Spitzfindige Gedanken oder schlaue Theologie? – die Wachtturmgesellschaft zum Thema „Wiedergeburt“

Was meinte Jesus mit der Wiedergeburt?

 Es ist Nacht in Jerusalem, als ein Pharisäer namens Nikodemus zu Jesus kommt. Er weiß, dass Nikodemus.001Jesus als Lehrer von Gott gekommen ist, und er verweist auf die Wunder, die Jesus als Messias bestätigen.

Jesus kommt ohne Umschweife auf einen Gedanken zu sprechen, der uns heute noch angeht:

“Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht wiedergeboren wird, kann er das Königreich Gottes nicht sehen.” Nikodemus missversteht zuerst den Herrn und denkt an eine buchstäbliche Wiedergeburt. Aber Jesus stellt es richtig, wenn er sagt: “Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Königreich Gottes eingehen. Was aus Fleisch geboren worden ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren worden ist, ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich zu dir sagte: Ihr müsst wiedergeboren werden [wörtlich: “von oben geboren“]. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Geräusch, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist jeder, der aus dem Geist geboren worden ist.” (Joh. 3:3, 5-8)

Diese Worte Jesu werden von der WTG in ihrem Sinne interpretiert: Diese geistige Wiedergeburt soll sich angeblich nur auf jene beziehen, die mit Jesus zusammen regieren werden. Das sind dann im Sinne der WTG die “Geistgesalbten”, die “Söhne” Gottes und die “Miterben” mit Christus, oder anders gesagt, “die kleine Herde”. Es gab 2009 eine kleine Artikelserie im Wachtturm, die das zu beweisen versuchte. Aber wenn man genau hinsieht, dann fällt schnell auf, dass es sich um schlaue Theologie handelt, die den Zweck hat, das klare Denken zu vernebeln. Dazu werden Begriffe umgedeutet oder verfälscht. Das ist ein beliebter Zug an gewissen Menschen, dass sie ihre Gedankengebäude mit vertrauten Begriffen aufbauen, die sie aber mit neuen Inhalten füllen. Wer sich aber an die Bibel halten möchte, sollte jedoch genau wissen, was der Begriff “Königreich” in der Bibel bedeutet.

Der Wachtturm vom 1. 4. 2009 sagt dazu: >> Ein Königreich ist eine Regierungsform. Der Begriff „Königreich Gottes“ bedeutet somit „Gottes Regierung“. <<

Im gesamten biblischen Kontext ist das Reich oder Königreich Gottes nicht nur und nicht ausschließlich eine Regierung. Jede Regierung hat auch Untertanen! Jede Regierung herrscht auch über ein Land. Alles zusammen ist erst Gottes Reich. (Die Bundesrepublik ist nicht Frau Dr. Merkel und ihr Kabinett!) Das wird z. B. deutlich, wenn Jesus sagt: “Ich sage euch aber, dass viele von östlichen Gegenden und westlichen Gegenden kommen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Königreich der Himmel zu Tische liegen werden, während die Söhne des Königreiches in die Finsternis hinausgeworfen werden.” (Mat. 8:11)

(Anmerkung: Es gibt Texte, die das Königreich als Regierung beschreiben z. B. Luk. 22:42, aber das sind längst nicht alle!)

Von den Untertanen des Königreiches heißt es aus dem Munde Jesu: “Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet worden seid, erbt das Königreich, das von der Grundlegung der Welt an für euch bereitet ist.” (Mat. 25:34)

Man beachte, dass Jesus hier zu den “Schafen” spricht! Er spricht zu allen Menschen, die gerettet werden. Sie werden als Erben des Königreiches bezeichnet. Dass sie zur himmlischen Regierung gehören werden, ist aus dem Text nicht zu entnehmen, nein, sie erben das Paradies unter einer göttlichen Regierung. “Überdies, wenn ihr Christus angehört, seid ihr wirklich Abrahams Same, Erben hinsichtlich einer Verheißung.” (Gal. 3:29)

Diese “Schafe” sind Menschen, die von Jesus für würdig befunden werden, im Königreich zu leben. Dafür ist es nötig, dass sie “wiedergeboren” werden, oder wie es die wörtliche Übersetzung des Ausdrucks in Joh. 3:3 sagt “von oben gezeugt werden”; durch den Willen Gottes werden sie “von oben gezeugt“, d. h. Gott beginnt durch seinen Geist, diese Menschen zu formen. Er gibt ihnen die Kraft oder den Geist zum Guten, damit sie seine Kinder sein können. Jesus spricht in Johannes 3 nicht von einer Regierung; er spricht ganz allgemein von einem Erfordernis, um dieses Königreich zu “sehen” oder dahin “einzugehen”.

(Es gibt eine Aussage Jesu, in der das Wort “Königreich” mit “Paradies” gleichgesetzt wird: Lukas 23:42.)

Damit fällt schon das erste Argument, mit dem die WTG-Gesellschaft beweisen will, dass die Wiedergeburt nur auf die Mitregenten Jesu zuträfe und nur ein Erfordernis für die Mitregentschaft sein solle, in Scherben:

Wiedergeburt.001>> Wie sind also Jesu Worte zu verstehen, man müsse wiedergeboren sein, um „in das Königreich Gottes einzugehen“?

Damit wollte er sagen, dass man wiedergeboren werden muss, um mit ihm zusammen im Himmel zu regieren. Kurz gesagt: Der Zweck der neuen Geburt besteht darin, eine ausgewählte Gruppe von Menschen auf die Regentschaft im Himmel vorzubereiten. <<

Aber was meinte Jesus mit der Wiedergeburt? Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten, wenn man beachtet, dass Johannes das Evangelium und die Johannes-Briefe geschrieben hat. Eigentlich sollte er selbst am Besten wissen, wie er die Sache mit der Wiedergeburt verstanden hat, und tatsächlich bezieht sich Johannes schon zu Beginn des Evangeliums auf die Wiedergeburt:

 “Er [Jesus] kam in sein eigenes Heim, aber sein eigenes Volk nahm ihn nicht auf. So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er Befugnis, Kinder Gottes zu werden, weil sie Glauben an seinen Namen ausübten; und sie wurden nicht aus Blut noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen eines Menschen, sondern aus Gott geboren.” (Joh. 1:11-13)

In seinem ersten Brief geht er noch öfter auf die Wiedergeburt ein. Hier sind zwei Zitate:  Jeder, der glaubt, dass Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren worden, und jeder, der den liebt, der das Geborenwerden veranlasst hat, liebt den, der aus jenem geboren worden ist.” (1. Joh. 5:1)

 “Denn darin besteht die Liebe zu Gott, dass wir seine Gebote halten; und seine Gebote sind nicht schwer, denn alles, was aus Gott geboren worden ist, besiegt die Welt. Und das ist die Siegesmacht, die die Welt besiegt hat: unser Glaube.” (1. Joh. 5:3, 4)

Das alles hat doch mit einer Regentschaft nichts zu tun! Es ging doch im Gespräch mit Nikodemus um die Tatsache, dass man als Christ “aus Gott geboren” sein muss, um ins Königreich zu kommen!

 

Der Wachtturm fragt dann: >> Doch wie geht die neue Geburt eigentlich vor sich?  Wie müsste die neue Geburt heute also vor sich gehen, wenn man an die Taufe zu Pfingsten 33 u. Z. denkt? Genauso, wie es bei den Aposteln Jesu und seinen ersten Jüngern der Fall war. Als Erstes bereut jemand seine Sünden und gibt verkehrtes Verhalten auf. Dann verspricht er Gott, ihn für immer anzubeten und ihm zu dienen. Diese Hingabe zeigt er öffentlich durch die Wassertaufe. Doch nur, wenn Gott ihn auswählt, als Herrscher in seinem Königreich mitzuregieren, wird er auch mit heiligem Geist gesalbt. Somit geht der erste Schritt (die Taufe mit Wasser) von der jeweiligen Person aus. Der zweite Schritt dagegen (die Taufe mit Geist) geht von Gott aus. Nur jemand, der sowohl mit Wasser als auch mit Geist getauft wird, erfährt die neue Geburt. <<

Fazit der WTG: Bei oder nach der Taufe wird nur der mit heiligem Geist gesalbt, der auch Mitregent sein soll. Fällt auf, dass ein Neubekehrter schon gleich bei seiner Taufe die Gewissheit von Gott erhalten soll, mit Jesus zu regieren? Der Neubekehrte hat sich noch in keiner Weise bewährt und doch wird er schon ausgewählt, um ein himmlischer König zu sein? Könnte das die Erklärung dafür sein, dass sich manche Glieder der Leitenden Körperschaft gleich nach ihrer Taufe in den siebziger Jahren zum “Überrest” bekannten?

Aber was sagt die Bibel immer wieder? Sie spricht von Bewährung bis zum Tod! Erst nach ihrem Tod wird entschieden, ob sie dazugehören dürfen:  “Und ich sah Throne, … und es wurde ihnen Macht zu richten gegeben. Ja, ich sah die Seelen derer, die mit dem Beil hingerichtet worden waren, wegen des Zeugnisses, das sie für Jesus abgelegt, und weil sie von Gott gesprochen hatten, und die, die weder das wilde Tier noch sein Bild angebetet, noch das Kennzeichen auf ihrer Stirn und ihrer Hand empfangen hatten. Und sie kamen zum Leben und regierten als Könige mit dem Christus für tausend Jahre. “ (Offb. 20:4)

 

In diesem Textzusammenhang des 20. Kapitels der Offenbarung tritt nach der Gefangensetzung Satans im Abgrund ein Gericht auf. Worüber das Gericht zu entscheiden hat, ist klar: Es muss entschieden werden, wer die erste Auferstehung bekommt. Das ist eine Entscheidung des Himmels! Und sie wird getroffen, wenn der entsprechende Mensch seinen christlichen Wandel in Treue bewältigt hat.

Natürlich kann ein Mensch die Hoffnung hegen, ein Mitregent Jesu zu sein, wie sie ja auch Paulus hatte. Aber mit der Hoffnung ist noch nichts entschieden. Und die Wiedergeburt hat mit dieser Hoffnung auch nicht direkt und ausschließlich zu tun, wie es die WTG glauben machen will:  >> Wie wir also sehen konnten, ist die neue Geburt äußerst wichtig, sie wird von Gott bewirkt und verleiht den von ihm ausgewählten Menschen die Eignung, vom Himmel aus zu regieren. <<

Hier soll also die Eignung, vom Himmel aus zu regieren, nicht ‚nur‘ der Heilige Geist, schon bei der Taufe oder sogar vorher (!) (Apg. 10:44-48) verliehen werden!

Ja, worin besteht denn die Eignung? Besteht sie nicht zuerst darin, dem Christus ähnlich zu werden und einen geprüften Glauben zu erwerben? Jeder Christ muss sich am Herzen beschneiden lassen, jeder muss eine neue Persönlichkeit werden, jeder muss beweisen, ob sein Glaube stark ist und dem Druck der Welt standhält, er muss sich als treu bis in den Tod erweisen – und nur beim “Überrest” geschieht das von allein, durch ein Wunder Jehovas bei der Taufe, wenn er mit Geist gesalbt wird? Hier muss sich scheinbar niemand bewähren; durch die Geistsalbung hat er auch automatisch die Eignung bekommen!

(Der Autor kannte einige “Überrestglieder” und er kann sich deshalb ein gutes Bild von diesen Menschen machen. Es waren Menschen wie die anderen Christen auch; nichts an ihnen ließ auf eine besondere “Eignung” schließen. Sie haben sich auch selbst nie so gesehen, wie es heute aber leider ist. (Wenn Jehova die “Eignung “ in Verbindung mit der Taufe gegeben hat, dann muss er von seiner Fähigkeit des Vorherwissens Gebrauch gemacht haben. Aber da tun sich dann Konflikte auf, auf die hier nicht eingegangen werden soll.)

Ganz anders dachten die Apostel! Wie bescheiden und selbstkritisch war Paulus! Bei ihren selbsternannten Nachfolgern sieht es anders aus: Sie erhalten schon bei ihrer Taufe die Eignung, als künftige Könige über die Erde zu herrschen! Für Paulus war es ein ständiger Kampf, sich zu bewähren. Nichts blieb ihm erspart. Er sah sich als “elenden Menschen”, der vom Bösen befreit werden wollte. Er hielt sich nicht selbst für geeignet; er wusste nur, dass Jesus ihn geeignet machen konnte, durch die Prüfungen im Verlauf seines Lebens. Jene aber, die sich heute zum WTG-Überrest zählen und sich auch auf Paulus berufen, erhalten schon bei der Taufe die Eignung, um die Paulus lange ringen musste? Hat denn Paulus diese Eignung wenigstens selbst erkämpft? Das ist eine überflüssige Frage: Er strebte danach, ohne sich selbst geeignet vorzukommen.

In der Argumentation des Wachtturms taucht noch ein Argument auf, das beleuchtet werden will: >> In ähnlicher Weise verändert Jehova den Status einer Gruppe von unvollkommenen Menschen, indem er sie rechtsgültig als seine Kinder adoptiert. Der Apostel Paulus, der zu dieser Gruppe gehörte, schrieb an Mitchristen: „Ihr habt einen Geist der Annahme an Sohnes statt empfangen, durch welchen Geist wir ausrufen: ‚Abba, Vater!‘ Der Geist selbst bezeugt mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Römer 8:15, 16). Durch Adoption wurden diese Christen ein Teil von Gottes Familie und somit „Kinder Gottes“ (1. Johannes 3:1; 2. Korinther 6:18). <<

Für die Gruppe der “Geistgesalbten” wird mit diesem Artikel also der Begriff der Adoption eingeführt. Es wird behauptet, dass nur die “Gesalbten” adoptiert worden sind, weil sie Mitregenten sein sollen; nur sie sind also Kinder oder Söhne Gottes.

Es ist einfach, auch dieses Argument zu entkräften. Am Anfang wurde schon Johannes 1:12 zitiert: “So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er die Befugnis, Kinder Gottes zu werden, weil sie Glauben an seinen Namen ausgeübt hatten.” Es fällt ins Auge, dass hier keine Einschränkung gemacht wird: Alle, die Jesus aufnehmen und an ihn glauben, dürfen Kinder Gottes sein! Liest man die entsprechenden Querverweise in der NWÜ dazu, dann findet man auch hier keine strikte Einschränkung: Alle können Kinder Gottes sein, wenn sie Christus nachfolgen. Dabei spielt es keine Rolle, mit welcher Hoffnung sie ihrem Meister folgen.

Noch eine kleine Frage zum Text aus Römer 8:15, 16: Wer kann fest behaupten, dass sich diese Worte Pauli nur auf die sogenannten “Überrestglieder” beziehen?

Der Kontext gibt dazu noch etwas her: “Denn alle, die durch Gottes Geist geleitet werden, diese sind Söhne Gottes.” (Rö. 8:14) Es darf die Frage erlaubt sein, ob nicht alle Nachfolger Jesu von Gottes Geist geleitet werden? Doch sie müssen durch Gottes Geist geleitet werden, sonst könnten sie nicht in das Königreich kommen. Und wenn sie durch den Geist geleitet werden, dann sind sie auch Söhne Gottes! Der Vers 17 könnte etwas anderes aussagen, aber wenn man daran denkt, dass alle Kinder Gottes sind, gleichgültig, welche Hoffnung sie haben, dann ist diese Aussage auch keine eindeutige Festlegung auf die himmlische Hoffnung.

Wir sind ja vom 1. Brief des Johannes ausgegangen, um zu zeigen, dass alle Nachfolger Jesu “aus Gott geboren” sind. Johannes definiert auch die “Kinder Gottes”: “Hieran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels erkennbar: Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, stammt nicht von Gott, noch der, der seinen Bruder nicht liebt.” (1. Joh. 3:10)

Nicht die persönliche Hoffnung entscheidet über die Kind- oder Sohnschaft, sondern die gelebte Gerechtigkeit und der Himmel! Das, und nur das, hat etwas mit der Wiedergeburt zu tun. Ein Christ beginnt mit seiner Taufe ein neues Leben für Gott und Christus. Dieses neue Leben wird in den Briefen der Apostel oft genug erwähnt, so dass man darüber nicht im Unklaren sein kann. Immer ist es ein neuer Lebensweg, der mit den alten, Gott entehrenden Gewohnheiten brechen möchte. Es ist ein Lebensweg, der sich durch Glauben, Hoffnung und Liebe auszeichnet. Durch die Taufe beginnt dieser neue Weg und damit auch eine neue Geburt: “Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, denn nach seiner großen Barmherzigkeit hat er uns eine neue Geburt zu einer lebendigen Hoffnung gegeben durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem unbefleckten und unvergänglichen Erbe. Es ist in den Himmeln aufbehalten für euch, die ihr mit Gottes Macht durch Glauben zu einer Rettung behütet werdet, die bereit ist, in der letzten Zeitperiode offenbart zu werden. … Denn eine neue Geburt ist euch zuteil geworden … durch das Wort des lebendigen und bleibenden Gottes.” (1. Petr. 1:3-5, 23)

 “Weil er es gewollt hat, hat er uns durch das Wort der Wahrheit hervorgebracht, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien.” (Jak. 1:18)

(Das “unbefleckte und unvergängliche Erbe” ist ein Ausdruck dafür, dass die damit verbundene Hoffnung sicher und wahr ist, weil Jehova es so sagt und will. Es hat nichts mit dem Regieren im Himmel zu tun. Auch der Ausdruck “Erstlingsfrucht” bezeichnet nicht zwingend nur die “Überrestglieder”.)

Es bleibt noch übrig, etwas zur “Adoption” zu sagen. Im Text aus Römer 8:15 kann man entnehmen, dass Christen eine “Annahme an Sohnes statt” (wörtlich: “Sohnes-Setzung“) erfahren. Man muss sich nicht über Wörter wie “Kind” oder “Sohn” streiten. Ein Sohn ist auch zwangsläufig ein Kind. Hier geht es wohl eher darum zu zeigen, dass wir alle einst Gott entfremdet waren; wir waren in dem Sinne nicht seine Kinder, weil wir die Werke des Teufels vollbracht haben.

Aber als Christen haben wir uns ganz bewusst auf Gottes Seite gestellt und wollen durch unser Leben beweisen, dass wir seine Kinder sind, denn wir wollen die entsprechenden Taten verrichten. In Johannes 8:44 weist Jesus ja darauf hin, wodurch man sich als Kind des Teufels zu erkennen gibt. Durch diese Entscheidung unsererseits erlaubt Jehova uns, seine Kinder zu sein. Das scheint der ganze Sinn von Rö. 8:15 zu sein. (Man beachte: Nach dem Wunsch der WTG aber dürfen wir nicht Kinder Gottes sein, darum wird uns ja die “Freundschaft” angeboten: “Werde ein Freund Gottes!”)

Es muss noch darauf hingewiesen werden, dass Römer 8 im Ganzen über die Beziehung eines Menschen zu Gott und Christus spricht; das Buch spricht über unsere Stellung zu Gott, über das Opfer Jesu, das uns von der Verurteilung befreit. Immer wieder werden darin die Nachfolger Jesu als Söhne und Kinder Gottes beschrieben. Und ständig stößt man auf den Umstand, dass man Gottes Kind oder Sohn sein muss, um gerettet zu werden. Ohne diese intime Beziehung, ohne diese stattgefundene Annahme als Kind durch Gott ist alles andere sinnlos! Und ständig begleitet den Leser der Gedanke, dass es darauf ankommt, durch den Geist Gottes geleitet zu werden.

Man muss also durch die von Gott verursachte Wiedergeburt ein Kind Gottes werden. So ungefähr drückt es Paulus in Titus 3:4-7 aus:  “Als jedoch die Güte und die Liebe zum Menschen auf Seiten unseres Retters, Gottes, offenbar wurde, rettete er uns, nicht zufolge von Werken, die wir in Gerechtigkeit vollbracht hätten, sondern gemäß seiner Barmherzigkeit durch das Bad, das uns zum Leben brachte, und durch die Erneuerung durch heiligen Geist. Diesen goss er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns aus, damit wir, nachdem wir kraft dessen unverdienter Güte gerecht gesprochen worden sind, Erben würden, gemäß einer Hoffnung auf ewiges Leben.”

Auch dies sagte Paulus und bestätigt erneut, dass ein Christ verpflichtet ist, ein neues Leben aufgrund einer Wiedergeburt durch Wasser und Geist zu führen: “In der Taufe wurdet ihr mit ihm [Christus] begraben. Und in der Taufe wurdet ihr auch mit ihm auferweckt.

Denn ihr habt an die Macht Gottes geglaubt, der Christus vom Tod auferweckt hat. Ja, ihr wart tot aufgrund eurer Verfehlungen. Und euer auf das irdische ausgerichteter Körper hatte die Beschneidung noch nicht empfangen, die Christus schenkt.” (Kol. 2:12, 13)

Wer noch ein paar Zitate aus der Bibel braucht, die über das neue Leben und über eine dazu nötige Wiedergeburt sprechen, möge bitte hier lesen: Rö. 6:4, 6, 13; 8:11; Gal. 2:19-21; Eph. 2:1-6; Phil: 12-16, Jak. 1:18; 1. Joh. 3:1, 2, 10; 5:2.

Was bleibt von der Behauptung, dass nur Mitregenten Jesu eine Wiedergeburt erfahren? Nicht viel, nur Scherben. Es gilt der Grundsatz, dass die Wahrheit einfach ist. Die Wahrheit der Bibel ist einfach. Wenn sie kompliziert erscheint, dann handelt es sich entweder um spitzfindige Gedanken oder um schlaue Theologie. Durch Respekt vor Jehova sollte man davor bewahrt werden, über das hinauszugehen, was geschrieben steht.

Das letzte Wort zu diesem Thema soll die Bibel haben. Das Gespräch Jesu mit Nikodemus war mit Jesu Feststellung, dass alle seine Nachfolger wiedergeboren sein müssen, noch nicht zu Ende. Hier der Rest des Gespräches, der ja den Kontext bildet und uns darauf hinweist, worum es im Grunde geht, wenn Jesus die Wiedergeburt als eine notwendige Voraussetzung für das ewige Leben herausstellt:  “Nikodemus gab ihm zur Antwort: „Wie können diese Dinge geschehen?“ Als Antwort sprach Jesus zu ihm: „Bist du ein Lehrer Israels und weißt dennoch diese Dinge nicht? Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und wir bezeugen, was wir gesehen haben; ihr aber nehmt das Zeugnis nicht an, das wir geben. Wenn ich von irdischen Dingen zu euch geredet habe und ihr trotzdem nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich von himmlischen Dingen zu euch rede? Überdies ist kein Mensch in den Himmel hinaufgestiegen, außer dem, der vom Himmel herabkam, der Menschensohn.

Und so, wie Moses die Schlange in der Wildnis erhöhte, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, ewiges Leben habe. Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einziggezeugten Sohn gab, damit jeder, der Glauben an ihn ausübt, nicht vernichtet werde, sondern ewiges Leben habe.  Denn Gott sandte seinen Sohn nicht in die Welt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer Glauben an ihn ausübt, wird nicht gerichtet werden. Wer nicht Glauben ausübt, ist schon gerichtet, weil er nicht Glauben an den Namen des einziggezeugten Sohnes Gottes ausgeübt hat. Dies nun ist die Grundlage für das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, aber die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn wer schlechte Dinge treibt, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Werke nicht gerügt werden.  Wer aber das tut, was wahr ist, kommt zum Licht, damit seine Werke als solche offenbar gemacht werden, die in Harmonie mit Gott gewirkt worden sind.“  (Joh. 3:9-21)

Mag ich nicht (0)

14 Kommentare zu “Spitzfindige Gedanken oder schlaue Theologie? – die Wachtturmgesellschaft zum Thema „Wiedergeburt“

  1. Ein Artikel auf unser Website welche parallel ist an dieses Artikel ist für euch Leser vielleicht interresant dies dabei in Betracht zu ziehen um zu klaren Sicht zu kommen in Bezug auf die verdrehte Ansicht der führenden der WTG.

    http://www.die-vierte-wache.eu/DE/1-ein-abendmahl-zwei-buende-02.html

    zur Ergänzung und weitere Untermauerung was in diesen Artikel gut ausgearbeitet wird...

    Mit freundliche Grüße an alle wahre und komplette  Wahrheit Liebende und suchende.

    Aesculap

    (Die vierte Wache)

    1. Lieber Aesculap,

      ich habe mir die Seite angeschaut auf die Du durch den Link hinweist. Es ist eine schöne Website. Doch ist diese Website und jetzt ganz speziell der Artikel auf den Du hinweist in sich nicht schlüssig.

      Die Argumentation erinnert mich wie ich dies schon einmal vor langer Zeit (als die hier zum erstenmal die Website von jemand empfohlen wurde) an die Art und Weise, wie die WTG argumentiert.

      Wenn ich den Kontext der gesamten Bibel zu diesem Thema nehme, kann ich der Argumentation dieses Artikels auf Deiner Website nicht folgen. Schon diese Frage ist nicht zu stellen:

      "Kann es sein, dass alle Menschen von den Symbolen nehmen sollen und dann auch alle später im Himmel regieren werden? Nein, das wäre unsinnig, denn über wen sollten sie dann regieren, wenn kein Mensch mehr auf der Erde ist?"

      Wenn ich davon ausgehe, das alle Menschen (Christen) die an Jesus glauben himmlische Hoffnung haben, dann gibt es immer noch Menschen auf der Erde. Denn Jesus trennt die Menschen in Schafe und Böcke.

      Wenn man den Kontext in der Bibel dazu betrachtet, hat er zu diesem Zeitpunkt bereits seine Auserwählten zu sich geholt und die noch lebenden Auserwählten sind ihm bereits in der Luft begegnet. Also wird es folgerichtig Menschen auf der Erde geben die gerechtgesprochen werden (Schafe) die weil sie den Brüdern Jesu wissentlich oder unwissentlich geholfen haben - obwohl sie selbst nicht an Christus glaubten - belohnt werden. Somit gibt es Menschen auf der Erde auch wenn alle Christusgläubigen im Himmel wären.

      Der ganze Artikel ist aus meiner Sicht ein zerhacken des Wortes Gottes. Es wird so argumentiert wie es die WTG auch tut. In diesem Artikel wird nicht versucht die Meinung der Bibel zu suchen sondern eine eigene festgesetzte Ansicht durch Bibelverse zu festigen.

      Was ich besonders schlimm und erschreckend finde ist in diesem Artikel diese Aussage:

      Sie lassen die Symbole herumreichen, ohne davon zu nehmen, und zeigen so bewusst ihre Verachtung für "Jesus" (Je-sus, "sus" = lateinisch Schwein, Sau, Wildschwein; wir verwenden deshalb lieber die Urform Jahschuah).

      Hier wird der Name unseres Herrn so zerpflückt, wie es kein objektiver Schreiber jemals tun würde. Dann wird doch tatsächlich behauptet, verwendet man deshalb lieber die Urform Jahschuah. Dadurch legt man ein Dogma bezüglich des Namens unseres Erlösers fest. Es wird auch die Urform festgesetzt, obwohl es diesbezüglich auch andere Urformen gibt. Selbst das in diesem Artikel der Name der Urform mit dem Buchstaben "J" beginnt, zeigt mir das nicht genügend recherchiert wurde und es hier nur darum ging etwas zu verunglimpfen.

      Aus diesen oben genannten Gründen, ich könnte noch mehr anführen, das würde jedoch den Rahmen des Kommentarfeldes sprengen, ist dieser Artikel auf dieser von Dir angeführten Website mit größter Vorsicht zu lesen.

      Gruß Ron

  2. Argentum

    Lieber Autor,
    wie schön ist es das alles zu lesen! Sehr gut aufgearbeitet und nachvollziehbar.
    Ich hatte immer Beklemmungen, wenn man mir erzählte, der Großteil des NT gelte nur für die Geist Gesalbten.

    "Was bleibt von der Behauptung, dass nur Mitregenten Jesu eine Wiedergeburt erfahren? Nicht viel, nur Scherben. Es gilt der Grundsatz, dass die Wahrheit einfach ist. Die Wahrheit der Bibel ist einfach. Wenn sie kompliziert erscheint, dann handelt es sich entweder um spitzfindige Gedanken oder um schlaue Theologie. Durch Respekt vor Jehova sollte man davor bewahrt werden, über das hinauszugehen, was geschrieben steht."

    Und man sollte Kindern Gottes nicht die kraftvolle Hoffnung seines Wortes vorenthalten!!!
    ( Sorry, das macht mich immer aufs Neue wütend...)

    Ach, ich bin froh, hier gelandet zu sein. DANKE.

    Liebe Grüße
    Argentum

  3. Ordnungszahl 83 (kristallin)

    Wo wir schon beim Thema Geist sind:
    Im WT vom 15.03.15 auf S. 11 steht in der Fußnote: "Die Bibel enthält zwar auch einiges, das vielleicht 'schwer zu verstehen' ist, wie manches, worüber Paulus schrieb. Alle Bibelschreiber waren jedoch durch heiligen Geist inspiriert. Und dieselbe Kraft hilft auch wahren Christen heute, die göttliche Wahrheit zu erfassen und 'selbst die tiefen Dinge Gottes' für uns zugänglicher und klarer zu machen (2. Pet. 3:16, 17; 1. Kor. 2:10)."

    Ergo: "wer das hier liest ist kein echter Christ", frei nach der Toilettenwandkritzelpoesie "wer das liest ist blöd". Denn nur "wahre Christen heute" erfassen "die göttliche Wahrheit" und machen sie UNS "klarer und verständlicher". Das "UNS" steht für jedes diesen Artikel lesendes "ich", jede Person die diese Zeilen aufnimmt wird in eine Masse verständnisloser Idioten eingereiht. Und diese Masse ist eben etwas anderes als diese "wahren Christen heute".

    Die Moral von der Geschicht: Wachtturmleser verstehen die Bibel nicht...

    Im Übrigen wird auf 2. Pet. 3:16,17 angespielt, wo es heißt: "16 es steht in allen seinen Briefen, in denen er davon spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen und die Unwissenden, die noch nicht gefestigt sind, verdrehen diese Stellen ebenso wie die übrigen Schriften zu ihrem eigenen Verderben. 17 Ihr aber, liebe Brüder, sollt das im Voraus wissen und Acht geben, dass ihr euch nicht von dem Irrtum der Gottesverächter mitreißen lasst, euren Halt verliert und zu Fall kommt." (EÜ)

    O Ja, wir wissen nun, dass wir uns vor dem Irrtum der Gottesverächter in Acht nehmen müssen, damit wir unseren Halt nicht verlieren.
    Grüße und Segenswünsche und jedem SEINE EIGENE GROßE PORTION GEIST. Den darf uns nämlich niemand absprechen.
    O83

  4. Johann

    Hallo liebe Anna,
    habe deinen Kommentar mit Aufmerksamkeit gelesen und auch gleiche einen von dir erwähnten interessanten Gesichtspunkt kennen gelernt.

    Wenn Jesus sagt kommt folgt mir nach dann verbindet der einfache Zeuge automatisch den Leistungsgedanken damit. Sein Bestes geben im predigen und Einsatz für Jehovas Organisation.
    Doch wie du so schön herausgestellt hast, folgen wir den Fußstapfen Jesu
    insofern, dass wir ihm hinterher gehen. Er hat uns den Weg bereitet und es uns leicht gemacht in ein annehmbares zum Vater zukommen. Dann können wir uns auch nicht verlaufen und wie du richtig bemerkt hast, wer schon einmal durch tiefen Schnee gegangen ist weiß, wie gut es ist einen bereits gespurten Weg vorzufinden. Denn andernfalls wird jeder Schritt sehr anstrengend, weil wir ständig einsinken. Das sind wirklich tiefe Gedanken.

    Der Wachtturm lehrt uns dagegen, dass wir uns immer wieder anstrengen müssen um unser Verhältnis zu Gott zu festigen und wie Jesus Einsatz bringen sollten damit wir so werden wie er.
    Es wird uns zwar beruhigend gesagt, dass wir es nicht erreichen werden auf Grund unserer Unvollkommenheit, aber anstrengen müssen wir uns schon.

    Das ist so als wenn ein Hochleistungssportler von uns verlangt wie er über einen Mauer zu springen, wohl wissend, dass wir es nie schaffen werden. Aber Hauptsache wir versuchen es immer wider und strengen uns an. Und so springen wir immer wieder frustriert vor die Mauer und holen uns blaue Flecke.
    Oder wir tun so als ob wir uns anstrengen, machen aber einen weiten Bogen um diese für uns unüberwindbare Hürde. So entsteht die pure Heuchelei unter den Zeugen.

    Noch mal danke liebe Anna
    Johann

  5. Tomaso

    Hallo bruderinfo,

    kann es sein, dass der Text in der ersten Anmerkung (Luk. 22:42) ein Tippfehler ist?
    Evtl. sind die Verse 29 und 30 gemeint?

    LG Tomaso

  6. O.W. Schade

    Liebe Schreiber von BI !
    Offenkundig war Pastor Russell ein absolut begnadeter und charismatischer Redner seiner Zeit. Und genau das macht es Euch heute so schwer, die Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden. Wir haben quasi als Zeugen Jehovas seine Lehren mit der "Muttermilch" in uns aufgesogen. Vieles ist für uns so normal geworden, so dass wir es nur schwer in Frage stellen können. Dabei sind die Ursprünge oft eindeutig.
    Das Wort "Theokratie" zum Beispiel fand mit der mächtigen theosophischen Bewegung des !8. Jahrhunderts Eingang in die High Society und Russell selbst war von den königlichen Gemächern der toten Pharaonen so beeindruckt, dass er sie "Hall" nannte. Pastor Russell konnte sich auch exzellent auf seine Zuhörer einstellen und er hatte auch keinerlei Probleme damit, Jesus als den Großmeister der Freimaurerei zu bezeichnen, dem Heiligen Paulus den 32.Grad der Freimaurerei zu zusprechen und ...man höre und staune...die Königliche Priesterschaft der 144000 plus Christus als "Spirituelle Freimaurerei" zu benennen. Natürlich war er selbst auch ein Glied dieser auserwählten himmlischen Klasse, die er an anderer Stelle "den Orden von Melchisedek" nannte. ( Quelle: Pastor Russells Convention Discourses 1906 - 1916 ). Per Google und Mausklick jederzeit für jedermann selbst nachlesbar.
    Meiner Überzeugung nach war Russell sowohl ein fleißiger Bibelforscher als auch ein charismatischer Redner und diese "erfolgreiche Mischung " macht es für uns heute so diffus und so mühselig. In diesem Sinne bedanke ich mich für Euer mühsames Bestreben wieder Licht ins Dunkel zu bringen und die undurchsichtigen Lehren aus biblischen Wahrheiten und Zeitgeist aus Russells Tagen zu erhellen und zu entwirren !
    O.W.Schade

    1. Florian

      Hallo an Alle,

      „Uns Jesus zum Vorbild nehmen“ so der Titel des Studienartikels aus dem WT vom 15.2. 2015
      Möchte hier gerne meinen Eindruck zu diesem Artikel mitteilen.

      Zu nächst ging es um die Demut und innige Zuneigung von Jesus Christus. Gestützt hat sich der Artikel auf 1. Petr. 2:21 wo wir lesen: „Christus [hat] für euch gelitten . . . , euch ein Beispiel hinterlassend, damit ihr seinen Fußstapfen genau nachfolgt“

      Dieser Text wird als Aufforderung gesehen in Jesus Fußstapfen zu treten, Zitat: Gewissermaßen sagt uns Jehova damit, dass wir Jesus folgen und in seine
      Fußstapfen treten sollten“. Nun räumt man zwar schnell ein dass dies einen Menschen nie gelingen kann, aber Jehova erwartet von uns, dies so gut wir können zu tun.
      Die Konsequenz dieser angeblichen Aufforderung von Petrus wäre das wir ein Leben lang damit beschäftigt sind über eine Hürde zu springen die unerreichbar ist und uns nur frustriert.
      Ich haben diesen Text im Zusammenhang gelesen, und jedem unvoreingenommenen Leser fällt auf das die Worte von Petrus nicht als eine allgemeine Aufforderung zu sehen sind ein Leben lang zu versuchen in die Fußstapfen Jesu zu treten. Petrus ging es um einen konkreten Fall, und zwar unserer Bereitschaft für Unrecht zu leiden wie es Jesus uns vorgelebt hat.

      „Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat und euch ein Vorbild hinterlassen, hat und dem ihr nachfolgen sollt seinen Fußtapfen.
      Den er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; und
      der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, denn er stellte es dem anheim, der gerecht richtet.
      So wie jesus sollten wir also im Falle einer Verfolgung nicht drohen oder urteilen sondern geduldig unrecht ertragen. Darum ging es Petrus.
      Und auch bei der Aufforderung Jesu, „kommt folgt mir nach“ geht es nicht darum die Vollkommenheit Jesu im Handeln und Denken zu erreichen.

      Zwei angeblich hervorragende Eigenschaften Jesu werden in diesem Artikel uns vorgehalten, die wir unbedingt ausleben müssen, „Demut“ und „innige Zuneigung“.
      Nun war Jesus sicherlich Demütig und Barmherzig, doch er ist nicht in erster Linie auf die Erde gekommen um uns eine Lektion in diesen Eigenschaften zu erteilen.

      Eigentlich geht es der WTG darum von ihren Schäfchen eine Einstellung zu verlangen die es ihr möglich macht uns so zu führen wie sie möchte. Zitat: „Demut“ kann auch mit
      „Niedriggesinntheit“ wiedergegeben werden. „Demut bedeutet zu wissen, wie klein wir in Wirklichkeit vor Gott sind. Er (Jesus) war bereit, die niedrigste Arbeit zu verrichten und vor allem sein Gehorsam verriet Demut, ganz anders als arrogante Personen, die Gehorsam verachten.

      Und weiter heißt es: „Demut hält uns davon zurück, unsere Befugnisse zu überschreiten.
      Demütige Christen sind nicht daran interessiert, es in diesem System zu etwas zu bringen. Sie entscheiden sich eher für ein einfaches Leben und verrichten sogar Arbeiten,
      die von der Welt als niedrig eingestuft werden, um sich für Jehova voll und
      ganz einsetzen zu können“.
      Übersetzt soll dies bedeuten, dass ein Nachfolger Christi nicht studiert um eine akademische Laufbahn einzuschlagen, dies würde wohl der christlichen Demut widersprechen.

      Natürlich wird wie immer, auch Demut mit Gehorsam verknüpft. Zitat: „es erfordert nämlich Demut, sich denen unterzuordnen, die in der Versammlung „die Führung
      übernehmen“, und die Anweisungen der Organisation Jehovas anzunehmen und zu befolgen.“

      Mitgefühl mit Trauernden ist natürlich auch eine herausragende Eigenschaft eines Christen.
      Dem wird keiner widersprechen wollen. Doch auch hier werden diese „Selbstverständlichkeiten eines Christen“ für die Ziele der Organisation missbraucht, indem man unter diesen allgemein anerkannten Handlungen Verbindungen herstellt, die mit dem eigentlichen Begriff nichts mehr zu tun haben. .

      Wie anders sonst ist wohl dieser Satz zu sehen, Zitat: „Eine mitfühlende Person fühlt sich
      dazu gedrängt, das Leben anderer zum Positiven zu beeinflussen. Jeder Zeuge versteht diesen Hinweis worum es bei dieser „positiven Beeinflussung“ geht. Zitat: „Vor allem
      aber zeigt sich unser aufrichtiges Interesse an anderen durch unseren vollen Einsatz
      im Predigtdienst. Es gibt schließlich keine bessere Möglichkeit, das Leben aufrichtiger Menschen positiv zu beeinflussen“!

      Auch die Ältesten werden wie immer auf Spur gebracht. Zitat sinngemäß: „Ein mitfühlender Ältester versucht zwar nicht, die Brüder durch eigene Regeln zu beherrschen
      oder sie durch Schuldgefühle unter Druck zu setzen, damit sie für Jehova
      mehr tun, obwohl es ihre Umstände gar nicht erlauben, gut gesagt; doch im Gleichen Atemzug heißt es dann weiter: „Vielmehr strengt er sich an, ihre Freude zu fördern, indem er sein Vertrauen zum Ausdruck bringt, dass sie aus Liebe zu Jehova ihr Bestes geben.“

      Ein toller Satz. Bitte keinen Druck aufbauen aber dennoch darauf hinarbeiten das sie ihr Bestes geben.
      Zusammengefast ist dieser Artikel nichts anderes als der Versuch durch das Vermengen von Selbstverständlichkeiten, denen keiner Widersprechen wird, mit den Erwartungen der Organisation an die Brüder sie zu Gehorsam ihr gegenüber und mehr Einsatz.

      Das war so mein Eindruck von diesem Artikel, der in diesem Sinn auch nächste Woche weiter geht.

      Liebe Grüße an Alle
      Florian

      1. Matthäus

        Da bleibt nur mehr die Frage:

        Wie oder wann zeigen die Männer der LK diese niedriggesinnte Handlungsweise?
        Wo sind diese Männer, einschließlich der Ältesten die auf Anordnung der LK ihre Härte und macht demonstrieren, barmherzig oder gütig und zum Vergeben bereit - das ist nur die berühmte Ausnahme. Aber in Wahrheit tun mir diese Männer leid, den so wie sie messen wird bei ihnen selbst das Mass angelegt und da wird es bitteres erwachen wie auch Zähneknirschen geben.

        LG. Matthäus

        1. O.W. Schade

          Lieber Matthäus !

          Die Veränderungen innerhalb der WTG sind wirklich dramatisch. Wir erleben, wie aus einer Religionsgemeinschaft still und leise eine Leistungsgesellschaft gemacht wird, wie die Bibelgläubigkeit durch die Technikgläubigkeit ersetzt wird, wie der Glaubensgehorsam immer mehr dem reinen Funktionieren weichen muss und wie der gesunde Menschenverstand durch eiskalte Verleugnung zum Schweigen gebracht wird. Und...wir sind alle angehalten, den unaufhaltsamen SHOW-DOWN einer trudelnden und schlingernden Organisation als FORTSCHRITT zu bejubeln.
          Ohh Wiiee Schaadee !

        2. Hallo Matthäus mein lieber Freund,
          nach meiner Meinung ist die WTG ein Teil groß Babylons.Was will man von denen schon erwarten.
          Christie Segen
          LG
          Klaus

          1. Tommy

            Die Schrift genau betrachtend Klaus Karl,
            kann man es so sehen. Ich persoenlich wuerde aber nicht davon ausgehen, dass die WTG Babylon itself ist, das fuehrte zu weit. Habe ich hier aber auch schon so gelesen.
            Tommy

      2. Anna

        Lieber Florian, liebe Schwestern und Brüder,

        Danke für deine Eindrücke zu diesem Studienartikel. Das mit 1. Petrus 2:21 ist mir diesmal endlich auch aufgefallen. Das ist völlig aus dem Zusammenhang gerissen. Früher habe ich das nicht bemerkt weil ja dieser Text immer schon angeführt wurde um uns zu zeigen, dass wir es nicht schaffen.

        Hier mal die Passage im Zusammenhang aus der Neuen Genfer Übersetzung:

        1. Petrus 2:18ff

        Ein Wort an die Sklaven. Das Beispiel Jesu
        18 Ihr Sklaven, ordnet euch euren Herren unter und erweist ihnen uneingeschränkten Respekt – nicht nur den guten und freundlichen, sondern auch denen, die sich niederträchtig verhalten.
        19 Es verdient nämlich Anerkennung, wenn jemand, der zu Unrecht leidet, sein Leiden geduldig erträgt, weil er entschlossen ist, Gott treu zu bleiben.
        20 Oder hättet ihr irgendeinen Grund, stolz zu sein, wenn ihr wegen einer Verfehlung bestraft werdet und die Schläge standhaft ertragt? Aber wenn ihr leiden müsst, obwohl ihr Gutes tut, und dann standhaft bleibt – das findet Gottes Anerkennung,
        21 denn dazu hat er euch berufen. Auch Christus hat ja für euch gelitten und hat euch damit ein Beispiel hinterlassen. Tretet in seine Fußstapfen und folgt ihm auf dem Weg, den er euch vorangegangen ist –
        22 er, der keine Sünde beging und über dessen Lippen nie ein unwahres Wort kam;
        23 er, der nicht mit Beschimpfungen reagierte, als er beschimpft wurde, und nicht ´mit Vergeltung` drohte, als er leiden musste, sondern seine Sache dem übergab, der ein gerechter Richter ist;
        24 er, der unsere Sünden an seinem eigenen Leib ans Kreuz hinaufgetragen hat, sodass wir jetzt den Sünden gegenüber gestorben sind und für das leben können, was vor Gott richtig ist. Ja, durch seine Wunden seid ihr geheilt.
        25 Ihr wart umhergeirrt wie Schafe, ´die sich verlaufen haben`; doch jetzt seid ihr zu dem zurückgekehrt, der als euer Hirte und Beschützer über euch wacht.
        - . -

        Die letzten beiden Verse zeigen doch deutlich dass mit der Nachfolge Jesu kein Leistungsevangelium verbunden ist. Christus ist unser Hirte und unser Beschützer.

        Petrus ging es ja auch darum, dass wir Jesu Fußstapen nachfolgen insofern, dass wir ihm hinterhergehen. Dann können wir uns auch nicht verlaufen.
        Und wer schon einmal durch tiefen Schnee gegangen ist weiß, wie gut es ist einen bereits gespurten Weg vorzufinden. Denn andernfalls wird jeder Schritt sehr anstrengend, weil wir ständig einsinken.

        Die Organisation vergisst gerne, dass Jesus gesagt hat, sein Joch ist sanft. Und damit ist die WTG-Argumentation ohnehin völlig daneben.

        Demütig „Anweisungen“ befolgen, darum geht es.

        Schöne Grüße an allem aus dem Frühling wünscht Anna

  7. Tommy

    Guter Artikel.
    Kann man nur hoffen, dass sich einigeZeugen darauf einlassen und nachdenken. Oder sie bringen aehnlich stichhaltige, biblische Argumente. Die fielen bisher, mag aber daran liegen dass ich in der Finsternis verweile, aus.
    Tommy

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