Welche Generation wird nicht vergehen? – eine erneute Betrachtung

von Meleti Vivlon und Bruder

„Wahrlich, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis dies alles geschehen ist. (Mat. 24:34)

Ölberg.001Wenn wir klären möchten, von welcher Generation Jesus wohl sprach, werden wir feststellen, dass sich schon viele mit dieser Frage befasst haben. In der Regel waren es ernsthafte Versuche, unser Verständnis dieses Verses mit dem Rest der Bibel sowie mit historischen Tatsachen in Einklang zu bringen. Wenn ich nun auf meine eigenen Erklärungsversuche zurückblicke, dann stelle ich fest, dass ich immer noch unter dem Einfluss meiner lebenslangen WTG-geprägten Denkweise stehe, und ich denke, dass es vielen von uns ebenso geht.

Wir neigen dazu, diesem Vers aus Mat. 24:34 eine nicht biblisch begründete Voraussetzung überzustülpen und haben sodann auf dieser Grundlage Schlussfolgerungen gezogen. Ich bekenne, dass mich auch meine Erklärungen niemals wirklich befriedigt haben, obgleich ich damals nicht genau bestimmen konnte, weshalb. Mir ist jetzt klargeworden warum; ich habe die Bibel nicht wirklich und ausschließlich zu Wort kommen lassen.

Die grundlegende Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: „Gibt diese Schriftstelle, Mat. 24:34, Christen eine Möglichkeit an die Hand zu berechnen, wie nahe wir dem Ende sind“?

Auf den ersten Blick mag es so aussehen. Alles, was hierzu nötig zu sein scheint, ist, die ungefähre Länge einer Generation zu kennen und sodann einen Startzeitpunkt festzulegen. Dann handelt es sich nur noch um einfachste Mathematik. Das beste Beispiel dieser Vorgehensweise liefert die WTG auch mit ihrer jüngsten Erklärung zum Verständnis der „überlappenden Generation“.

Aber nicht nur die WTG unterlag diesem Irrtum. Im Verlauf der Geschichte wurden viele Millionen von Christen von ihren Führern dahingehend irregeführt, mögliche Daten für Christi Wiederkunft festzulegen, nur um dann enttäuscht und entmutigt zurückzubleiben. Viele haben sich aufgrund solcher fehlgeschlagenen Erwartungen sogar von Gott und Christus abgewendet. In der Tat hat „hingezogene Hoffnung das Herz krank gemacht.“ (Spr. 13:12)

Anstatt sich auf andere bezüglich eines Verständnisses der Worte Jesu zu verlassen, warum nicht viel lieber die Hilfe annehmen, die er uns gemäß Joh. 16:7 und 13 versprochen hat? Gottes Geist ist machtvoll und kann uns in die ganze Wahrheit leiten. Versuchen wir zu lernen, uns allein auf die Leitung durch den Geist Gottes zu verlassen und nicht auf das, was uns irgendwelche Religionsführer und Gruppen als Wahrheit präsentieren. Jeder Einzelne von uns hat das Versprechen durch den Geist Gottes geleitet zu werden, wenn er sich frei macht von eigenen Vorstellungen oder von vorgegebenen Ideen durch andere.

Eine erklärende Vorgehensweise

Damit es uns auch nur im Ansatz gelingt, zu einem korrekten Verständnis dessen zu gelangen, was Jesus mit den Wendungen „Alle diese Dinge“ sowie „Diese Generation“ meinte, müssen wir lernen, diese Dinge mit seinen Augen zu betrachten. Darüber hinaus müssen wir versuchen, die Denkweise seiner Jünger zu verstehen. Wir müssen seine Worte im Rahmen ihres geschichtlichen Kontextes betrachten. Wir müssen alles mit dem Rest der Bibel in Übereinstimmung bringen, und wir müssen diese Aussagen Jesu aus Matthäus 24 im Zusammenhang mit den 2 anderen Evangelien, Markus 13 und Lukas 21 betrachten.

Und noch etwas  Wichtiges gilt es zu bedenken.  Die Endzeitreden in den einzelnen drei Evangelien müssen in der Summe ihrer Aussagen alle miteinander betrachtet werden, da sie sich gegenseitig ergänzen, und, es handelt sich weniger um ein zeitliches- und chronologisches Aneinanderreihen  von Ereignissen, sondern um Antworten Jesu auf verschiedene Fragen der Jünger.

Ein Großteil dessen was Jesus als Antwort auf die Fragen seiner Jünger gibt kann sich nur auf die Zeit der damaligen Generation beziehen. Aber ein Teil dessen was Jesus sagte bezieht sich eben auch auf Ereignisse die sich vor seiner Wiederkunft Christi ereignen werden. Dazu aber in einem späteren Artikel mehr.

Der Begriff „Generation“ und seine Bedeutung in der Bibel

Vorab möchten wir aber die Bedeutung des Begriffes „Generation“ in unserem Sprachgebrauch und im altertümlichen Hebräisch und Griechisch klären. Was versteht die Bibel unter dem Begriff „Generation“?

Zunächst beschreibt dieser Begriff die nachfolgende Generation, z.B. der Sohn, der seinem Vater als König folgt. (γενεα)

Dann, im erweiterten Sinn, auch als Geschlecht oder Volk. Als z. B. Jesus Christus zu den ungläubigen Juden sagt: „Dieses Geschlecht (Volk) wird nicht vergehen, bis dieses alles geschehen ist.“ (Mat. 24:34; Luk. 21:32; vgl. 5. Mose 32:5,20).

Drittens, den Stand einer Gruppe oder Familie etc., γενος. Ihr seid „ein auserwähltes Geschlecht“ (Volk) (1. Petr. 2:9).

Und Viertens: für Nachkommen, εννημα, die eine moralische Ähnlichkeit haben, wie „Otternbrut“, siehe Mat. 23: 34: Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?…. 36 Wahrlich, ich sage euch: Das alles wird über dieses Geschlecht εννημα (oder Generation) kommen.

Hier können wir schon einmal festhalten, dass Jesus hier seine Zeitgenossen zum ersten Mal als die Generation identifiziert, die nicht vergehen wird. Es war jenes Geschlecht, jene Generation, von der es heißt: „Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und darum gebeten, dass man euch den Mörder schenke; aber den Fürsten des Lebens habt ihr getötet (Apg. 3:14,15).

Diese Generation, das verkehrte und verdorbene jüdische Geschlecht oder Volk, würde das Gericht Gottes am Ende des alten religiösen jüdischen Systems erleben, welches ihren Höhepunkt mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels fand. Mit der Zerstörung Jerusalems und des Tempels wurde Israel unter die Völker zerstreut, aber nicht ohne Hoffnung, denn auch dem übriggebliebenen Rest der gläubigen Israeliten blieb der Weg zur Wiederherstellung offen.

Vor diesem Hintergrund muss man auch die Fragen der Jünger an Jesus: „Herr, wann wird das geschehen, und woran erkennen wir, dass das Ende (dieses jüdischen Systems, nicht das Ende der Welt durch Harmagedon) bevorsteht?“

Der zeitliche und geschichtliche Hintergrund der Endzeitrede Jesu

Laßt uns den Bericht vom Anfang an lesen. Er beginnt mit Matthäus Kap. 21. Hier lesen wir von Jesu triumphalem Einzug in Jerusalem, was nur wenige Tage vor seinem Tod geschah. Matthäus berichtet: „Dies aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, der spricht: „Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir, sanftmütig und auf einer Eselin reitend, und zwar auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ (Mat. 21:4,5)

Aus dieser Beschreibung wird deutlich, dass das Volk glaubte, ihr König und Befreier sei endlich angekommen. Am nächsten Tag kehrt Jesus zum Tempel zurück und wird von den Oberpriestern und den Ältesten herausgefordert; er macht ihre Argumente zunichte und weist sie zurecht. Sodann legt er ihnen das Gleichnis vom Landeigner dar, der seine Ländereien an Bauern vermietet, die versuchen, es zu stehlen, indem sie seinen Sohn umbringen. Als Konsequenz kommt schreckliche Zerstörung über sie. Dieses Gleichnis steht kurz davor, Wirklichkeit zu werden.

Jesus Tempel.001Gemäß Mat. Kap. 23 spricht Jesus eine Reihe von Verurteilungen an die Adresse dieser Führer aus, indem er sie wiederholt Heuchler und blinde Leiter nennt und sie mit weißgetünchten Gräbern sowie mit Giftschlangen vergleicht.  Schlangen, Otternbrut, wie solltet ihr dem Gericht der Gehnna entfliehen…. Wahrlich, ich sage euch: Alle diese Dinge werden über diese Generation kommen.“ (Mat. 23:33-36, NWÜ, 2013-Revision)

Während zweier Tage nun redete Jesus im Tempel von Verurteilung, Tod und Zerstörung, die über diese böse Generation kommen sollte, die im Begriff steht, ihn zu töten. Sie werden für alle, von Anbeginn an erfolgten, religiösen Verfolgungen von Gerechten  zur Rechenschaft gezogen. Betrachten wir die sogenannte Endzeitrede von diesem Gesichtspunkt aus, dann macht sie auch Sinn. Wichtig ist auch, dass wir alle drei Berichte in den Evangelien lesen, Mat. 24, Luk. 21 und Markus 13.

Eine kurze Zusammenfassung auf der Grundlage aller 3 Evangelien

Jesu Jünger zeigten begeistert auf die gewaltige Tempelanlage: „Lehrer, sieh dir diese Steine und Bauwerke an!“  Jesus erwiderte: „Ja, seht sie euch genau an! Kein Stein wird hier auf dem anderen bleiben. Alles wird nur noch ein großer Trümmerhaufen sein. 

Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas fragten: „Wann wird das alles geschehen und an welchen Ereignissen werden wir das Ende (des jüdischen Systems) erkennen?“ Markus 13.

Oder nach Luk. 21:Erschrocken wollten die Jünger wissen: „Lehrer, wann wird das geschehen und woran erkennen wir, dass diese Dinge (Zerstörung des Tempels) stattfinden werden?“

israel_tempelzersto_556107aSowohl Lukas als auch Markus zeigen, dass sich die Fragen der Jünger auf die Zerstörung des Tempels und das Ende des jüdischen Zeitalters bezogen. Die Jünger Jesu hatten bei ihren Fragen niemals das Ende der Welt oder Harmagedon im Sinn, sondern ihre Gedanken drehten sich um Jerusalem, den Tempel und die Nation Israel. Deshalb auch ihre immer wiederkehrende Frage, „Herr, stellst du in dieser Zeit das Königreich wieder her?“ 

Jesus sagte ihnen, dass Jerusalem solange zertreten bleibt, bis die Zeiten der Nationen zu Ende sind. Erst danach werde das Königreich wieder hergestellt. Die Wiedergabe der Endzeitrede nach Matthäus 24 ist gemäß einigen Übersetzungen etwas unklar. Dort lesen wir:Sage uns, wann wird das geschehen? Und was wird das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende des Systems der Dinge?

Die Frage, wann wird das geschehen, bezieht sich gemäß dem Kontext ebenfalls auf die Zerstörung des Tempels und das Ende des jüdischen Systems. Die zweite Frage richtet sich wahrscheinlich auf sein zweites Kommen und das Ende des Zeitalters der Zeiten der Nationen.

Das Ende der „Welt“ oder das Ende eines „Zeitalters“?

Im Griechischen steht für Welt ὁ αἰών „Äon“. Der Begriff Äon stammt vom Griechischen ὁ αἰών und kann, je nach Zusammenhang, in dem das Wort steht, Lebenszeit, Leben, Generation, Zeit, Zeitdauer, Zeitraum und Ewigkeit bedeuten.

Das griechische αἰών hat also im Laufe der Zeit zwei Bedeutungsrichtungen erhalten: „Zeitalter“, d. h. eine begrenzte Zeitspanne einerseits, „Ewigkeit“, d. h. unbegrenzte Zeit andererseits. Die Kontroverse entzündet sich daran, ob Äon auch in der Bibel mit diesen beiden, nach deutschem Sprachempfinden gegensätzlichen Bedeutungsrichtungen verwendet wird, oder nur die Ursprungsbedeutung richtig ist – und wenn Ersteres, nach welchem Prinzip dann zwischen beiden ausgewählt werden muss.

So geben heutige Bibelübersetzungen das im griechischen stehende Wort für „ὁ αἰών“ „Äon“ unterschiedlich wieder, z. B. die Elbf. …und was ist das Zeichen deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters (Äon)“  Oder, die Schlachter: …und des Endes der Weltzeit (Äon) sein?“

Die NWÜ spricht im Vers 3 treffenderweise vom Abschluss eines „Systems der Dinge“ oder Fußnote: „dem Abschluss der Ordnung dieser Dinge“.

Doch auch wenn die NWÜ  der wahren Bedeutung nahe kommt, so ist doch zu beobachten, dass die WTG mit dem Abschluss „dieses Systems der Dinge“ das Ende dieses jetzt bestehenden Systems sieht und lehrt. Jeder Zeuge denkt, Jesus spricht vom Abschluss unseres heutigen Systems.

Doch auch in Matthäus gibt der Kontext Anlass zu der Ansicht, dass hier, wie in Lukas und Markus, vom Abschluss des jüdischen Systems der Dinge die Rede ist. Alle 3 Evangelien zeigen, dass die aufgezählten Zeichen der Endzeit wie Krieg, Aufstände, Hunger, Erdbeben, Verfolgung, vor die Könige geschleppt werden, und das Verkündigen der guten Botschaft sich in erster Linie auf die Zeit vor der Zerstörung Jerusalems beziehen müssen. Vor diesem Hintergrund muss auch der Lieblingstext der WTG, Matthäus 24:14, die gute Botschaft wird erst noch gepredigt, gesehen werden.

Warum kann man das so sehen? Weil im Anschluss an diese Aufzählung Jesus an seine Jünger die Aufforderung ergehen ließ, wenn ihr diese Dinge geschehen seht, dann sollt ihr in die Berge Judäas fliehen. Erst ab dem Vers 29 geht Jesus wahrscheinlich auf die spätere Zukunft ein, wenn er von Zeichen am Himmel spricht, die die Wiederkunft Christi begleiten werden. In Matthäus 24:29   lesen wir gemäß Luther: „Sogleich aber nach der Bedrängnis jener Zeit“

Das Wort „sogleich“ mag etwas verwirren und den Eindruck hinterlassen, dass es für menschliche Begriffe direkt danach sei. Aber dieser Eindruck wird nur in Matthäus erweckt. Auf jeden Fall zeigt die Formulierung „nach jener Zeit“, dass es sich um einen anderen Zeitabschnitt handeln muss.

In Markus 13: 24 lesen wir nur: Nach dieser großen Schreckenszeit wird sich die Sonne verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen. Ohne eine zeitliche Einschränkung, sondern allgemein nur nach jener Zeit.

Und Lukas sagt nur: Auch wird es Zeichen geben an Sonne, Mond und Sternen, also auch zeitlich offen.

Welche Generation wird „Alle diese Dinge“ erleben?

Jesus spricht in Matthäus 23:36 davon, dass „dies alles“, d.h. „alle diese Dinge“, „über diese Generation kommen“ werde. Wenn man nicht über diese Worte hinausgeht, sondern nur auf den Kontext schaut, über welche Generation spricht er, was würdet Ihr sagen? Die Antwort erscheint naheliegend. Es müsste die Generation sein, auf die „dies alles“, „alle diese Dinge“, die Zerstörung und Vernichtung, kommen sollte.

Seit er in Jerusalem angekommen war, veränderte sich Jesu Botschaft. Er sprach nicht mehr länger von Frieden und Versöhnung mit Gott. Seine Worte sprachen nun von Anklage und Vergeltung, Tod und Vernichtung.

Siehst du diese großen Bauten? Bestimmt wird hier nicht ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.‘“ (Markus 13:1,2)

‘Was diese Dinge betrifft, die ihr da seht: Es werden Tage kommen, da wird hier nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht niedergerissen werden wird“. Lukas 21:5

‚Seht ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, ich sage euch: Keinesfalls wird hier ein Stein auf dem anderen gelassen, der nicht niedergerissen werden wird.‘“ (Matthäus 24:1,2)

Wenn wir den Kontext aus den anderen beiden Evangelien ignorieren und uns nur an Matthäus 24:34 orientieren, könnten wir dazu verleitet werden zu glauben, die Formulierung „alle diese Dinge“ bezögen sich auf die Zeichen und Vorkommnisse, von denen Jesus in Matthäus 24:4 bis 31 sprach.

Eine solche Schlussfolgerung würde uns daher zwingen, eine Erklärung dafür zu liefern, wie eine einzige Generation eine 2000 Jahre lange Zeitspanne umfassen könnte. Wenn etwas so gar nicht mit dem Rest der Schriften harmoniert und auch nicht mit historischen Fakten, dann sollten wir es als Alarmzeichen dafür sehen, dass wir einer Eisegese zum Opfer fallen könnten, einer Falschauslegung der Schriften zugunsten einer eigenen Meinung und nicht gemäß dem, was die Schriften uns eigentlich lehren.

Lasst uns also noch einmal auf den Kontext schauen. Die Wörter “dies” und “diese” werden von Jesus dafür genutzt, auf Dinge zu zeigen, welche für die Anwesenden sichtbar sind. Die Formulierung „diese Generation“ muss daher auf eine Generation weisen, die gerade lebte, nicht eine, die es erst 2000 Jahre in der Zukunft geben würde. „Alle diese Dinge“ würde demgemäß ebenso auf die Dinge weisen, von denen Jesus gerade gesprochen hatte, auf Dinge, die da waren, die auf „diese Generation“ zeigt, die zum Sprechzeitpunkt am Leben war.

Die mehrteilige Frage

Zweifelsohne waren die Jünger von Jesu Aussage erschüttert, dass alle die Dinge, die sie vom Ölberg aus sehen konnten, bald zerstört werden sollten. Wie würdest du dich fühlen, wenn der Anbetungsort, den du dein ganzes Leben lang als Gottes eigenes Haus verehrt hättest, bald vollständig ausradiert werden sollte? Du würdest doch zumindest wissen wollen, wann das alles passieren soll. Und genau dies war es, was die Jünger bewegte und in ihren Fragen zum Ausdruck kam.

Matthäus 24:3 “Als er auf dem Ölberg saß, fragten seine Jünger: ‚Sag uns: (A) Wann werden diese Dinge geschehen, und (B) was wird das Zeichen deiner Gegenwart und (C) des Abschlusses dieses Systems der Dinge sein?‘“

Markus 13:4, “Sag uns: (A) Wann werden diese Dinge geschehen, und (C) was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluss kommen sollen?“

Lukas 21:7 Darauf fragten sie ihn und sprachen: ‘Lehrer, (A) wann werden diese Dinge tatsächlich geschehen, und (C) was wird das Zeichen dafür sein, wann diese Dinge geschehen sollen?’“

Bemerkenswert ist, dass nur Matthäus die Frage in drei Teile A, B und C aufbricht. Die anderen zwei Schreiber taten dies nicht. War für sie die Frage nach Christi Anwesenheit (B) nicht wichtig? Das ist unwahrscheinlich. Aber warum erwähnten sie diesen Aspekt dann nicht gesondert? Ebenso bemerkenswert ist, dass alle drei Apostelberichte vor der Erfüllung von Matthäus 24:15-22 geschrieben wurden, das heißt, bevor Jerusalem zerstört wurde.

Die Schreiber wussten beim Verfassen ihrer Berichte noch gar nicht, dass sich die drei Teile ihrer Frage nicht zur selben Zeit erfüllen würden. Wenn wir nun den restlichen Bericht betrachten, ist es wichtig, dass wir diese Tatsache im Blick behalten, dass wir ihren Bericht sozusagen durch ihre Augen betrachten und ihren geschichtlichen und kulturellen Hintergrund im Sinn behalten, damit wir verstehen können, was sie bewegte.

Noch einmal zur Verdeutlichung.

Die meisten Bibelübersetzungen geben dies wörtlich als „das Ende der Zeiten“ wieder. Doch die Frage ist, das Ende von welcher Zeit? Fragten die Jünger nach dem Ende der Menschenwelt? Lasst uns wiederum die Bibel zu uns sprechen:

„…was wird das Zeichen sein, wann alle diese Dinge zu einem Abschluss kommen sollen?” (Markus 13:4)

„ … was wird das Zeichen dafür sein, wann diese Dinge geschehen sollen?” (Lukas 21:7)

Beide Berichte drehen sich um “diese Dinge”. Jesus bezog sich ausschließlich auf die Vernichtung der Generation, der Stadt, des Tempels und das abschließende Verlassen der Nation durch Gott. Daher dachten die Jünger auch nur an das Ende der Ära (Äon) oder die Zeiten des jüdischen Systems.

Wenn Jesus also die Frage beantwortete, können wir auch erwarten, dass er seinen Jüngern sagen würde, wann oder an welchen Zeichen die Zerstörung Jerusalems, des Tempels und der Leitung – “alle diese Dinge” – zu erkennen sein würden.

“Diese Generation”, die dann lebende, verderbte Generation, würde “alle diese Dinge” miterleben.

“Diese Generation” ist identifiziert.

Warum wollte irgendwer bei solchen kontextuellen Beweisen schlussfolgern, “Aha! Er redet über unsere Tage! Er erzählte seinen Jüngern, dass seine Generation, die noch weitere zwei ganze Jahrtausende nicht erscheinen würde, die Generation ist, die „alle diese Dinge“ sehen wird?

Und doch sollte es uns wirklich nicht überraschen, dass genau das geschlussfolgert wird. Warum nicht? Weil Jesus dies in der Prophezeiung in Matthäus 24 mit vorausgesagt hat.

Zum Teil ist diese Schlussfolgerung aus einem Missverständnis entstanden, dem schon die Jünger des ersten Jahrhunderts unterlagen. Dennoch können wir ihnen dafür nicht die Schuld geben. Jesus gab uns alles, was wir brauchen, um Konfusion zu vermeiden und uns davon abzuhalten, uns in falschen Interpretationen zu ergehen.

 

 

Mag ich nicht (0)

48 Kommentare zu “Welche Generation wird nicht vergehen? – eine erneute Betrachtung

  1. Dominikus KLEIN

    Bitte, würde jemand auf die klugen Argumente von Manuel v. 18 Oktober eingehen ?
    Warum rennt Ihr gegen diesen alten baufälligen Wachtturm an, der stürzt sicher noch in dieser Generation ein, habt doch etwas Geduld!
    Ihr wollt die "Wachtturmleute" überzeugen?
    Wie sagte doch schon Mark Twain: "It's easier to fool people than to convince them they have been fooled".
    Oder auf gut Deutsch: "Es ist viel einfacher Leute zum Narren zu halten als sie zu überzeugen das sie zum Narren gehalten (wurden) werden".
    Gruß Domi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Dieses Captcha bewahrt uns vor Spam. *