Der Sabbat für Christen – und was die WTG daraus macht

Man bekommt oft den Eindruck, dass die WTG bestimmte Themen immer nur auf die Zwecke der Organisation zurechtbiegt, um Menschen mit angeblich biblischen Argumenten zu einer bestimmten Handlungsweise zu zwingen. Dieses Zurechtbiegen geschieht oft gewaltsam; man tut dem Wort Gottes Gewalt an, indem man es für seine Zwecke missbraucht. Das ist in vielen „christlichen“ Gemeinschaften Brauch und er hat jene Menschen im Blick, die daran gewöhnt worden sind, stur und blind zu gehorchen und sich einzubilden, dass man ihnen nur die reine Wahrheit sagt. Ihre Vertrauensseligkeit macht sie zu Opfern von Verführern. Die WTG macht auch hier keine Ausnahme!

So sieht die WTG den Sabbat für Christen, über den Paulus in Hebräer 4 schreibt?

Das hat sie im Wachtturm  vom 15. 7. 2011 deutlich gemacht: „Was ist demnach für uns Christen damit gemeint, in Gottes Ruhe einzugehen, uns ihm also darin anzuschließen? Erinnern wir uns daran, wofür Jehova den siebten Tag — seinen Ruhetag — reserviert hat: um alles, was er mit der Erde vorhat, vollständig und auf herrliche Weise zu verwirklichen. Wir können in Jehovas Ruhe eingehen, indem wir gehorsam daran mitarbeiten, seinen Vorsatz so umzusetzen, wie er es uns durch seine Organisation mitteilt.“ 

Es geht also nur darum, dass „wir gehorsam daran mitarbeiten, seinen Vorsatz so umzusetzen, wie er es uns durch seine Organisation mitteilt.“ 

Sollte der Sabbat nicht ein Tag der Ruhe sein?

Es fällt zuerst auf, dass von Gehorsam, Mitarbeit und Umsetzung des Vorhabens Gottes, wie es die WTG versteht, im Hebräerbrief nicht die Rede ist. Natürlich wird auch erwähnt, dass man von „Werken der Selbstrechtfertigung“ und von Sünde abstehen sollte, aber schließlich landet man immer bei den Tätigkeiten, die einen Zeugen Jehovas auszeichnen: Predigtdienst, Zusammenkunftsbesuch, Studium, und Gebet. Neuerdings wird noch hinzugefügt: Spenden und Bauen für die WTG. Und das habe ich fast vergessen: Ausgeschlossene meiden, meiden, meiden! Und wenn ich das alle tue, gehe ich in Gottes Ruhe ein? Ich zweifle!

Durch Glauben geht man in Gottes Ruhe ein

Man vergisst dabei, dass alle diese Tätigkeiten (also Werke) nichts, ja gar nichts mit Glauben zu tun haben müssen! Es können geradezu tote Werke sein, die eben nicht eine Frucht des Geistes sein müssen. Man kann das alles tun, weil man seinen Job macht. Man kann es abarbeiten, weil man das Paradies sucht statt Gott. Man muss dazu nicht einmal an das Opfer Jesu glauben, man muss ihn nicht als Erlöser anerkennen. Trotzdem soll man „in Gottes Ruhe eingehen, indem man gehorsam daran mitarbeitet, seinen Vorsatz so umzusetzen, wie er es durch seine Organisation mitteilt“? Und was schrieb Paulus? „Wir können aber nur als Glaubende in die Ruhestätte einziehen.“ (Hebr. 4:3a)

Paulus schrieb (3:7–11), dass Gott vom Unglauben  der Juden während der Wanderung durch die Wüste angewidert war und deshalb schwor, dass sie „nicht in seine Ruhe eingehen sollten“. Die Folge war, dass eine ganze Generation während der vierzigjährigen Wanderung starb und deshalb das verheißene Land (die Ruhestätte) nicht erreichte. Dann warnte er Christen davor, nach demselben Muster zu Fall zu kommen (3:12 – 14).

Natürlich hängt Glaube auch mit Gehorsam zusammen, aber es ist der Gehorsam gegenüber Gott aus Glauben! Paulus ging es nie um den Gehorsam gegenüber Menschen. Die Juden kamen zu Fall, weil sie ungläubig waren und eher Menschen gehorchten als Gott. Nachdem also die Juden in der Wildnis nach ihrer Befreiung aus Ägypten nicht an den „Ruheplatz“ kamen, verhieß Gott noch einmal, dass gläubige Menschen in seine „Ruhe“ (Sabbat) eingehen können. Voraussetzung ist allein der Glaube, das Vertrauen in die Liebe Gottes.

Der Fehler der Juden:

Dass die Juden keinen Glauben hatten, geht immer wieder aus dem Bericht der Bibel hervor. Besonders krasse Situationen des Unglaubens waren die Ereignisse zu Massa  und  Meriba. Weil es Schwierigkeiten mit der Wasserversorgung gab, wollten sie wieder in die Sklaverei Ägyptens zurück! Dabei hatte sie Gott auf die Probe gestellt, denn er wollte wissen, was in ihrem Herzen war (5. Mo. 8:2-4). Gott versorgte sie mit reichlich Wasser, aber ihr Herzenszustand, der sich bei einem zeitlichen Wassermangel zeigte, war nicht gut genug, um als Belohnung das verheißene Land zu bekommen. Paulus zieht daraus folgenden Schluss: „So sehen wir, dass sie wegen ihres Unglaubens nicht eingehen konnten!“ (Hebr. 4:19)

Was der Sabbat für die Juden hätte sein können:

Das Sabbatgebot wurde nach dem Auszug aus der Sklaverei in Ägypten angeordnet. Es sollte ein Tag der „vollständigen Ruhe“ sein. An diesem Tag sollten die Juden über die guten Taten Jehowahs nachdenken, dankbar sein und lernen, wovon der Mensch tatsächlich lebt, nämlich nicht vom Broterwerb durch Arbeit, sondern durch Erwerb des „Brotes“, das zum Leben führt (5. Mo. 8:3b). Es stand in ihrem Gesetz, dass `Jehowah ihr Leben’ war (5. Mo. 30:20). Dieser Aspekt des jüdischen Sabbats klingt immer wieder an:„Wenn du am Sabbat, meinem heiligen Tag, deinen Fuß vom Tun deiner eigenen Gelüste zurückhältst und du den Sabbat deine Wonne nennen wirst, einen heiligen Tag, der verherrlicht wird, statt deinen eigenen Wegen zu folgen, um das zu finden, was dir gefällt und was du redest, dann wirst du deine Wonne an Jehowah finden, …“   (Jes. 58:13, 14)

Das Sabbatgesetz sollte den Juden auf anschauliche Weise lehren, dass sich Gott wirklich um seine Kinder kümmert, dass sie nie ängstlich besorgt sein sollten, wenn es um die äußeren Bedürfnisse des Lebens ging. Denn Gott sorgte auch dann für sie, wenn durch ein großes Jubeljahr drei Jahre lang nichts geerntet werden konnte! Aber durch ihre ganze Geschichte zieht es sich wie ein roter Faden, dass sie den Verheißungen Gottes keinen rechten Glauben schenkten. Immer meinten sie, dass es auf ihre eigenen Bemühungen ankäme. Aber es war auch Habgier, die sie trieb, um Geld zu verdienen (Amos 8:4–6). Am Sabbatgebot zeigte sich auch noch eine andere Schwäche, die mit ihrem Unglauben zusammenhing: Sie glaubten daran, sich die Gunst Gottes durch bestimmte Werke „verdienen“ zu können. Es kam ihnen, weil sie harte Herzen hatten, nicht in den Sinn, dass Gott aus Liebe alles geben kann, was nötig ist. Hätte die Nation aus Glauben den Sabbat verstanden und gehalten, hätte sie alle Segensverheißungen empfangen, die Gott in 5. Mo. 28:1-14 gegeben hatte. Aber es kam anders, weil sie nicht glaubten!

Was der Sabbat für Christen bedeuten kann

Die Ausführungen des Apostels im Hebräerbrief bezüglich des Sabbats sind in die Beschreibung der Rolle des Hohenpriesters Jesus Chritus eingebettet. Sie lassen im Kontext erkennen, dass das Beachten des christlichen Sabbats (das Eingehen in die Ruhe Gottes) unbedingt mit dem Hohenpriester Jesus zu tun hat. Nachdem Paulus das Versagen der Juden, die deshalb nicht in Gottes Ruhe eingehen konnten, erwähnt hatte, schrieb er: „Gebt acht Brüder und Schwestern, dass niemand von euch ein böses und ungläubiges Herz bekommt – und sich so von dem lebendigen Gott abwendet. Ihr sollt euch vielmehr jeden Tag gegenseitig ermahnen, solange das „Heute“ noch gilt. Niemand von euch soll sich verhärten, weil er von der Sünde irregeleitet ist. Denn wir sind Teilhaber des Christus geworden – vorausgesetzt, wir halten bis zuletzt an der Zuversicht fest, die wir am Anfang bekommen haben.“ (Hebr. 3:12-14)

Damit ist es deutlich, dass Jesus in Verbindung mit dem Eingehen in Gottes Ruhe eine zentrale Rolle spielt. Das wird auch aus Jesu eigenen Worten deutlich, wenn er sich als „Herr des Sabbats“ bezeichnet. Denn  das ist er tatsächlich, wenn unter seiner Herrschaft im Reich Gottes  alle Dinge wiederhergestellt werden. (Mat. 12:8) Aber bevor es soweit ist, genießen Christen schon eine gewisse „Sabbatruhe“, die Paulus in Hebr. 4:10, 11 erwähnt: „Denn wer in seine [Gottes] Ruhe eingegangen ist, ruht von seinen eigenen Werken, wie auch Gott von seinen ruht. Wir wollen uns also anstrengen, in jene Ruhe einzugehen, damit niemand nach demselben Beispiel des Ungehorsams zu Fall kommt.“ Hebr. 4:10, 11

Das ist keine Aufforderung zur Passivität im Glauben. Es ist wohl aber eine Warnung, die Paulus aus seiner Erfahrung in der jüdischen Religion herleitet, denn die Juden versuchten durch Gesetzeswerke Gottes Gerechtigkeit zu bekommen. Sie wollten sich selbst rechtfertigen – und machten so das Opfer Jesu für sich überflüssig. Denn Christus ist für Christen der Erlöser, der sie von der bedrückenden Last der Sünde befreien kann. Wer also in Gottes Ruhe eingeht, lässt diese Bemühungen fallen. Er hat nun ein anderes Motiv für seine Glaubenswerke als die eigene Rechtfertigung. Seine Rechtfertigung überlässt er seinem Herrn Jesus. Wer so lebt, zeigt an, dass er den tiefen Sinn des Sabbats verstanden hat.

Es ist gefährlich, auf die eigenen Werke zu bauen und sich einzubilden, damit Gottes Gerechtigkeit erreicht zu haben. In der Bergpredigt stellt uns Jesus Menschen vor, die auf ihre Werke pochen und meinen, damit alles getan zu haben, was für ihre Rettung nötig ist (Mat. 7:21-23). „Haben wir nicht in deinem Namen … so viel getan?“ Und Jesus sagt dann: „Ich kenne euch überhaupt nicht! Geht mir aus den Augen! Ihr habt getan, was gegen Gottes Willen ist!“ (V. 24)

Könnte es sein, dass uns die WTG auf diesen Weg bringen will, wenn sie über den Sabbat das schreibt, was anfangs zitiert wurde? Stimmt es, dass Gott seinen Ruhetag nur dafür reserviert hat, um alles, was er mit der Erde vorhat, auf herrliche Weise zu verwirklichen? Wo steht das in der Bibel? Im Brief an die Hebräer wird ein anderer Tenor angeschlagen. Hier gipfelt alles im Hohenpriester und König Jesus Christus. Er wird alles zur Vollendung bringen. Seine Nachfolger sind eingeladen sich von ihm das Reich Gottes schenken zu lassen. Sie „ruhen“ auf seinem Versprechen und seiner Arbeit. Sie überlassen ihre Rettung, ihre Befreiung dem Sohn Gottes und sind nicht in der steten Sorge, alles selbst erledigen zu müssen, was ihrer Rettung dient. Sie vertrauen der Gnade und bilden sich nicht ein, durch Glaubenswerke irgendein Anrecht auf diese Gnade zu erwerben. Sie gehen in die Ruhe Gottes ein durch Glauben an die Liebe Gottes und die Wirksamkeit des Opfers Jesu.

Das wird interessanterweise auch in einem (!) Satz des Artikels gesagt. Aber dabei belässt man es. Die Rolle Jesu als Herr des Sabbats wird hier ausgespart, statt dessen wird auf Gehorsam gegenüber dem „Sklaven“ fokussiert und davor gewarnt, „eigene Wege zu gehen“. Welche eigenen Wege sollte man als Christ gehen? Kann man, wenn man aufrichtig ist und dem Geist folgt und von ihm getrieben wird, „eigene Wege gehen“? Kann man sie gehen, wenn man die Bedeutung des christlichen Sabbats verstanden hat? Kann man eigene Wege gehen, wenn man die Leitung Christi hat? Kann man eigene Wege gehen, wenn man ständig um Gottes Geist und Führung bittet?

Nein, wenn ich daran glaube, dass Gott mich durch Jesus Christus führt, also durch den Geist leitet, dann ist das nicht vorstellbar, denn ich will es ja, weil ich es brauche! Nur wenn sich eine Organisation dazwischendrängelt, und behauptet, dass der Geist Gottes nur durch ihre Vermittlung oder in Verbindung mit ihr (was dasselbe ist), wirken kann, dann muss man natürlich im Wachtturm dies sagen: „Würden wir dagegen den biblischen Rat, den wir durch den „treuen und verständigen Sklaven“ erhalten, herunterspielen und eigene Wege gehen wollen, würden wir quasi auf Kollisionskurs zu dem gehen, worauf Jehova unaufhaltsam hinarbeitet. Unsere Freundschaft mit Jehova stünde dann auf dem Spiel. Im Anschlussartikel wollen wir einige Situationen beleuchten, in die man als Diener Gottes recht schnell kommen kann und in denen man vor der Frage steht, ob man auf Jehova hört oder sein eigener Herr sein will. Daran, wie wir uns dann verhalten, wird deutlich, ob wir wirklich in Gottes Ruhe eingegangen sind.“  (Wachtturm  vom 15. 7. 2011)

(Was im Anschlussartikel dann gefordert wird, habe ich schon erwähnt: Predigtdienst, Zusammenkunftsbesuch, Studium, und Gebet. Neuerdings wird noch hinzugefügt: Spenden und Bauen für die WTG. Und das habe ich fast vergessen: Ausgeschlossene meiden, meiden, meiden!)

Ein ehrlicher Nachfolger Jesu zeigt seinen Glauben, sein Vertrauen, auch dadurch, dass er durch Jesus Christus alles, was er für sein Glaubensleben wirklich braucht, von seinem himmlischen Vater erbittet. Auch wenn es um Frieden, Schutz, Hilfe und Einsicht geht, wendet er sich an seinen Vater im Himmel. Niemals würde er auf den Gedanken kommen, bei Menschen und politischen Organisationen Schutz zu suchen, wie es die WTG heute mit einer offenen Selbstverständlichkeit tut. Kann das Gottvertrauen sein, wenn man bei Menschen Schutz sucht? Haben die Juden nicht ebenso bei Menschen Schutz gesucht (siehe Ägypten und Assyrien)? Dadurch, auch dadurch, haben sie gezeigt, dass sie keinen Glauben hatten! Sie vertrauten ihrem Gott im Himmel nicht, sondern ihrer eigenen Leistung und ihrem politischen Kalkül.

Zum Schluss möchte ich noch auf den Gedanken des Vertrauens eingehen. Durch Jesaja ließ Gott den Juden dies ans Herz legen: „Eure Macht wird sich einfach im Ruhigbleiben und im Vertrauen zeigen.“ (Jes. 30:15).

Das passt für mich gut zum Gedanken des christlichen Sabbats – Vertrauen und Ruhigbleiben – durch Gott und Jesus Christus unsere Rettung geschehen lassen! Alles, was dazu notwendig ist, ist bereits getan worden: Das Lösegeld für uns ist bezahlt und wir sind dadurch mit Gott versöhnt worden. Nun freuen wir uns auf den großen Sabbattag unter Jesus Christus. An diesem Tag werden wir uns endlich zu Hause fühlen, angekommen nach einer langen gefahrvollen Reise. Alle Lasten sind abgefallen.

Wir atmen befreit auf und fühlen uns angekommen und geborgen. Die Leiden der Vergangenheit sind verblasst und endlich, endlich ist Gott für uns das Ein und das Alles! Wir sind ganz, und endlich herrscht um uns und in uns der Regenbogenfriede Gottes und seine Gerechtigkeit!

Mag ich nicht (9)

267 Kommentare zu “Der Sabbat für Christen – und was die WTG daraus macht

  1. Ulla

    Guten Morgen, liebe Hei-bea!

    Meine Gebete sind unterwegs! Ich wünsche Euch beiden das Maß an Gottvertrauen und Gelassenheit, Schritt für Schritt den Weg zu gehen, der vor euch liegt! - Den Frieden Gottes, der alles Denken übertrifft, den Geist Gottes zur rechten Zeit, wenn euch die Worte fehlen vor Aufregung und Sorge...

    Aber nicht nur für euch beide galt es zu beten, es war mir auch ein Anliegen, Gott zu danken, dass es Menschen gibt, die ihren Arztberuf sehr verantwortungsvoll ausüben.

    Wie gut, dass solche Personen nicht der WTG Doktrin (keine höhere Bildung, kein Medizinstudium, ist eh  bald alles vorbei mit dieser Welt...) erlegen sind. Danken wir doch dem Vater für solche "Gaben in Form von Menschen"! Freuen wir uns, dass wir von ganz vielen studierten Akademikern umgeben sind, die uns im Alltag, in Notfällen zur Seite stehen: Ärzte, Krankenpfleger, Rechtsanwälte, Beamte, Piloten, Wissenschaftler uvm!!!

    Übrigens, wer von euch hier heut abend im WDR um 22 Uhr den "Kölner Treff" vorhat anzusehen im Fernsehen (Konja Simon Rohde spricht über sein Leben/Ausstieg aus dem WTG Kult)...vielleicht können wir demnächst unsere Gedanken dazu austauschen. Das wäre sehr schön!

    Servusli

    von Ulla aus Nürnberg

     

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