„Lasst euer Licht leuchten“ – Neues Licht zu Spr. 4:18?

Kommentar zur Ansprache von Bruder Lösch, Oktober 2015

https://tv.jw.org/#de/mediaitems/StudioMonthly2015/pub-jwb_201510_1_VIDEO

Das waren ja nun mal ganz neue Töne, die Bruder Lösch von der LK in der Monatssendung Oktober so freimütig von sich gab. Er sprach über das Thema “Ihr seid das Licht der Welt, Lasst euer Licht leuchten”, gestützt auf die Worte Jesu aus Matth. 5:14-16.

Nachdem er anhand einiger Erläuterungen die Bedeutung des Begriffs “Licht in der Bibel” erklärt hat, zitiert er Psalm 119:105 “Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet.” und Sprüche 4:18: “Der Pfad des Gerechten ist wie das glänzende Licht, das immer heller und heller wird.”

Erfreulicherweise gestaltet sich seine Deutung des Verses so, wie es der Kontext stützt. Zitat: “In Sprüche 4:18 wird auch ein guter Wandel mit Licht verglichen.”

Hier stellt sich für mich aber die Frage: Warum auch? Es gibt für diesen Vers doch keine zweite Deutung, oder?

Doch, in den Veröffentlichungen der Organisation, wird diese Textstelle fast ausschließlich dafür missbraucht, die Offenbarungen des “treuen und verständigen Sklaven” als absolute neue Wahrheit zu legitimieren. Der WTG-Begriff “neues Licht” entspringt einer Interpretation der Verse Spr.4:18 und ist augenscheinlich gemäß dieser, aus seinem Kontext herausgerissen und verdreht worden.

Jeglicher Zweifel oder Vorbehalte gegenüber diesem “neuen Licht”, werden von der WTG als “geistige Schwäche” gebrandmarkt. “Neues Licht” wird von ihr sogar in überheblich/blasphemischer Weise als “lebengebend” bezeichnet.

Doch zurück zu Bruder Löschs Ansprache.

Er verdeutlicht uns, und das ist zuerst einmal bemerkenswert, dass es in Spr.4:18 nicht um göttliche Neuoffenbarungen geht, sondern um einen gerechten Lebenswandel, sowie um die Moral jedes einzelnen Anbeter Gottes…

Zitat: “Ja, sogar Menschen können wie das Licht sein.” und knüpft zu Recht die Verbindung von Sprüche 4:18 zu Matth. 5:14 und Jesu Worten aus der Bergpredigt: “Ihr seid das Licht der Welt. Es kann eine Stadt, die auf einem Berg liegt, nicht verborgen bleiben”.

Wir sehen, auch Jesus hat die Metapher “Licht” benutzt, um einen beispielhaften Lebenswandel für Christen zu zeichnen. Die Bibel gebraucht die Bildsprache des Lichts zwar auch, um Offenbarungen Gottes darzustellen, doch in der gesamten Schrift gibt es keinen Anhaltspunkt dafür, dass der Begriff “neues Licht” immer neue Offenbarungen Gottes versinnbildlicht.

Sprüche 4:18 hat also unsere Taten zum Inhalt, durch die wir uns alle als Lichtträger erweisen können. Danke Bruder Lösch für diese Richtigstellung.

Und dann der nächste erstaunliche Satz aus seinem Mund:

Zitat: “Viele denken zuerst an das Predigen der guten Botschaft, wenn es darum geht, sich als Lichtträger zu erweisen. Predigen ist zwar sehr wichtig, aber wir lassen unser Licht nicht nur durch das Predigen leuchten.”

Ja, Bruder Lösch, auch hier hast du Recht. Doch warum denken unsere Brüder bei guten Taten immer zuerst an den Predigtdienst? Ziehen sie diese Erkenntnis aus der Bibel? Du kennst die Antwort. Und genau deshalb ist Deine Bemerkung überraschend. In unseren Publikationen, aber auch in unserem christlichen Umfeld und Alltag wird der Predigtdienst als das wichtigste Werk bezeichnet und diese Ansicht hast Du als Glied der leitenden Körperschaft immer mitgetragen.

Und jetzt sagst Du: „Predigtdienst ist wichtig, aber er alleine ist nicht das Wichtigste“.

Mutig von dir, ich als Ältester hätte es nicht gewagt so etwas zu sagen. Und wenn ich es getan hätte, weil es ja richtig ist, hätten mich meine Mitältesten in den Nebenraum zitiert.

Warum wird dann der Zeiteinsatz im Predigtdienst bei uns Zeugen Jehovas weit höher gewichtet, als der Einsatz im Bereich der praktischen Nächstenliebe? Warum wird von Jesus Christus behauptet, dass sein Predigen sein wichtigster Auftrag war, und nicht sein Wirken, indem er den Menschen Gutes tat?

Und nun sagst Du uns Bruder Lösch: „als Jesus uns gebot unser Licht leuchten zu lassen bezog er sich nicht auf den Predigtdienst, sondern auf Werke der Nächstenliebe?

Na ja, so ganz will und kann Bruder Lösch die Werke der Nächstenliebe dann doch nicht über den Predigtdienst erhöhen. Deshalb beeilt er sich, von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Predigtdienst und Taten der Nächstenliebe zu sprechen. Aber immerhin: danke Bruder Lösch, dass Du das so deutlich sagst. Vielleicht kommt ja mal die Zeit, in der man auch die Stunden für praktische Nächstenliebe berichten kann, oder wenigstes tolle Erfahrungen die sich nicht nur auf das Verkündigen stützen. Verweise mich jetzt diesbezüglich bitte nicht auf Berichte in unseren Publikationen, denn die sind so dünn gesät, dass man sie getrost vergessen kann.

Als ich einmal in einer Ansprache ähnliche Gedanken wie Du verlauten ließ, bekam ich prompt eine Rüge von einigen Mitältesten und dem Kreisaufseher. Ich kann nur hoffen, dass Du nicht ähnliche Probleme mit deinen Mitstreitern in der leitenden Körperschaft bekommst.

Vorsichtiger weise hast Du Deinen Bemerkungen aber das Wörtchen “auch” hinzugefügt. Wir lassen unser Licht also auch durch vortreffliche Werke der Nächstenliebe leuchten?

Nun, ehrlicherweise müssen wir sagen, dass die Bergpredigt und die ganze heilige Schrift aufzeigt, dass wir unser Licht nur durch Werke der Nächstliebe leuchten lassen können und nicht durch Predigtdienst, der obendrein noch akribisch auf Stundenzetteln notiert werden muss.

Die Werke der Nächstenliebe sind echte Taten am Menschen und kommen diesem direkt zugute. In Ausübung der Werke der Nächstenliebe ergibt sich auch fast zwangsläufig die Möglichkeit, über die gute Botschaft zu sprechen. So können wir durch Taten und Worte, durch gelebte Güte, Hilfsbereitschaft und Sorge, Menschen durch unser gutes Beispiel zu Christus führen.

Jesus vollzog niemals eine Trennung zwischen seiner Lehrtätigkeit und seiner Wohltätigkeit, wie es die WTG macht. Er sah beides als Teile einer Aufgabe. Doch weder der Predigtdienst, noch die Wohltätigkeit waren sein Hauptanliegen, sondern sein Opfer, das er für die Menschen brachte, damit sie mit Gott versöhnt werden können.

Durch ihn kam und kommt alles Leben, und sein Leben, das er für uns geopfert hat, ist das wahre Licht für die gesamte Menschheit. Von ihm kam alles Leben, und sein Leben war das Licht für alle Menschen. Es leuchtet in der Finsternis, doch die Finsternis wehrte sich gegen das Licht. Gott schickte einen Mann der Johannes hieß. Er sollte die Menschen auf das Licht hinweisen, damit alle durch seine Botschaft an den glauben, der das Licht ist. Der als  das wahre Licht kam in die Welt, um für alle Menschen das Licht zu bringen”. Johannes 1:4-8

Für uns Menschen, die wir Christus nachfolgen, bleibt nur eine Möglichkeit uns als Licht für andere zu erweisen. Hier geht es nicht um Ausgeglichenheit. Gutes tun hat absolute Priorität. Im Gegensatz dazu wird der Predigtdienst von der WTG als das Kennzeichen wahrer Christen betont.

Tatsächlich spricht die Bibel aber nur von dieser einen Möglichkeit, die Bruder Lösch jetzt auch mit Jesaja. 58:7,8a zitiert: “Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!…. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, …”

Diese Gedanken greift auch der Apostel Jakobus auf, wenn er sagt: “dieser Dienst ist vor Gott annehmbar” (nicht als Pionier so viele Stunden wie möglich zu predigen, sondern) “nach Witwen und Waisen (Hilfsbedürftigen) zu schauen…” Jakobus 1:27

Wie Jesus können wir den Hungrigen etwas zu essen geben.” 

Bei diesen Worten denke ich, dass Bruder Lösch jetzt bestimmt auf die aktuelle weltweite Flüchtlingssituation eingeht und zu einer großen Hilfsaktion aufruft. Doch spätestens, als er diese Aussage mit dem Beispiel eines Schülers unterlegt, der sein Pausenbrot mit einem Mitschüler teilt, bin ich wieder auf den Boden der Tatsachen angelangt.

Zitat: “Ihr Kinder, könnt ihr anderen Gutes tun, außer dass ihr predigt? Ja.”

Tatsächlich fordert die WTG Kinder auf, ihre Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft auf die Bedürfnisse der Organisation zu konzentrieren- siehe das groteske Irrgartenspiel: “Sophia spendet einen Dollar für WTG Aktvitäten, hilf ihr dabei den Dollar durch den Irrgarten zu schieben”. https://www.jw.org/de/bibel-und-praxis/familie/kinder/werde-jehovas-freund/mitmachseiten/etwas-fuer-jehova-geben/

Aber ich will hier nicht zu viel erwarten und anerkennen, dass es schon ein gedanklicher Fortschritt für Bruder Lösch ist, wenn er zu verstehen gibt, dass der Predigtdienst eben nicht der einzige Weg ist, um wahre Nächstenliebe zu zeigen.

Er stellt das Teilen des Pausenbrotes mit dem Predigtdienst auf eine Stufe, wenngleich dies eine schwache Veranschaulichung ist, die für Kinder vielleicht angebracht sein mag, aber nicht dem Anspruch des Themas gerecht wird. Ich frage mich im Laufe der Ansprache ständig, was Bruder Lösch dazu bewogen hat, den Einsatz im Predigtdienst als gute Tat zu relativieren und die praktische Hilfe zum Gegenstand der Betrachtung zu machen?

Bei seiner Frage: “Wie können wir unser Licht durch gute Werke leuchten lassen?” überlege ich, ob er mit seinen Ausführungen den Fokus auf gute Werke in unseren Versammlungen legen möchte. Angesichts der großen Entlassungswelle von lang gedienten Bethelmitarbeitern ist damit zu rechnen, dass es in Zukunft in den Versammlungen eine große Anzahl materiell in Not geratener Brüder geben wird, die auf die Unterstützung ihrer Gemeinde angewiesen sind.

Ist dies der Grund, warum Bruder Lösch den Versen des Apostel Paulus aus Hebräer 13:15, die ja in der Regel von der LK auf den Predigtdienst angewandt werden, nun auch den Vers 16 : “vergesst nicht gutes zu tun” hinzufügt?

Genau betrachtet hat aber auch der Vers 15 nichts mit Predigtdienst zu tun: “So lasst uns nun durch ihn (Christus) Gott allezeit das Lobopfer darbringen, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen.”

Hier geht es um das Bekenntnis zu Christus. Wir wollen und sollen nicht aufhören, unseren Schöpfer im Namen Jesu zu loben und zu danken, für das, was er durch das Opfer seines Sohnes für uns bewirkt hat. Es geht nicht um Zeiteinsatz im Predigtdienst. Unser Bekenntnis zum Christus, Gutes tun und mit anderen teilen, das sind Opfer des Lobes mit denen wir uns zu Gott bekennen und an denen er Freude hat.

Bruder Lösch weiter: “Tabita wird in der Bibel, (Apostelgeschichte 9:36) positiv erwähnt. Nicht unbedingt wegen ihres Predigtdiensteinsatzes, sondern weil sie anderen Kleider machte.”

In unseren Schriften wird Tabita gerne als eine Frau beschrieben, die mit den Aposteln eifrig im Predigtwerk unterwegs war. Bruder Lösch möchte natürlich den Gedanken einer eifrigen Verkündigerin auch nicht ganz untergehen lassen, denn er sagt: “sie wird nicht unbedingt für ihren Predigteinsatz lobend erwähnt.”

Lieber Bruder Lösch, sie wird überhaupt nicht wegen ihres Predigtdienstes lobend erwähnt, sondern nur für ihre guten Taten. Aber auch hier möchten wir positiv erwähnen, dass Bruder Lösch wenigstens den Mut hat, diesen Satz auszusprechen.

Doch jetzt scheint Brd. Lösch leichtsinnig zu werden: 

“Es gibt nicht nur ein gutes Werk, nicht nur das Predigen.”

Wow, wie mutig: Der Begriff “vortreffliche Werke” ist eine Worthülse der WTG, bei der jeder Zeuge automatisch an den Predigdienst denkt. Das müsste auch Bruder Lösch bewusst sein. 1. Timotheus 5:9,10

Diese Interpretation vom Predigtdienst als gutes Werk, steht in völliger Missachtung zu der Bedeutung des griechischen Begriffes “kalós”, wie auch des vorangegangenen Kontextes, in dem es um die Ausbildung und Pflege von christlichen Eigenschaften geht.

Schön, dass Bruder Lösch zumindest ansatzweise diesen Begriff nicht mehr nur auf den Predigtdienst reduziert. Der Schriftzusammenhang zeigt deutlich, dass es bei “guten Werken” in keiner Weise, um den von der WTG- angeordneten Hochleistungspredigtdienst geht.

Bruder Lösch weiter: “Nicht nur der Predigtdienst, sondern auch die Hilfeleistung für Notleidende verherrlicht Gott.”

In diesem Zusammenhang berichtet er von Erfahrungen in Katastrophengebieten und schildert, wie von Jehovas Zeugen Menschen in Not Nächstenliebe entgegen gebracht haben. Er zitiert eine betroffene Frau, die gesagt haben soll: “Durch Eure Hilfe habt Ihr gezeigt, worum es Eurer Organisation wirklich geht.”

Zum Schluss seiner Ansprache wird also offensichtlich, warum er dieses Thema so ausführlich behandelt, denn er fragt: Wie können wir in unseren Versammlungen Nächstenliebe zeigen?”

Er spricht von der Nächstenliebe als dem zweitwichtigsten Gebot. Doch hier irrt Bruder Lösch, es ist nicht das zweitwichtigste, sondern das zweite ist dem ersten gleich. Also genauso wichtig! “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das höchste und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.”  Matt. 22:37-40

Mit „unseren Nächsten“ scheint Bruder Lösch hauptsächlich hilfsbedürftige Brüder in unseren Versammlungen zu meinen. Nun könnte man sich die Frage stellen, ob unsere Spenden für das weltweite Werk nicht auch dem Unterhalt derer dienen, die im Werke des Herrn alt geworden sind? Es ist zu befürworten, diese Brüdern zu unterstützen, doch warum unser Licht nicht auch dadurch leuchten lassen, dass wir allen Menschen Gutes tun? Ist es nicht gerade das, was Jesus im Sinn hatte, als er seine Zuhörer aufforderte, ihr Licht leuchten zu lassen? Wenn ihr die liebt, die euch lieben, (und nur diesen Gutes tut) welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Steuereinnehmer dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr da Besonderes? Handeln nicht auch die Leute von den Nationen ebenso?”  Mat. 5:46, 47

Wenn wir uns nur gegenseitig Liebe erweisen, was unterscheidet uns dann von Menschen “der Nationen”? Welchen Lohn haben wir dadurch? Sogar die allgemein verachteten Steuereinnehmer sorgten liebevoll für die, die ihnen mit Liebe begegneten. Luk. 5:30; 7:34

“Fahrt fort,. . . Gutes zu tun.” sagte Jesus gemäß Luk. 6:35. Diese Ermahnung sollten wir nicht nur auf unsere Brüder beschränken, in der Annahme, dass wir den Weltmenschen allein durch unseren Predigtdienst den größten Liebesbeweis erbringen. Nur so werden wir als Christen unser Licht leuchten lassen.

 

Mag ich nicht (8)

74 Kommentare zu “„Lasst euer Licht leuchten“ – Neues Licht zu Spr. 4:18?

  1. Grübler

    Grübler@hei - bea

    Wusste gar nichts von deiner Krankheit.  Umso glücklicher sind wir,  meine Frau und ich,  dass du wieder nach vorne gucken kannst.

    Vor 2 Jahren hatte meine Frau die Diagnose Brustkrebs. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist nach Op und Chemo auch alles gut.

    Wir freuen uns mit dir und wünschen dir alles Gute! !!

    Liebe Grüße

    1. hei-bea

      Lieber Grübler,

      als ich die Diagnose bekam dachte ich so bei mir: man gönnt sich ja sonst nichts! - Spaß beiseite.

      ich war am Boden zerstört , dieses Wechselbad der Gefühle - fast unbeschreiblich. Aber weißt Du

      was? Ich gucke jetzt nur noch nach vorn. Ich freue mich, dass Deine Frau es auch überstanden hat!

      Wir schaffen das - mit Euch lieben Ehemännern und unserem Schöpfer an unserer Seite! In die-

      sem Sinn liebe Grüße von einer inzwischen müde gewordenen      hei-bea

  2. Ulla

    Hallo Määhhhh,

    du fragst, wieso es nach dem Weggang so wichtig ist, den Ursachen, der Wirkung und der Lösung auf die Spur zu kommen?

    Liebe Argentum, Therapie ist spitze! Ohne wäre ich nicht mehr hier! Das Schreiben hilft/half mir immer:

    "ICH bin ausgestiegen / aus diesem Kult / der gleich einem gefräßigen Monster / Jahrzehnte meines Lebens verschlang /

    Immer noch / Angst im Nacken / wenn die altgewohnten / Formulierungen / Triggerworte / auf meine Seele zielen / und mich abschießen wollen /

    Ich bin ausgestiegen / aus diesem Kult / und muss mich nun / jeden Tag aufs Neue / mit meinem Sekten-Selbst auseinandersetzen / mir immer wieder / auf die Schliche kommen /

    Muss mich anhören /ablehnen / trösten / mich mit mir selbst / versöhnen / mich hinterfragen / mich prüfen /

    Es hört nie auf / ein angstmachendes / verzehrendes Programm / in meiner Seele / auch wenn ich allein / auf einer Insel wäre / es wäre immer da /

    Ich atme in mich hinein / und wieder aus mir heraus / Ein Eigenlob tut gut / Es heißt: "AUSSTEIGEN IST NICHTS FÜR FEIGLINGE !" /

    Das war 2013. Inzwischen geht es mir Dank Psychiatrie und Therapeuten viel besser. Ich habe meinen "Stand" bei Jesus Christus gefunden. Ich weiß jetzt, alles wird gut, solange ich in Verbindung mit 1. meiner Seele und 2. meinem Gott bin...

    Der Weg des Ausstiegs besteht aus vielen Stufen. Wir sollten Mitgefühl haben mit allen, die erst am Aufwachen sind oder schon einige Schritte in die Freiheit des Christus gemacht haben. JEDER BI-Schreiber muss woanders abgeholt werden und ermuntert und aufgebaut.

    MÄÄÄÄHE also nicht so weiter, du kennst die Seelen der anderen nicht. Überlass das bitte Gott allein.

    Servusle, Ulla

    1. Hupsi

      @Ulla

      Diese Worte sind genau das, weswegen ich täglich hier lese. Danke, meine Liebe. Du verstehst was von unserem Weg. Liebe Grüße.😘 Hupsi

  3. M.N.

    Ihr Lieben,

    hier zur Auflockerung und allg. Ermunterung ein kleines Gedicht, welches bis dato in meinem Fundus schlummerte:

    Wenns brutzelt in der Sklavenküche,
    wenn wallt der geist'gen Speisen Duft,
    das Wabern dieser Kochgerüche
    uns bald zum geist'gen Festschmaus ruft.

    Dann tun sich Zeugen hungrig laben
    an neuem und an altem Licht;
    sodann von Haus zu Haus sie traben,
    das ist der Zeugen höchste Pflicht.

    Die Speise wird dann ausgeschieden
    und lebt als "Bibelstudium" fort;
    dann kommen folgsam "Int'ressierte"
    hin in der Orga finstern Hort.

    Dort werden sie dann auch verspeisen
    das alte und das neue Licht;
    auch sie von Tür zu Tür dann reisen -
    die "Speise" man dort laut erbricht.

  4. Argentum@Jesu kleiner Bruder

    Lieber kleiner Bruder Jesu,

    im nachhinein ist das alles so klar zu verstehen. Ich verstehe heute überhaupt nicht, wie bereitwillig ich damals die Begründung für "neues Licht" angenommen habe. Es hatte wohl mit völliger Unkenntnis über die Bibel, einer gewissen Ehrfurcht und Verunsicherung und damit zu tun, dass ich es glauben wollte!? Bei völliger Unkenntnis ist es ja erstmal schön, wenn jemand eine Richtung vorgibt ...

    Liebe Grüße

    Argentum

     

  5. Jesu kleiner Bruder

    Zu Sprüche 4:18 eine Buchempfehlung.

    Allen Noch-Z.J. sei dringendst folgendes Buch von Don Cameron ans Herz gelegt !!! :

    "Gefangene einer Idee - Die Anatomie einer Illusion".

    Dieses Buch kann nicht als "Abtrünnigen-Literatur" bezeichnet werden, da es anhand der eigenen Literatur der Z.J.-Organisation sch0nungslos ihr Lehrverhalten im Laufe der Jahrzehnte aufdeckt. Sprüche 4:18 spielte bei der WT-Religion immer eine Schlüsselrolle, wenn es darum ging, die  Veränderung ihrer Lehrinhalte zu legitimieren -- weil eine Anpassung unumgänglich für das Überleben der Organisation war.

  6. Jesu kleiner Bruder

    Sprüche 4:18 hat wirklich nichts mit dem Verändern von Lehraussagen zu tun, wie die WT-Organisation ihren Schäfchen beim Zitieren dieses Verses immer vorgegaukelt hat.

    Als die Sprüche der Bibel geschrieben wurden, war die menschliche Natur nicht viel anders, als sie es heute ist. Der weise Sprüchedichter beobachtete vieles, was gut war, und vieles, was übel war. Alles war es wert, erwähnt und besprochen zu werden. Das diente dazu, Menschen, die im Zweifel darüber waren, welche Handlungsweise klug und praktisch war, den rechten Weg zu weisen. Die Leser sollten darüber aufgeklärt werden, zu welchen Ergebnissen ihre Handlungsweisen letztendlich führen würden.

    Sprüche 4:18, 19 ("Doch der Pfad der Gerechten ist wie das Morgenlicht, es strahlt immer heller bis zum vollen Tag. Der Weg der Gottlosen ist wie das Dunkel, sie wissen nicht, worüber sie gestrauchelt sind.") reiht sich in eine Liste anderer Sprüche-Verse ein, die das gleiche Thema haben:

    Wohin führt der Weg eines Gerechten und wohin der Weg eines Bösen.

    Von Lehr-Aussagen und deren Veränderung im Laufe der Zeit ist in all diesen Versen allerdings ganz und gar nicht die Rede - "liebe" WT-Organisation!

    Nur ein paar Beispiele aus dem gleichen Bibelbuch (alle aus der Bibel.heute/Neue evangelistische Übersetzung):

    Sprüche 13:9: "Das Licht der Gerechten strahlt hell, doch die Leuchte der Gottlosen erlischt."

    Sprüche 14:11: "Das Haus der Gottlosen wird zerstört, doch das Zelt der Redlichen gedeiht."

    Sprüche 15:19: "Der Weg des Faulen ist wie mit Dornen versperrt, doch der Pfad der Aufrichtigen ist frei."

    Sprüche 15:24: "Wer Einsicht hat, geht den Weg aufwärts zum Leben, damit er der Totenwelt unten entgeht."

    Und andere mehr.

     

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