Vom Leben im Sein Gottes

 

Es gibt Christen, die in sich ruhen und in der Gewissheit leben, Gottes Wohlgefallen zu haben. Niemand muss es ihnen sagen, dass sie Glauben, Hoffnung und Liebe haben. Sie wissen es, sie wissen es mit dem Herzen. Denn Gott hat in ihnen diese Gewissheit erzeugt. Deshalb benötigen sie nicht den Beifall und das Lob von Menschen für ihr Leben aus Glauben und Überzeugung.

 

Die unselige Lobhudelei

Zitat: “Wie gehen wir am besten vor, um unsere Brüder „anzufeuern“, sich voll und ganz für Jehova einzusetzen? Jemand zu beschämen, indem wir ihn unfairerweise mit anderen vergleichen, ihn zu kritisieren, wenn er unseren hohen Ansprüchen nicht gerecht wird, oder ihm ein schlechtes Gewissen einzureden, weil er nicht mehr tut — all das kann durchaus einen Schub lebhafter Aktivität auslösen. Nur handelt es sich dabei bestenfalls um ein Strohfeuer. Auf Dauer motivieren können wir unsere Brüder, wenn wir sie loben und auf ihrer Liebe zu Jehova aufbauen.”

 Das ist ein interessantes Zitat aus einem Wachtturm der letzten Jahre, denn es zeigt die Praxis in den Zusammenkünften und Veröffentlichungen von JW.ORG. Aber ob Vergleich mit anderen Menschen oder zweckgerichtetes Lob: es soll immer “anfeuernd” sein, noch mehr zu tun, “sich voll und ganz für Jehova einzusetzen”, oder dazu “anspornen”, nicht im Dienst nachzulassen. Und so wird es immer gemacht. Alles dient seinem Zweck und es geht nicht um den Menschen selbst, sondern immer um den “Betrieb”. Dabei wird immer wieder vergessen, dass unser ganzes Leben ein heiliger Dienst für Gott mit der Kraft unserer Vernunft sein soll (Röm. 12:1).

Ich habe eine Szene vor Augen: Auf der Bühne befragte ein Kreisaufseher einen Ältesten und wollte wissen, woran es liege, dass seine Familie so vorbildlich sei. Der Älteste las vom Blatt: “Ich betrachte jeden Tag mit der Familie den Tagestext. Ich bete regelmäßig um Fortschritt. Ich gehe mit meiner Frau und meinen Kindern in den Predigtdienst. Ich lasse keine Zusammenkunft aus. Jede Woche haben wir Familienstudium. Ich bin jedes Jahr mit meiner Familie im Hilfspionierdienst. Ich ….” (Das ist keine Satire!) Am Schluss gab es ein dickes Lob vom Kreisaufseher und starken Applaus vom Publikum. Mit sichtlichem Stolz verließ der Älteste die Bühne.

Solche öffentlichen Belobigungen habe ich ungezählte Male erlebt. Wenn jemand den Pionierdienst aufnahm, wenn ein anderer ins Bethel ging, oder jemand in ein Gebiet zog, in dem angeblich Hilfe Not tat, wurde gelobt und die Belobten sahen sich bestätigt und waren stolz darauf. Das war das Lob von Menschen, und man nahm es als Bestätigung dafür, dass man ein vorbildlicher Verkündiger war. Man fühlte sich in jeder Hinsicht vor der Menge ausgezeichnet.

Und im Publikum sitzen dann Menschen, die sich minderwertig vorkommen, wenn sie erleben, dass die “Granaten” der Versammlung so gelobt werden. Und sie kennen auch die Schattenseiten, kennen die Heuchelei und die Wichtigtuerei, sind abgestoßen vom eingebildeten Stolz der “fleißigen Verkündiger” und von ihrem Gehabe, das ausdrücken soll: “Wo wir sind, da ist vorne!” Sie werden das Gefühl haben, mit anderen verglichen worden zu sein, obwohl es nicht geht. Sie werden nicht erbaut, sondern entmutigt nach Hause gehen. So züchtet man Minderwertigkeitsgefühle und schafft den Nährboden für Wetteifern und Neid.

Lob oder Ansporn was brauchen wir?

Brauchen wir Lob? Ich meine zu wissen, dass wir als Menschen Lob brauchen. Aber welche Art von Lob brauchen wir? Zuerst möchten wir natürlich um unserer selbst willen gelobt werden. Ein Lob sollte Ausdruck einer aufrichtigen Liebe zu uns sein. Und wenn es sich um Liebe handelt, dann ist alles Zweckdenken in dieser Hinsicht schädlich und – nutzlos. Aber es gilt die ungeschriebene Regel in der Organisation: „Lobe einen Esel, wenn er gut arbeiten soll. Lobe ihn, und er wird sich geschmeichelt fühlen!” Das ist dann Ansporn, und es erinnert daran, dass man Pferden mit dem Sporn in die Seiten sticht, damit sie traben.

Kann sich ein reifer Mensch mit solch einer Art Lob zufrieden geben? Gewiss, ein Kind reagiert darauf und antwortet mit Wohlverhalten, weil es die Liebe der Eltern haben will. Ein reifer Mensch aber wird mehr wollen. Er möchte in der Sprache der Bibel “gesegnet” werden, und das bedeutet, dass andere gut über ihn denken und reden, dass sie ihn als Person wertschätzen. (In diesem Sinne kann ein Mensch auch Gott “segnen”.) Dieses Lob ist dann eine Bestätigung dafür, dass man im Herzen anderer Menschen einen Platz hat. Ich vermute, dass dies die einzige Art ist, in der uns Menschen wirklich loben können. Das hat dann nichts mehr mit dem zu tun, was wir im Wachtturm über Lob gelesen haben, denn hier handelt es sich eher um einen Missbrauch. (Es muss gerechterweise erwähnt werden, dass die WT-Literatur tatsächlich den Unterscheid zwischen Lob und Lobhudelei kennt!)

Es ist schön, wenn man solche Menschen um sich hat, die uns um unserer selbst willen lieben und es auch auf angemessene Weise zum Ausdruck bringen. Aber ich fürchte, dass es immer nur sehr wenige sein werden, weil das Klima in den Versammlungen der Zeugen Jehovas nicht dafür geschaffen ist, denn hier ist man in der Regel beliebt, wenn man im Sinne der JW.ORG “vorbildlich” ist. Die vielen Kommentare dazu auf BI-aktuell sprechen eine deutliche Sprache.

Das Lob von Gott

Im Brief an die Römer beschreibt Paulus einen geistigen Juden, dessen Beschneidung die des Herzens ist und dessen Lob nicht von Menschen kommt, sondern von Gott! (Röm. 2:28, 29) Lob meint hier auch die Bestätigung des persönlichen Glaubens durch Gott, die Gewissheit, ihm zu gefallen.

Wie sieht dieses Lob aus, wie macht Gott uns deutlich, dass er uns lobt? Ich glaube, dass diese Frage nicht so einfach und kurz zu beantworten ist. Die Antwort ist schon deshalb nicht einfach, weil jeder Glaubende sein eigenes, sein persönliches Verhältnis zu Gott hat. Aber aus der Bibel lassen sich einige Dinge ableiten, die für die Antwort hilfreich sind.

Wir stoßen bei unserer Suche nach einer Antwort zuerst auf Henoch. Über ihn heißt es in Hebr. 11:5: “Durch Glauben wurde Henoch entrückt, damit er den Tod nicht sehen sollte, und er wurde nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor seiner Entrückung hatte er das Zeugnis, dass er Gott gut gefallen habe.”

Wir müssen annehmen, dass Gott in Henoch die Gewissheit erzeugt hatte, dass er mit ihm sehr zufrieden war, dass er seinem Vater im Himmel willkommen war. Diese innere Gewissheit (oder dieses Lob) bestätigte seine Nähe zu seinem Vater im Himmel. Sie gab ihm eine feste Hoffnung, die so zur Gewissheit wurde.

Von allen anderen Glaubensmenschen in Hebräer 11 heißt es am Schluss (im Vers 39), dass sie durch ihren Glauben ein Zeugnis erhielten, auch wenn sie die Verheißungen Gottes noch nicht empfangen hatten. Gott ließ sie also nicht im Ungewissen, was ihre Hoffnung und ihren Glauben anbelangte. ER bestätigte ihnen sein Wohlgefallen!

Wie mag das geschehen sein? War es die Einsicht eines Augenblicks oder war es ein fortlaufender Prozess? Ich denke, dass es ein fortwährender Prozess war, ein Prozess, der während des ganzen Glaubenslebens aktiv war. Immer wieder wurden diese Menschen in ihrem Glauben bestätigt. Gott lobte sie und machte ihnen ständig Mut. Gott machte sich ihnen durch sein Lob wahrnehmbar. (siehe auch 2. Mose 33:11-23)

Das kann auf verschiedene Art und Weise geschehen. Ich denke da an den Frieden, den Gott schenken kann. Phil. 4:6, 7: “Macht euch keine Sorgen! Im Gegenteil! Wendet euch in jeder Lage an Gott. Tragt ihm eure Anliegen vor – in Gebeten und Fürbitten und voller Dankbarkeit. Und der Friede Gottes, der jede Vorstellung übertrifft, soll eure Herzen und Gedanken behüten. In der Gemeinschaft mit Christus Jesus soll er sie bewahren.”

Wer diesen Frieden erfährt, hat Gottes Wohlgefallen. Er ist ein Geschenk Jehovas und nur für seine Treuen da.

Ich möchte ein weiteres Geschenk erwähnen: Es ist die Freude, die auch der Geist Gottes erzeugt. Es ist die “Freude in Jehowah” oder wie es früher hieß “die Wonne an Jehowah”. Für diese Freude gibt es keinen Ersatz und sie gehört zu den kostbarsten Bestätigungen unseres Glaubens. Von Jesus hören wir anlässlich seines Abschieds von seinen Aposteln:

“Ja, ihr werdet traurig sein, aber eure Trauer wird sich in Freude verwandeln. … Ihr seid jetzt traurig. Doch ich werde euch wiedersehen. Dann wird euer Herz voll Freude sein und diese Freude kann euch niemand mehr nehmen. … Bittet – und ihr werdet es bekommen. Dann wird eure Freude vollkommen sein.” (Joh. 16:20-24)

Zu den Geschenken, die Gott mittels seines Geistes gibt, gehört auch die Hoffnung. Von den Glaubensmenschen, die Paulus in Hebräer 11 erwähnt, heißt es, dass sie die Verheißungen Gottes von Ferne sahen und sie willkommen hießen:  “Sie alle sind voller Glauben gestorben, jedoch ohne empfangen zu haben, was Gott ihnen versprochen hatte. Aber sie haben es von ferne gesehen und willkommen geheißen. Und damit haben sie bekannt,  im Land nur Gäste und Fremde zu sein. Wenn sie so etwas sagen, machen sie nämlich deutlich, dass sie zu einer wahren Heimat streben. 

Und dabei haben sie sicher nicht an die Heimat gedacht,  aus der sie einst fortgezogen waren. Denn sie hätten ja Zeit genug gehabt, dorthin zurückzukehren. Nun aber streben sie nach einer besseren Heimat, nach einer Heimat, die zum Himmel gehört. Deshalb schämt sich Gott nicht dafür, ihr Gott genannt zu werden. Denn er hat ihnen eine Stadt vorbereitet.”  

Diese Hoffnung machte sie im Glauben stark, und sie wurde in ihnen zur Gewissheit. Diese Gewissheit schenkt Gott! Und wer sie hat, hat von Gott die Bestätigung (oder das Siegel) seines Wohlgefallens. Und kein von Menschen gespendetes Lob kann darüber hinausgehen!

Wir wissen von Jesus, dass er nie auf das Lob von Menschen aus war. Wenn ihn schon jemand lobte, dann verwies er auf seinen Vater im Himmel. Ja, er wollte nicht einmal, dass man ihn als gut bezeichnete. War das nicht ein wenig übertrieben? Wenn man es aus seiner Zeit heraus betrachtet, dann nicht, denn die religiösen Führer der Juden suchten den Beifall und das Lob der Masse. In dieses Fahrwasser wollte sich Jesus nicht begeben. Aber einmal vom menschlichen Lob abgesehen, bekam auch Jesus immer wieder sein Lob und seine Bestätigung von Gott. “Dieser ist mein Sohn, der geliebte, an dem ich Wohlgefallen habe!” (Mat. 17:5; Luk. 9:35) So hören wir Gott sprechen, und bis zu seinem letzten Atemzug hat Gott seinen Sohn vom Himmel aus gestärkt und ihm “das Siegel seines Wohlgefallens” aufgedrückt (Joh. 6:27; Luk. 22:43).

Darf ich noch an andere Arten des Lobes Gottes erinnern? Ich denke an die Glücklichpreisungen Jesu in der Bergpredigt. Dieses Glück, das unter Schmerzen und Verfolgungen, wie auch im normalen christlichen Leben erlebbar ist, wird von Gott geschenkt. Niemand verdient es sich. Es ist das Lob Gottes für Menschen, die ihr SEIN im SEIN GOTTES suchen! Es sind Menschen, die durch und mit dem Geist Gottes leben wollen. Sie betrachten die Wirkungen des heiligen Geistes als ein Siegel des Wohlgefallens Gottes: “Durch eure Zugehörigkeit zu ihm [Christus] hat Gott auch euch sein Siegel aufgedrückt. Das ist der heilige Geist, den er versprochen hat.” (Eph. 1:13a)

“Der heilige Geist ist also der Vorschuss auf unser Erbe, das in der Erlösung besteht. Mit ihr nehmen wir das Erbe endgültig in Besitz. So dient alles dem Lob von Gottes Herrlichkeit.” (Eph. 1:14)

Und man kann noch vieles erwähnen, was ebenfalls eine Bestätigung, ein Siegel oder ein Lob von Gott ist, aber alles ist zuletzt die Wirkung des heiligen Geistes. Ich möchte nicht erschöpfend sein. Ich möchte nur eine Spur legen, der man folgen kann. Jeder wird noch viele schöne Gedanken finden, die ihn stärken, aufbauen und trösten.

Worin besteht denn das Glück im Leben des Glaubens? Es besteht darin, die Gewissheit zu spüren, dass man mit seinem Bewusstsein, mit seinem inneren Menschen, ein Sklave des Gebotes der Liebe sein will. Es besteht in der Gewissheit, dass Gott diesen Lebensweg gutheißt. Es besteht darin, die Nähe Gottes und seines Sohnes zu wissen! Und wer das erfährt, ist nie vom Lob der Menschen abhängig und wird nie darin eine Bestätigung dafür erblicken, dass er auf dem rechten Weg ist. Das ist es, was Paulus in Römer 2:29 sagen wollte.

Und doch gibt es relativ viele Menschen, die einer christlichen Religion angehören, aber nie dieses Lob erfahren, weil Gott ihnen fremd ist und bleibt, weil sie nicht erfahren, was der Geist Gottes bewirken kann. Man kann da an Mutter Theresa denken, die immer wieder in den Briefen an ihre Beichtväter schrieb, dass Gott ihr fremd blieb, dass da, wo Gott sein sollte, nur Stille, Dunkelheit und Leere ist. Und so geht es vielen Geistlichen, wenn man den Tatsachen glaubt, die Eugen Drewermann in seinem Buch Die Kleriker ausbreitet.

Die Bestätigung durch tote Zahlen

Aber wie leben Menschen, die eine Bestätigung von Gott wollen oder brauchen, und sie doch nicht wirklich mit dem inneren Menschen wahrnehmen? Wie leben Menschen, die nur das Paradies gesucht haben und nicht ausdrücklich Gott? Wie können Menschen leben, die zwar das Königreich, aber nicht unbedingt Gottes Gerechtigkeit suchen? Diese Menschen müssen sich eine Bestätigung und ein Lob auf andere Weise suchen.

Im Calvinismus und in seinen Ablegern (amerikanischer Puritanismus) sagt man, dass der Segen Gottes immer am Erfolg zu messen ist. Unter Erfolg versteht man das, was man so darunter verstehen will: Erfolg beim Geldverdienen, Erfolg in der Politik, Erfolg im Krieg, Erfolg unter allen Umständen und zu allen Zeiten.

Ein linientreuer Zeuge Jehovas sieht seinen Erfolg auf seinem Stundenzettel, in der Anzahl seiner ”Heimbibelstudien”, am sorgfältigen Abarbeiten irgendwelcher “theokratischen Pflichten”. Wenn er am Abend zu Bett geht und auf seinen Tag zurückblickt, dann erfüllt ihn vielleicht ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit, weil er meint, dass er seine persönliche Liste abgearbeitet hat. So werden auch die Pharisäer gedacht haben, wenn sie alle kleinlichen Pflichten am Tag erfüllt hatten. Aber wie stand es mit Glauben, Liebe und Hoffnung? Wie stand es mit Barmherzigkeit und Treue? Wir kennen die Antwort Jesu. Und doch haben die neuen und die alten Pharisäer den sogenannten, von ihnen selbst definierten Erfolg, als Bestätigung und als ausdrücklichen Segen Gottes empfunden! Und damit sind sie zufrieden?

Und JW.ORG sieht den Segen Gottes in Zahlen, in statistisch toten Zahlen! Das lässt sich ja auch schwarz auf weiß darstellen. Aber was unter dem Geist Gottes wirklich geschieht, kann man so nicht sichtbar machen. Also weicht man auf Zahlen aus, an denen man den Erfolg messen will. Ob es aber ein Erfolg ist, wenn Stunden “gemacht” werden, wenn Literatur verteilt wird und es weltweit kaum noch Wachstum gibt, kann jeder selbst beurteilen. Die Organisation jedenfalls fühlt sich reichlich gesegnet und von Gott bestätigt, wenn sie Zahlen vorweisen kann. Auch für sie ist selbstdefinierter Erfolg ein Beweis des Segens Gottes.

Aber wie das so ist im Leben, können auch andere Organisationen diese Scheinerfolge aufweisen. Und auch sie behaupten, dass Gott sie “reich gesegnet” hat. Und im Verein dieser Selbstbeweihräucherer ist dann kein Unterschied mehr festzustellen, wenn es darum geht, den Segen Gottes in Zahlen zu messen: Natürlich hat jeder gegenüber dem anderen den Vorzug, Gott für sich allein zu reklamieren. Das ist dann nur noch lächerlich!

Ist Glaube messbar?

Es ist auch deshalb lächerlich, weil sich Glaube nicht in Zahlen messen lässt, weil Glaube eine Qualität des einzelnen Menschen ist, und niemals die einer ganzen Gemeinschaft. Aber das spielt ja keine Rolle. Die Hauptsache ist der Effekt! Und mit äußerlichen Scheinerfolgen und toten Statistiken kann man einfältige Menschen beeindrucken, so dass sie sagen: “Dieser Segen Gottes sagt mir, dass ich in der Wahrheit bin!” So benötigen sie keine eigene Erfahrung des geistigen Segens Gottes. Das Jahrbuch sagt ihnen vielleicht, dass sie die “wahre Religion” haben. Ja, das muss ihnen gesagt werden! Sie kämen sonst nicht darauf, weil die persönliche Erfahrung in dieser Hinsicht mangelhaft ist. (Das muss natürlich nicht auf alle zutreffen, aber ich erinnere mich an viele Gespräche, die diesen Mangel erkennen ließen.)

Eine Selbsttäuschung

Wir möchten daran denken, dass wir vor den Augen Gottes völlig nackt sind. Gott sieht das Herz, also den inneren Menschen. Er sieht uns so, wie wir wirklich sind. Das Lob von Menschen oder von JW.ORG kann uns täuschen, denn es zielt ja auf Dinge ab, die man in “theokratischer Aktivität” zahlenmäßig ausdrücken kann. Diese Täuschung kann dann zur Selbsttäuschung führen und unser Herz verwirren. Es kann uns über den wahren Zustand unseres Glaubens hinwegtäuschen. Wir können uns einbilden, gute Christen zu sein, weil wir von Menschen gelobt wurden, weil wir befördert wurden oder mit einem “theokratischen” Status versehen worden sind. Sogar ein “Dienst-Amt” (den Begriff “Amt” kennt das NT nicht.) kann uns verbiegen und so formen, dass wir uns einbilden, schon deshalb gute Nachfolger Jesu zu sein, weil wir dieses Amt innehaben. Viele kleine oder große “Vorrechte” zeichnen uns vor anderen aus, erheben uns hoch über sie. Auch wenn das ausdrücklich verneint wird, ist es doch so, und wir kennen die Gefühle des Stolzes und der Würde, die damit verbunden sind.

 Was Gott will und was manche Menschen wünschen

Aber was Gott und Christus wollen, ist genau dies: Bescheiden mit ihnen wandeln, ein gutes Gewissen bewahren und sich nicht einzubilden, dass man Gott einen guten Dienst erweist, wenn man das Lob von Menschen sucht. Das kann zur Sucht werden und dazu führen, dass man das Lob von Menschen geradezu braucht. Denn wer nicht fähig ist, das Lob Gottes zu erfahren, wird sich auf diese Weise von Menschen abhängig machen. Wer das Lob Gottes nicht erfahren kann, weil er falsche Motive hat, braucht das Lob von Menschen. Er hat ein gieriges Verlangen danach und stellt sich gerne in den Mittelpunkt, indem er seine “tollen Erfahrungen” breittritt. Ob es ihm auch bewusst wird, dass er sich so auf unredliche Art das Lob von Menschen erschleicht, weiß ich nicht. Aber es scheint mir so, als ob diese Abhängigkeit vom Lob der ORG gewollt ist und gefördert wird. Anders kann ich mir die vielen Appelle an die Einbildung von der eigenen Machbarkeit des Glücks im Glauben nicht erklären. Die „Gebrauchsanleitung“ ist einfach: Studieren, Predigen, Beten, Zusammenkommen und Gehorsam. „Wenn du das tust, klappt das schon!“ Es ist wie in einem Motivationstraining: „Wenn du nur willst, dann klappt das schon! Du musst nur mit aller Kraft wollen!“ Natürlich wird der heilige Geist auch erwähnt. Aber der Geist und die christlichen Motive spielen im Angesicht der eigenen Leistung nur eine Nebenrolle.

Nun aber genug von der Schattenseite des Missbrauchs von Lob und Anerkennung durch JW.ORG. Gott gibt jedem Treuen durch seinen heiligen Geist eine Gewissheit, die ihm deutlich zeigt, wie er vor dem Höchsten steht, in welchem Verhältnis er zu ihm steht und wie sein Glaube, seine Liebe, seine Treue und sein Ausharren gesehen werden: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt. Wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und ich will ihn lieben und mich ihm deutlich zeigen.” (Joh. 14:21)

Und kein menschliches Lob kann darüber stehen!

Mag ich nicht (5)

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