auf dem Zettel eine größere Anerkennung, Wertschätzung und einen höheren Status bewirken.
      Pioniere werden "unbemerkt" auf einen Sockel gestellt, bekommen schneller ein Amt usw.

      Wenn du relativ wenig Stunden machst und deinen Schwerpunkt wie Dorkas mehr auf das Wohl von "Witwen und Waisen" legst: sich einsam fühlende Alleinstehende, kranke und behinderte Brüder und Schwestern, und nebenher auch deine "weltlichen" Eltern unterstützst, dann bist du halt weniger angesehen.

      Als ich einen Hirten (tätig im Bethel) fragte, woran ich noch arbeiten könnte, um mehr Verantwortung zu bekommen (worum die Führung in der obersten Etage immer wieder dringend bittet und fleht), hat er gesagt, dass mein Stundendurchschnitt (8 - 9 Stunden monatlich) hochgeschraubt werden sollte auf durchschnittlich mindestens 14 Stunden.
      Außerdem trug ich zu oft eine Casual Hose (nette Hose, nur nicht anzugmäßig) ohne Bügelfalte.

      Er wusste so gut wie nichts über mich, über meine persönlichen Umstände, welche anderen für die Anbetung wichtige Aktivitäten ich tat, und über die anspruchsvolle Berufsarbeit mit enormem Leistungsdruck und regelmäßigen Überstunden.
      Ich hatte mit meinem Arbeitgeber ausgemacht, die Überstunden in Freizeit zu kompensieren, was aber in der Praxis sehr schwierig war.
      Die Hirten zeigten so gut wie nie Interesse an mir (bis auf einen, der nicht mal zu meiner Pd-Gruppe gehörte). Wenn mal einer fragte "Wie geht's dir?", sah ich, dass er bei meiner Antwort schon mit seinen Gedanken abschweifte. Da verging mir natürlich schnell die Lust mich zu äußern.

      Trotzdem bin ich den Anforderungen nachgekommen und hatte seitdem keine Hose ohne Bügelfalte mehr an.
      Weil ich im Bügeln nicht so begabt bin, sogar mit zwei, drei Falten.
      Mehrere Brüder mit einem Dienstamt brauchten sich scheinbar nicht an diese Anforderung zu halten. Gilt dies nur, wenn man einem Amt nachstrebt? Wenn man das Amt hat, ist dies nicht mehr wichtig. Das ist mir schon öfter aufgefallen, dass nur beim Einstieg in ein Amt die "biblischen" Vorgaben gelten; danach darf man sich wieder hängen lassen.
      Trotzdem führten meine Bemühungen nicht zu mehr Verantwortung und Anerkennung.

      In jedem Fall kam auf meine Gewissensentscheidung mit dem Berichten der Stunden genau die Reaktion, die ich hier auf Bruderinfo auch schon gelesen habe: Wenn man aus Gottergebenheit und Gewissensgründen nicht mehr diese organisatorische Anweisung der Brüder im Penthouse unserer Organisation befolgen möchte ... dann bekommt man plötzlich die volle Aufmerksamkeit der Ältesten...., aber nicht auf angenehme Art und Weise.
      Offensichtlich gibt es hier mehrere Brüder, die eine ähnliche Ansicht und Erfahrung haben wie ich.

      Die Reaktion auf Deine Gewissensfreiheit ist, dass du keine hast.

      Mir wurde gesagt, dass ich untätig sei (obwohl ich im selben Monat noch mit u.a. einem der Ältesten im Dienst war), ich dürfe keine Vorrechte mehr haben, wäre kein vorbildlicher Bruder mehr, rebellisch und ungehorsam, schlechter Umgang usw... Das volle Programm an negativen Aufklebern zur Stigmatisierung. Meine Begründung wurde nicht freundlich und respektvoll aufgenommen wie bei dem Lehrer von Jacqueline, sondern die Reaktion erinnerte deutlich an die Werke des Fleisches.

      Von der bis dorthin noch relativen Freundlichkeit der Hirten war wenig mehr zu merken. Höchstens so quasi-freundlich, wie damals die jüdischen Hirten Jesus gegenüber während seines "Besuchs" auf der Erde bei seinen Brüdern und Mitgeschöpfen. Geschöpfe, an deren Erschaffung er einen wichtigen Anteil hatte.

      Von dem Moment an war ich im Fokus der Hirten. Stasi.
      Meine "Beliebtheit" bei den Hirten war verflogen, Drangsalierung und Schikane fingen an.
      Subtile Sticheleien vom Podium, und mehrere Verdächtigungen kamen auf mich zu, wovon ich erst nach und nach herausfand, woher sie kamen.

      Von ruhigen freundlichen Gesprächen, um ein in ihren Augen irrendes Schaf wieder von seinen "Fehlgedanken" (seiner Gewissensentscheidung) abzubringen, konnte nicht die Rede sein.
      Von Gewissensfreiheit ist überhaupt nicht die Rede.

      Andererseits ignorieren Älteste selbst viele Anweisungen der leitenden Körperschaft im
      Königreichsdienst oftmals völlig, oder befolgen sie nur so halbwegs, ohne dass es große Folgen hat. Auch wenn es sehr nützliche Anweisungen sind, um zieltreffender zu predigen.
      Man kommt ja so schwer aus seiner Gewohnheit 'raus, und es ist wichtiger, in der Komfortzone zu bleiben, ohne seinen eingefahrenen Tages- und Wochenablauf ändern zu müssen.
      Da entsteht nicht dieser Gruppenzwang mit einer Schublade voller negativen Aufkleber.... komisch, aber da sind wir gewissensfrei...?

      Doch nicht ganz. Denn wenn du persönlich diesen Anweisungen und guten Tipps der LK nachkommst, heißt es, du bist illoyal und rebellisch, denn du bist nicht damit einverstanden, wie deine Vorgesetzten den Predigtdienst organisieren. Und deine Demut wird daran gemessen, wie weit du diese z.T. sehr ineffektiven Regelungen "treu" unterstützt. Wo kämen wir da hin, wenn jeder selbst entscheiden darf, wie er seinen Dienst durchführt, effektiv oder ineffektiv?

      Gewissensfrei ist man schon, aber wenn man nach seinem Gewissen handelt, dann tritt ein Mechanismus in Wirkung, den Jesus selbst auch erlebte. Seine "Hirten", die Führung von Gottes Bundesvolk, reagierten genauso. Das führte zu Feindschaft, Hass und schließlich zu seinem Tod, weil er Menschengebote, die im Widerspruch zum Willen seines Vaters standen (Satans Anweisungen), nicht befolgte.

      Diese Ereignisse zeigen uns, dass man sehr mutig, stark und fest im Glauben sein muss, um unter der Verfolgung dieser bösartigen Weingärtner aushalten zu können. Sie als Freunde und Brüder zu sehen, während sie dich durch eine "negative Brille" als Feind und Bedrohung der Einheit betrachten, ist nicht einfach.

      Aber dafür gibt es ein sehr schöne Schriftstelle: "Hört das Wort Jehovas, die ihr vor seinem Wort zittert: 'Eure Brüder, die euch hassen, die euch meines Namens wegen ausschließen, sagten: ‚Möge Jehova verherrlicht werden!‘ Er soll auch mit Freude eurerseits erscheinen, und sie sind es, die zuschanden werden.' " (Jesaja 66:5)

      Gewissensfreiheit innerhalb unsere Bruderschaft ist noch weit entfernt von dem, wie es manchmal vorbildlich in "der Welt" funktioniert.
      So ähnlich wie Jesus die Frage hinlegte, wer bei seiner Illustration des barmherzigen Samariters Gottes Willen getan hatte.

      Der Antwort war: Der "Weltliche".

      Wie man innerhalb unsere Bruderschaft mit Gewissens"Freiheit" umgeht, zeigt die geistige "Reife" und Lage unserer Religion. Wie werden Jehoschua (Jesus) und sein Vater diesen Führungsstil betrachten?

      Ich kann verstehen, dass Brüder und Schwestern diesen Druck und diese Gewissens-Unfreiheit, die in Hesekiel 34 für Gottes Volk vorhergesagt sind und die ihnen die Freude nehmen, auf Dauer nicht aushalten können. Ob es weise ist auszusteigen, kann ich nicht beurteilen.

      Sind solche Zustände auch zu erwarten, nachdem Jesus diese Erde gereinigt hat ?

      Gegrüßt seien alle sanftmütigen und Frieden und Wahrheit liebenden Leser

      Aesculap

      ( www.die-vierte-wache.eu )

      1. Anna

        Lieber Bruder Aesculap, liebe Schwestern und Brüder,

        danke für deine Situationsbeschreibung.

        Oh nein, es wird nicht mehr so sein wie jetzt, wenn Christus die Erde gereinigt hat. Sonst wäre es ja kein Paradies.

        Jesus hat es uns doch so schön vorgelebt. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Und nur durch IHN kommen wir zum Vater gemäß Johannes 14:6.

        Ein jedem Zeugen Jehovas bekannter Vers. Warum lassen sich unsere Brüder dann einen anderen Zugang via eine Organisation einreden?
        Jesus bringt uns zum Vater. Das ist die Realität aller Zusagen in Gottes Wort.
        Es wäre so einfach...
        Wollen wir hoffen, dass bezüglich der weiteren unsinnigen Anweisungen die Brüder die Hand des Christus ergreifen.

        Herzliche Grüße Anna aus Sonne und Wind

      2. Argentum

        Lieber Aesculap,
        😀 ich mußte sehr lachen, als ich die Bemerkung über die Bügelfalten gelesen habe.
        Ich habe einen Freund, der auch etwas legerer, aber immer gepflegt zu bestimmten Personengruppen (Obdachlose, LKW- Fahrer etc.) geht, oder am Stand und im Dienst ständig Kritik von den " Verkniffenen" ausgesetzt ist. Er hat sich im Dienst dann an die Meckerer um des Friedens Willen angepasst. Wenn er alleine unterwegs ist, macht er es wie er will und er wird gern gesehen bei den Leuten.
        Ich habe es schon immer so gesehen, daß die strikte Kleiderordnung eher hemmend für den Predigdienst wirkt.
        Diese ganzen Menschen Gebote gehen so an der eigentlichen Botschaft Jesu vorbei, daß es zum weinen ist.
        Aber danke für Deine Zeilen, haben mich etwas aufgeheitert 😉

        Liebe Grüße
        Argentum

  2. Hallo Matthäus,

    auch ich kenne diese widersprüchlichen Aussagen aus der von dir angeführten EW – Ausgabe 8.3.75 und WT 15.8.98.

    Als ich den Kreisaufseher damals auf die Tatsache verwies, das ich damals auch nach meinem „geschulten Gewissen“ handelte und meine 6 Monate Gefängnis absaß, und nun hören muss das ich heute keine Probleme mit meinem Gewissen haben müsste und damals so dumm war und nicht auf mein wirkliches Gewissen gehört habe, war seine Antwort: „es hätte mir doch nicht geschadet“.
    Immerhin hätte ich doch für Jehova Ungemach auf mich genommen.

    Da fiel mir nichts mehr ein zu dieser dümmlichen Einstellung.
    Soviel zum Thema „geschulte und persönliche Gewissensentscheidung“.
    Hätte ich damals nach meiner Überzeugung gehandelt hätte ich den Ersatzdienst gerne durchgeführt. Diese Zeit hätte mir sicherlich mehr für meine Lebenserfahrung gebracht als 6 Monate Gefängnis absitzen für nichts.

    Aber als Pionier hätte ich mein „Vorrecht“ verloren wenn ich den Ersatzdienst angetreten hätte.
    Allerdings verlor ich mein Vorrecht als Pionier zu dienen nach meiner Entlassung auch. Ich hatte vergessen 6 Monate meinen Bericht abzugeben und war damit Untätig geworden. In meine Naivität dachte ich, es kommt in solch einer Situation nicht auf den Bericht an sondern auf meine „Treue“.
    Bereitwillig habe ich mich dann wieder als „eifriger Verkündiger“ bemüht die Vorraussetzungen zu erfüllen um als Pionier ernannt zu werden.
    So indoktriniert war ich damals.
    Der heutige Artikel war nichts anderes als der Versuch das eigene Gewissen abzustumpfen und es von der WTG manipulieren zu lassen.

    Liebe Grüße
    Johann

  3. kritikus

    Ich bin gerade zurück vom WT-Studium. Es bleibt die Frage offen, ob das Gewissen in die Schule gehen muss, denn die Formel "Gewissen schulen" kam häufig vor.
    Musste Hiob sein "Gewissen schulen"? Oder Daniel, oder Joseph in Ägypten? Diese Menschen haben einfach nur zugehört, wenn das Gewissen sprach. Und warum haben sie zugehört? Das fragte ich mich, während ein stadtbekannter Betrüger einen Kommentar über das Gewissen gab. Warum hat er nicht zugehört, als sein Gewissen beunruhigt war? Ich fand eine Antwort: Auf sein Gewissen hört nur, wer auch Gottesfurcht hat! Die "Furcht Jehovas ist der Anfang aller Weisheit", so steht es in der BIbel. Ich bin mir sicher, dass JW.ORG mit "Gewissen schulen" nur dies meint: Auf die Propaganda zu hören, die vom "Sklaven" kommt. Und ich? ich halte mich an dieses Bibelwort: "Lass ab mein Sohn, auf Unterweisung zu hören, die abirren macht von den Worten der Erkenntnis." (Spr. 19:27)

  4. Jens

    Korrektur zu meinem Kommentar:

    Zu meiner aktiven Zeugenzeit haben wir junge Leute uns immer an Silvester GETROFFEN und „gefeiert“ und so mancher Tropfen wurde vernichtet,

  5. Jens

    Zu meiner aktiven Zeugenzeit haben wir junge Leute uns immer an Silvester getrunken und "gefeiert" und so mancher Tropfen wurde vernichtet, 😉 Wir hatten aber verabredet, nicht anzustoßen oder uns ein gutes Jahr zu wünschen, um unser Gewissen (dass durch die Richtlinien der WTG beeinflusst war) zu beruhigen. Es war wenn man es so betrachtet eine Silvester-Light Party. Das war Anfang der Neunziger, da gab es unter den Zeugen viele Partys und reichlich Alkohol. Als ich vor Jahren mal auf einem Geburtstag von einer Arbeitskollegin eingeladen war, musste ich schmunzeln da die Party recht ruhig und gediegen verlief und das Feiern / Trinken sich- im Gegensatz zu manchen Zeugenpartys - in Rahmen hielt.
    Zum Thema Gewissen: Mir hatte mal ein linientreuer Bruder erzählt, dass wenn die WTG ab morgen sagen würde, alle Brüder müssten ab jetzt weiße Hemden tragen, er diese Anordnung befolgen würde, weil es ja von Gott / Jesus durch den Kanal Gottes (WTG) kommt und gehorsam wichtig sei.
    Als man als ZJ noch keinen Zivi machen durfte (die Änderung kam 1996) haben sehr viele auch den Zivildienst verweigert und mussten vor Gericht und hatten dementsprechend Geldstrafen erhalten. Als man dann 1996 Zivi machen durfte, hatte keiner mehr ein Problem damit und mir ist kein Fall bekannt, dass ein ZJ nach dieser Neuregelung noch total verweigert hat, da die WTG ja den Zivildienst erlaubt hat. Auch bei diesem Punkt konnte man nicht nach eigenem Gewissen handeln, der wer vor 1996 Zivi machte wurde als aktiver Bruder ausgeschlossen, wenn er sich nicht daran hielt. In einer Rückschau betrachtet,, klingen die ganzen Regeln etc.. lächerlich und ich frage mich, warum ich das alles so lange mitmachte oder tolerierte...

    1. Matthäus

      Ja das ist die Doppelmoral oder anders ausgedrückt - die WTG spricht mit gespaltener Zunge:

      g75 8. 3. S. 23-24 Niederlande: Jehovas Zeugen aus dem Gefängnis entlassen! ***
      Der Christ verweigert auch den Zivildienst... . In Wirklichkeit würde er durch diesen Dienst ein Teil der Welt werden, Jesus aber gebot, sich von der Welt getrennt zu halten

      w98 15. 8. S. 17 Abs. 6 Unsere Zuversicht gegenüber Gottes Gerechtigkeit festigen ***
      6 In der Vergangenheit haben einige Zeugen Jehovas leiden müssen, weil sie eine Tätigkeit ablehnten, die ihr Gewissen heute zulassen würde.

      Mit anderen Worten, warum seid ihr so dumm und hört auf uns, ihr habt doch selber ein Gewissen!

      Aber erst vor 2 Jahren wird dieser Schwachsinn gelehrt:

      WT 15.11.2013 Seite 20 im Abs. 17
      Die lebensrettenden Anweisungen, die sie dann von Jehovas Organisation erhalten, mögen vom menschlichen Standpunkt aus unpraktisch erscheinen. Wir alle müssen bereit sein, jede Anweisung zu befolgen, ob sie nun vom strategischen oder ̈ menschlichen Standpunkt aus vernunftig erscheint oder nicht.

      1. O.W.Schade@Matthäus

        "I MADE AN ASS OF MYSELF" (Joseph Rutherford 1926)
        https://www.youtube.com/watch?v=CH39xJL4puQ

        Lieber Matthäus,

        der Link soll belegen, worüber Du uns BI-Leser immer wieder und unermüdlich aufzuklären suchst: Über den Nonsens, Irrsinn und den Schwachsinn der Lehren der WTG/JW.ORG.

        Der damalige Präsident der WTG, Frederic Franz, sagte die Wahrheit über den Gewaltherrscher Richter Rutherford und stellte in einer Ansprache dessen Irrsinn bloß.

        "Wer von uns nach 1925 noch stirbt, ist selbst schuld". (Harmagedon ist dann schon da).

        Ein Jahr später musste Rutherford jedoch einräumen:

        "I made an ASS of myself". Soll laut Duden freundlich übersetzt heißen: "Ich habe mich selbst zum Esel gemacht".

        Und von diesem ASS/Esel stammen die meisten unserer Lehren und Glaubensüberzeugungen!

        DAS!!!, das ist in der Tat ein Wahnsinn, Irrsinn und ein Schwachsinn. Jedoch, jedem das Seine. Jehovas Zeugen wollen es anscheinend so haben?!

        Liebe Grüße
        O.W.S.

        1. M.N.

          "Ass" kann aber auch noch etwas anderes bedeuten, nämlich das unter dem menschlichen Rücken befindliche Körperteil inkl. darin befindlicher Auslaßöffnung. Mir scheint, dieses Verständnis kommt einer Charakterisierung des großen Autokraten Jupp noch viel näher, und ist noch mehr à propos(po).

  6. Gewissensentscheid - Erinnerungen:

    Ich war etwa 28 und Zeuge Jehovas mit Dienstamt: Hilfsversammlungsdiener, was heute Sekretär heißt.
    Ein WT belehrte damals, dass man am letzten Tag des Jahres nicht Silvester feiern dürfe, weil dieser Tag an den Papst Sylvester erinnere. Wir waren aber schon verabredet den Jahresausklang beim Richard zu feiern, auch der Versammlungsdiener mit Frau (meiner Schwägerin) wollten bis nach Mitternacht fröhlich sein.
    Was tun? Wir nahmen uns die Freiheit und unterhielten uns heimlich, ob wir am 31. 12. früh zu Bett gehen sollten, oder doch zum Richard...

    Dann stellte jemand in der Runde fest, das sei doch eine Gewissensfrage und so gingen wir in uns und stellten fest, dass wir eigentlich von einem Papst Sylvester nie was gehört hatten. Daher, wieso feiern wir ihn, wenn wir am 31. bis nach Mitternacht fröhlich munter blieben? Dann kam der Entschluss: unser Gewissen lässt dieses Feiern zu.
    Eine Schwierigkeit war noch zu meistern, denn der 31. fiel auf einen Donnerstag, es war Dienstversammlung, oder wie das damals hieß. Dann kam der Entschluss, wir gehen in die Versammlung, aber am Ende würden wir uns deutlich von einander verabschieden, verschiedene Wege gehen, um am Ende in der Wohnung von Richard zu landen. Das alles damit keiner der Brüder und Schwestern vermuten könnte, wir feiern Silvester und Anstoß nehmen würden.

    So war auch der Versammlungsdiener mit dabei und irgendwie lachten wir in uns hinein, wie wir den gestrengen Gesetzesgebern der Organisation ein Schnippchen schlugen. Dass wir dabei auch heuchelten fiel keinem auf.

    Es war eine fröhliche Nacht, wir tranken billigen Sekt, was besseres konnten wir uns nicht leisten. Um Mitternacht zum Neuen Jahr tanzten wir den Donauwalzer, aber der Sekt und die Dreherei bewirkten bei mir, dass mir kotzübel wurde - am 1. Jänner fragte ich mich nach Schlaf bis Mittag, ob das nicht eine Strafe Jehovas war, mit meiner Gewissensauslegung wider die Gesellschaft, die doch von Jehova eingesetzt ist...

    Jedenfalls trafen wir uns verschworener Haufen auch bei den folgenden Silvestern, indem wir vorher gegenseitig fragten: sollen wir wieder den Papst Sylvester feiern?

    Ich kann heute noch über unsere Gewissensentscheidung schelmisch Grinsen 😉

    PS.: Habt Ihr auch so ähnliche Erlebnisse?

  7. NEU

    @ A. Anderson,
    genau so sehe ich es auch. Einmal die Rolle rückwärts für die Öffentlichkeit.
    In 100 Jahren wird es die Blutfrage und Gewissensreinwaschung durch Predigtdienst nicht mehr geben.
    Grüße

  8. A. Anderson

    Also ich würde sagen, die WTG schreibt solche Sachen nur um sich rechtlich aus der Verantwortung zu stehlen. Zum einen sagt man, dass man sich keine Bluttransfusion geben lassen darf, weil man sonst gegen das bibl. Gebot verstoßen würde. Natürlich mit allen Konsequenzen die eine Nichtbeachtung einschließt. Ausschluss, Kontaktverbot usw.. Wobei es sich natürlich nur um die eigene Interpretation der Bibel handelt und die Vergangenheit zweifelsfrei bewiesen hat, dass man sich schon gewaltig daneben lag, was die eigenen Interpretationen anbelangt.

    Auf der anderen Seite möchte sich die Wachtturm-Führung rechtlich nicht dafür verantworten müssen und schreibt deshalb, dass ein Zweigbüro oder die Ältesten nicht berechtigt ist, einem Zeugen Jehovas in Gesundheitsfragen eine Entscheidung abzunehmen.

    Das ist HINTERHÄLTIG! Zumal es bei dieser Frage um Leben und Tod gehen kann.

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