Die “McDonaldisierung”

“damit ihr mit allen Heiligen völlig erfassen könnt, welches die Breite und die Länge und Tiefe und Höhe sei, und die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus zu erkennen, damit ihr erfüllt seid mit der ganzen Fülle Gottes.“ Eph. 3:14-19

Das ist ein großes Ziel! Doch wird es im laufenden Betrieb der Versammlungen der Zeugen Jehovas erreicht? Was ist zu beobachten? Es ist eine geistige Blutleere zu beobachten! Aber was führt dazu? Die „McDonaldisierung“ !

Mit diesem Begriff „McDonaldisierung“ charakterisiert man in der Soziologie das momentane Überhandnehmen der langweiligen Gleichschaltung der ganzen Welt. Man könnte auch von Globalisierung auf geistigem Gebiet sprechen, und sie erstreckt sich auch auf das Gebiet der Religion.

Link zum Video Wachtturm-Satire, „Wie lieblich schlafen Brüder“:

https://youtu.be/Ee8eKLh41UU

Unter Religion möchte ich hier die institutionalisierte Religion verstehen, die Kirchen, Religionsgemeinschaften und Organisationen. Sie alle betreiben mehr oder weniger die Gleichschaltung des Denkens und der Glaubensinhalte. Sie alle schaffen Dogmen! Sie alle verbieten mehr oder weniger stark das Denken und den ungehinderten Gebrauch des Gewissens und des Verstandes. „Stütze dich nicht auf deinen eigenen Verstand“ ist die immer wiederkehrende Ermahnung des Sklaven. Damit drängt er sich zwischen Gott und den Menschen. Dazu braucht man die Einebnung der individuellen Freiheiten, den Gleichschritt des Geistes und die Reglementierung des Gewissens.

Eigentlich ist Religion die Bindung des einzelnen Menschen an Gott, in freier und selbst gewählter Verantwortung. So jedenfalls verstehe ich das Christentum der Heiligen Schrift. Es gibt eben nur einen Mittler zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus. Und alles, was sich dazwischendrängen will, was sich als “der einzige Weg zu Gott” versteht oder als die “allein seligmachende Kirche” oder als die “alleinige Organisation Gottes” ist hier fehl am Platz! Alles, was den Platz Jesu Christi einnehmen will, ist vom Widersacher! Nur Jesus Christus ist “der Weg, die Wahrheit und das Leben”!

Es ist ja kein Geheimnis mehr, dass die Veröffentlichungen der WTG genauso „schmecken“, wie die Fritten und Frikadellen der Fast-Food-Ketten in aller Welt. Es sind einfältig-oberflächliche Gedanken geworden, mit denen der “Haushalt des Glaubens” gefüttert wird. Es ist die ständige Wiederholung des ewig Gleichen, die den Geist ermüdet und einschläfert. Es ist immer mehr Oberfläche statt Tiefe, Höhe und Breite des Glaubens (Epheser 3:14-16). Es ist stattdessen Einheitsbrei im Stil einer bekannten Zeitung, die mit Schlagwörtern und balkendicken Überschriften ihre “Leser” zufriedenstellt. Hier ändern sich im Wesentlichen nur das Datum und ein paar Namen. Der Stil ist immer derselbe und die Themen sind es eigentlich auch.

Kurze, handliche Sätze sollen wie Propaganda wenige “Tatsachen” in den Sinn nageln. Ja, es ist nicht wie Propaganda, es ist Propaganda. Aber ist das so unbedingt neu? Ich denke nicht, denn was kritisierte Paulus im Brief an die hebräischen Christen? Er kritisiert die Tatsache, dass sie geistige Kleinkinder geblieben waren, die noch ihre Milch und ihren Brei benötigten. (Was hätte er zu der Idee gesagt, die Fragen im WT immer mit der Antwort am Anfang eines Absatzes zu verbinden oder die Antwort gleich neben die Frage zu platzieren?) Von christlicher Reife, die sie befähigt hätte, Recht von Unrecht zu unterscheiden, waren sie weit entfernt. (Hebr. 5:11-14) Was war passiert? Man kann das aus den Briefen des Apostels rekonstruieren.

Es gab falsche Lehrer, die mit ihren falschen Lehren die Jünger verführten. Und sie ließen sich verführen, weil sie es einerseits so wollten (2. Tim. 4:3, 4) und weil sie es andererseits nicht verstanden, das eigene Gewissen und die eigene Glaubensüberzeugung zu verteidigen. Sie hatten versäumt, mündige Christen zu werden! Man hatte sie geschickt daran gehindert, denn es gab Männer, die über die Herde herrschen wollten. Und diese Männer konnten keine reifen Christen gebrauchen. Ich habe dies nur erwähnt, um zu zeigen, dass die Probleme nicht neu sind, dass dahinter die Absicht des Widersachers steht, den Glauben zu korrumpieren. Diese Gefahr ist niemals verschwunden!

Es ist schon auffällig, dass in den letzten Jahren verstärkt von Gehorsam gegenüber der Organisation und von Geld die Rede ist. Die Organisation hat einen Stellenwert bekommen, der schon an Götzendienst denken läßt. Man gewinnt den Eindruck, dass nichts mehr ohne die Organisation geht. Sie ist das „Rettungsboot“, der „Mitteilungskanal“, der „Mund Jehovas“ und sein „verlängerter Arm“. (Ich gebrauche hier Ausdrücke, die man von der Bühne hören kann.) Und das wird alles so widerspruchslos hingenommen? Leider ja! Und die Artikel im WT verstärken das noch.

Alles, was Jehova und Jesus Christus für uns tun, wird dieser „glorreichen Organisation“ zugeschrieben! Nicht einmal die Sonne wird ohne sie aufgehen können und das Gras wächst auch nicht mehr ohne sie. Nur sie weiß angeblich, wohin der Weg geht; nur sie weiß, was ich als kämpfender Christ an geistiger Speise benötige! Sie bildet sich doch tatsächlich ein, was ich als Individuum an Hilfe und Belehrung brauche. Und denke ich an den Psalm 139, dann weiß ich, wer allein meine wirklichen Bedürfnisse kennt und denke ich dann noch an Matthäus 11:25-30, dann weiß ich auch, wer meine Bedürfnisse in Wirklichkeit stillt und für mich sorgt. Und was Jesus hier zum Ausdruck bringt, ist so herzergreifend wahr und einfach, dass einem die Anmaßung der leitenden Körperschaft nur noch absurd vorkommt.

Und dabei ist die Bibel eine Schatztruhe, die viele Schätze birgt und die in der Lage ist, in mir, dem Leser, lebendig zu werden. Jeder, der sich diesem Buch ausliefert, wird immer wieder die Erfahrung machen, dass es ewig wahr und doch immer wieder neu ist. Der Text der Bibel legt oft eine Spur, der ich folgen kann. Er weckt immer neue Gedanken und Gefühle und führt mich, weil der Geist Gottes wirkt, zu immer neuen Einsichten. Das ist das Abenteuer des Bibellesens. Hier lodert das Feuer des Geistes, hier wird mein innerer Mensch aufgebaut, hier bin ich mit meinem Vater im Himmel zusammen.

Und warum ist davon in den Publikationen der WTG immer weniger zu bemerken? Warum erscheint vieles so blutleer und kraftlos? Warum erreicht es nicht den inneren Menschen? Warum ist vieles so pragmatisch, regelhaft, hölzern, trocken, steifleinen und fad? Hat Jesus so gelehrt? Er hat bestimmt ganz anders gelehrt, denn seine Zuhörer meinten, er lehre wie einer, der Gewalt hat. Das konnten die Schriftgelehrten nicht, weil sie nicht über den Geist, die machtvolle Hilfe Gottes, verfügten. Sie lehrten schulmeisterlich, sprachen über den Menschen hinweg und verloren sich in „wichtigen Punkten“. Punktesammeln ist auch in vielen Versammlungen an der Tagesordnung.

„Wenn wir diese sechs Punkte beachten, können wir dem Satan widerstehen!“ So etwas hört man, und es zeugt doch nur davon, dass man wenig verstanden hat. Es wird immer mehr Wert auf die eigenen Bemühungen gelegt. „Wenn wir dies und das so machen, dann klappt das auch!“ Kann ja sein, aber wie oft „klappt“ das nicht? Wie viele unter uns haben damit Schiffbruch erlitten? Darüber spricht man nicht. Man spricht auch nicht über die Frage, warum es unter uns so viele Unerquickte gibt und warum sich Jahr für Jahr ca. 120’000 Geschwister „verabschieden“. Wollte man dieser Frage nachgehen, dann stieße man auf ganz einfache Zusammenhänge, die durchaus mit der Art der Belehrung zu tun haben, die wöchentlich auf uns niederrieselt.

Das “geistige Programm” in den Versammlungen kommt mir wie ein altes Provinztheater vor, wo zum 542sten Mal “Charleys Tante” gegeben wird. Die Zuschauer haben ein Abonnement, das sie absitzen. Die Darsteller quälen sich durch das Stück, weil sie alt geworden und in Routine erstarrt sind. Der Zuschauer weiß im Voraus, an welcher Stelle welcher Witz kommt. Es gibt keine Überraschungen mehr. So hören wir Vorträge, die wir schon seit dreißig Jahren immer wieder hören. Wir hören die gleichen Veranschaulichungen und wissen sofort, wie sie verwendet werden sollen. Es ist alles abgespielt und eingestaubt.

Nehme ich irgendeine Zeitschrift zur Hand und blättere sie durch, dann bin ich erstaunt, womit man sich so beschäftigen soll. Zum Beispiel: „Fest an das Königreich glauben“. „Schätze das Vorrecht, mit Jehova zusammen zu arbeiten“ („Unser größtes Vorrecht: für Jehova tätig zu sein“.) Was macht hier mein Verstand, der sich schon jahrzehntelang an diese Slogans erinnern kann? Und dann lese ich und stelle fest, dass es immer noch so abgedroschen ist, wie vor Jahren. Es werden Allgemeinplätze des Glaubens angeboten, man tut so, als wären es die letzten großen Offenbarungen. Ich meine, dass es für mich nur ein Vorrecht gibt: Das Vorrecht, an Jehovah zu glauben!

Philipper 1:29: „… denn euch ist um Christi willen das Vorrecht gegeben worden, nicht nur an ihn zu glauben, sondern auch um seinetwillen zu leiden.“

Alles andere ist dann nur noch Verzierung, Ausschmückung. Denn was nützt mir der Ansporn zur Aktivität, wenn der Glaube fehlt, wenn er nicht gewachsen ist, wenn er nicht gewährt worden ist? Und dass er oft genug fehlt, ist eine bekannte Tatsache. Apropos Verzierungen: Man hat uns mit unendlicher Mühe immer wieder ein materialistisches Paradies als Neue Ordnung verkauft. Gewiss, das Paradies stillt auch die materiellen Bedürfnisse, aber sonst – und in der Hauptsache? Wann spricht man zuerst von den geistigen Voraussetzungen des Paradieses? Viel zu selten! Wichtig scheint doch zu sein, dass die Tomaten recht groß werden.

Wen will man denn damit beeindrucken? Geht es nicht vor allem um dies: „Denn das Königreich Gottes bedeutet nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Freude und Friede mit heiligem Geist.“? (Römer 14:17) In diesem Zusammenhang gewinnt man durchaus den Eindruck, dass materielle Wünsche und Begehrlichkeiten als Lockmittel verwendet werden. Und damit wendet man sich ganz bewusst an eine bestimmte Kundschaft. Es ist die „Kundschaft“, die dem Wettbewerbsgeist verfallen ist, dem äußerlichen Zuschaustellen von Werken, es sind die Anhänger der puritanischen Pflichtmoral, es sind Pharisäer! Es werden Sekundärtugenden gefördert, wie Fleiß, Opferbereitschaft, Pünktlichkeit, Sauberkeit, politisch korrektes Verhalten, amerikanischer Optimismus und Gehorsam ohne Glaubensüberzeugung.

Wie lesen denn viele meiner Glaubensgeschwister die Bibel? Jedenfalls absolvieren sie ein Bibelleseprogramm. Sie lesen jedes Wort. Aber lesen sie auch Gedanken? Erfassen sie Zusammenhänge, denken sie über den Kontext nach? Was machen sie, wenn sie auf etwas stoßen, was ihrer bisherigen Auffassung widerspricht? Manche werden nachschlagen. Wo? In den Veröffentlichungen der WTG! Und da beißt sich die Katze oft in den Schwanz. Erklärungen werden mit Erklärungen erklärt. Und die einfachen Fakten der Bibel? Hat man den Mut sie zu akzeptieren? Zu diesem Mut wurden meine Geschwister nicht erzogen. Man soll ja nicht “der Wahrheit vorauseilen”! Und Wahrheit ist laut Definition immer nur das, was die WTG sagt und schreibt. Kann man der eigentlichen Wahrheit denn vorauseilen? Die Wahrheit ist die Wahrheit; unerschütterlich, ewig und fest. Ich kann mich ihr nur annähern; vorauseilen kann ich ihr nicht. Wie auch? Vorauseilen kann man nur einer Doktrin, denn die ist wechselhaft, wie es die Umstände erfordern, sie wird von Zeit zu Zeit angepasst. Die Wahrheit Gottes aber braucht keine Anpassungen. Unser Verständnis der Bibel entwickelt sich (hoffentlich!) und soll der Wahrheit näherkommen. Mehr als die Wahrheit kann man nicht wissen und deshalb kann man auch nicht der Wahrheit vorauseilen!

Die Welt “geht in Fransen” und wir beschäftigen uns z. B. mit der Rolle der Frau in der Bibel. Und das auffällig oberflächlich! Die Welt steht Kopf und wir reden über Organisation! Die Zeit brennt, und wir “lernen”, wie man am Samstag Bibelstudien einrichtet. Da kommt mir ein Bild in den Sinn: Ein Haus steht in Flammen – und Großmutter steht am Fenster im ersten Stock und kämmt sich in aller Seelenruhe die Haare! Soweit kann man sich von der Realität entfernen!

Ja, wie lesen meine Geschwister die Bibel? Ich will jetzt nicht verallgemeinern, wenn ich sage, dass sie die Bibel eher wie eine Gebrauchsanweisung lesen. Sie “nehmen Erkenntnis auf” und denken vielleicht noch daran, wie sich die Erkenntnis im Predigtdienst verwenden läßt. Und sonst? Ich kann oft genug nicht feststellen, dass sie die Bibel als eine Möglichkeit des Zwiegesprächs mit Jehova verwenden. Wer betet schon bei einem markanten Bibelvers, der sein Herz berührte, der eine ganz persönliche Saite in ihm zum Klingen gebracht hat und der eine nie vorher gekannte Einsicht öffnete? Jeder, der so vorgeht, wird eine erstaunliche Erfahrung machen: Er merkt, dass Jehova zuhört!

Das kann man natürlich nur erfahren, wenn man die Angst vor dem eigenen Denken überwunden hat! Aber “selbständiges oder unabhängiges Denken” ist oft genug verteufelt worden. Genau das fürchten nämlich unsere selbsternannten Führer! (Math. 23:10) Sie haben versucht Angst vor dem eigenen Denken zu erzeugen. Sie gingen von der Behauptung aus, dass nur die Organisation weiß, was wir an geistiger Speise benötigen.

An dieser Stelle mag man sich auch einmal fragen, wer oder was die Organisation ist. Ich habe jedenfalls bis heute keine eindeutige Antwort bekommen, also muss ich annehmen, dass es die leitende Körperschaft ist. Sieben Menschen in New York wissen, was die Brüder und Schwestern in der ganzen Welt brauchen. Überhebt man sich da nicht ein wenig? Aber solche Skrupel kommen wohl nicht auf. Stattdessen wird behauptet, dass nur die Organisation weiß, wohin der Weg geht und welche geistige Nahrung auf diesem Weg nötig ist.

Und noch etwas: Nur die Organisation hat angeblich den Durchblick und weiß über alles Bescheid, weil sie alle Zusammenhänge kennt. Soviel Bescheidenheit kann nur jemand haben, der wirklich alles durchschaut. (Jeder, der schon einmal irgendetwas an der Lehre angezweifelt hat, wird auch schon den Satz gehört haben: „Ich glaube nur, was der Sklave sagt!“ Und wenn man dann noch fragt: „Wieso?“, dann hört man vielleicht: „Nur der Sklave kennt alle Tatsachen!“) Man muss aber ehrlich zugeben, dass dies nur auf Jehova zutreffen kann. Aber hier kommt dann das Argument ins Spiel, dass Jehova den „Sklaven“ als „Mitteilungskanal“ benutzt. Mit anderen Worten: Jehovas Geist hat alles dem Sklaven mitgeteilt. Und über die vielen Irrtümer der WTG schweigen wir jetzt lieber, denn die müsste man – logischerweise – Gott ankreiden.)

Am besten sollten ja die Ältesten in den Ortsversammlungen wissen, was ein Bruder braucht. Aber diese Männer sind gehalten, das nachzusprechen, was vorgeschrieben ist. Denkt man z. B. an den Königreichsdienst, dann kann man über das Jahr eine immer gleiche Abfolge von Aktivitäten feststellen, die sich treu Jahr für Jahr wiederholt. Manchmal wird eine bestimmte Predigtdienstmethode favorisiert, von der man weiß, dass sie schon vor 10 Jahren nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat. Einige Zeit später eine andere Methode, die irgendeinen Monat zum größten aller Monaten werden lassen soll. Und wenn das Jahr für Jahr so weitergeht, dann wird man müde, sich das anzuhören. Es gab eine Zeit, in der die Ältesten als Lehrer so ziemlich frei waren und selbst Vorträge erarbeiteten. Das ist aber in den 80iger Jahren abgeschafft worden.

Warum aber verhält sich die WTG so? Vielleicht deshalb, weil man Dogmen und liebgewordene Vorstellungen nicht aufgeben will. Und warum will man sie nicht aufgeben? Weil man Angst hat, die Herrschaft über Menschen zu verlieren! Um Dogmen zu befestigen (und die Lehre vom „Treuen und verständigen Sklaven“ ist so ein Dogma!) muss man es immer und immer wieder in den Sinn nageln. Man muss es sooft wiederholen, bis auch der letzte Zeuge Jehovas es verinnerlicht hat. Alles, was man veröffentlicht, muss sich diesem Ziel unterordnen. Immer wieder muss deutlich gesagt werden, dass es ohne den „Sklaven“ nicht geht, dass man an ihn nicht vorbeikommt.

Ein kleines Beispiel: Im Brief an die Hebräer spricht Paulus von der Bedeutung der Sabbatruhe für Christen. Es sagt ganz klar, dass ein Christ in die Ruhe Gottes eingeht, wenn er davon abläßt, sich einzubilden durch gute Werke allein das Ziel seines Glaubens zu erreichen; das haben die Juden vergeblich versucht, indem sie sich einbildeten, durch Gesetzeswerke gerettet zu werden. Ein Christ überläßt seine Rettung der Gnade Gottes, indem er glaubt und darauf vertraut, dass Jehova ist und dass er denen, die ihm vertrauen, ein Belohner wird (Hebr. 11:6). Ein Christ vertraut der Wirksamkeit des Opfers Jesu, wenn er an seine Rettung denkt. Soweit die Bibel. Aber die WTG sieht das anders! Hier ein Zitat:

Wachtturm 15. 07.11: „Erinnern wir uns daran, wofür Jehova den siebten Tag — seinen Ruhetag — reserviert hat: um alles, was er mit der Erde vorhat, vollständig und auf herrliche Weise zu verwirklichen. Wir können in Jehovas Ruhe eingehen, indem wir gehorsam daran mitarbeiten, seinen Vorsatz so umzusetzen, wie er es uns durch seine Organisation mitteilt.

(Es geht bei diesem Gedanken nicht darum, eine Führung in Frage zu stellen, sondern es geht um die anmaßende Rolle, die sie zu spielen versucht!)

Und meine Glaubensgeschwister “studieren”! Was studieren sie? Sie betreiben das fleißige Anstreichen von Gedanken, die ein anderer gedacht hat. Und das ist allgemein so apodiktisch, dass kein Widerspruch entsteht, dass kein eigener Gedanke aufkeimt. Ist man tatsächlich so anspruchslos? Oder nennt man das Bescheidenheit? Hat denn niemand bemerkt, dass er selbst ein Mensch mit spezifischen und mit eigenen Bedürfnissen ist?

Der Alltag fordert unseren Kampf um unsern eigenen Glauben, um unser eigenes Vertrauen, gegen unsere eigene Angst und gegen erwachende Zweifel. Und da soll der Brei, der Milchbrei helfen? Paulus hatte eine andere Auffassung von geistiger Speise! (Hebr. 5:11-14) Aber die Allgemeinheit scheint es seicht haben zu wollen. Alles scheint dem amerikanischen Mantra zu gehorchen: „Simplify your mind!“

In den paulinischen Briefen ist mitunter die Rede von Geist und Kraft, mit der Paulus seine schriftlichen und mündlichen Reden hielt:

Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der von Gott ist, damit wir die Dinge erkennen, die Gott uns geschenkt hat, die wir auch verkündigen, nicht in Worten menschlicher Weisheit, sondern in Worten, die durch den Geist gelehrt werden, indem wir Geistiges mit Geistigem verbinden.“ (1. Kor. 2:12, 13)

Und genau das war auch das Bemühen der anderen Apostel; so ahmten sie ihren Meister nach. Was man aber zu häufig in der Literaur der WTG liest, ist die Sprache von Funktionären. Im Wortschatz und im Ausdruck – hier sprechen Funktionäre, die einen bestimmten Zweck erreichen wollen: Sie wollen zuerst zur Tätigkeit anspornen. Und dazu benutzen sie die gleiche Methode, wie wir sie von den Jesuiten her kennen. Am Schluss hat der Leser das Gefühl, dass sein eigener Verstand durch „schlaue Theologie“ gefesselt worden ist. Er hat seine Freiheit verloren und hat einen schlechten Geschmack im Hals.

Es ist ein markanter Satz, wenn Paulus schrieb:

“Denn wir können nichts gegen die Wahrheit tun, sondern nur für die Wahrheit.” (2. Kor. 13:8)

Dahin müssen wir zurück, wenn wir nicht Menschen sein wollen, welche die Wahrheit zu fürchten haben.

Das eigenen Denken

Und nun noch eine kurze Bemerkung zum eigenen Denken: Es sollte mit Vernunft zu tun haben, denn Jesus Christus stellte die Unvernunft auf eine Stufe mit Mord und Hurerei (Mark.7:22).
Nun ist der menschliche Verstand ein scharfes Werkzeug, das sich sogar an der Wahrheit versündigen kann, wenn er sich von allen Leitsternen befreit. Die Leitsterne eines Christen sind die einfachen Wahrheiten der Bibel, sein Gewissen und die Führung durch den Geist Gottes. Solange die eigene Vernunft nicht von Gottesfurcht und Liebe geleitet wird, kann sie ein Verderben bringendes Werkzeug sein.

Die Geschichte der Philosophie mag eine Warnung sein; gewöhnlich endete jede Philosophie, die ohne Leitsterne betrieben wurde, in Sophistik. Und dann kann alles gleich wahr oder falsch sein. Die zu beobachtende moralische Beliebigkeit unserer Zeit ist eine Folge dieses Denkens ohne Voraussetzungen, ohne Leitsterne. Wir haben es immer wieder erlebt, wie fruchtlos Diskussionen sind, die nur dazu dienen sollen, die eigene Person in den Vordergrund zu stellen oder zu zeigen, dass man zu allem etwas zu sagen hat oder allem widersprechen will.

Versuchen wir also der Wahrheit und unserem Glauben zu dienen mit Liebe, ungeheucheltem Glauben und innerer Aufrichtigkeit. Wir haben es leider auch immer wieder erlebt, dass die Führer der WTG sich rigoros über die klaren Vorgaben der Bibel hinwegsetzten. Auch ihnen muss man den fehlenden Respekt vor dem Wort unseres Gottes bescheinigen! Auch sie versuchten ohne die erwähnten Leisterne zu navigieren. Und wohin kann die Reise noch gehen? Man darf jeder geistigen Titanic einen Eisberg wünschen.

Da war doch noch etwas! Ja, der schöne Text aus Epheser 3:14-19.

„Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater unseres Herrn Jesus Christus, …, auf dass er euch gebe, nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit an dem inneren Menschen mit Kraft gestärkt zu werden durch seinen Geist, dass der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne, indem ihr in Liebe verwurzelt und gegründet seid, damit ihr mit allen Heiligen völlig erfassen könnt, welches die Breite und die Länge und Tiefe und Höhe sei, und die alle Erkenntnis übersteigende Liebe des Christus zu erkennen, damit ihr erfüllt seid mit der ganzen Fülle Gottes.“

Wie schaffen wir es, diesen Text in unserem Leben mit Leben zu erfüllen? Wer nicht darauf warten will und kann, bis die WTG ihr Verfahren ändert, ist gut beraten, wenn er selbst die Initiative ergreift und selbst denkt. Dann wird er rasch merken, dass man durchaus Wonne an Jehova haben kann! Und diese Wonne, diese Freude, ist jeder Schwester und jedem Bruder zu wünschen.

Mag ich nicht (14)

34 Kommentare zu “Die “McDonaldisierung”

  1. Petrus111

    Liebe Freunde,

    ich möchte zu diesem Artikel 2 Gedanken benennen, die ich an anderer Stelle bereits benannt habe:

    1) Die öffentlichen Vorträge - es soll wohl so an die 200 Manuskripte/Leitfäden geben, haben immer den gleichen Aufbau: a) die Welt ist schlecht b) Halte Dich aus allem heraus und sei fleißig bei der WTG/JW.org c) Kümmere Dich sonst um nichts - Gott macht bald alles besser.

    Beobachte es - höre Dir gern weiterhin jeden Sonntag den Vortrag an - und suche nach Substanz. Du findest immer das Gleiche.

    2) Die JZ betonen die Versorgung von "Gottes Volk" mit "geistiger Speise zur rechten Zeit" als liebevolles Bemühen um die Herde...
    Das der Umfang der Dauerberieselung von ehemals 2 x 2 x 32 Seiten x 12 Monate /WT + EW) auf heute 2 x 6 x 16 + 12 x 32 Seiten zusammengeschrumpft ist und somit nur noch ein Drittel beträgt, ist bekannt.

    Beachte jedoch, dass etwa ein Drittel der Zeitschriften aus Bildern besteht - und die Ränder immer breiter geworden sind.

    Der Output beträgt also ca. eine Seite pro Kalendertag.

    Die WT- Studienausgaben sind ca. 7 Monate vor der Betrachtung in der Versammlung online verfügbar.

    Einmal angenommen, das die Skripterstellung mit Korrektur, Übersetzung und Drucklegung ca. 5 Monate dauert, so wird ein WT-Artikel EIN JAHR vor der Betrachtung  in der Versammlung erdacht.

    Die Artikel sind WELTWEIT die Gleichen - ob für Arm oder Reich, egal für welche Kultur.

    Speise zur rechten Zeit?

    Ziehe selbst Deine Schlüsse.

    beste Grüße

    Petrus111

    1. Janus

      Hallo Petrus,

      aktuell 194 Vorträge. Links dazu sind seit Kurzem wieder online.

      http://avoidjw.org/oeffentliche-reden/

      Ich wünsche allen einen erfolgreichen Start ins neue Jahr.

      Es grüßt

      Janus

  2. O.W.Schön@liebende Eltern

    SCHLAUES MARKETING ANSTATT WAHRHEIT!

    Liebe Eltern, die ihr Eure Kinder liebt!

    Ein gelegentlicher Familienausflug bei McDonalds kann ein echter Spaß sein und es schmeckt der ganzen Familie. Ein täglicher Ausflug in das Schnellrestaurant dagegen kann die Gesundheit von Kindern ernsthaft schädigen.

    Die Intensität bestimmt also den Grad der Gefährdung und nicht das Ereignis an sich. Somit darf man die positive Selbstdarstellung des Weltkonzerns nur am Gelegentlichen messen, nicht an der Regelmäßigkeit!

    So gesund und so liebevoll für Kinder:

    https://www.mcdonalds.de/familien/happy-meal

    Genauso liebe Eltern, verhält es sich mit der "Geistigen Speise" des Weltkonzerns JW.Org. Zu einer Art Online-Schnellrestaurant für Gläubige mutiert und degeneriert, setzt es den Kindern von Zeugen Jehovas geistige Nährstoffe vor, die bei täglichem Verzehr krank machen und zu geistigem Verfall, sozialer Kälte und zum Abfall von Jesus Christus führen.

    Die Intensität entscheidet, inwieweit eure Kinder geistig erkranken und im Glauben an Jesus Christus Schiffbruch erleiden. Erspart ihnen das von der JW.Org angedachte Schicksal! JW.Org ist es nicht wert!!!

    Eine Bitte an alle Eltern

    O.W.S.

     

     

    1. O.W.Schön@JW.Org-Gläubige

      McDonaldisierung von aufrichtig Gläubigen

      Liebe JW.Org-Gläubige,

      in dem unten eingefügten Link findet ihr "das Happy Meal der Zeugen Jehovas" nach einem Regional-Kongress. Was an den 01:55 Minuten-Video ist so falsch, dass es mir einer Erwähnung wert ist?

      Happy Meal der ZJ:

      https://www.youtube.com/watch?v=H69HG4oXDBY

      Noch vor 30 Jahren wären wir für dieses "unzüchtige und respektlose" Verhalten ausgeschlossen worden! Noch vor 20 Jahren hätte jeder der Tanzenden Brüder mit sofortiger Wirkung sein Dienstamt verloren! Noch vor 10 Jahren wäre ein solches "schamloses Verhalten" auf einem "Heiligen Anlass" undenkbar und unfassbar frevelhaft gewesen!

      Die verlogene Doppelmoral der JW.Org ist es, die mich so stört und die das Leben unzähliger freudiger Menschen für immer zerstört hat. Was noch vor kurzem aus religiösen Gründen strikt verboten war ist nun aus Marketing-technischen Gründen alles erlaubt. Mit Wahrheit hat beides nichts zu tun!

      Gruß

      O.W.S.

       

       

  3. Hallo Jens,

    wenn du wirklich über den Tellerrand hinausblicken willst, hier die Adresse:  worthaus.org Und zwar die Vorträge von Prof. Siegfried Zimmer. Ein Urschwabe aus Tübingen. Es gibt auch ein Buch von ihm: "Schadet die Bibelwissenschaft dem christlichen Glauben".

    Aber glaube mir, bei der Beschäftigung mit Zimmer tauchst du in eine andere theologische Welt ein.  Du verlässt sozusagen die glaubensmäßige Kindergartenwelt der Zeugen und anderer fundamentalisitscher Gruppen.

    Wiilst du das wagen?

    1. Jens

      Hallo Heinz, danke für den Link.Ich schau mir die Seite und Artikel an.Die aktuelle ZJ Literatur ist ja schnell verdaut;) Das Jakobusbuch der WTG verwende ich noch zum kesen,, sowie das alte Lexikon Hilfe zum Verständnis der Bibel.Viele Grüße Jens

  4. Jens

    Hallo Heinz, die Themen würden mich sehr interessieren. Kann man sich die Themen /Abhandlungen des Professors erhalten, respektive downloaden? Herzlichst Jens

     

  5. Es ist stattdessen Einheitsbrei im Stil einer bekannten Zeitung, die mit Schlagwörtern und balkendicken Überschriften ihre “Leser” zufriedenstellt. Hier ändern sich im Wesentlichen nur das Datum und ein paar Namen. Der Stil ist immer derselbe und die Themen sind es eigentlich auch.

    Wenn ich an die 70er Jahre zurückdenke, dann war das damals schon der Fall. Das "Schreibkomittee" brachte nichts anderes zustande als Verbote, Gebote, Ermahnungen, Empfehlungen. Ich kann mich nach dem Ableben von Fred Franz an keine fundierte biblische Ausarbeitung erinnern. Bei Franz waren das zwar auch eigenartige windige Konstruktionen aber sie stellten doch gewisse Ansprüche an den Intellekt.

    Meine Tochte hatet in ihrem Studium auf das Lehramt auch das Fach Theologie. Ihr Professor stellt verschiedene Themen im Internet zur Verfügung. Hier eine kleine Auswahl, wie eine Bibelarbeit auch aussehen kann:

    1. Die Sünderin in Simons Haus. Eine Begegnung, die alles veränderte.

    2. Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg

    3. Das Gleichnis vom Unkraut usw.

    4. Jesus und sein Verhältnis zu den Kindern

    5. Jesus und seine Gegner

    6. Gottes Liebe und Gottes Gericht: Wie passt das zusammen?

    7. Warum das fundamentalistische Bibelverständnis nicht überzeugen kann

    8. Das Verständnis der Moderne als ein Schlüssel zum angemessenen Verständnis von biblischen Texten

    9. Ein Beispiel zur Arbeitsweise der modernen Bibelwissenschaft

    10. Die Seligpreisungen Teil 1

    11. dito Teil 2

    Das ist eine kleine Auswahl aus ca. 60 Vorträgen, die ich auf CD gebrannt habe. Man kann einige davon immer wieder hören und Neues entdecken.

    Das hat jedenfalls eine völlig andere Qualität und ist überhaupt nicht vergleichbar mit dem Einheitsbrei der "Wahrheitsbesitzer" von Warwick.

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