Das Krebsgeschwür 1914

1914.001Ihre Lehre wird wie ein Krebsgeschwür um sich fressen.“ (2. Tim. 2:17)

In diesem Jahr feiern Jehovas Zeugen auf Veranlassung des treuen und verständigen Sklaven den 100. Jahrestag der Regierung des Königreiches Gottes. Der Sklave prüft die Gesinnung der Bruderschaft wenn er fragt: „Wie real ist das Königreich für dich? – DieGegenfrage: Wie real kann ein Fantasiegebilde denn sein?

 Betrachten wir die angeblichen Offenbarungen über das Jahr 1914

 Der Sklave versteht es, seine Untertanen mit einer Vision aus der Offenbarung über ein höchst bedeutsames Ereignis zu begeistern. „Das griechische Wort apokalypsis bedeutet ‚Enthüllung’ und wird oft in Bezug auf die Offenbarung geistiger Zusammenhänge oder die Enthüllung des Willens und der Vorsätze Gottes gebraucht.

Die Wirksamkeit des Geistes Gottes macht solche Offenbarungen möglich“, heißt es im Bibellexikon der ZJ (it-2 481). In Übereinstimmung damit wird der Begriff Offenbarung im „Großen Volkslexikon“, Band 8 (Bibliograph. Institut Mannheim), wie folgt definiert: Offenbarung, allg. eine auf übernatürliche Weise erlangte Erkenntnis, im spezifisch religiösen Sinn die Enthüllung transzendenter Wahrheiten, die geglaubt, d.h. als nicht in Frage zu stellendes Wissen aufgefasst werden.“

Link zum Video Wachtturm-Satire: https://www.youtube.com/watch?v=lcy91lwRf1A

Welcher ZJ hat angesichts dieser Definitionen noch den Mut, eine Lehre in Frage zu stellen, von welcher er überzeugt wurde, sie stamme aus „Gottes einzigem legitimierten Kanal“? Dazu bringen nur wenige bringen den Mut auf, und sie lassen sich durch die Tyrannei der „theokratischen Autoritäten“ nicht einschüchtern, Behauptungen solcher Tragweite auf den Grund zu gehen.

Mitunter mag es sehr lange dauern, bis auch gesinnungstreue ZJ durch eigene Überlegungen vereinzelt dahinter kommen, dass weder die leitende Körperschaft noch ein Präsident der WTG auf eine übernatürliche Weise zum Verständnis um das höchst bedeutungsvolle Geschehen im Jahre 1914 gekommen sein können.

Doch brüstet sich die LK gerne bis heute damit, sie habe schon Jahrzehnte vor 1914 gewusst, was in jenem Jahre geschehen würde. Aber nichts von alledem war eingetroffen, sie hatten sich einfach als falsche Propheten erwiesen.

Attentat.001Doch in der ihm eigenen Spitzfindigkeit hatte dieser Lügenprophet schnell eine Erklärung parat, die ihm in Form der New Yorker Zeitung The World in ihrer Ausgabe vom 30. August 1914 sehr zupass kam: „Der Ausbruch des schrecklichen Krieges in Europa hat eine außergewöhnliche Prophezeiung erfüllt. Während der vergangenen 25 Jahre haben die ‚Internationalen Bibelforscher’ durch ihre Prediger und durch die Presse der Welt verkündet, dass der Tag der Rache, der in der Bibel prophezeit worden ist, im Jahre 1914 anbrechen werde. ‚Blickt nach dem Jahre 1914 aus!’, ist der Ruf … der Evangelisten gewesen.“

Ungeachtet dessen, dass ein von JZ beeinflusster Journalist den Ausbruch des Krieges mit dem Anbruch des „Tags der Rache“ verwechselt hatte, wurde man nicht müde, auch die folgenden Jahrzehnte immer wieder auf diese Meldung zu verweisen.

Die damaligen Ernsten Bibelforscher hatten für 1914 ja nicht den Ausbruch des schrecklichen Krieges prophezeit, sondern sie weissagten über 25 Jahre hinweg, dass der „Tag der Rache“ im Jahre 1914 anbrechen werde! Das ist ein bedeutender Unterschied, und damit eindeutig falsche Prophetie. Dieser Tag sollte nach Auffassung der ZJ mit der großen Not (Einh.) oder Schreckenszeit (GN) identisch sein, wie sie die Menschheit noch nie erlebt hatte und noch wieder erleben würde – nachzulesen in Matthäus 24:21.

Zunächst hatten JZ all die Ereignisse, die uns noch bevorstehen, auf das Jahr 1914 und die wenigen Folgejahre projiziert und sie als bereits erfüllte Prophezeiung verstanden. Die Überzeugung der meisten ZJ hat sich in dieser Hinsicht aber grundlegend geändert, und so glaubt heute kaum noch jemand, dass Gottes „Tag der Rache“ im Jahre 1914 angebrochen sei. Die von Jesus prophezeite „große Drangsal“, die „Schreckenszeit“ oder „Gottes Tag der Rache“ gehören zu den ganz wenigen prophetischen Ereignissen, die sich auch für die ZJ noch nicht erfüllt haben.

 Beginn der „großen Drangsal“ 1914?

Bis zum Jahre 1969 hatte man noch geglaubt, die „große Drangsal“ habe 1914 begonnen,  sei aber 1918 abgekürzt worden, wobei Harmagedon oder der Schlussteil der großen Drangsal noch ausstehe. Wer sich jedoch in den letzten 20 Jahren taufen ließ, dürfte darüber wohl kaum etwas wissen. Es handelte sich damals ja nicht um einen versehentlichen Irrtum, es war einfach die perfekte Menschenverdummung. Dieses Dogma, das der einst vom „Geist Gottes geleitete treue und verständige Sklave“ im Brustton der Überzeugung voll Stolz in die Welt hinausposaunt hatte, musste er 1969 schließlich ziemlich kleinlaut wieder zurücknehmen, um dieses erloschene Licht der vermeintlich so genannten Erkenntnis wieder durch ein anderes „neues Licht“ zu ersetzen. Das ewige Licht darf ja – ähnlich wie in der katholischen Kirche – hier nie ganz ausgehen.

Nun sollte man doch meinen, dass den ZJ das Zitat aus „The World“ vom 30.8.1914 mehr zur Schande als zur Ehre gereichte. Dennoch wurde es im Wachtturm vom 1.11.71 bereits wieder erwähnt, und zwar mit folgendem Kommentar: „Wieso wussten Jehovas Zeugen so lange im voraus, was führende Männer der Welt nicht einmal wussten? Sie wussten es nur, weil Gottes heiliger Geist ihnen diese prophetischen Wahrheiten kundgetan hatte.“

Diese Aussage ist eine klare Lästerung des Heiligen Geistes und eine Diffamierung Gottes. Man prophezeit in seinem Namen Ereignisse, die nicht eintreten und stellt ihn so als falschen Propheten bloß. Das konnte nur aus der einen unreinen Quelle, dem Teufel selbst, stammen. Mit dem Märchen, Christi Inthronisierung habe unsichtbar im Himmel stattgefunden, unterstrich dieser Unhold noch seine unverschämte Dreistigkeit! Sie äußerte sich auch in der unglaublichen Gleichsetzung des 1. Weltkrieges mit der unsichtbaren Aufrichtung des Königreiches und der zeitgleichen Verbannung Satans samt seiner Engel auf die Erde. Man machte die Bibelforscher glauben, der Kriegsausbruch sei sichtbarer Ausdruck seines Zornes gewesen, da er nun wusste, wie wenig Zeit ihm bis zum Schlussgericht noch verbleiben würde. Man bewundere nur des Teufels schlaue Wendigkeit, die er mit jedem „neuen Licht“ unter Beweis stellt und die Zeugen damit auf einzigartige Weise irreführt.

Bei aller überbordenden Euphorie um das aufgerichtete Königreich im Jahre 1914 blieb bei den Zeugen doch ein Wehrmutstropfen im Becher des großen Glücks zurück und wurde zusehends bitterer: Die tausendjährige Friedenszeit, die nach einer „abgekürzten großen Drangsal“ kurz nach 1918 beginnen sollte, wollte sich einfach nicht einstellen. Stattdessen brach kaum 20 Jahre später der noch größere 2. Weltkrieg aus. Wer war nun für diesen unsäglichen Irrtum verantwortlich, für dessen Korrektur man im WT bedenkenlos den Euphemismus „Klarstellung“ gebrauchte? Etwa auch der Heilige Geist? Aber Selbstverständlich! So lesen wir wenig erstaunt im WT vom 1.7.79:

„Jede Klarstellung eines Gesichtspunktes verdanken wir der Wirksamkeit seines heiligen Geistes oder seiner wirksamen Kraft. Dieser Geist ‚erforscht… die tiefen Dinge Gottes’.“ (1. Kor. 2:10) Peinlich nur, wenn sich die „tiefen Dinge Gottes“ als satanische List im Ersinnen von Irrtum erweisen. In diesem Fall gilt die einfache Regel: Was prophezeit wurde und nicht eintrifft, stammt nicht von Gott.

Zweifel über die wahre Bedeutung des Jahres 1914?

Das große Problem liegt in einer geistigen Fehlkonstruktion falsch zusammengesetzter Teilwahrheiten und biblischer Textfragmente, die sich im Sinn der Verkündiger wie ein böser Bazillus festgesetzt hat. Ständige Infiltration führt letztlich dazu, dass sich im Kopf eine geistige Eiterfistel etabliert, gegen deren Entfernung sich der Betroffene in aller Regel heftig wehrt, da er schon ahnt, wie weh das tun könnte. Er will es einfach nicht wahrhaben, dass er einem üblen Betrug zum Opfer gefallen sein sollte und ist daher selbst mit schlagenden Argumenten nicht mehr zu erreichen.

Da die Lehre um das Jahr 1914 die Basis der Zeugenchronologie darstellt, käme die Aufgabe dieses Dogmas freilich einer Selbstdemontage gleich. Die totalitäre Organisationsstruktur, die Härte, die Unmenschlichkeit gegenüber andersdenkenden Brüdern und das arrogante Elitedenken gegenüber anderen Christen wurzeln tief in dieser falschen Lehre. Dennoch lassen sich die Lehrkonstrukte dieser Fehlkonstruktion Punkt für Punkt widerlegen. Dazu bedarf es allerdings eines möglichst unvoreingenommenen und angstfreien Umgangs mit Kritik, was nicht eben zu den Stärken der Zeugen gehört.

Als Beispiel für den verkrampften Umgang mit Kritik möchten wir einen ZJ anführen, der im Jahre 2000 als Ältester entbunden wurde, nachdem er 40 Jahre lang in den verschiedensten Aufgabenbereichen treu, wenn auch in den letzten Jahren nicht mehr rückhaltlos, mit der Organisation zusammengearbeitet hatte. Der Grund: Er äußerte Bedenken und konnte nicht mehr an den „Quatsch von 1914“ glauben. Wir zitieren auszugsweise aus seiner zehnseitigen Erklärung, die er an seine Mitältesten gerichtet hatte.

Der klärende Abschiedsbrief an seine Mitältesten

… „‚Warum daraus ein Problem machen?‘, würde so mancher ZJ fragen, der nicht verstanden hat, welch großes Problem die Organisation mit dem Dogma über das Jahr 1914 geschaffen hat. Früher hat mich mein fast grenzenloses Vertrauen zur Organisation veranlasst, die Lehre über die Bedeutung des Jahres 1914 für eine biblische und somit wahre Lehre zu halten. Seit vielen Jahren bin ich aber durch gebetsvolles Bibelstudium  immer mehr davon überzeugt worden, dass diese Lehre falsch ist und der Bibel widerspricht.

 Gerne würde ich der Organisation glauben, dass sie in dieser Sache das Richtige lehrt. Aber ihre Bibelauslegung bzw. gehirnakrobatischen Gedankensprünge, die sie als Beweis anzubieten hat, finde ich nicht überzeugend. Und je mehr wir uns von dem Jahre 1914 entfernen, desto überzeugter bin ich, dass unser König nicht 1914 König wurde. Nun wäre das – wie bereits gesagt – kein Problem für mich, wenn die Organisation dieses Dogma nicht zu einer grundlegenden biblischen Lehre erklärt hätte und darüber hinaus jeden ZJ, der das nicht glaubt, als „abtrünnig“, „gesetzlos“, „ungerecht“, „gottlos“ u.a.m. bezeichnet. Das sind für jeden ZJ, der meine Zweifel teilt (und das sind nicht wenige), schwere Schläge. Diese Brüder und Schwestern werden mit den schlimmsten Schimpfworten, die es für gläubige Christen gibt, von der Organisation geprügelt, nur weil sie einige Erklärungen in unserer Literatur unlogisch und nicht überzeugend finden.“

In diesem Brief benannte der Älteste das Hauptübel der ZJ-Organisation ohne Umschweife beim Namen: „Die Eiterbeule 1914 – wann wird sie platzen?“

Manche meinen, ein Geschwür müsse erst ausreifen, bevor man es öffnen könne, was sehr schmerzhaft sei und zudem übel riechen könne. Andere wiederum denken, dass die Eiterbeule schon überreif und bereits offen sei, da es schon längere Zeit übel rieche.

Einem Mitglied der LK gehen die Augen auf

 Worte aus dem Munde des „treuen und verständigen Sklaven“ dürfen nicht angezweifelt werden. Ihre Aussagen zu hinterfragen, wäre nicht nur überflüssig, sondern respektlos und würde schon an Gotteslästerung grenzen.

Mit dieser Haltung diente auch Raymond Franz als Missionar und Zweigaufseher in mehreren Ländern. Mitte der sechziger Jahre wurde er dann in die Weltzentrale gerufen und erhielt den Auftrag, das biblische Nachschlagewerk „Hilfe zum Verständnis der Bibel“ auszuarbeiten, woraus später unser Bibellexikon „Einsichten über die Heilige Schrift“ hervorging.

Anfang der siebziger Jahre wurde er zum Mitglied der LK ernannt. Nach fünfzehn Jahren der Tätigkeit in der Weltzentrale, allein neun Jahre davon mitten im „Allerheiligsten“, verlässt er das „Haus Gottes“ oder „Bethel“ und resümiert: „Mehr als allem anderen habe ich es wohl diesem Umstand zu verdanken, dass ich mit Realitäten konfrontiert wurde, mit denen ich nie und nimmer gerechnet hatte.“ – „Der Gewissenskonflikt“, S. 34

Wenn die ZJ auf diese Informationen verzichten, tun sie es natürlich nicht freiwillig. Die LK fürchtet sich einfach vor der für sie höchst unangenehmen Beantwortung der vielen ungestellten Fragen, mit welchen sie irgendwann noch konfrontiert werden wird und verbietet ihren Gläubigen vorerst einfach den Mund: Respektlos sei es gegen den Heiligen Geist, ungehörig gegenüber Jehova, irgend etwas an der Speise des Sklaven in Frage zu stellen oder zu bekritteln. Man erinnert mahnend an die Rotte Korah und die Folgen ihrer Auflehnung gegen Moses und Aaron. Die LK ist eben nicht daran interessiert Ihre Lehren zur Disposition zu stellen, sondern lässt ihre Schützlinge weiterhin im Dunkeln, fördert es doch den geheimnisumwitterten Nimbus, der diesen religiösen Machtapparat umgibt. Es ist dasselbe Konzept wie in der katholischen Kirche: Man halte die Menschen mit der Angst vor Repressalien klein, verweigere ihnen die Beantwortung drängender Fragen und tröste sie mit dem Versprechen auf göttliche Belohnung im jenseitigen Paradies. Fantasievolle Wunschbilder von Gott und seinem Stellvertreter bzw. den stellvertretenden Männern der LK sind erwünscht und halten die Gläubigen untertan.

Es geht hier doch ausschließlich um die Wahrheit, um nicht mehr, aber auch nicht weniger. Da ist jede falsche Rücksichtnahme ein Zugeständnis an die Lüge und leistet unwahren Geschichten und ihren Unterstützern nur Vorschub.

Wir können Raymond Franz für seine Offenheit, die unsere falschen Illusionen entlarven und uns helfen die LK realistisch zu sehen, daher nur dankbar sein. Wir fragen uns nur, ob denn in den Reihen der LK in neuerer Zeit weiterhin Zweifel über die Lehre um das Jahr 1914 bestanden.

Vizepräsident Lloyd Barry war einmal wegen der diesbezüglichen Unsicherheit innerhalb der LK sehr besorgt. In der Sitzung vom 19. Februar 1975 äußerte der damalige Präsident, Nathan H. Knorr, nicht etwa in einer privaten Unterhaltung, sondern in einer offiziellen Sitzung, vor allen Mitgliedern der LK  ganz offen seine Bedenken über 1914:

„Bei manchen Dingen bin ich mir sicher: Ich weiß, dass Jehova unser Gott ist, dass Christus Jesus sein Sohn ist, dass Jesus sein Leben als ein Lösegeld für uns gab, dass es eine Auferstehung für uns gibt. Bei anderen Dingen bin ich mir nicht so sicher. Zum Beispiel bei 1914. Davon reden wir schon sehr lange.“ – „Der Gewissenskonflikt“ von Raymond Franz, S. 209

Nach einer „großen Debatte darüber, ob es ratsam sei, das Jahr 1914 weiterhin so herauszustellen“, fährt R. Franz in seinem Buch fort, „wurde vorgeschlagen, wir sollten wenigstens nicht mehr so auf dem Datum ‚herumreiten’. Soweit ich mich entsinne, war es Karl Klein, der uns an die bisweilen übliche Methode erinnerte, eine bestimmte Lehre einfach eine Zeitlang nicht mehr zu erwähnen; dann erregt es nicht mehr so großes Aufsehen, wenn eine Änderung kommt. Es ist beachtlich, dass das Schreibkomitee einstimmig beschloss, in Bezug auf 1914 im wesentlichen genau nach diesem Muster zu verfahren. Der Beschluss hatte allerdings keinen langen Bestand, da in der Vollsitzung der leitenden Körperschaft am 14. November 1979 klar wurde, dass die Mehrheit das Datum weiterhin wie gehabt betont sehen wollte.“ 

„Was mich vielleicht am meisten beunruhigte“, schreibt das ehemalige Mitglied der LK auf S. 209 weiter, „war das Bewusstsein, dass die Organisation einerseits von den Brüdern nachdrücklich verlangte, felsenfest an die Interpretationen zu glauben, während zugleich andererseits Männer in leitender Stellung bekannten, dass sie selber den Voraussagen im Zusammenhang mit dem Jahr 1914 kein volles Vertrauen schenkten.“ – Dieser Eiertanz beunruhigt uns nicht nur, sondern wir sind darüber geradezu empört.

Warum sich nichts ändert

Voraussichtlich wird die LK weiterhin auf Kollisionskurs mit der Wahrheit gehen und bis zur Wiederkunft Christi von diesem Krebsgeschwür 1914 nicht abweichen wollen. Ihr Gewissen ist längst gebrandmarkt und so abgestumpft, dass sie bedenkenlos über die fatalen Folgen für ihre weltweite Gläubigerschar hinwegsieht, wenn sie nur ihre Macht und ihren unheilvollen Einfluss weiter aufrechterhalten kann.

Das Jahr 1914 wäre ja längst als bedeutungsloses Datum im Dschungel der Zeugen-Geschichte untergegangen, hätte der Wachtturm vom 15.4.25 nicht das Dogma mit dem neuen Datum auf den Weg gebracht, Jesus Christus sei nicht schon seit 1874 als König unsichtbar gegenwärtig, wie man bis dahin glaubte, sondern eben erst seit 1914. Rutherford startete in einer Ansprache auf einem Kongress 1922 in Ohio den ersten Versuch, die himmlische Inthronisierung auf das Jahr 1914 zu verlegen. Merkwürdiger Weise wurde davon aber kaum Notiz genommen. Wie schwer sich das „neue Licht“ durchsetzte, beweist die Tatsache, dass bis zum Jahre 1930 kaum ein ZJ an 1914 dachte, wenn er etwas vom Anfang der „Zeit des Endes“ oder vom Beginn der „Gegenwart Christi“ hörte. (Siehe Kap. 2, S. 44)

Wer nie ein ZJ war, wird nicht verstehen, warum wir dieser „Eiterbeule 1914“ so viel Zeit und Aufmerksamkeit widmen. Selbst für manchen oberflächlich denkenden ZJ wäre dieses Thema einfach zu unbedeutend. Wäre sie für den Fortbestand der LK ebenso unerheblich, hätte sie sich von diesem Dogma schon längst getrennt. Das kann und will sie aber nicht, und so ist sie in ihrer eigenen Ideologie gefangen. Das Äußerste, was sie mit der Allzweckwaffe „neues Licht“ noch tun kann, sind anstehende Korrekturen, wie etwa das Zwei-Generationen-Problem, da sich das alte Verständnis wegen der fortgeschrittenen Zeit selbst für das einfachste Gemüt allmählich als unhaltbar darstellte.

Was hat 1914 mit der Macht der LK zu tun?

Das so auffällig häufig strapazierte Gleichnis Jesu vom treuen und vom bösen Knecht spielt in der WTG-Literatur eine überragende Schlüsselposition sowohl für die Selbstidentifikation als auch für die eigenmächtig vorgenommene Legitimation. Der zugrunde liegende Text in Matthäus 24:45-47 lautet:

„Wer ist in Wirklichkeit der treue und verständige Sklave, den sein Herr über seine Hausknechte gesetzt hat, um ihnen ihre Speise zur rechten Zeit zu geben? Glücklich ist jener Sklave, wenn ihn sein Herr bei der Ankunft [Gr.: elthon] so tuend findet. Wahrlich ich sage euch: Er wird ihn über seine ganze Habe setzen.“ 

Das ist einer von vielen Texten in den Evangelien, in denen Jesus Christus seine Wiederkunft beschreibt und zeigt, wie er dann seine treuen Nachfolger im Himmel mit großen, verantwortungsvollen Aufgaben belohnt. Da Jesu langerwartete „Ankunft“ angeblich 1914 stattfand, hätte unmittelbar danach auch die Belohnung in Form königlicher Würden erfolgen müssen. Das blieb aber aus, was nicht weiter verwunderlich ist, denn die hat sich der Herr der Herren für jene Zeit seines Kommens vorbehalten, wie er es im Kapitel 24, im Vers 30 mit folgenden Worten beschreibt:

„Und dann wird das Zeichen des Menschensohnes im Himmel erscheinen, und dann werden sich alle Stämme der Erde wehklagend schlagen, und sie werden den Menschensohn mit Macht und großer Herrlichkeit auf den Wolken des Himmels kommen sehen.“ Auf dieses Kommen des Herrn warten selbst JZ noch heute, obwohl das im Vers 45 erwähnte Kommen doch bereits 1914 stattgefunden haben soll!

Für jeden logisch denkenden Christen ist in den Versen 30 und 45 bis 47 von ein und derselben Ankunft, vom selben Kommen Jesu die Rede. JZ behaupten aber das Gegenteil, einzig deshalb, weil Rutherford es so und nicht anders verstehen wollte. Und so ist sein Wille selbst heute noch Gesetz, obwohl es jeder Logik zuwiderläuft.

Wenn der Präsident der WTG erfinderisch genug war, die Inthronisierung Jesu als König und die Aufrichtung des Königreiches Gottes im Jahre 1914 stattfinden zu lassen, dann wird er auch genug Fantasie gehabt haben, die Belohnung für alle seine treuen Nachfolger zu erfinden. Worin bestand sie, und wann fand sie statt? Rutherford setzte als Zeitpunkt 1918 fest, der später aus taktischen Gründen auf 1919 verlegt wurde. In diesem Jahre wurden alle treuen und verständigen Nachfolger Jesu, alle wiedergeborenen oder mit dem heiligen Geist gesalbten Christen von ihrem Herrn mit „Macht und Herrlichkeit“ belohnt, indem der König der Könige, dem alles gehört, seinen eigenen Worten gemäß jeden von ihnen „über seine ganze Habe setzte.“  (Matth.24:47)

Über des Herrn „ganze Habe“ oder „ganzes Vermögen“ oder  „über all seine Güter“, wie unterschiedliche Übersetzungen es wiedergeben, gesetzt zu werden bedeutet, mit Verantwortung verbundene „große Macht und Herrlichkeit“ zu empfangen. Konform mit vielen sinnverwandten Bibelstellen wird hier ausgesagt, dass der „König der Könige und Herr aller Herren“ seinen Königsthron mit ihnen teilt und sie mit ihm über die ganze Welt herrschen lässt. Sie, die „Heiligen“, „werden die Welt“ und sogar  „die Engel richten“ (1.Korinther 6:2, 3). Geschieht das seit 1914 oder 1919? Zum Teil, wie Zeugen gelehrt werden. Der Ausbruch des 1. Weltkrieges und was sonst noch alles seit dieser Zeit auf der Erde geschieht, gilt, kurz zusammengefasst, für JZ als „unwiderlegbarer Beweis“ dafür, dass sich von 1914 bis 1919 folgende Prophezeiungen erfüllt haben sollen:

Falsche Lehren, die sich um das Jahr 1914 ranken

  1. Die Gegenwart Jesu Christi oder die „Parusia“ fand 1914 statt, und Gottes Königreich wurde im Himmel aufgerichtet. Auf der Erde begannen die „letzten Tage“ bzw. der „Tag des Herrn“.
  1. Der Teufel und die Dämonen wurden aus dem Himmel auf die Erde geworfen. (Offenbarung 12:7-9)
  1. Die „erste Auferstehung“ zu himmlischem Leben fand 1918 statt, und der noch lebende „Überrest“ folgt ihnen unmittelbar nach ihrem Tod. (Die in 1. Thessalonicher 4:15-17 beschriebene, von allen Christen lang ersehnte „Entrückung“ wurde von Rutherford abgeschafft und durch die 1. Auferstehung ersetzt bzw. ihr gleichgestellt.)
  1. Nachdem der Herr 1914 in Erfüllung von Maleachi Kapitel 3 „zu seinem (geistigen) Tempel kam“, wurde der noch lebende „Überrest“ der „Heiligen“ oder „Gesalbten“, also der geistige Tempel, geprüft, geläutert und gereinigt. Dieser Prozess soll 42 Monate oder 1260 Tage gedauert haben (Offenbarung Kap. 11 und 12) und fand seinen krönenden Abschluss mit dem unter Punkt 5 angeführten Ereignis.
  1. Der Überrest der Heiligen alias „der treue und verständige Sklave“, wurde für würdig befunden, über des Herrn ganze Habe gesetzt zu werden. (Matthäus 24:47) Gemäß Joel 2:28, 29 wurde der Heilige Geist auf sie ausgegossen. Damit wurde ihnen gleichsam die Generalvollmacht des „Königs der Könige“ übertragen und die Führung durch den heiligen Geist zugesichert. Seitdem leben alle ZJ in einem „geistigen Paradies“.

Diese Aufstellung ist unvollständig, und es würde ein Buch füllen, wollte man alles im Detail aufführen. Der Punkt 5 ist für die LK das wichtigste Dogma überhaupt und erklärt, weshalb sie sich als Gottes rechte und linke Hand begreift, obwohl sie es so direkt nicht sagt. Leider mangelt es der LK aber auch nicht an einem gerüttelt Maß an überzogenem Selbstbewusstsein, wenn sie mit ihren Erkenntnissen an ihre Zeugen herantritt: Wenn die LK ihren Finger erhebt, ist es der Finger Gottes, und wenn sie ihre Hände ausstreckt, sind es die beiden Hände Jehovas. So werden Tradition und Erbe Rutherfords fortgeführt, an welchen die LK Gefallen gefunden hat. Wer das nicht anerkennen will, wird als gefährlicher Defätist abgestraft.

Aus einem Punkt erwächst der nächste, und alles zusammen bildet eine billige Kette unechter Perlen. Fällt Punkt 1, purzeln auch alle anderen. Die Lehre über 1914 aufzugeben, würde eine noch größere Eiterbeule zum Platzen bringen, und die heißt 1919.  Die LK weiß sehr wohl, welches Übel 1914 für JZ bedeutet. Wenn sie wollte, könnte sie uns über Nacht von diesem Krebsgeschwür befreien. Da sich ihre Macht aber auf dieses Übel gründet, käme eine solche Befreiung einer Selbstauflösung gleich.

Bis zur Wiederkunft Christi werden wir eben weiterhin mit dem Evangelium und den Briefen der Apostel Vorlieb nehmen müssen, da es zum geschriebenen Wort Gottes keine Alternative gibt. Wer glaubt, auf andere Quellen zurückgreifen zu können, ist ein Betrüger oder ein Betrogener, kurzum ein betrogener Betrüger. Die Bibelauslegung der LK, mit der sie die „epochalen“ Ereignisse von 1914 oder die „weltbewegende“ Begebenheit von 1919 stützen will, ist nichts weiter als Betrug und Hochstapelei.

Mit der Veröffentlichung des neuen Buches „Gottes Königreich regiert“ zeigt der treue und verständige Sklave mehr als deutlich, dass er weder bereit noch in der Lage ist dieses Krebsgeschwür zu beseitigen. „Wie real ist das Königreich für dich?

Unsere Überzeugung und Antwort lautet: Es ist für uns so real wie gewiss, dass uns dieses Königreich noch bevorsteht und für die Menschheit wunderbare Segnungen mit sich bringen wird, wenn Christus erst zu regieren beginnen wird.

Eine zunehmend größer werdende Schar von Brüdern erkennt indes, dass es sich bei dieser scheinbar seit 100 Jahren bestehenden Königreichsregierung um ein reines Fantasiegebilde, eine schillernde Fata Morgana handelt. So warten mittlerweile auch sie auf „die Stadt, die wahre Grundlagen hat, deren Bildner und Erbauer Gott ist.“ – Heb. 11:10 NWÜ

 

Mag ich nicht (0)

9 Kommentare zu “Das Krebsgeschwür 1914

  1. StillesWasser

    607 oder 587 v.Chr. ?
    Die in diesem Video gemachte Erklärung hat mir sehr gut gefallen. Es wird anhand der WTG-Literatur bewiesen, dass die Zerstörung Jerusalems richtigerweise auf das Jahr 587 v. Chr. zu datieren ist. Die Erklärungen sind einfach, verständlich und für jeden nachprüfbar. Ich finde, das Video hat mehr Klicks verdient, daher möchte ich es hier verlinken: https://youtu.be/s3i8k8Swyak

    Viele Grüße an alle!
    StillesWasser

  2. 808080

    @alle

    Hallo

    Ich hab da mal wieder was gelesen und 2 Fragen. Anhang"Was lehrt" Buch, S.216: Luk.21:24 ist in dieser Darlegung die Grundlage für das Verständnis, das zur Berechnung von 1914 führt. Jesus sagt, dass Jerusalem solange zertreten WERDEN WIRD bis die Zeiten der Nationen erfüllt sind. Das alles lag zu dem Zeitpunkt, 33u.Z., wie der Zusammenhang zeigt, in der Zukunft.Wie kommt man zu der Schlussfolgerung, dass dieses Zertreten Jerusalems bereits ca.600 früher, wie wir glauben sollen 607v.u.Z., stattgefunden haben soll? Und wo findet man auch nur den geringsten Hinweis, dass das in Daniel 4 erwähnte Gleichnis von dem großen Baum noch eine 2. Erfüllung haben soll? Dan.4:20-22 sind bezüglich der Deutung des Traums doch recht eindeutig, finde ich.

    1. bruderinfo1

      Hallo 808080,

      kurz gesagt gibt es keinerlei biblischen oder logischen Grund, weder für ein 2. Erfüllung von Daniel 4, die gibt es übrigens nie in der Bibel, noch für Luk 21.

      Du hast vor allem Lukas 21 richtig erkannt. Was nützt das endlose 130 jährige forschen in der Bibel und das rumdrehen und 3fach beleuchten jedes Wortes, wenn man die einfachsten Aussagen verdrehet und umdeutet? Da wird Bibelforschung schizophren. Die WTG sieht schon lange vor lauter Wald die Bäume nicht mehr. Sie haben sich ihrem selbstgebastelten Lehrkonstrukt unheilbar verstrickt.

      Lg
      Bruderinfo1

      1. Argentum an Bruderinfo1

        Lieber Bruderinfo 1,

        "kurz gesagt gibt es keinerlei biblischen oder logischen Grund, weder für ein 2. Erfüllung von Daniel 4, die gibt es übrigens nie in der Bibel, noch für Luk 21."

        So einfach kann es aber dann doch nicht sein!
        Was ist mit Lukas 21: 25-28?

        " »An Sonne, Mond und Sternen werden Zeichen zu sehen sein, und die Völker auf der Erde werden in Angst und Schrecken geraten und weder aus noch ein wissen vor den tobenden Wellen des Meeres. 26 Die Menschen werden vergehen14 vor Angst und vor banger Erwartung dessen, was noch alles über die Erde kommen wird; denn sogar ›die Kräfte des Himmels werden aus dem Gleichgewicht geraten‹15. 27 Und dann werden sie den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf16 einer Wolke kommen sehen.17 28 Wenn diese Dinge zu geschehen beginnen, richtet euch auf und fasst Mut18, denn dann ist eure Erlösung nahe."

        Liebe Grüße
        Argrntum

        1. bruderinfo1

          Lieber Argentum,

          zu diesem Text kann ich keinen Widerspruch mit meiner Aussage erkennen.

          Lg
          Bruderinfo1

        2. Argentum an bruderinfo1

          Lieber Bruderinfo1,

          so wie ich Sich verstanden habe, gehst Du nicht von einer zweiten Erfüllung von Lukas 21 aus.
          Die von mir zitierten Zeilen geben aber ein Szenario wieder, das so in der damaligen Zeit noch nicht stattgefunden hat. Daher mein Einwand.

          Liebe Grüße
          Argentum

  3. Micha

    19-14

    Neunzehnvierzehn wunderbar
    für die Welt die Zeit wird rar,
    Christus soll gekommen sein,
    zu nehmen seine Stellung ein.

    Menschen konnten es nicht sehn
    was im Himmel sollt geschehn,
    nur die hoch im Wachtturm sitzen
    und alles, ja fast alles wissen,
    die behaupten ungefragt
    was die Bibel gar nicht sagt.

    War es nun die Zeit vorm Ende,
    der erhofften Weltenwende,
    war es Lüge oder wahr-
    jedenfalls wars unsichtbar.

    Mit "unsichtbar" und "neuem Licht"
    man immer aus dem Schneider ist.
    Was die so aus der Wahrheit machen,
    darüber selbst die Hühner lachen.

    Ein Jahr verging so hundert mal,
    wo bleibt sie nur die Großdrangsal?
    Drum dämmert vielen jetzt die Frage:
    Spielt der Wachtturm falsche Waage?

    Die Moral von der Geschicht:
    Vertrau so schnell dem Sklaven nicht!
    Sein Geschwätz vom nahen Ende
    war am Ende eine Ente.

    1. Anna

      Lieber Micha,

      vielen Dank für das Gedicht 🙂

      Herzliche Grüße aus dem Schneestrum Anna

      1. Micha

        Liebe Anna
        Auch ich danke Dir für Deine vielen guten Kommentare. Eigentlich wollte ich Dir über den Chat auf der Hauptseite danken, weiß aber nicht wie das geht. Bin in Computing noch sehr unerfahren. Gruß aus z.Z. winterlichen Bergen Micha

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