Das Leben und die Entdeckungen von Barbara Anderson

Komplette Übersetzung, nicht lektoriert.

BAnderson-2Eine ehemalige Mitarbeiterin aus dem Bethel in Brooklyn berichtet über ihre Erfahrungen und Hintergründe aus dem Zentrum der WTG.

Quelle: http://www.watchtowerdocuments.com/barbara-anderson.html

Barbara Anderson war Angehöriger der Zeugen Jehovas von 1954 bis 1997. Sie war in der Wachtturm-Weltzentrale in Brooklyn, New York, von 1982 bis 1992 tätig. Während ihrer letzten drei Jahre dort betrieb sie Nachforschungen über die offizielle, 1993 veröffentlichte Geschichte der Bewegung, und recherchierte und schrieb eine Reihe von Artikeln für das „Erwachet!“-Magazin der Gesellschaft. Sie stellte umfangreiche Nachforschungen betreffs sexuellen Mißbrauchs von Kindern in dieser Religion an, wodurch sie zu einem offenen Kritiker der Zeugen Jehovas-Richtlinien betreffs sexuellen Mißbrauchs wurde, was zu Interviews in führenden Fernseh- und Rundfunkkanälen führte.

Eine lebensverändernde Entscheidung

1940 wurde ich in Long Island, New York, als Kind polnisch-katholischer Eltern geboren. Als unerfahrene, unzufriedene Vierzehnjährige traf ich eine Entscheidung, die meine Wahlmöglichkeiten während der nächsten vierundvierzig Jahre einengen sollte – ich schloß mich einer der kämpferischsten und umstrittensten religiösen Gruppen – Zeugen Jehovas – an, die zum Mittelpunkt meines Lebens wurde. Aufgrund des von dieser Religion für ihre Mitglieder festgelegten Verbotes von „Höherer Bildung“ schob ich mein Herzensbegehren – ein Archäologiestudium – beiseite. Missionarische Aktivitäten hatten Priorität vor Bildung. Ich befolgte ihre Regeln betreffs der Wahl von Freunden sowie eines Ehepartners, die nur innerhalb von Zeugen Jehovas auszuwählen waren.

Weshalb würde sich ein junger Mensch einer derartigen Kontrolle über das eigene Leben unterwerfen? In diesem jungen Alter war ich nicht nur idealistisch, sondern hatte auch Langeweile. Ich war zu jung, um irgendeinen wertvollen Beitrag zur Lösung der Weltprobleme zu leisten, verspürte aber den tiefen Wunsch hierzu – eine Geisteshaltung, die mich ein von Jehovas Zeugen angebotenes Bibelstudium bereitwillig annehmen ließ. Nicht zuletzt sagten die Zeugen, sie verfügten über allen Aufschluß hinsichtlich Gut und Böse und aller anderen Geheimnisse des Lebens. Sehr bald nahm ich den Zeugenglauben begeistert an. Wie hätte ich als junger, naiver und leichtgläubiger Mensch erkennen können, daß mein Denken manipuliert wurde durch Methoden der Indoktrination, die über Jahrzehnte geschickt ausgetüftelt und verfeinert worden waren, wodurch alles, was mir vermittelt wurde, sehr überzeugend wirkte? Allein das Empfinden, von Menschen angenommen zu werden, die mit Überzeugung von Dingen redeten, von denen sonst niemand etwas zu wissen schien, faszinierte mich und machte mich zu einem beständigen und zuverlässigen Anhänger. Ein starkes Zugehörigkeitsgefühl befähigte mich, kritisch eingestellten katholischen Verwandten und Freunden gegenüberzutreten. Nach drei Monaten Bibelstudium zog ich begeistert in den Zeugen Tür-zu-Tür-Predigtdienst hinaus, und nach neun Monaten wurde ich zusammen mit meiner Mutter als Zeugin Jehovas getauft.

Nach zwei Jahren fühlten sich mindestens fünf erwachsene Menschen aufgrund meines Eifers gedrängt, zu meinem Glauben überzutreten. 1956, als ich 16 Jahre alt war, bat mich eine Zeugenmissionarin, die vorübergehend in Long Island wohnte, während sie auf eine Aufenthaltserlaubnis für Indien wartete, sie während zwei Monaten im Sommer im „Pionier-“ oder Vollzeitmissionarwerk in der Nähe von Athens/Ohio, zu begleiten. In dieser Gegend wurden fünfzehn Jahre früher, während des zweiten Weltkriegs, Zeugen Jehovas von patriotisch eingestellten Bürgern geteert und gefedert, weil sie den Fahnengruß sowie das Unterstützen des Krieges verweigerten. Einmal war uns mulmig zumute, als uns ein verärgerter Mann von seinem Grundstück jagte mit der Drohung, er würde sein Gewehr holen und uns aus dem Bezirk vertreiben, so wie er es Jahre zuvor mit den Zeugen getan hatte. Wir ließen uns jedoch nicht einschüchtern und setzten unsere Missionstätigkeit fort.

Die Rückkehr zur Schule im Herbst bereitete mir Verdruß, denn ich wollte predigen und nicht meine Zeit damit verschwenden, über eine Welt zu lernen, die jeden Moment vergehen könnte. Dies war eine schwierige Zeit für mich, doch nach einigen Monaten zog meine Familie nach Südflorida um, wo wir mit den Zeugen Kontakt aufnahmen und ich erneut einen völlig neuen Freundeskreis fand.

Meine Heirat

1957 schloß ich mich im Alter von 17 Jahren mit zwei anderen jungen Frauen aus Florida zusammen, und wir nahmen eine Zeugen-Predigtzuteilung in Columbus/Mississippi an. Da Columbus eine Universitätsstadt war, wo sämtliche verfügbaren Arbeitsstellen von Studenten besetzt waren, konnten wir keine Teilzeitstellen finden, weshalb wir nach drei Monaten mittellos und entmutigt wieder abreisen mußten. Anstatt jedoch nach Florida zurückzukehren, entschieden wir uns, nach New York zu gehen, da wir wußten, daß dort in der Weltzentrale der Zeugen Jehovas in Brooklyn Freiwillige benötigt wurden. Dort bereiteten die Mitarbeiter den großen, für 1958 geplanten internationalen Kongreß der Zeugen Jehovas vor, der im Yankee Stadion und in den Polo Grounds in New York abgehalten werden sollte. Wir wohnten bei befreundeten Zeugen in Long Island, bis wir eine Wohnung und Teilzeitstellen gefunden hatten; dann pendelten wir an einigen Tagen in der Woche jeweils dreißig Meilen, um in der Weltzentrale in Brooklyn Büroarbeiten zu erledigen.

Einige Monate vor dem Kongreß in New York traf ich Joe Anderson. Seine Mutter Virginia und ich besuchten die gleiche Versammlung in Hempstead/Long Island, und sie stellte mich ihm vor. Joes Großmutter war eine Zeugin, obgleich ihr Einsatz eher minimal war; als Folge davon waren ihre Kinder größtenteils nur passive „Zuschauer“ der Zeugen Jehovas. Als Joe sechzehn Jahre alt war, zogen seine Eltern von Tampa/Florida, nach Dallas/Texas, wo seine Mutter begann, die Zeugenzusammenkünfte in einem örtlichen Königreichssaal zu besuchen. Sein Vater, ein despotischer Alkoholiker, zeigte keinerlei Interesse an den Zeugen. Die von Eifer geprägte religiöse Freundesgemeinschaft wirkte anziehend auf Joe, und obgleich seine zwei Schwestern die Gruppe verließen, schloß er sich mit anderen Zeugen zusammen, um drei Jahre lang Pionierwerk in der Gegend um Dallas durchzuführen. (Zu dieser Zeit erklärten sich Pioniere dazu bereit, jeden Monat 100 Stunden die Bibel mit Nicht-Zeugen zu besprechen; heute sind es 70 Stunden. In der Regel haben Pioniere Teilzeitarbeitsstellen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.)

1956 stellte sich Joe als freiwilliger Mitarbeiter des in Brooklyn Heights befindlichen „Bethels“ zur Verfügung, wo er dann auch wohnte. Hier befindet sich die Hauptbüro der Zeugen Jehovas, die unter dem Namen „Wachtturm Bibel und Traktatgesellschaft Inc. New York“ („Wachtturm-Gesellschaft“) operiert, und wo er von 1956 bis 1959 an einer ihrer Druckpressen arbeitete. Hier war er tätig, als ich ihm 1958 begegnete. Nachdem wir im November 1959 geheiratet hatten, waren wir als Pioniere in West Palm Beach/Florida tätig, bis ich mit unserem Sohn Lance schwanger wurde, der am 14. September 1961 geboren wurde.

Bedingungslose Hingabe

Mein Mann diente als vorsitzführender Aufseher (Vorsitzender der Ältestenschaft) in den Versammlungen, denen wir angeschlossen waren; er machte nicht nur schöne Worte, sondern lebte während der fünfundzwanzig Jahre, die er im Pionierwerk tätig war, das, was er andere lehrte, selbst voll aus. Als Ehepaar waren wir von solch einem leidenschaftlichen Glaubenseifer beseelt, daß wir im Laufe der Jahre mehr als achtzig Menschen zu unserem Glauben bekehrten. 1974 zog unsere Familie nach Tennessee um, wo wir gemeinsam mit einigen Dutzend anderer Zeugen aus Südflorida eine neue Versammlung von Zeugen Jehovas gründeten.

Von Anfang an setzte ich meinen Glauben in die Theologie und den Einfluß der Wachtturm-Gesellschaft, da sie in einer Zeit großer Instabilität und Unsicherheit der 1950er „Bombenkeller und kalte Kriegs“-Jahre biblische Antworten auf uralte Fragen über Leben und Tod, Krieg und Frieden zu haben schien. Während die Jahre vergingen, war ich überzeugt davon, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, in einer Zeit, in der die die Eskalation besorgniserregender Situationen weltweit anhielt, betreffs derer die Zeugen verkündeten, diese seien ein sicheres Zeichen für das herannahende Weltende.

Um die Mitte der 1960er Jahre wurden Stimmen der Anführer unserer Organisation laut, die sagten, daß 1975 das Ende des gegenwärtige System der Dinge stattfinden solle. Aus Sorge, nicht genügend für Gott zu tun, kündigte Joe in 1968 seine Arbeit mit der Florida Power and Light Company und suchte für jeden von uns eine Teilzeitstelle, da wir wieder das Pionierwerk aufnahmen. Joe war drei Jahre lang als Pionier tätig, und ich ein Jahr, obgleich ich weiterhin in unregelmäßigen Abständen auf monatlicher Basis als Pionier tätig war, wann immer ich konnte. Obwohl das von Zeugen Jehovas für die kommende Apokalypse festgesetzte Datum 1975 kam und verstrich, waren wir nicht beunruhigt, denn wir hatten zu viel in diese Religion investiert, um jetzt das Handtuch zu werfen.

Begeisternde Einladung zur Freiwilligenarbeit

Im Jahr 1982 lud die Wachtturmgesellschaft Joe und mich ein, freiwillige Mitarbeiter im Bethel Brooklyn zu werden, wo wir freie Kost und Logis erhielten sowie eine geringe monatliche Zuwendung im Austausch für unsere Mitarbeit. Im Jahr zuvor verrichtete unser Sohn Lance, damals neunzehn Jahre alt, Freiwilligenarbeit im Bethel und wurde als ständiger Mitarbeiter angenommen. Ihm wurde aufgetragen, in einer der zahlreichen Fabriken der Wachtturm-Gesellschaft in Brooklyn zu arbeiten und eine ihrer vielen Hochgeschwindigkeitsdruckpressen zu warten, die – im Verbund mit den anderen Druckmaschinen – buchstäblich Hunderte von Millionen Exemplaren von religiöser Wachtturmliteratur pro Jahr produzierten.

Mein Mann Joe war der Grund dafür, daß wir ins Bethel in Brooklyn eingeladen wurden. Als wir unseren Sohn im März 1982 besuchten, begegnete Joe einem hochgestellten Druckereiaufseher der Wachtturm-Gesellschaft namens Richard Wheelock, für den er in den 1950ern gearbeitet hatte. Als Richard erfuhr, daß Joe Rohrinstallateur war, kümmerte er sich darum, daß wir als Mitarbeiter der Weltzentrale eingeladen wurden.

Erwähnenswerterweise beging Richard Wheelock acht Jahre später, am 25. Juli 1990, im Alter von 75 Jahren Selbstmord, indem er aus einem im dritten Stock befindlichen Fenster in dem Gebäude, in dem wir wohnten, sprang. Er litt an schweren Depressionen, seitdem seine Frau fünf Jahre zuvor verstorben war.

Innerhalb weniger Monate nach unserer Umsiedlung ins Bethel fanden wir heraus, weshalb Richard so sehr an Joes Handwerk interessiert war. Niemand in Brooklyn, einschließlich des größten Teils der Wachtturm-Mitarbeiter wußte, daß Verhandlungen im Gange waren, eine alte Fabrik in Brooklyn zu kaufen, die direkt am East River in der Furman Street lag. Dieses vernachlässigte Gebäude war riesig – um die einhunderttausend Quadratmeter Bodenfläche – ; während des zweiten Weltkrieges wurden dort Panzer gebaut. Die Aufzüge waren so groß, daß darin problemlos große Lastwagen die 13 Stockwerke hinauf- und hinunterbefördert werden konnten. Kurze Zeit nach dem Erwerb dieses Gebäudes wurde unser Sohn von der Druckerei in der Adams Street in dieses Gebäude in die Furman Street versetzt, um zu lernen, wie man Aufzüge baut und repariert. (Erwähnenswerterweise wurde dieses Gebäude nach jahrelangen, von Freiwilligen durchgeführten Renovierungsarbeiten im April 2004 verkauft, wobei die Wachtturm-Gesellschaft einen enormen Profit machte.)

Des Weiteren wurde das heruntergekommene, 12-stöckige Bossert Hotel, das 1909 in der Montague Street in der Innenstadt in Brooklyn Heights, einem denkmalgeschützten Bezirk, seinen Betrieb aufnahm, insgeheim für einen Kauf in Betracht gezogen, und zwar von Cohi Towers Associates, einer Organisation, die sich aus einer Anzahl wohlhabender Zeugen Jehovas zusammensetzte mit dem Ziel des Ankaufes von Gebäuden für die Wachtturm-Gesellschaft. Durch den Einsatz der Cohi Towers-Gesellschaft für den Ankauf von Gebäuden verschleierte die Wachtturm-Gesellschaft ihre Beteiligung an dem Projekt, und versteckte vor örtlichen Protestbewegungen die Tatsache, daß nun ein weiteres Gebäude in der Umgebung von der Liste der steuerpflichtigen Immobilien gestrichen wurde. Um die von Cohi zu entrichtende Besitzsteuer für das Bossert Hotel zu mindern, wurde ich beauftragt, die für einen Eintrag des Hotels in das Nationalregister denkmalgeschützter Stätten nötige Information zu beschaffen. Nach einigen Monaten jedoch kam meine Arbeit zu einem Ende, da – wie mir mitgeteilt wurde – die Cohi-Organisation das Gebäude der Wachtturm-Gesellschaft überschrieben hatte. Bis heute besitzt die Wachtturm-Gesellschaft um die zwanzig Wohngebäude in Brooklyn Heights, obgleich sie in 2005 einige Gebäude im Zuge von Sparmaßnahmen zum Verkauf anbot, um ihre Aktivitäten in New York kostengünstiger zu gestalten.

Als wir das Bethel an diesem Samstagmorgen im März 1982 besuchten, waren Freiwillige am Schuften, um einige alte Gebäude zu renovieren, und begannen mit der Arbeit an dem denkmalgeschützten 12-stöckigen Standish Hotel (eröffnet in 1903), welches die Wachtturm-Gesellschaft einige Jahre zuvor erworben hatte. Im Lichte all dieser Käufe und dem Bedarf an erfahrenen Installateuren leitete Richard weitere Vorstellungsgespräche mit anderen Wachtturm-Funktionären in die Wege, und gegen Mittag erhielten wir die Einladung, Mitglieder der damals mehr als 2000 zählenden Wachtturm-Belegschaft in Brooklyn zu werden. Ganz nebenbei zählte elf Jahre später, als wir nach Tennessee zurückkehrten, die Belegschaft des Bethels in Brooklyn über 3300, aufgrund des außerordentlichen Wachstums der Zeugenorganisation während der 1980er und der früheren 1990er Jahre.

Mit begeisterter Erwartung angesichts unseres neuen Abenteuers begaben wir uns nach Hause, regelten unsere Angelegenheiten und kehrten im Juni 1982 nach New York zurück. Joe wurde der Gebäude-Rohrinstallationsabteilung zugeteilt, die die Verrohrung des alten Squibb-Gebäudes renovierte, und ich begann meine Arbeit in der Kassettenkopierabteilung. Nach einigen Wochen trat bei mir eine ernsthafte Allergie gegen abteilungsbedingte Chemikalien auf, und ich wurde in den Versand versetzt, wo ich als Datentypistin arbeitete.

Weltweite Ausdehnung

Ungefähr ein Jahr später kam ich in die Abteilung für Bauwesen als Mitarbeiterin im Sekretariat. Die Abteilung bestand aus über hundert Mitarbeitern – Zeichner, Ingenieure, Architekten, Sekretärinnen und andere Büroarbeiter, die alle auf irgend eine Weise am Entwurf, der Planung, und der Errichtung neuer oder renovierter Gebäude beteiligt waren, die von Jehovas Zeugen weltweit genutzt wurden, und dies in einer Zeit, in der die Zeugen als eine der am schnellsten wachsenden Religionen galten.

Bald nachdem ich meine Arbeit in dieser Abteilung begonnen hatte, gelangte die Wachtturm-Gesellschaft in den Besitz eines sehr großen Stück Landes in Patterson/New York. Zu Beginn herrschte Unsicherheit, was die Nutzung dieses Landstückes anbelangte, doch nach einiger Zeit wurde entschieden, es für die Nutzung zur Errichtung eines Bildungszentrums zu erschließen. Wie ich erfuhr, betrug die ursprüngliche, für die Erschließung zurückgestellte Geldsumme fünfzig Millionen Dollar. Als ich die Abteilung für Bauwesen 1989 verließ, beliefen sich die Kosten auf über einhundert Millionen Dollar, und das Anwesen wächst seitdem weiterhin, während der Betrieb in Brooklyn schrumpft. Obgleich sich der Sitz der Hauptverwaltung der Leitenden Körperschaft von Jehovas Zeugen nach wie vor in Brooklyn befindet, entwickelt sich das Anwesen in Patterson zum Verwaltungsmittelpunkt, von wo aus die weltweite Organisation geleitet wird.

Errichtung eines 30-stöckigen Gebäudes im Hafengebiet

Später wurde ich einem der Architekten als Sekretärin zugeteilt. Er war ein ehemaliger Missionar, der ein 30-stöckiges Mitarbeiter-Wohngebäude für das Bethel in Brooklyn entwarf. Eines Nachmittags, als ich auf einen Aufzug wartete, näherte sich John („Jack“) Barr, ein Glied der Leitenden Körperschaft. Während wir auf den Aufzug warteten, wollte er wissen, was meine Aufgabe war. Ich erzählte ihm, daß unser Bauingenieursteam daran arbeitete, ein Umweltverträglichkeitsgutachten fertigzustellen. Die in diesem umfangreichen Dokument enthaltene Information wurde von der Stadt New York angefordert , um unsere Anfrage betreffs einer Änderung des Flächennutzungsplans bezüglich der von der Wachtturmorganisation geplanten Errichtung des 30-stöckigen Wohngebäudes zu prüfen. In der Gemeinde gab es erheblichen Widerstand gegen die Errichtung eines solch großen Gebäudes im Brooklyner Hafengebiet am East River, gegenüber des flußnahen Wallstreet-Areals in Manhattan, da dies eine Beeinträchtigung dieser weltbekannten Stadtansicht bedeuten würde.

Ich werde niemals vergessen, was Jack mir damals sagte: „Wir haben für dieses Projekt fünfzig Millionen Dollar zurückgestellt, und es ist unglaublich, zu sehen, daß unser Bankguthaben niemals schrumpft.“ Dann fügte er hinzu: „Jehova sorgt dafür“, wobei er mit seiner rechten Hand gestikulierend einer unsichtbaren waagrechten Linie entlang hin- und herfuhr, um anzuzeigen, wie das Geld konstant bleibt. Jedoch sorgte Jehova nicht für die Genehmigung der Änderung des Flächennutzungsplans. Schließlich wurde das Gebäude einige Straßenblocks weiter Inland errichtet, neben den Wachtturm-Fabrikgebäuden, weit weg von dem, was als ideale Lage betrachtet wurde.

Gelegenheiten für Nachforschungen

barbara-anderson-2Da der Bezirk von Brooklyn Heights, wo sich die Wachtturmgebäude befinden, unter Denkmalschutz steht, müssen neue und renovierte Gebäude bestimmten, von der örtlichen Behörde für Sehenswürdigkeiten festgelegten architektonischen Kriterien entsprechen. Mit der Zeit bestand ein wichtiger Teil meiner Arbeitszuteilung darin, Nachforschungen betreffs örtlicher geschichtlicher und architektonischer Fragen anzustellen, damit wir diesen Anforderungen gerecht werden konnten. Die Gebäudesanierungsregeln waren derartig strikt, daß uns zur Auflage gemacht wurde, den Stil der ursprünglich an der vorderen Eingangstür des Bossert-Hotels angebrachten Hausnummern zu replizieren. Viele bezweifelten, daß diese Information noch auffindbar war, doch nach beträchtlichen Nachforschungen in der Denkmalschutzbehörde von Long Island fand ich eine frühe Aufnahme der Hotelvorderseite auf einer Werbeanzeige in einer alten Zeitschrift. Auf ihr waren die Nummern klar genug erkennbar, um repliziert werden zu können. Nach dieser Entdeckung bestand kein Zweifel mehr an meinen Fähigkeiten zur Nachforschung.

1989 wurde ich in die Schreibabteilung versetzt, um für Karl Adams, einem leitenden Redakteur, als Nachforschungsassistentin zu arbeiten. Er war damit beschäftigt, einen Geschichtsbericht unserer Religion zu verfassen, der schließlich in Form der 750-seitigen Chronik „Jehovas Zeugen – Verkündiger des Königreiches Gottes“ in 1993 herausgegeben wurde.

Ein anderer leitender Redakteur, David Iannelli, wurde beauftragt, mit Karl an dem Buch zu arbeiten. An meinem ersten Tag in der Schreibabteilung sah mich David in der Bibliothek der Schreibabteilung allein stehen und kam herbei, um mit mir zu reden. Ich erinnere mich ganz deutlich daran, wie er mir sagte, wie glücklich ich mich schätzen solle, in die Schreibabteilung versetzt worden zu sein. Er sagte, Betheliten wären bereit, zu „töten“, um meinen Job zu bekommen. Ich dachte, ich wüßte, was er meint, und mußte lächeln.

Alle, die ins Bethel kamen, wurden aufgrund ihrer exzellenten „geistigen“ Qualifikationen ausgewählt, die sie durch ihre Beteiligung am Evangelisierungswerk gezeigt hatten. Mir war bewußt, daß die meisten Betheliten, wenn sie hätten wählen können, sich dafür entschieden hätten, ihre gesamte Zeit mit „geistigen Dingen“ zu verbringen, anstatt mit profanen Tätigkeiten, wie sie „draußen“ im Berufsleben üblich sind. Die Schreibabteilung war das Zentrum, um das sich das gesamte Bethel drehte, denn die Wachtturmliteratur bildet das Rückgrat der Religion; mir war also klar, daß die Schreibabteilung der meistbegehrte Arbeitsplatz war.

David bemerkte mein Lächeln und wiederholte seine Worte, diesmal mit mehr Nachdruck. Er sagte: „Ich meine es ernst: Betheliten würden für die Arbeit, die du erhalten hast, jemanden umbringen. Vergiß das nicht!“ Ernüchtert und leicht verwirrt durch diese Worte machte ich noch etwas Smalltalk und entfernte mich sodann, um damit zu beginnen, mich in der Bibliothek zurechtzufinden und meine erste Frage der von Karl erhaltenen Aufgabenliste zu bearbeiten.

Später gab es Zeiten, während derer ich mich fragte, was ich falsch gemacht hatte, so daß Gott mich bestrafte, indem er mich in diese Abteilung versetzen ließ. Dann erinnerte ich mich an Davids Worte. Sicher, ich arbeitete mit einigen außerordentlich guten Menschen zusammen, Menschen, die ich „Freunde“ nannte. Aber hinter den Kulissen gab es einige, die mir nichts Gutes wünschten und die versuchten, meine Arbeit zu sabotieren, da sie meinen Arbeitsplatz wollten, oder die mich weghaben wollten, da ich herausfand, daß sie unredlich waren. In meiner Naivität machte ich Entschuldigungen für Leute, die äußerlich freundlich und hilfsbereit waren, doch deren Hilfe einige Male dazu führte, daß Karl mich zurechtweisen mußte. Nach zwei Jahren in der Schreibabteilung beispielsweise, nach einer besonders schwierigen Situation, die dazu führte, daß eine junge Frau aus der Abteilung entfernt wurde, sagte mir Karl, sie sei nicht der Freund gewesen, für den ich sie hielt, sondern daß sie mir grollte, da ich die Arbeite erhielt, die sie begehrte. Jawohl, David hatte recht, als er sagte, Einige wären bereit, zu „töten“, um meinen Arbeitsplatz zu erhalten.

Von einigen negativen Dingen abgesehen, war die tägliche Arbeit in der Schreibabteilung spannend; meine Tätigkeit umfaßte viele interessante und herausfordernde Aktivitäten. Jede Woche gab mir Karl eine Liste mit zu beantwortenden Fragen, die zumeist mit der frühen Geschichte der Wachtturm Bibel und Traktatgesellschaft bis hin zu deren Anfängen in 1879 zu tun hatten. Dadurch lernte ich eine ganze Menge über meine Religion. Sehr oft entdeckte ich auf meiner Suche nach spezifischen Informationen anderes wichtiges Archivmaterial, welches vor langer Zeit in alten Aktenschränken an verschiedenen Stellen platziert, und dann vergessen wurde.

Überraschende Funde

Eine außerordentliche Entdeckung war, daß William H. Conley, ein Bankier aus Allegheny, Pennsylvania, der erste Präsident der in 1881 gegründeten Wachtturm Gesellschaft war, und nicht Charles Taze Russell. Dies war ein aufregender Fund, denn niemand im Hauptbüro wußte, daß Conley der erste Präsident, noch daß Russels Vater Joseph Vizepräsident, und Charles Taze Geschäftsführer und Finanzdirektor war. Die Ernennung gründete sich auf den Kauf von 10-Dollar-Anteilen. Da ich die Quelldokumente unmittelbar nach Auffinden derselben weitergab, bin ich mir nicht sicher, was die genaue Anzahl von Anteilen betrifft, die Conley kaufte, doch ich glaube, es waren 350 für 3500 Dollar. Jedoch erinnere ich mich, daß Joseph Lytel Rutherford 100 Anteile für 1000 Dollar, und Charles Taze 50 Anteile für 500 Dollar kaufte. Als ich auf Seite 576 der neuen Zeugen-Geschichtschronik nachschaute, die die Information über Conley enthielt, erschien es mir merkwürdig, daß Karl Adams die Tatsache betreffs der Vizepräsidentschaft Joseph Rutherfords ausgelassen hatte, sowie die Information hinsichtlich der Anzahl von Anteilen, die von jedem damals gekauft worden waren.

Diese wichtigen Tatsachen waren auf der ersten Seite eines kleinen roten, in Karton gebundenen bilanzbuchartigen Heftes eingetragen, in dem ich auch die originale handgeschriebene Organisationssatzung fand. Das Papier war zweifach gefaltet und eine Seite auf der Innenseite des Heftes eingeklebt. Auf der Grundlage von Handschriftenvergleich zweifle ich nicht daran, daß es Maria, die Frau von Charles Taze Russel, war, die diese erste Satzung aufgeschrieben hatte. Ich fand dieses Heftchen in einem alten Aktenordner, in einem Aktenschrank, der sich in einem begehbaren Betongewölbe innerhalb der Wachtturm-Finanzabteilung 25 Columbia Heights befand.

Anläßlich einer meiner häufigen Streifzüge durch alte Aufzeichnungen des Wachtturm-Hauptbüros fand ich im Karteiraum der Geschäftsführung auf dem Boden eines alten Aktenschrankes eine betagte, mit Zwirn umwickelte braune Papiereinkaufstüte. Die Tüte enthielt das Verhandlungsprotokoll des legendären kanadischen Verleumdungs-Gerichtsprozesses von 1913, den Pastor Russel gegen den Geistlichen J. J. Ross angestrengt hatte. Als der Fall am 4. April 1913 vor das Große Schöffengericht kam, entschied dieses gegen Verhängung einer Strafanzeige, da es nicht genügend Beweise für die Aufrechterhaltung einer Anklage gab, und der Fall wurde eingestellt (Brooklyn Daily Eagle, 8. Juli 1916 Seite 12). Kurz zuvor wurde mir gesagt, daß sich vor etlichen Jahren im Archiv der Schreibabteilung eine Kopie dieses Protokolls befand, aber daß es dann verschwand. Ich weiß jetzt, daß meine Entdeckung bestätigt, daß es im Wachtturmarchiv eine Kopie für Karl gab, um eine wichtige Frage zu beantworten, für die sich viele Rechercheure interessierten: Wie beantwortete Pastor Russel die Frage eines kanadischen Gerichts, ob er Griechisch lesen könne. Ich reichte die Tüte samt ihres wichtigen Inhaltes an Karl weiter, ohne irgendwelches Material gelesen zu haben. Es ist sicherlich merkwürdig, daß sich Karl weder dann noch später in dem Zeugen-Geschichtsbuch hinsichtlich dieses beachtenswerten Verleumdungsprozesses äußerte, der damals die Titelseiten führender kanadischer Zeitungen dominierte.

In der gleichen Reihe in einem anderen alten sehr runtergekommenen braunen Papiersack gab es einige hundert vergilbte Briefe und Dokumente, von deren Existenz niemand wusste. Diese Briefe waren an Rutherford geschrieben als Antwort auf Rutherfords Fragen an Bibelforscher (so nannte man die Zeugen vorher) um ihrer Erfahrungen an Verfolgungen im 1. Weltkrieg zu relativieren. Darin erzählten Bibelforscher, wie sie es ablehnten die Fahne zu grüßen und dafür geschlagen, geteert und gefedert und ohne Anklage ins Gefängnis gebracht wurden. Rutherford veröffentliche viele dieser Briefe im Goldenen Zeitalter Magazin, später Trost, heute Erwachet genannt. Ebenfalls waren in dem Sack wichtige Briefe, vergessene Dokumente und interessante Zeitungsausschnitte die sich auf diese schwierigen Jahre bezogen.

 

In vier alten Schreibtischen mit Ordnern im gleichen Bürotrakt fand ich eine Menge von unterschiedlichen Bildern und Postkarten. Darin waren Bilder von Kongressen, professionelle und private Fotos des dritten Präsidenten, Nathan Homer Knorr , bildpostkarten an Knorr andressiert auch eine von seine Frau Audrey bevor sie heirateten. Auch waren darin niemals veröffentlichte Studio Fotos von Charles Taze Russell. Ein besonderer Fund war das erste von 16 Fotos die man je im Hauptquartier gesehen hat, außen und innen Aufnahmen des frühen Bibelhauses mit vielen Fotos von Pastor Russell, wie er an seinem Schreibtisch sitzt.

In einem dieser Ordner fand ich persönliche Fotos von Josef F Rutherford, dem zweiten Präsidenten. Das waren für mich abscheuliche und widerliche Entdeckungungen. Rutherford war in einem dunklen einteiligen armlosen Badeanzug, der ihn bis zu den Hüften kleidete so wie es in den Zwanzigern üblich war. Er hatte einen großen Bauch und erschien als ob er Freude daran hat, von einem großen Patio den Ozean zu übersehen. Auch gab es Leute, die auf Sofas lagen. Ein Foto, das ich nicht vergesse – eine Nahaufnahme, wo er die Zunge so weit wie möglich rausstreckt. Das war für mich schlimm.

Ich ging auch durch die Akten aus der Zeit des 4. Präsidenten, Fred Franz, als er schon blind war und sein Büro nicht mehr brauchen konnte. Ich fand Briefe von Rutherford aus den 30igern an Franz. In einem Brief fragte Rutherford um Fragen aus der laufenden WT Ausgabe zu beantworten. In jeder Ausgabe gab es ja die Rubrik „Fragen von Lesern“. Der Brief bestätigte mir, dass Franz seit 1926 zum Stab der Herausgeber der Schreibabteilung gehörte und Bibelforscher sowie Schreiber der Publikationen der Gesellschaft war und alle Fragen im WT beantwortete. Jedoch wurde Rutherford alles zugeschrieben. Das wunderte mich nicht, da Rutherford ja beanspruchte 23 Bücher und 68 Broschüren geschrieben zu haben obwohl Franz sie ja schrieb.

Der Olin Moyle Gerichtsfall

In der Bücherei der Rechtsabteilung fand ich 2 Bände, die die Abschrift eines Rechtsfalles im Oktober 1940 – Olin R. Moyle gegen 12 Wachtturm Direktoren, WTBS von Pennsylvanien und WTBS Inc von New York betrafen. http://www.manfred-gebhard.de/19392Moyle.htm

Ich las die Bücher, sah, das Moyle seinen Rechtsfall im Gericht gewonnen hatte und das Gericht ihm 30.000 Dollar Vergütung zusprach. Da ich den Rechtsfall nicht kannte, brachte ich die Bände dem Karl Adams der sehr überrascht war, was ich ihm aushändigte. Er bestätigte, dass er keine Kenntnisse von dem Rechtsfall hatte, der bis 1943 ging. Ich fand es schon komisch, zu glauben, dass Karl nichts über diesen Fall wusste, da er damals 41 Jahre alt war, als der Prozess stattfand und er nur ein paar Jahre später die Mitarbeit im Bethel aufnahm, zu einem Zeitpunkt, als das Moyle Urteil unter den Zeugen immer noch gut bekannt war. So wichtig auch der Fall war, er wurde nicht im Geschichtsbuch der Zeugen abgehandelt.

Nachdem ich das Bethel verließ wurde mir diese Frage von 2 prominenten Ältesten und deren Frauen gestellt als ich Burbank in Kalifornien besuchte. Es war mein Job als Hauptgeschichtsforscher des Zeugenbuches das sie faszinierte und auch der Grund, dass sie zum Abendessen von meinem Gastgeber geladen wurden.

George Kelly, ein langjähriger Zeuge, den ich an diesem Abend traf war der persönliche Sekretär im Bethel des wohl bekannten Zeugen Anwalts Hayden C. Covington (In 138 Fällen die dem Obersten Gericht in Sachen Zeugen Jehovas zugingen, bearbeitete er 111 Fälle).

Olin Moyle war der Anwalt der Wachtturmgesellschaft von 1935 bis Rutherford ihn 1939 rauswarf und durch Covington ersetzte, der die Gesellschaft in der 1940 Flaggengruß Frage in öffentlichen Schulen im MInersville School District vertrat.

Der andere Mann, der Kelly in das Burbanker Haus eines prominenten Ältesten begleitete wo ich Gast war, war Lyle Reusch, auch ein langjähriger Zeuge in den USA und besonderer Repräsentant der WTBS in den USA der 1935 seinen Vollzeitdienst im Bethel begann. Beide erklärten ihre Enttäuschung und Missfallen darüber, dass der Moyle Fall nicht im Geschichtsbuch der Zeugen von 1993 aufgenommen wurde.

Sie waren beide sehr interessiert zu erfahren, wie die Führer der WTG und speziell Rutherford ihren eigenen Zeugen Anwalt im Wachtturm bloßstellten.

Was den Fall anbelangt, zeigt der Bericht, dass Moyles Probleme damit begannen, dass er Rutherford einen persönlichen Brief schrieb in dem er seine Abneigung gegen Rutherfords ausgefallenen Trink- und Verhaltensgewohnheiten gegenüber anderen kritisierte, ein Verhalten, dass er persönlich beobachtete und daraus schwere Anklagen erhob. Arthur Worsley, ein langjähriger Bethel Mitarbeiter, der Kelly und Resuch gut bekannt war, war einer der Leute, die gegenüber Moyle Klage wegen der Übertretungen Rutherfords erhoben. Rutherford war so verletzt von Moyles Kritiken, dass er ihn und seine Frau aus dem Bethel warf und ihre persönlichen Dinge sofort auf den Bürgersteig stellte. Darüber war Moyle entsetzt, doch die Fakten zeigten, dass er nicht gleiches mit gleichem bezahlte.

Rutherford und seine Kollegen unterstellten im Wachtturm Moyle einen schlechten Charakter, was Moyle dazu veranlasste eine Klage gegen alle beteiligten Parteien anzustreben.

Ich nannte den Namen von Arthur Worsley und Kelly und Reusch bestätigten mir, dass ein falsches Zeugnis in der Untersuchung gegeben wurde. Ich erzählte ihnen, dass ich mit Arthur Worsley nach dem Lesen des Manuskripts gesprochen habe – über seine Aussage zur Wachtturm Verteidigung. Olin Moyle beschwerte sich darüber, dass an einem Morgen im Frühstücksraum des Bethels Arthur Worsley ungerechtfertigter Weise öffentlich ohne Grund von Rutherford angegriffen wurde.

In der Gerichtsverhandlung jedoch nahm Arthur Worsley diese Aussage zurück und behauptete dass die Anklage Rutherfords berechtigt gewesen sei. Er sagte, die Zurechtweisung wäre legal gewesen, was Moyle überraschte.

Ja, Arthur Worsley erzählte uns diesen Zwischenfall im Frühstücksraum und verdammte Rutherford für die Erniedrigung. Wir erklärte warum er vor Gericht unter Eid aussagte, keine ausfallende Äußerungen von Rutherford am Betheltisch gehört zu haben, oder warum er verneinte, dass der Brandy am Tisch glorifiziert wurde, wo er uns doch tatsächlich das Gegenteil darlegte.

Auf den Punkt gebracht: er fürchtete Rutherford würde ihn ebenfalls aus dem Bethel rausschmeißen wenn er Moyles Klage unterstütze und er hat doch niemanden wo er dann Unterkommen könne. So sagte er vor Gericht die Unwahrheit aus Angst vor Repressalien von Rutherford. Trotzdem entschied das Gericht, dass Rutherford und andere WT Manager der üblen Nachrede schuldig waren. Arthur erzählte, dass die WT Offiziellen sehr wütend darüber waren, Moyle 30.000 Dollars zahlen zu müssen und dass sie es in Silbermünzen auszahlten und ihn Judas nannten.

Diese Moyle Historie zu ignorieren bedeutete, dass der Wachtturm eine böse und unerfreuliche Geschichte nicht weißwaschen konnte und das würde das fragliche Bild der Organisation infrage stellen. Eines war an diesem Abend klar, diese Brüder drückten ihr Missfallen an dem Moyle Rechtsfall aus und erkannten den offensichtlichen historischen Revisionismus der WT Führer als unverhohlene Geschichtsfälschung an, wo das Vorwort doch in dem Buch davon spricht, dass es „objektiv und ehrlich sei“

Suche nach Antworten

Einmal gab mir Karl Adams Teile der Scheidungspapiere von Russell, besonders das vom Kreuzverhör. Er gab mir nicht das Protokoll vom Kreuzverhör der Maria Russell. Ich fragte auch nicht warum. Jahre später las ich es aus Neugier. So wurde mir ersichtlich, warum Karl Adams es mir nicht gab, der Grund war die Aussagen der Maria. Er konnte sich vorstellen das ich erstaunt sein würde wenn ich lesen würde dass das Gericht glaubte Russell sei schuldig. Sie bewies dass die schmutzigen Gerüchte die ihr Gatte Russel über sie verbreitete nicht der Wahrheit entsprachen. Er behauptete, sie wäre eine Kämpferin für Frauen Rechte (damals eine schmutzige Beleidigung), dass sie darauf aus sei den Wachtturm zu kontrollieren (die Zeitschrift) und dass sie ihn verließ, weil sie prominent sein wollte. Bis heute werden diese Falschanklagen gegenüber der Frau Maria Russell von der Wachtturmorganisation aufrechterhalten.

Weiter erforschte ich, dass Charles Taze Russell und seine Frau eine Zöllibatsehe eingegangen waren. Das war für mich total überraschend. Als ich nachfragte, ob das mit ins Buch eingearbeitet werden sollte sagte die Leitende Körperschaft „nein“ weil es Brüder zum Straucheln bringen könne. Eine Hauptlehre der Zeugen ist es, das mit dem Wegsterben der Apostel Ende des 1. Jahrhunderts ein großer Abfall aufkam, der Scheinchristen hervorbrachte aus denen die katholische Kirche hervorging. Dem gegenüber behaupten die Zeugen, dass es immer „wahre“ Christen auf Erden seit dem Tode des letzten Apostels bis in die Tage von CT Russell gab und dass er und seine Mitstreiter sich eng an die Lehren Christi und der Apostel hielten. Ein denkwürdiges und langes Dokument stammt von Karl Adams, der so wahre Christen identifiziert.

Meine Nachforschung ergab, dass es vier Punkte oder Standards gab, welche die „Söhne des Königreiches“ miteinander verband. Drei davon waren die Zurückweisung der Dreieinigkeit, das Höllenfeuer und die Unsterblichkeit der menschlichen Seele. Jedoch war der vierte Standard der schwierigste. Es musste das Lösegeld Christi akzeptiert werden, so wie es Jehovas Zeugen definieren.

Die Schreibabteilung holte viele Bücher rein. Es war faszinierend zu lesen, wie die Lollarden, die Waldenser, Sozinianer und Anabaptisten und die arianische Bewegung so dachten.

Als Folge der Analyse erfuhr Karl Adams von mir die überzeugenden Fakten, dass es diese Generation wahrer Christen basierend auf die Standartlehre nicht gab. Karl Adams schloss das Projekt ab und versprach, diese Untersuchung würde nie wieder gemacht werden wobei diese Lehren immer noch existieren und nicht verworfen wurden.

Schließlich hieß es im Buch „Jehovas zeugen – Verkünder von Gottes Königreich“ :

Wahres Christentum war zu keiner Zeit gänzlich ausgelöscht. Über die Jahrhunderte gab es immer solche, die die Wahrheit liebten“ und dann fügte man die Namen solcher Personen bei.

 Gründe der Anklage gegen Rutherford

In einem anderen Papier, das Karl mir gab, untersuchte ich die 1917-1918er Periode um zu sehen, was zur Anklage gegen Rutherford und seiner Mitgenossen durch die Vereinigten Staaten führte. Es ging um das Spionagesetz vom 15.5.1917 und dem Versuch diesem zu entsprechen, auch die Ablehnung der Rekrutierung und den Einzug in den Militärservice der USA während des 1. Weltkrieges. Als Rutherford erfuhr, dass die Regierung die Seiten 247-253 im Buch „Das vollendete Geheimnis“ im Fokus hatte, ließ er diese Seiten aus allen Kopien herausschneiden. Später, als er erfuhr, dass die Verbreitung des Buches eine Verletzung des Spionage Gesetzes sei, stellte er die Verbreitung ein.

Trotz all seiner Bemühungen wurden Rutherford und 7 andere seiner engsten Mitarbeiter zu langen Gefängnisstrafen im Bundesgefängnis verurteilt aber kurz nach Kriegsende wieder frei gelassen.

Als Karl Adams und ich Rutherfords Protokolle im Fall „Rutherford / USA“ lasen, waren wir ziemlich platt über die Liebesdienerei und versöhnlichen Aussagen mit denen er das Gericht aber auch die Regierung mit sich versöhnen wollte, eine Regierung, die er vorher als „satanisch“ bezeichnete. Er war bemüht, die Regierung auf jedem erdenklichen Wege zu besänftigen. Wie Karl Adams es feststellte, war Rutherford schuldig, seine Integrität als Christ aufgegeben zu haben indem er Kompromisse machte. Wir kamen zu der Schlussfolgerung dass Rutherfords Schuld in der Sache der Grund war, weshalb er nach Haftentlassung mit voller Wucht nun vielmehrt das Königreich verkündete, ganz gleich, ob dies Verfolgung für die Brüder bedeutete oder nicht.

 

Eines war durch meine Forschung klar geworden. Rutherford machte sich daran, Probleme zu schaffen indem er Religion und Regierungen sowie Geistliche anging und die Geistlichen dadurch aufstachelte Taten gegen die individuellen Bibelforscher zu unternehmen. So konnte er laut „Verfolgung“ schreien.

In den 2 Jahren, wo ich Karl Adams zuarbeitete in Forschung der Geschichte habe ich manche Überraschung zutage gebracht, gute und schlechte über die Organisation. Trotz der Dinge wurde mein Glaube nicht in Zweifel gezogen. Doch ich war enttäuscht über das Verhalten der Organisation. Jedoch war es meine Natur, den Dingen die ich gelehrt bekam zu vertrauen. Das Verhalten der Wachtturmführung sah ich als menschliche Unvollkommenheit an und nicht als Beweis dafür, dass die Glaubensgemeinschaft als Ganzes falsch ist.

 Nicht zu vergessende Personen

Als ich erfuhr, dass ich Teil der Schreibabteilung werden sollte, dachte ich, es wäre ein Vorrecht täglich mit den meist geistlich tätigen Männern zusammen zu arbeiten, Männern, die die Herde mit aktueller geistiger Speise versorgten. Die Direktoren der Schreibabteilung waren 3 Mitglieder der Leitenden Körperschaft: Lloyd Barry, Jack Barr und Karl Klein.

Der Hochschulabsolvent Lloyd Barry war der Kopf der Abteilung (er begann dort 1992 mit dem Bemühen jungen Zeugen höhere Bildung auszureden, eine Ansicht, die 2005 im November geändert wurde). Ich mochte ihn sehr. Eines Tages erzählte ich ihm, dass ich gern die Korrespondenz mit dem Neuseeland Zweigbüro las. Er wollte unbedingt sofort wissen, wie es ist, vertrauliche Dinge zu lesen. Er vergaß, dass ich im Auftrage von Karl Adams das tat. Als ich ihn daran erinnerte, musste er lachen.

Lloyd Barry war aus Neuseeland und ich las einen Bericht über den Missionar Frank Dewar der Neuseeländer war und der auf seinen Evangelienreisen in Indonesien der 1930er Jahre mich an den Charakter von Crocodile Dundee erinnerte. Kein Berg war hoch genug, kein Fluss tief genug um Frank von der Verkündigung der Botschaft abzuhalten. Lloyd Barry erzählte mir, das Frank Dewar sein Lieblingsmissionar war.

In dem neuen Buch auf Seite 446 eröffnete Karl Adams dass Frank Dewar auf dem Weg nach Siam war und er einen Halt in Kuala Lumpur einlegte bis er genug Geld zusammen hatte die weitere Reise anzutreten. Dort hatte er einen Unfall – ein LKW holte ihn vom Fahrrad. Nach seiner Erholung mit nur 5 Dollars in der Tasche bestieg er den Zug von Singapur nach Bangkok. Im Glauben und Vertrauen an Jehova fuhr er im Werk fort.

Doch in dem Buch wurde die menschliche Not in der er sich danach befand nicht erwähnt. Nachdem Unfall wurde er bewusstlos und erwachte in einem Bett in einem runtergekommenen Hotel das, wie Frank später erfuhr, sehr anrüchig war. Dort wurde er gepflegt bis er gesund war – von freundlichen Huren. Es wäre eine ehrliche Geschichte in dem neuen Buch gewesen, die man aber lieber weg ließ. Freundliche Huren die sich mehr um einen Missionar der Wachtturmgesellschaft kümmerten als die Wachtturmgesellschaft selber, passte nicht in ihr Bild.

1989 war es mir klar, dass Karl Kleins beste Jahre hinter ihm lagen. Er war senil, kränklich und ganz infantil, ein Mann den die Leute mieden wegen seiner besonderen Art zu sprechen offensichtlich exzentrisch aufgrund des Alters. Gierend nach Aufmerksamkeit kam Karl Klein 1992 eines Tages und sagte mir und anderen Gliedern der Schreibabteilung aufgeregt etwas über den Vorschlag, den er der Leitenden Körperschaft machte und der neues Licht werden sollte obwohl solche Vorabenthüllungen verboten waren.

Zum Frühstück vor 6000 anwesenden Bethelmitgliedern im gemeinsamen Frühstücksraum hörte man, dass Jehova eine Rechtfertigung durch Menschen nicht benötigte wobei sein Hauptziel die Rechtfertigung seiner Souveränität sei. Die Zeugen predigten seit 1935, dass Jehovas Hauptziel nicht die Rettung des Menschengeschlechtes sei, sondern die Rechtfertigung seines Namens. Karl Klein versicherte nun, nach siebenundfünfzig Jahren, dass wir wüssten, er wäre Gottes Seher in dieser Sache und aufgeregt erzählte er jedem, der ihm zuhörte, dass dieser Wechsel durch ihn offenbar wurde.

Jack Barr, den wir als persönlichen Freund betrachteten, war ein freundlicher Mensch, aber lief in Barrys Schatten und tat das, was dieser ihm sagte. Unglücklicherweise war er schwach, nicht wie der sprichwörtliche „Wolf im Schafspelz“, sondern eher ein „Wölfchen“.

Barrs schwache Gesinnung bewies er, als Lloyd Barry außerhalb der Stadt war und Barr die Druckabteilung davon abhielt, die Anweisungen Ted Jaracz, die Erwachet!-Ausgabe vom

8. April 1992 nicht zu drucken, zu befolgen, weil diese Material enthielt, die Jaracz nicht unterstützte – obwohl er nicht dazu berechtigt war, eine solche Anforderung zu stellen.

Die Aufgabenzuteilung jedes Mitglieds der leitenden Körperschaft war klar definiert und die redaktionellen Entscheidungen der Schreibabteilung waren nicht die Angelegenheit von Jaracz, so wie die Entscheidungen der Dienstabteilung, die unter Jaracz Führung standen, nicht die Angelegenheit von Barry, Barr oder Klein waren.

Irgendwann beschwerte ich mich bei Jack Barr über ein notorisch unausstehliches aber höhergestelltes Mitglied der Schreibabteilung, das gerade zum Assistenten der Leitenden Körperschaft ernannt wurde. Der Mann bedrohte mich, weil er dachte, Ich wäre neugierig aufgrund seiner Beteiligung bei dem Verschwinden eines sehr wertvollen Gegenstands, das von der Gesellschaft geliehen war.

Ich dachte die Situation würde in eine Untersuchung führen, bei der sein unethisches Verhalten dafür sorgen sollte, dass dieser Mann von seiner Position entfernt werden würde. Nachdem mich Jack Barr angehört hatte, informierte er mich darüber, dass seine Ernennung unumstößlich sei, weil „er vom heiligen Geist ernannt wurde“, damit versäumte Jack Barr immer das Richtige zu tun.

Eine Freundschaft in der Schreibabteilung, die mir immer in Erinnerung bleiben wird ist die mit Harry Peloyan, einem höhergestelltem Schreiber und Herausgeber der Zeitschrift Erwachet!

Harry war Harvard Absolvent und gehörte zur Bethel Besetzung seit 1957. Unter Harry grauem Haar versteckte sich ein scharfer Verstand und seine Intelligenz schien im Alter nicht nachzulassen. Diese talentierte und charismatische Person wechselte zu der Religion der Zeugen Jehovas, als er ein junger Erwachsener war. Er sagte, dass dieser Schritt ihn einiges kostete, weil er einen gut bezahlten Job aufgab um ins Bethel zu gelangen und sein wohlhabender Vater ihn enterbte, als er nicht bereit war seinen Glauben als Zeuge aufzugeben.

Bis zu diesem Tag ist Harry Peloyan immer noch davon überzeugt, dass nur die Zeugen die „Wahrheit“ besitzen. Wie dem auch sei, durch unsere Gespräche kam ich zu dem Schluss, dass seine Meinungen und Glaubensansichten nicht in Stein gemeißelt waren. Er war schnell bereit seinen Standpunkt zu wechseln, wenn er glaubte, dass eine theologische Lehre oder eine organisatorische Regel nicht schriftgemäß war.

Es war immer eine Freude, sich mit Harry Peloyan über Themen zu unterhalten, bei denen wir beide mit Leidenschaft diskutieren konnten, ob sie religiös oder weltlich waren, obwohl wir nicht immer einander zustimmten, behandelten wir die Meinung des anderen immer mit Respekt.

Immer wieder färbten sich seine Knöchel rot, wenn er seine Hände fest an seinen Tisch klammerte, während er bei einer belebenden Diskussion für einen Standpunkt argumentierte. Seine Wut auf jene, die dem Wechsel zu einer barmherzigeren Organisation im Weg standen, brodelte unter seiner scheinbar ruhigen Äußerlichen Erscheinung und konnte schnell explodieren, wenn er verärgert wurde.

Wir sprachen über Kindererziehung und den Freuden und dem Ärger, die diese mit sich bringt, obwohl Harry und seine liebe Frau Rose, die 2005 gestorben ist, keine Kinder hatten. In den 1990ern war es ein Erwachetartikel geschrieben, in denen gezeigt wurde, wie das Anwenden von biblischem Rat das Leben verbessern würde. Als unser Sohn uns einen gedankenreichen und freundlichen Brief der Wertschätzung für seine wunderbare Erziehung als Zeuge schrieb, druckte Harry Peloyan es auf der Rückseite des Erwachtet! vom 8. August als ein Beispiel der erfolgreichen Kindererziehung durch Eltern, die den Rat der Bibel befolgten.

Es gab immer Bedarf an frischen und neuen Ideen um Menschen weiterhin dafür zu begeistern, die Wachtturm-Literatur zu lesen. Darum beobachtete ich, dass Harry Peloyan sich mit einem großen Kreis von Freunden in der Hauptstelle und auch mit Außenstehenden über aktuelle Probleme und interessanten Themen austauschte. Er war einer der vielen Mitglieder der Schreibabteilung, die sich leise darüber beschwerten, dass zu viele Leute, die die Zügel in der Hand hielten – die meisten der leitenden Körperschaft eingeschlossen-, in einem Gemütszustand der 1950er feststeckten.
Meine Beobachtung war, dass die Jahrzehnte des abgeschirmten Lebens im Bethel die Führer der Wachtturmgesellschaft in ihrem Einfühlvermögen einschränkten, und sie nicht sehen konnten mit welchen komplizierten und bedrückenden gesellschaftlichen Problemen sich die Herde konfrontiert sah. Und diese naiven Männer glaubten, die Erleuchtung käme nur durch sie.

Während der Zeit, in der ich für Karl Adams Antworten auf nachzuforschende Fragen anbot, las Harry Peloyan zufälligerweise etwas von meinem Material und bemerkte, dass ich ein wenig Talent für das Schreiben hatte. Unter seiner und Colin Quackenbushs Anleitung schrieb ich entweder einen Teil oder alle sieben Artikel für Erwachet! Die meisten dieser Artikel wurden von mir erforscht und geschrieben, nachdem mein Arbeitstag um war. Mit der Zeit realisierte ich, dass viele Erwachetartikel von Männer und Frauen außerhalb der Schreibabteilung erstellt wurden und durch die wirklichen Mitglieder der Abteilung nur überarbeitet wurden.
Harry Peloyan, dessen Schreibtisch immer frei von Arbeit zu sein schien, nutzte immer wieder außenstehende Autoren für Artikel, die ihm zugewiesen wurden und die er dann unter seinem Namen veröffentlichte. Ich frage mich bis zu diesem Tag, ob er überhaupt eines der Bücher und der Broschüren geschrieben hat, von denen er sagte, er habe sie geschrieben. Selbst wenn Harry Peloyan dieses Material nicht geschrieben hat, hat er überhaupt irgendwann die zitierten Quellen geprüft, ob sie tatsächlich die gemachten Aussagen unterstützten? Alan Feuerbacher, ein Kritiker der Wachtturm-Theologie, dokumentierte viele Zitate aus Harrys angeblichen Veröffentlichungen, die aus dem Kontext herausgerissen worden waren.
Ich würde gerne daran glauben, dass Harry Peloyan ein verantwortungsbewusster Schreiber war und er sich nicht dessen bewusst war, dass diese Zitate durch die, die ihre Artikel an ihn überreichten, aus dem Kontext herausgerissen wurden.

Respekt für Frauen

Harry Peloyan war gegen die Dominanz und Tyrannei von Frauen und Kinder durch unbeugsame gebieterische und patriarchalische „Männern im Glauben“, die die Bibellehren als eine Peitsche benutzten. Wir beide kannten Informationen über viele unglückliche Zeuginnen die sich über ihre Männer und dem Missbrauch ihrer Autorität als Haupt beschwerten.

Ich erinnere mich daran, dass ich 1992 in Harrys Büro war, als ich ihm und einem weiteren leitendem Schreiber, Eric Beveridge, erzählte, was ich von Zeuginnen während meinem Urlaub hörte. Nach ihrer Auskunft, behandelten zu viele Männer in der Organisation Frauen respektlos und als ihre Untergebene. Eine erboste Frau erzählte mir über eine Zeugin, die behauptet hat, sie sei von einem Mann vergewaltigt worden – der ebenfalls Zeuge war – während sie sein Haus säuberte. Als er befragt wurde, gab er den Ältesten gegenüber zu, dass sie Sex hatten, aber er sagte es sei einvernehmlich gewesen und er beteuerte seine Reue.

Sie leugnete, dass es einvernehmlich war und sagte, sie sei vergewaltigt worden. Sie wurde wegen Lügen ausgeschlossen, er wurde nicht ausgeschlossen, weil er seine Sünden zugab und bereute. Zeuginnen, die den Beschuldigten kannten, waren aufgebracht, weil er keinen guten Ruf hatte und sie glaubten, er sei nicht vertrauenswürdig. (Übrigens berichtete niemand diese Vergewaltigung an die Obrigkeiten)

Harry Peloyan und Eric Beveridge waren nicht sehr glücklich über meine Geschichten. Die Diskussion brachte Harry dazu, Eric zu erlauben eine Erwachet-Serie zu schreiben, die das „Frauen Problem“ ansprechen würde und beauftragte mich, die Forschungen darüber anzustellen. Das Ergebnis war die Erwachet- Ausgabe vom 8. Juli 1922?, eine 15seitige Serie von Artikeln, die Hauptüberschrift auf der Titelseite lautete: „Frauen verdienen Respekt“.
Nachdem dieser Erwachet veröffentlicht wurde, erhielten wir viele Briefe der Wertschätzung von Frauen. Besonders beunruhigend war uns die Tatsache, dass 75% der Briefe nicht unterschrieben waren, weil die Frauen sagten, sie seien verängstigt über eine mögliche Heimzahlung zu Hause und in der Versammlung, falls der Wachtturm ihre Briefe an die Ältesten in ihrer Heimatstadt schicken würden , um der Sache nachzugehen.

Erwachet- Artikel bespricht Kindesmissbrauch

Die Organisation hat eine Verschwiegenheitsrichtlinie, die forderte, dass jeder Zeuge, der in irgendeinem Rechtsfall involviert war, nur mit dem Rechtskomitee darüber sprechen darf und ansonsten schweigen sollte. Dementsprechend hörte ich etwa erst um 1984 das erste Mal von Kindesmissbrauch innerhalb der Organisation!

Eine junge Frau, mit der ich in der technischen Planungsabteilung arbeitete, erzählte aufgeregt einer Gruppe von uns über einen bekannten Ältesten einer Versammlung im hinteren Teil New Yorks, der sie angehörte, bevor sie ins Bethel zog, der wegen Pädophilie festgenommen wurde. Ich fand später heraus, dass der Kinderschänder verurteilt wurde und für drei Jahre ins Gefängnis musste.

Dieser bekannte und charismatische Älteste missbrauchte seine Tochter und viele andere junge Mädchen in seiner Versammlung über viele Jahre hinweg und drohte, sie sollten niemandem etwas erzählen – ein Kunststück, das bei Kindern leicht ausgeführt werden kann, wenn man eine Autoritätsfigur darstellt. Zu dieser Zeit dachte ich, dass dieses Verhalten eine Ausnahme gewesen sei, doch fand ich später heraus, wie falsch ich gelegen hatte.

Der Beweis, dass es viel mehr Fälle als den obengenannten gab, bei denen Kinder von Zeugen Jehovas belästigt und missbraucht wurden und zum Schweigen gebracht wurden, war die Freigabe einer Reihe von Artikel im Erwachet vom 22. Januar 1985, bei denen die Überschrift lautete:“Kindesmissbrauch, der Albtraum jeder Mutter“. Durch meine vergangenen Erfahrungen mit der Schreibabteilung wusste ich, dass es zweifelhaft war, dass die Gesellschaft eine ganze Reihe von Artikeln diesem Thema widmen würde, es sei denn, die Offenbarungen über den Kindesmissbrauch würden innerhalb der Zeugen Organisation steigen und die Führer wussten, dass Eltern Anweisungen benötigen würden, wie sie ihre Kinder dafür bewahren konnten missbraucht zu werden und wie sie die Zeichen eines Missbrauchs oder Belästigung erkennen konnten.

Trauriger Weise, wurde in den Artikeln kaum Informationen geboten, um Hilfskräften und Opfern zu helfen mit den Auswirkungen eines Missbrauchs umzugehen. Mehr noch: Es gab nie eine Anordnung einen Missbrauch sofort den Behörden zu melden. Tatsächlich waren es in dem angegebenem New Yorker Fall die Beamten der Schule, die die Behörden über den sexuellen Missbrauch von einem der Kinder in Kenntnis setzten.

Kurz nachdem ich meine Arbeit an dem Zeugen Geschichten-Buch beendet hatte, erschien eine Reihe von Artikeln im Erwachet vom 8. Oktober 1991 – schon wieder über den Umgang mit Kindesmissbrauch. Der Titel der Deckseite lautete: “Die Wunden von Kindesmissbrauch heilen“. Dieser Erwachet enthielt Informationen, die speziell helfen sollten Missbrauchsopfern zu unterstützen, sich von den verheerenden Nachwirkungen des Missbrauchs zu erholen. Zusätzlich, wurden Informationen bereitgestellt, mit denen versucht wurde, den Familien und Freunden zu verstehen zu helfen, warum das Verhalten mancher Missbrauchsopfer so schädlich sei.

Meine Reaktion auf diese Artikel war wahrscheinlich so wie bei den meisten Zeugen Jehovas: Ich glaubte dies sei die Information, die helfen würde die anhaltenden Folgen eines schrecklichen Verbrechens zu mildern. Die meisten von uns nahmen an, die Gründe für diese Artikel sei die wachsende Berichtserstattung in den Medien der 1980ern, die die kleinen dreckigen Geheimnisse über Kindermissbrauch in Kirchen und anderen Organisationen aufdeckten.

Nachdem dieser Erwachet veröffentlicht wurde, erhielten die Zweigstellen tausende Briefe und Anrufe, die die Wertschätzung und Dankbarkeit gegenüber der leitenden Körperschaft ausdrückten, für diese hilfreiche Serie von Artikel, die es enthielt. Interessanterweise erhielt der Artikel vom 8.10.1991 mehr Leserbriefe als jeder andere Artikel in der Geschichte – sogar mehr als der emotionsgeladene Artikel vom 8. Juli 1990, der betitelt war: “Tierversuche ,Richtig oder Falsch“

Kindermissbrauchsprobleme der Wachtturmgesellschaft

Ende 1991, erzählte mir Harry die Einzelheiten darüber, was dazu führte, dass dieser Erwachetartikel genehmigt und geschrieben wurde. Mit der Befürwortung von Lloys Barry, der den Schreiber Lee Waters jr beauftragte wurde der Artikel verfasset. Lee war als ein mitfühlender Mann bekannt, besonders sensible was den Bedarf und die Rechte von Minderheiten anging. Harry sagte, dass er und Lee eine Abhandlung mit dem Titel „Weiterziehen, Hilfe für Zeugen Fragen zur Handhabung von Missbrauch und Viktimisierung in ihrem Leben“ (http://www.silentlambs.org/education/movingforward.htm) gelesen hatten, die unter Zeugen im Jahr 1989 bis 1990 umherging. Ich kann nicht sagen, wie diese Abhandlung es bis in die Schreibabteilung geschafft hatte, aber es hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Er war von einer Zeugin geschrieben worden, Mary Woodard, die die Folgen eines Kindesmissbrauchs anhand ihres eigenen Beispiels und dem anderer Zeuginnen besprach. Mary wurde durch einen Ältesten aus Florida kontaktiert und eingeladen in die Schreibabteilung zu kommen um das Thema mit Harry und Lee zu besprechen und ihr Wissen war die Basis für die Missbrauchs-Artikel in der Erwachetausgabe vom 8.Oktober 1991.

2003 hatte ich eine lange Konversation mit Mary Woodard, von der Harry sagte, sie habe bereits 1992 Selbstmord begangen, was offensichtlich nicht stimmte den sie nahm die Einladung in die Schreibabteilung zu kommen gerne an. Sie zeigte mir ebenfalls privaten Briefverkehr, den ihr Lee sendete, als er die Artikel vorbereitete.

In diesem Erwachet-Artikel wurde jedoch nicht die Anschuldigungen von Kindesmissbrauchsfällen erwähnt die von Männern begangen wurden, die Zeugen Jehovas waren, die aber von großer Bedeutung sind. Die Berichte waren zu zahlreich um sie zu ignorieren. Ich erfuhr später, dass es für die Mitglieder der Zeugen Jehovas in unseren Versammlungen eine Ausnahmeregelung gab, die Behörden über Anschuldigungen von Missbrauch und Belästigungen zu informieren.

Wie auch immer, niemand den ich in der Schreibabteilung kannte drückte seine Unzufriedenheit über die Anweisung aus, Missbrauch den Behörden nicht zu melden, mich eingeschlossen, weil wir der Ansicht waren, dass „Gottes Organisation“ eine weit bessere Lösung für dieses Problem hatten als jede staatliche Behörde. Außerdem wussten wir, dass der Gang zu den Behörden dem Ruf der Zeugen Jehovas in den Dreck ziehen würde.

Meistens wurden solche Anschuldigungen geheim durch Rechtskomitees innerhalb der Versammlungen bearbeitet. (Wenn die Ältesten einer Versammlung von einem mutmaßlichen Fehlverhalten eines ihrer Mitglieder hören, treffen sie sich und beauftragen drei oder mehr von ihnen ein Rechtskomitee zu bilden, das sich um die Angelegenheit kümmert).

Wenn also die Anschuldigungen eines Opfers angezweifelt wurden, und Pädophile nicht bestraft wurden, waren unzufriedene Zeugen dazu angehalten ihre Meinung für sich zu behalten, sonst sie würden selbst bestraft werden. Daraufhin wurden manche verbittert, aber blieben still – überzeugt, dass ihr Missbrauch ein ungewöhnliches oder seltenes Vorkommnis in der „Organisation Gottes“ gewesen ist. „Warte auf Jehova“, bekamen unzufriedene Mitglieder zu hören, da er alle Tränen in dem künftigen irdischen Paradies von ihren Augen abwischen werde.

Sobald ich meine Arbeit an dem Geschichtsbuch der „Organisation Gottes“ gegen Ende 1991 beendet hatte, wurde ich beauftragt Nachforschungen für die Kunstabteilung anzustellen, aber innerhalb ein paar Monate, kam Jack Barr in mein Büro um mich darüber zu informieren, dass Harry und andere leitende Schreiber des „Erwachet!“ meine Hilfe bei einer Recherche angefragt hatten.

Wie es sich bereits 1992 abzeichnete erfuhr ich durch die Schreibabteilung immer mehr über die ernsten Probleme, die den sexuellen Missbrauch von Kindern innerhalb der Versammlungen der Zeugen Jehovas in der ganzen Welt betrafen.

Bald genehmigte Lloyd Barry einen weiteren Artikel zu diesem Thema, der am 8. April 1992 im Erwachet erscheinen sollte. Er war betitelt: „Ich weinte vor Freude“. Dieser Artikel beinhaltete Zitate der Briefe, die die Gesellschaft erhalten hatte, in denen Opfer und ihre Freunde und Familien der leitenden Körperschaft ihre tiefe Wertschätzung zum Ausdruck brachten für den Erwachet vom 8.Oktober 1991.

Viele Zeugen dachten, die Informationen des Erwachet vom 8.Oktober war wie eine Brise frischer Wind, der durch die gesamte Organisation wehte, obwohl man in Wirklichkeit die Büchse der Pandora öffnete weil nun tausende Überlebende von Kindermissbrauch nach Hilfe von Psychologen suchen und sich anderen Zeugen anvertrauten und eröffneten, wer in der Organisation sie belästigt hat.

Was ist mit professioneller Therapie?

Die Erwachet-Artikel waren dazu gedacht Opfern zu helfen mit den Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch umzugehen, indem hilfreiche Vorschläge angeboten wurden. Einer davon war, falls es nötig sei, nach einer qualifizierten psychologischen Fachkraft zu suchen oder ein hörendes Ohr bei einem Mitchristen der Versammlung zu suchen. Doch die Mehrheit der leitenden Körperschaft, besonders Ted Jaracz, war absolut dagegen dass die Herde nach mentalen Ratgebern oder Therapeuten sucht, sie waren überzeugt, dieser Rat von Therapeuten käme aus Satans Welt. Die Leitende Körperschaft, zusammen mit anderen hochrangigen Wachtturm-Offiziellen glaubte, dass die Anwendung biblischer Ratschläge wie sie im Wachtturm zu finden sind zu psychologischer Stabilität führen könnte, selbst wenn jemand unter dem Trauma von Kindesmissbrauch leiden musste.
Generell lautete der Rat sogenannter „reifer Zeugen Jehovas“ immer gleich, was auch immer einen Zeugen schmerzte: lies die Bibel, geh‘ zu den Zusammenkünften und beteilige dich am Haus zu Hausdienst. Da die Opfer des Missbrauchs davon entmutigt wurden, Therapie von außerhalb zu suchen, riefen sie ihre Ältesten zur Hilfe, was oft zu einem Albtraum-Szenario für beide wurde – Opfer und Ältesten.

Wenn Missbrauchsopfer dachten, dass das unsensible Verhalten gegen sie innerhalb der Organisation sich ändern würde, nachdem das Erwachte vom 8.Oktober 1991 veröffentlicht wurde, so gab es für sie ein unsanftes Erwachen, weil sich in Wirklichkeit wenig auf Seiten vieler Ältesten geändert hatte. Festgefahrene Einstellungen blieben im Grunde erhalten, den die Ansicht, dass nur die Anwendung der Schriften jemanden heilen kann und nicht der Rat weltlicher Bücher, aus denen Erwachet vom 8.Oktober 1991 so offen zitierte. (Das ist der Hauptgrund warum viele Führer der Zeugen immer noch im Widerstand gegen die Informationen sind, die in diesem Erwachet gefunden werden)

Was ist mit „unterdrückten Erinnerungen“ und MPS (Multiple Persönlichkeitsstörung)?

Ein anderes Thema, das in diesem Erwachet behandelt wurde, war ein seltsames Syndrom, gemeinhin bekannt als „verdrängte Erinnerungen“ Dieses Thema war einigen Gliedern der leitenden Körperschaft und auch andere einflussreichen Zeugen nicht wirklich bekannt. Nach dem was Lee sagte und was durch persönliche Briefe von Überlebende Missbrauchsopfern und ihren Therapeuten bekräftigt wurde, berichteten viele Opfer Erinnerungen zu haben über Ereignisse des Missbrauchs der schon Jahre zurückliegt, als sie noch Kinder waren.

Die Verlässlichkeit dieser Erinnerungen wurde zum Mittelpunkt einer kontroversen Diskussion unter Experten für seelische Gesundheit und auch innerhalb der Wachtturm Organisation. Im Hauptquartier wurden die Versammlungen durch die Dienstabteilung überwacht. Es waren Männer aus dieser Abteilung, angeleitet durch das Mitglied der Leitenden Körperschaft, Ted Jaracz, die in negativer Weise über Älteste sprachen, die über die Besonderheit der „verdrängten Erinnerung“ nachfragten. Tatsächlich wurde mir erzählt, dass Jaracz ein Anhänger derer war die gegen die Erkenntnis der „unterdrückte Erinnerungen“ waren.

Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS), aktuell bekannt als dissoziative Identitätsstörung (DIS) wurde ebenfalls zum heiß umstrittenen Thema. Obwohl das MPS Syndrom niemals in den Veröffentlichungen des Wachtturms erwähnt oder in irgendeinem Brief der Gesellschaft an die Ältesten gefunden wurde, kamen Älteste im ganzen Land mit diesem Phänomen in Berührung durch leidende Opfer eines Missbrauchstrauma, die eine schwere Zeit in der Versammlung hatten, manche wurden sogar als von Dämonen besessen bezeichnet.

Wie könnten diesen Leidenden geholfen werden, wenn manche in der Dienstabteilung MPS/ DIS und verdrängte Erinnerungen als Modeerscheinung oder gar als Wahn betrachteten und dies so auch sagten? Es gab so viel Verwirrung und Unglaube unter den Führern des Wachtturms über MPS, dass Harry mich darum bat, einen Artikel darüber zu schreiben. Traurig das zu sagen, durch den ständigen Krach rund um den Erwachet-Artikel vom 08. Oktober 1991, wollte Lloyd Barry das Thema MPS nicht aufgreifen, aus Angst davor mehr Kontroversen zu erzeugen, deshalb wurde die Veröffentlichung dieses Artikels schon in Frage gestellt.

Verwirrender Ratschlag, der aus dem Hauptquartier kam.

Durch diese Vorkommnisse kann gesagt werden, dass eine sture und inkompetente Service Abteilung keinen Trost für Missbrauchsopfer geboten hat. Grundsätzlich wiesen die Mitglieder dieser Abteilung die Anrufer die Hilfe suchten an „mehr in der Bibel zu lesen und sich auf die Neue Welt zu freuen, in der es keine Probleme mehr geben würde“. Das war nicht die Lösung für solche komplexen Probleme. Außerdem war der unsensible Rat von einigen Männern „Einfach damit abfinden!“ nicht hilfreich für die Opfern.

Aber Opfer wurden auch, wenn sie telefonisch mit dem Personal der Schreibabteilung sprachen, mitfühlend behandelt und mit aktuellen Informationen zu ihren Problemen beraten. Das alles führte in ein Labyrinth von Widersprüchen, die damit endete, dass das Opfer erneut zum Opfern wurde und Älteste, die sich um Rat zu erhalten bei der Gesellschaft anriefen, völlig verwirrt waren.

Gegen Ende Dezember 1991, wohnten alle Versammlungsältesten einer örtlichen Königreichsdienstschule bei, um Training und Gesellschaftsrichtlinienupdates zu erhalten. Schon bald danach, erreichte der Brief an alle Ältesten vom 23. März 1992 die Versammlungen in den Vereinigten Staaten. In diesem Brief wurde wiederholt was auf den Schulungen bezüglich den ernsten Problemen der Missbrauchsopfer gelehrt wurde und in dem Brief wurde professionelle Therapie nicht wie in der Vergangenheit verdammt, aber der Lehrplan haftete grundsätzlich an den Informationen des Erwachet.

Der mitfühlende Brief wiederholte einfühlsam, dass es die persönliche Entscheidung eines Zeugen sei, wenn er die Hilfe von Psychologen oder Therapeuten suchte, obwohl zur Vorsicht aufgerufen wurde. Eine Sache, die in dem Brief klar gemacht wurde war, dass Älteste nicht eine ähnliche Rolle einnehmen sollten wie Therapeuten und Therapiemethoden studieren sollten, wie es manche Älteste eigentlich taten.

Es wurden auch erstklassige Vorschläge angefügt, was man sagen könnte um Missbrauchsopfern zu helfen. Die Situation hat sich also definitiv verbessert, aber nicht lange. Innerhalb des innersten Heiligtums der Versammlungen und Kreise gab es weiterhin schmutzige kleine Geheimnisse und aus irgendwelchen unbekannten Gründen war der Schutz der Kinderschänder weiterhin an der Tagesordnung.

Ein besonders hässliches Geheimnis betraf persönliche Anweisungen die 1992 von einem Mitglied der Leitenden Körperschaft ausgeschickt wurden, von dem Harry sicher war, dass es Ted Jaracz war. Diese Anweisungen waren nur für wenige sehr gut bekannte Kreis –und Bezirksaufseher gedacht in denen sie Aufgefordert wurden sich mit Missbrauchsopfern zu treffen und sie zu überreden nicht über ihren Missbrauch zu sprechen sondern zu schweigen da sie sonst ausgeschlossen würden. In Harry Peloyans Büro stolperten mein Mann Joe und ich 1994 über einen Aktenordner voll mit Beschwerdebriefen die wegen dieser Situation an das Hauptquartier von überall aus dem Land gekommen waren.

Interessanterweise ist der bedrohlichste Repräsentant des Kreises, der wiederholt in diesen Briefen erwähnt wurde, nun ein Mitglied der leitenden Körperschaft.

„Schütte das Baby nicht mit dem Badewasser aus“, war eine Aussage, die viele von uns von Harry Peloyans hörten, als er uns die neusten unangenehmen Neuigkeiten über die fortwährende Engstirnigkeit der Köpfe der Dienstabteilung mitteilte, die immer noch die harte Linie fuhren. Er war besorgt, wie wir mit der täglichen Geschichte der sexuellen Missbrauchsinformationen umgehen werden und hoffte es würde uns nicht dazu veranlassen, die Organisation zu verlassen. Er hatte Grund dazu besorgt zu sein.

Zuhause in Tennessee

Aufgrund der gesundheitlichen Probleme meiner betagten Eltern, entschieden wir uns im August 1992 unseren Aufenthalt in der Wachtturmzentrale Brooklyn zu beenden und zum Ende des Jahres zu verlassen. Wie auch immer, nutzte ich die Zeit für ein weiteres Forschungsprojekt, bevor ich gegangen bin. Harry Peloyans erlaubte mir, für die leitende Körperschaft ein informationsreiches Paket zusammenzutragen, dass sie alarmieren und ihnen beweisen sollte, dass sie ein ernstes Problem mit Kindesmissbrauch innerhalb der Organisation hatten. Im frühen Januar 1993, ein paar Wochen nachdem ich das Hauptquartier verlassen habe, verteilte Harry Peloyan jedem Mitglied der leitenden Körperschaft ein riesiges von mir gesammeltes Paket von dokumentierten Informationen.

Zehneinhalb Jahre mit ein paar tausend Leuten in der Bethel Familie zu leben war eine ziemlich neue Erfahrung. Als wir in unserer Heimat in Tennessee zurückkehrten, ließen wir buchstäblich hunderte Freunde zurück, so wie unseren Sohn und Schwiegertochter. Während der Tage vor unserer Abreise, erhielten Joe und ich hunderte Zuschriften, die „Auf Wiedersehen“ sagten. Ich behüte immer noch ein kleines handgemachtes Büchlein von meinen Kollegen der Schreibabteilung, voll von liebevollen Ausdrücken des Bedauerns dass wir nicht mehr länger zusammenarbeiten können und gute Wünsche für die Zukunft. Wenn sie nur gewusst hätten, was die Zukunft bereithielt.

In dem Büchlein, bekundete Harry Peloyans seine Freude, mit mir gearbeitet zu haben und erzählte mir, wie meine Hilfsbereitschaft, Zielstrebigkeit und mein Mitgefühl vermisst werden würde. Und Lee sagte, er könnte gar nicht sagen, wie sehr ich vermisst würde. Er fügte hinzu, dass mein Beistand, Krafteinsatz und die Forschung unbezahlbar gewesen seien. Ein anderer leitender Schreiber, Jim Pellechia, dankte mir für die Hilfe Dinge „aufzurütteln“. All diese Feststellungen enthielten eine Anerkennung für meine Arbeit hinter den Kulissen, für den Versuch unsere leitende Körperschaft davon zu überzeugen, dass sie Änderungen in den organisatorische Verfahrensweisen bei Kindesmissbrauch vornehmen müsse.
Und ich werde mich immer an den letzten Tag in der Schreibabteilung erinnern, als David Iannelli mir Lebewohl sagte und sich herzlich bei mir dafür bedanke, dass ich entdeckt habe, was niemand in der Organisation wusste – dass William H. Conley und nicht Charles Taze Russel der erste Präsident der Wachtturm Organisation war.

Ich ging ohne Reue. Während ich im Zentrum, dem Mittelpunkt der Zeugen Welt war, gab ich alles was ich konnte. Obwohl ich diese Leute liebte, war ich in einem Dilemma. Könnte ich, nachdem ich New York verlassen habe mein Mitgefühl in Zaum halten und über das, was ich über den versteckten Kindesmissbrauch Skandal innerhalb der Wachtturm-Organisation wusste, schweigen? Ich wusste, wenn ich meinem Mitgefühl für die Opfer erlaubte außerhalb vom Bethel „die Puppen tanzen zu lassen“, könnte ich ausgeschlossen werden. Als ich New York verlassen habe, wusste ich, dass ich mein aufrichtiges Mitgefühl nicht ausschalten konnte. Diese Menschen waren Opfer von hinterlistigen „Wölfen“, die sich als Schafe innerhalb der Organisation erwiesen. Doch was tat ich deswegen? Die nächsten paar Jahre waren sehr stressreich für mich.

Nachdem wir ein paar Monate zurück in Tennessee waren, erreichte ein Brief, der auf 3. Februar 1993 datiert war, alle Ältesten in den Vereinigten Staaten, der wieder einmal den sexuellen Missbrauch von Kindern ansprach. Es war sichtbar, dass die Arbeit, die ich geleistet habe, nun Ergebnisse einbrachte, da der Brief Informationen besprach, die ich im Paket für die leitende Körperschaft angefügt hatte.

Es wurden Vorschläge gegeben Personen zu helfen, die über Erinnerungen an Missbrauch berichteten, lange nach dem Ereignis. Dies schien zu bedeuten, dass die Haltung der leitenden Körperschaft in Bezug auf „verdrängte Erinnerungen“ aufzuweichen begann. Ebenfalls betonte der Brief, dass über einen Zeugen, der professionelle Hilfe suchte und den Missbrauch den Behörden meldete, seitens der Ältesten nicht abfällig beurteilt werden durfte. Und das war noch nicht alles. Im Erwachet vom 8.Oktober wurde ein weiterer gutgeschriebener Kindesmissbrauch-Artikel veröffentlicht, der den Gedanken unterstützte sich „kompetente professionelle Hilfe zu suchen – um solch schwere Kindheitstraumen zu heilen.“

Ich setzte meine Nachforschungen für die Schreibabteilung von meinem Zuhause aus fort. Neben anderen Dingen, untersuchte ich das Problem des Kindesmissbrauchs in anderen Religionen und im großen Umfang in der Gesellschaft. Auf diesem Weg dachte ich, ich könnte denen im Wachtturm Hauptquartier nützlich sein, die die Richtlinien der leitenden Körperschaft in Bezug auf Kindesmissbrauch geändert haben wollten.

Jedoch, so erfreulich es war Ergebnisse meiner Arbeit zu sehen, musste ich nach ein paar Monaten zu meinem Entsetzen erfahren, dass es innerhalb der lokalen Gemeinde in unserer Gegend eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Vorwürfen der Belästigungen und Geständnissen gegeben hat und keiner von diesen Fällen wurde den Behörden gemeldet.

So verstörend es für mich auch war darüber nachzudenken, es war erschreckend zu wissen, dass diese Kindesmissbrauch Fälle von Männern behandelt wurden, von denen ich wusste, dass sie kaum oder keine Ahnung davon hatten, wie man mit den Komplexitäten einer Beschuldigung (in Bezug auf Kindesmissbrauch) umgeht.

Langsame Reaktion

In meiner Heimatversammlung gab es einen Ältesten, der zugab die Tochter eines Zeugen belästigt zu haben. Er wurde zwar wegen der Unruhe in der Versammlung von seinem Posten als Ältester entbunden doch strebte innerhalb weniger Jahre wieder danach die Stellung eines Ältesten zu erlangen. Er überzeugte die Ältesten, dass er bereute habe obwohl es Beweise gab, dass er den Haus-Zu-Hausdienst dazu benutzte, alleinstehende Frauen mit Kindern zu treffen und mit ihnen die Bibel zu studieren um dann einige dieser Kinder zu belästigen. Ich schickte einen allgemeinen Brief über diese Situation an die Wachtturmgesellschaft und am 21. Juli 1993 auch einen bittenden Brief an den mittlerweile verstorbenen Lloyd Barry, Mitglied der leitenden Körperschaft.

In meinem Brief erzählte ich von meinen Sorgen über Kinderschänder, die im Tür-zu-Tür Dienst tätig sind. Ich war der Überzeugung die Teilnahme eines Kinderschänders an dieser Predigtdienstaktivität von Haus zu Haus sollte eingeschränkt bzw verboten werden.

Zusätzlich war eine andere Situation sehr besorgniserregend. Innerhalb der Versammlungen wurden die Namen von Pädophilen selten öffentlich gemacht – einschließlich derer, die bereut hatten und viele wurden wieder mit Autoritätsstellungen betraut, nachdem eine Anzahl von Jahren vorbei gegangen war. Demzufolge waren sie in einer Stellung, in der sie mehr Kinder belästigen konnten, was viele von ihnen auch taten. Lloyd Barry bestätigte meinen Brief niemals, obwohl ich bei meinem Besuch des Wachtturm Hauptquartiers 1994 flüchtig mit ihm gesprochen habe.

Doch die lang ersehnten Änderung in den Richtlinien für Kinderschändern, die im Dienst teilnehmen und ihrer Rückkehr in Autoritätsstellungen innerhalb der Versammlung, wenn sie bereuten, passierte nicht. Jedoch verstand ich, dass eine Entscheidung in diesen Angelegenheiten schwierig sein würde und Auswirkungen haben würde. Der Umfang und die Verwicklungen der gesamten Kindesmissbrauch Situation innerhalb der Organisation war enorm. Sei es wie es soll, alles was ich wusste war, dass Kinder weiterhin von Kinderschändern belästigt wurden und ich wollte, dass sich an dieser Situation etwas ändert.

Ich war froh, dass das Suchen nach professioneller Hilfe für die schmerzvollen Folgen eines Kindesmissbrauchs 1992 und 1993 nicht mehr mit Geringschätzung betrachtet wurde, aber im Dezember 1994 gab es einen Schwung zurück zum unnachgiebigen Standpunkt der während der 1994er Reihe von Königreichsdienstschulen gelehrt wurde. Zusätzlich wurde den Ältesten während der Schule gesagt, dass Beschuldigungen gegen einen Zeugen, die aufgrund von „verdrängter Erinnerung“ gemacht werden, unzulässig für rechtliche Schritte seien. Sie wurden daran erinnert, dass es, falls es keine zwei Augenzeugen für den Missbrauch gegeben hat und die Anschuldigungen bestritten werden, keine weiteren rechtliche Schritte, die zu Sanktionen oder Ausschlüssen führen könnten, gemacht werden können.

 

Eine andere Hingabe

Wenn ich mein Leben betrachte, besonders von der Zeit an, als ich im Alter von 14 Jahren als Zeugin Jehovas getauft wurde, wundert es mich wirklich, wohin mich dieser erste Schritt geführt hat. Mein einziger Wunsch damals war, Menschen zu helfen, die Geheimnisse des Lebens zu verstehen – nach der Lehre von Jehovas Zeugen. Heute freut es mich sehr, von der Illusion befreit zu sein, dass die Geheimnisse des Lebens erklärt werden können, oder dass Jehovas Zeugen eine wohlwollende Religion seien.

Obwohl mich mein ehemals guter Freund Harry Peloyan „einen Judas“ dafür nannte, dass ich die Problematiken um sexuellen Kindesmissbrauch innerhalb der Organisation an die Öffentlichkeit bringe, sehe ich es als meine Verpflichtung an, den Rest meines Lebens dafür zu widmen, meine „Insider“-Augenzeugen-Erfahrungen zu veröffentlichen. Ich hoffe, dass meine Worte anderen helfen werden, die versteckten Geheimnisse dieser religiösen Organisation zu erkennen, einer Religion, welche seit 1881 sehr geschickt durch ihre Leitende Körperschaft gelenkt wurde.

 Update 27. Januar, 2009

Seit der Veröffentlichung meine Geschichte, „Enthüllungen der Barbara Anderson“, im Jahr 2006, enttarne ich weiterhin die Geheimnisse, die diese Religion verbirgt und die eine Gefahr für Kinder darstellen.

Sorgfältig verborgen durch die Wachtturm Gesellschaft ist die Tatsache, dass sie seit Jahren Rechtsfälle wegen sexuellem Kindesmissbrauchs außergerichtlich regelt, wohl aber ohne großes Aufsehen, heimlich, einen nach dem anderen. Allerdings wurden seit 2003 für Duzende von Zivilklägern mindestens zwanzig Anklagen öffentlich durch Staatsanwälte gegen die Gruppe eingereicht, hauptsächlich in Kalifornien. Zu der Zeit stand ich Anwälten aktiv zur Seite, um ihnen zu helfen die Regeln und Praktiken der Jehovas Zeugen in Bezug auf sexuellen Kindesmissbrauch zu verstehen. Es enttäuschte mich sehr, dass es meines Wissens keiner der Fälle in ein öffentliches Gerichtsverfahren schaffte. Eine große Anzahl der Fälle wurde von den Anwälten der Kläger fallengelassen, doch im frühen Winter 2007 wurden sieben Fälle in Kalifornien, einer in Oregon und ein weiterer in Texas von den Leitern der Jehovas Zeugen für Millionen von Dollar außergerichtlich beigelegt.

Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte. Im März 2007 begann ich, die Gerichtsaufzeichnungen dieser Fälle aufzukaufen, und zwar mehr als 5.000 Seiten Material. Ich verfasste dann einen knapp 100-seitigen Kommentar, in dem ich die Fälle erklärte, die die Verteidigung der Zeugen Jehovas zu dem beispiellosen außergerichtlichen Multi-Millionen-Dollar-Vergleich veranlasst hatten.

Ziel meines Projekts ist es die Aufmerksamkeit auf die heimlichen Richtlinien und Vorgehensweisen der leitenden Körperschaft von Zeugen Jehovas zu werfen, die zeigen wie mit den Anklagen der Opfer sexuellen Missbrauchs gegen Missbrauchstäter innerhalb der Organisation umzugehen ist.

Ich bin glücklich, sagen zu können, dass das, was ich vorhatte, geglückt ist. Alle Gerichtsdokumente und der Kommentar sind auf einer CD erhältlich, welche ich “Secrets of Pedophilia in an American Religion, Jehovah’s Witnesses in Crisis“ genannt habe (‚Pädophile Geheimnisse einer Amerikanischen Religion, Jehovas Zeugen in der Krise‘). Im August 2007 war diese CD durch einen Print-on-Demand-Verlag mit Namen Lulu erwerbbar.

Seit Oktober 2010 ist sie nun über Freeminds.org bestellbar. Über Lulu ist sie nicht mehr zu erwerben. Der Kommentar beinhaltet die Kopien spezifischer, außergewöhnlicher Gerichtsdokumente, welche belegen, wie schuldig sich die Leiter der Zeugen Jehovas daran gemacht haben, dass so viele Kinder von Zeugen Jehovas missbraucht werden konnten.

Eines dieser Dokumente ist ein Brief an die Wachtturm Gesellschaft von einem ihrer hohen Vertreter, Distriktaufseher Donald Amy. In diesem Brief bespricht Donald Amy den Fall eines Kinderschänders in einer Kalifornischen Versammlung.

Dieser Brief, zusammen mit anderem überführenden Material, konnte am 21. November 2007 in den Abendnachrichten auf NBC, NBC Nightly News mit Brian Williams, von Millionen von Leuten gesehen werden. Die Sendung berichtete über den geheimen außergerichtlichen Vergleich, mit dem die Zeugen Jehovas die Klage der Missbrauchsopfer im Februar 2007 abgewendet hatten.

Ich war wie betäubt, als ich unter den von mir gekauften Gerichtsunterlagen im Frühjahr 2007 ein gerichtlich versiegeltes Dokument fand, welches von einem der Gerichtshöfe wohl unbeabsichtigt mitgeschickt worden war. Es gehörte zu der Klage eines Opfers, welches sich mit der Zahlung von 781.250,- Dollar durch die Zeugen zufrieden gegeben hatte. Es waren Dokumente dieser Art, die die Produzenten von NBC Nightly News hellhörig gemacht hatten.

Für das NBC Nightly News-Format interviewt wurde ich dann im September 2007, in Nashville, Tennessee eingeladen. Ende Oktober wurde ich dann nach Washington, DC in den Hauptsitz der NBC geladen, wo mich Lisa Myers von der NBC News Investigative Unit (Ermittlungsabteilung der NBC). Ms. Myers und der Produzent Richard Greenberg schrieben zusätzlich zu dem Interview einen längeren Artikel mit dem Titel “New evidence in Jehovah’s Witness allegation“. Dieser Artikel erschien am 21. November 2007 auf der Internetseite von MSNBC (http://www.nbcnews.com/id/21917798#.VCuqWBZ2SSo).

An dem gleichen Tag kam ein Reporter von MSMV TV, Nashvilles lokaler NBC-Kanal, für ein Interview zu mir nach Hause. Die Links zu all diesen Interviews, plus andere Medien, finden sich auf meiner Website, www.watchtowerdocuments.com.

Im Januar 2008 gab ich den Kommentar, der auch auf der „Secrets“ (Geheimnisse)-CD ist, auf meiner Website zur freien Verbreitung frei – zum Lesen und kostenlosen Download auf jeden Computer. Dies war durch zwei Spenden möglich und durch die Gewinne aus dem Verkauf der CD, die allesamt die Kosten von 5.000 Dollar zum Erstellen der CD plus Ausgaben für den Zeitaufwand deckten.

Die Arbeit, die es kostete, das „Secrets“-Projekt zum Erfolg zu führen, taten ich und andere aus Liebe zu all denen, die zu Opfern der Leiter der Jehovas Zeugen wurden. Nun ist es jedem, der möchte, möglich, die Fakten und Tatsachen einzusehen, die gemäß meinen Anschuldigungen zeigen, dass diese Männer, die behaupten, Gott führe sie und nur sie alleine, dafür verantwortlich sind, dass kriminelle Machenschaften seit Jahrzehnten zugedeckt worden sind.

Als ich sah, wie gut der Kommentar aufgenommen wurde, entschied ich mich dazu, alle 5.000 Seiten der Gerichtsdokumente von der CD kostenlos zugänglich zu machen. Sie können kostenlos von meiner Website www.watchtowerdocuments.com aus zum Download aufgerufen werden.

 Nicht viele Veränderungen

Ich wünschte, ich könnte sagen, dass die Leiter der Wachtturm Gesellschaft sich bisher öffentlich dazu geäußert hätten, dass sie die Richtlinien bezüglich des Umgangs mit Fällen von sexuellem Kindesmissbrauchs geändert hätten, doch das ist meines Wissens nicht der Fall. Was ich allerdings aus jüngsten Gesprächen mit beunruhigten Zeugen weiß, ist die Tatsache, dass Mitglieder von Versammlungen immer noch nicht darüber informiert werden, ob sich in ihrer Mitte ein angeklagter, bekennender oder überführter Pädophiler befindet, den sie „Bruder“ nennen. Erst kürzlich wurde mir bekannt, dass sich in einer der Versammlungen hier in den USA drei verurteilte Pädophile befinden. Wie würdest du reagieren, wenn du in dieser Versammlung wärst und dann herausfinden würdest, dass die Ältesten darüber Bescheid wussten, ihnen aber von ihren Leitern her nicht erlaubt gewesen wäre, dich zu warnen? Aber das ist genau das, was in dieser Versammlung passiert war. Eltern waren verärgert und zugleich ängstlich. Die „Verschwiegenheits“-Regelung der Zeugen schützt sogenannte bereuende Pädophile, auf Kosten der Kinder der Zeugen Jehovas.

Ich höre immer wieder über die Festnahme von Zeugen, die Kinder missbraucht haben, wenn die Opfer sich an die Autoritäten wenden. Doch die Ältesten melden die Anklage eines Zeugen wegen Missbrauchs nicht an die Autoritäten weiter, sofern sie sich in einem Staat befinden, in dem es keine festen Gesetze über den Bericht von Missbrauchsfällen gibt. Zudem unternehmen die Ältesten weiterhin nichts, wenn nicht zwei Tatzeugen den Missbrauch beobachtet haben und der Angeklagte leugnet.

 Körperlicher Missbrauch

Viele ehemalige Zeugen senden mir Emails über meine Website und berichten darüber, wie sie als Kinder körperlich von ihren Eltern missbraucht wurden, die Zeugen Jehovas waren. Einer der Berichte lautet folgendermaßen:

Meine Mutter, die von ihren Mitbrüdern und-schwestern als liebe, charmante und glaubenstreue Schwester angesehen wurde, die seit 1948 „in der Wahrheit“ war, misshandelte mich körperlich auf bösartige Weise meine ganze Kindheit durch, bis ich mit 11 fähig war, mich selbst zu verteidigen. Sie verwandelte meinen Vater, der kein Zeuge Jehovas war, durch ihre Verbalattacken, Kontrolle und Manipulation in ein nervöses Wrack, obwohl er sich häufig mit Kommentaren wehrte wie „Wo steht das denn in der Bibel?“ oder, was ich sehr treffend fand, „Was würden denn deine Brüder und Schwestern in der Versammlung dazu sagen?“

Wann immer so eine seltsame pathologische ärgerliche Stimmung über meine Mutter kam, fand sie einen Anlass, mich zu schlagen, und damit meine ich, mich grün und blau zu schlagen, bis sie erschöpft und außer Atem war, ihr Gesicht tiefrot und verzerrt von blinder Wut und Hass, so dass ich jedes Mal dachte, sie würde mich umbringen. Ich versuchte, mich frei zu machen und von ihr weg zu kommen, bettelte sie an, aufzuhören, sagte ihr, dass sie mich umbringen würde, aber sie machte einfach weiter, völlig außer Kontrolle, schleppte mich über den Boden, tretend und wild mit ihren Armen schlagend, bis mein ganzer Körper rot war und noch für Stunden pochte.

Aber als Einzelkind, so isoliert von anderen, dachte ich, das wäre normal, so wie Kinder das in solchen Situationen denken. Schlimmer noch, da ich ja glaubte, was mir über die „Wahrheit“ erzählt worden war und dass Zeugen Jehovas nur rechte und gute Dinge tun würden; ich war blind für das wahre Wesen meiner Mutter bis weit in meine jungen Erwachsenenjahre.

Ich hatte Phasen schwerer Depression, Ängste, Suizid- und Borderline-Neigungen, ich hatte auch Probleme mit Alkoholismus, aber ich schaffte es dennoch rechtzeitig genug, die Kurve zu kriegen. All diese Dinge, wie du vielleicht bemerkst, sind die Symptome eines psychologischen Traumas, in speziellem von körperlichem Kindesmissbrauch, nicht begrenzt auf sexuellen Missbrauch.

Wenn dies der einzige Bericht seiner Art wäre, der mir zu Ohren kommt, seit ich aus der Organisation der Zeugen Jehovas ausgetreten bin, würde ich ihn nicht veröffentlichen, aber es ist nicht der einzige Bericht, und deshalb kann dieses Thema nicht ignoriert werden. Es gibt einfach zu viele Erwachsene, die davon berichten, wie sie als Kinder in dieser Gruppe missbraucht wurden.

Ich werde meine offensichtlich unendliche Geschichte weiterhin regelmäßig updaten. Das nächste Update erscheint voraussichtlich Ende 2009, dann werde ich die Aktivitäten des Jahres besprechen, die unternommen wurden, um die Kinder der Jehovas Zeugen vor den Schäden zu schützen, die die Organisation der Wachturm Gesellschaft mit dem Schutz von Pädophilen durch ihre unangebrachten Richtlinien anrichtet.

Hochachtungsvoll, Barbara Anderson

*

Die Zwei-Zeugen-Regel wird in den Versammlungen noch immer angewandt. In den Versammlungen der Vereinigten Staaten wird, wenn jemand des Missbrauchs beschuldigt wird, wird ein Ältester von der Gruppe der Ältesten ernannt, um die Rechtsabteilung der Wachtturm Bibel- und Traktat-Gesellschaft in New York anzurufen. Seit 1989 steht das so in den Anweisungen der Gesellschaft. Einer der Vertreter der Rechtsabteilung wird dann den Ältesten fragen, in welchem Staat er lebt. Wenn der Älteste aus einem Staat kommt, in dem es eine gesetzliche Verpflichtung zum Bericht durch Kirchen gibt, das heißt ein Staat in dem Älteste (oder Geistliche) von Rechts wegen dazu verpflichtet sind, eine Anschuldigung wegen Missbrauchs bei den Autoritäten anzuzeigen, wird dem Ältesten die Information dazu gegeben. Wenn der Missbrauch in einem Staat begangen wurde, in dem eine kirchliche Berichtspflicht besteht, sind die Ältesten durch das Rechstkommitee verpflichtet, die Eltern oder das Opfer des sexuellen Kindesmissbrauchs dazu zu ermuntern, das Verbrechen bei den Autoritäten anzuzeigen, aber sollten sie dies nicht machen, dann sind die Ältesten dazu verpflichtet, die Sache [bei der Polizei] anzuzeigen. Bis das TV Dokumentations-Nachrichtenprogramm Dateline über das Problem der Wachtturm-Organisation bezüglich der sexuellen Missbrauchsfälle am 28. Mai 2002 öffentlich berichtete, unterließen Älteste es gewöhnlicher Weise, Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs anzuzeigen, wenn die Eltern oder das Opfer selber es nicht taten.

Wenn ein Missbrauchsfall in einem Staat begangen wird, in dem keine gesetzliche Verpflichtung zur Anzeige besteht, sind die Ältesten instruiert, den Erziehungsberechtigten oder den Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs mitzuteilen, dass sie in einem Staat leben, in dem keine Berichtspflicht für Geistliche besteht. Die Ältesten sind angewiesen, sich neutral zu verhalten und es den Erziehungsberechtigten oder den Opfern sexuellen Kindesmissbrauchs zu überlassen, den Fall bei den örtlichen Autoritäten anzuzeigen. Die Anweisungen der Wachtturm-Organisation sind sehr präzise in den Formulierungen, dass Älteste die betroffenen Zeugen weder dazu ermutigen noch davon entmutigen dürfen, den Missbrauch anzuzeigen. Sofern Erziehungsberechtigte oder Missbrauchsopfer sich nicht dazu entschließen wegen des Missbrauchs zur Polizei zu gehen, wird nichts weiter unternommen, es sei denn, ein Ältester berichtet den Fall heimlich. Da der Kinderschänder auch häufig der Vater des Opfers ist, ist die Anweisung, die Entscheidung den Eltern zu überlassen, ob ein Fall angezeigt wird oder nicht, eine Farce.

Bis Dateline darüber berichtete, zeigten Zeugen-Eltern Fälle von Missbrauch nicht an, weil sie „keine Unehre über Jehovas Organisation bringen“ wollten. Diese Einstellung war die Norm, keine Ausnahme. Bill Bowen nahm zum Beispiel einen Anwalt der Zeugen aus dem Hauptsitz auf, der ihm erklärte, dass der Staat, in dem Bill lebte, keine Berichtspflicht hat. Der Anwalt erklärte Bill, sich neutral zu verhalten und die Ankläger weder zu ermutigen noch zu entmutigen, sich an die Autoritäten zu wenden. Der Vertreter der Wachtturm-Gesellschaft riet Bill, die Situation in Jehovas Hände zu legen und Er [Jehova, Anm. Übersetzer] würde sich darum kümmern.

In einem Staat ohne Berichtspflicht zu leben, schützt einen bekennenden und augenscheinlich bereuenden Jehovas Zeugen-Pädophilen davor, als solcher bloßgestellt zu werden, wenn sich Erziehungsberechtigte, die Zeugen Jehovas sind, oder die Opfer dazu entschließen, sich nicht an die Autoritäten zu wenden. Und die Verschwiegenheitsklausel garantiert, dass die Beschuldigung des Missbrauchs nicht der Versammlung mitgeteilt wird. Zu viele Male schon sind so erklärte bereuende Pädophile zu Wiederholungstätern geworden, in derselben Versammlung, in der sie durch die Verschwiegenheitsklausel gedeckt wurden.

Aber abgesehen davon, ob sich die Eltern dazu entscheiden, den Autoritäten das Verbrechen des Missbrauchs anzuzeigen, oder nicht, wenden die Ältesten weiterhin die „Zwei-Zeugen-Regel“ an, um zu entscheiden, ob die beschuldigte Person ausgeschlossen wird oder nicht. Wenn der Beschuldigte die Tat leugnet und es nicht zwei Tatzeugen für den Missbrauch gibt (zwei Zeugen bestehen aus dem Opfer und noch einem Augenzeugen), dann wird die beschuldigte Person nicht ausgeschlossen. Ausschluss ist nur die Folge, wenn die Forderungen der „Zwei-Zeugen-Regel“ ohne Zweifel erfüllt werden. Dann allerdings wird der Täter immer noch nicht ausgeschlossen, wenn er „echte Reue“ zeigt. Vor allem und unabhängig davon, was passiert, ist es dem Opfer und den betroffenen Eltern nicht erlaubt, andere Familien wegen des Missbrauchs zu warnen.

Seit Dateline darüber berichtet hat, sind Eltern, die Zeugen Jehovas sind, jetzt mehr dazu geneigt, Missbrauch bei den Autoritäten anzuzeigen. Wenn die Eltern den Missbrauch bei den Autoritäten anzeigen und der Beschuldigte festgenommen wird und für schuldig befunden wird, wird er oder sie dennoch eventuell nicht aus der Versammlung ausgeschlossen, sofern das Opfer nicht einen Augenzeugen für den Missbrauch vorbringen kann. Erst kürzlich wurde ein Kinderschänder aus dem Gefängnis entlassen, nachdem er mehr als fünf Jahre dort verbracht hatte, und er wurde niemals ausgeschlossen da das Opfer die Zwei-Zeugen-Regel nicht erfüllen konnte. Während seiner Gefängnisstrafe und danach behandelten ihn seine Mitgläubigen als unschuldigen Mann. So wie die Situation lag, hätten sie die polizeilichen Ermittlungen nicht unterstützt, da dies dem Schiedsspruch der Ältesten bezüglich der Unschuld des Beschuldigten widersprochen hätte.

In den Vereinigten Staaten ist Missbrauch eine kriminelle Tat. Eltern sollten die Ältesten vollständig umgehen und sich unverzüglich an die Autoritäten wenden, da nach dem Landesgesetz der USA jeder dazu verpflichtet ist, Missbrauch anzuzeigen, unabhängig davon, ob es auf Ebene der einzelnen Bundesstaaten eine Berichtsflicht für Geistliche gibt oder nicht. Doch es sieht so aus, als wäre die Wachtturm Gesellschaft anderer Meinung. Sieh, was im Wachtturm vom 1. August 2005 auf Seite 14 gesagt wird: „In unserer Zeit ist Vergewaltigung genauso ein kapitales Verbrechen mit schweren Strafen. Das Opfer hat jedes Recht auf seiner Seite, die Sache der Polizei zu berichten. Auf diese Weise werden die richtigen Instanzen den Verbrecher bestrafen. Und wenn das Opfer minderjährig ist, sollten die Eltern für die Anzeige Sorge tragen.“ Von dieser Wachtturm-Direktive her wird klar, dass das Anzeigen solcher Tatbestände optional und freiwillig ist, egal ob ein Verbrechen begangen wurde.

 

 

 

 

 

 

Mag ich nicht (1)

7 Kommentare zu “Das Leben und die Entdeckungen von Barbara Anderson

  1. Hallo@all,
    hier mal einige Auszüge,welche zum Denken Anlass geben:

    (Kopie)
    In einem dieser Ordner fand ich persönliche Fotos von Josef F Rutherford, dem zweiten Präsidenten. Das waren für mich abscheuliche und widerliche Entdeckungungen. Rutherford war in einem dunklen einteiligen armlosen Badeanzug, der ihn bis zu den Hüften kleidete so wie es in den Zwanzigern üblich war. Er hatte einen großen Bauch und erschien als ob er Freude daran hat, von einem großen Patio den Ozean zu übersehen. Auch gab es Leute, die auf Sofas lagen. Ein Foto, das ich nicht vergesse – eine Nahaufnahme, wo er die Zunge so weit wie möglich rausstreckt.

    Wie kann man den als Vorbild hinstellen.Vielleicht kann man sich über den belustigen,aber ich Denke das wars dann auch.Wenn ich soeinen kennen würde,würde ich mich dafür schämen.
    Gruß
    Klaus

  2. Habe heute zum ersten Mal diesen Artikel hier gelesen und entdecke Parallelen zu Ray Franz. Barbara Anderson ist ebenso mutig!!! Nun sehen wir, wie sich die Kindesmissbrauchsfälle in Australien zum Eisberg entwickeln, von dem bisher nur die Spitze zu sehen war.
    Ich war bisher immer relativ *sanft* mit der Bloßstellung der WTG gewesen - jetzt bin ich außer mir vor Zorn.
    Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen und das Gericht beginnt am Hause Gottes, gell? Hoffentlich sehr bald......

  3. M.N.

    Was für mich persönlich sehr erhellend war, ist die Tatsache, wie sehr die WTG auf dem Rücken von idealistisch gesinnten "Freiwilligen" einen enormen Reibach erwirtschaftet: Erst läßt sie die Truppen zum umsonst Malochen antanzen mit dem Versprechen, ihnen sei "das Lächeln der Anerkennung Gottes" gewiß; dann sagt sie kühl "Danke" und verkauft die mit dem Schweiß, der Lebenszeit sowie dem Idealismus und dem Herzblut der Freiwilligenheere errichteten Immobilien gegen $$$. DAS sollte mal allen, die noch meinen, sich durch das "Opfer ihrer selbst" die "Anerkennung" des Allmächtigen erdienen zu können, so richtig klar und schmackhaft gemacht werden. ALLER Einsatz für die WTG, das Abarbeiten sämtlicher von ihr huld- und gnadenvoll verliehener "Vorrechte" ist "freiwillig", sei es das unbiblische von Haus-zu-Haus-Klinkenschruppen, das KR-Saalwienern, das Immobilienschaffen, Bethel-, Missionar"dienst" usw. Das ist der wet dream aller gewinnorientierten Konzerne und Firmen: Eine Belegschaft, die nicht nur umsonst malocht für lau; nein, die sich sogar noch um Jobs REISST, sich danach VERZEHRT, als ob des gesamten Universums Glück auf dem Spiel stünde. DAS mache mal einer der WTG nach; das ist Indoktrination vom Feinsten. Auf einem WTG-Bau zu malochen heißt nichts anderes als den Immobilienfundus und damit den Reichtum der WTG zu mehren; das "freiwillig" errichtete Objekt, das selbstredend in WTG-Besitz übergeht, kann von dieser jederzeit meist gewinnbringend verhökert werden, um mal eben so den nächsten Mißbrauchprozeß "außergerichtlich", d.h., unter dem Tisch, unter den Teppich zu kehren. Alle "Freiwilligen" sollten sich darüber im Klaren sein, welch dunkles Treiben sie da eigentlich unterstützen. Schützt auch da Unwissenheit nicht vor Strafe? Falls ja, dann ist es um alle idealistisch gesinnten, sich "selbstlos" und "ganzherzig" für WTG-Interessen einsetzenden "Freiwilligen" sehr schlecht bestellt.

  4. Frank&Frei

    wenn man diesen Bericht einem Ältesten vorlegt, wird dieser nicht einen Blick hineinwerfen. Ist ja von Aussteigern bzw Abtrünnigen.

    so denken sie, da wo an der Mark der Groschen fehlt

  5. waytodawn

    Tja... also DIESEN Lebensbericht hätte man mal in einem Wachtturm abdrucken sollen!

    Sehr schade ist es, dass so viele Fälle durch einen Vergleich geregelt wurden. Ging den Anwälten oder den Opfern die Puste aus? Ich könnte es verstehen. Meinen Respekt daher für alle, die es durchgezogen haben.

    Hier geht es ja in erster Linie darum, dass die Täter nicht ungeschoren davon kommen - und die Wachtturmgesellschaft macht sich durch das Verschleiern und Decken mit schuldig!

    Ich warte sehr darauf, dass auch in Deutschland solche Verfahren geführt werden - damit das Thema in Deutschland präsenter wird und man erstmal merkt, dass es eben keine Propaganda der Medien ist.

    Vielen Dank an alle, die diesen Artikel so gut übersetzt haben. Er ist unschätzbar wertvoll.

    Liebe Grüße

    Uwe

    1. Franki

      Franki an Alle

      Leider ist es in den USA und teilweise in anderen Ländern so ,das die Anwälte der oder den Beschuldigten ausergerichtlich ein sogenanntes Sühneangebot, bei uns nennt man das Vergleich machen kann.

      Ist dieser Vergleich ibzw die Geldsumme des Vergleiches so ausgelegt,das ein ich nenne es Normalbürger meint das er damit leben kann wird dann außergerichtlich das beschloßen.

      In den USA sind diese Beträge ,fangen bei mehreren 100 000 Dollar an und gehen in den Millionen bereich.

      Damit grenzt man dann dort ein Gerichtsverfahren aus ,das in den USa sehr viel Geld kostet.

      Bei uns hier in Deutschland wird diese Praxis sehr oft von Versicherungsunternehmen praktiziert.

      Hat jemand der zb einen Unfall hatte Anspruch auf 100 000 Euro und die Versicherung ist sich nicht 100% Sicher ob der Ablauf so gewesen ist wie geschildert,aber trotzdem zahlen muß ,dann legt die Versicherung ein Vergleichsangebot ,sagen wir mal von 70 000 Euro vor ,wenn dann das Opfer sagt ist in Ordnung ,dann zahlt die Versicherung die 70 000 Euro aus und das Opfer muss unterschreiben das keinerlei andere Ansprüche gestellt werden.
      So in etwa lufen auch Vergleiche in den USA ab.

      Nur bei Strafbaren Handlungen ist das bei uns in Deutschland nicht möglich,da der Täter zuerst einmal vor ein Strafgericht kommt und rechtmäßig verurteiltr werden muß.
      Danach kommt dann die Zivilklage,.

      Aber daraus kann man erkennen mit welchen Gaunereien sich die WTG durchschlägt

      Grüße
      Franki

  6. Matthäus

    Danke für diesen Bericht, ich kann nur eins erwidern:

    W A H N S I N N !!!

    ...ich zitiere nur einen Absatz:

    "Sorgfältig verborgen durch die Wachtturm Gesellschaft ist die Tatsache, dass sie seit Jahren Rechtsfälle wegen sexuellem Kindesmissbrauchs außergerichtlich regelt, wohl aber ohne großes Aufsehen, heimlich, einen nach dem anderen. Allerdings wurden seit 2003 für Duzende von Zivilklägern mindestens zwanzig Anklagen öffentlich durch Staatsanwälte gegen die Gruppe eingereicht, hauptsächlich in Kalifornien. Zu der Zeit stand ich Anwälten aktiv zur Seite, um ihnen zu helfen die Regeln und Praktiken der Jehovas Zeugen in Bezug auf sexuellen Kindesmissbrauch zu verstehen. Es enttäuschte mich sehr, dass es meines Wissens keiner der Fälle in ein öffentliches Gerichtsverfahren schaffte. Eine große Anzahl der Fälle wurde von den Anwälten der Kläger fallengelassen, doch im frühen Winter 2007 wurden sieben Fälle in Kalifornien, einer in Oregon und ein weiterer in Texas von den Leitern der Jehovas Zeugen für Millionen von Dollar außergerichtlich beigelegt.

    Doch das war noch nicht das Ende der Geschichte. Im März 2007 ....Ich verfasste dann einen knapp 100-seitigen Kommentar, in dem ich die Fälle erklärte, die die Verteidigung der Zeugen Jehovas zu dem beispiellosen außergerichtlichen Multi-Millionen-Dollar-Vergleich veranlasst hatten.

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